MDMA, umgangssprachlich auch als „Ecstasy“ oder „Molly“ bekannt, ist eine synthetische psychoaktive Droge, die in verschiedenen sozialen Szenen aufgrund ihrer Fähigkeit, Gefühle der Euphorie, der emotionalen Bindung und der gesteigerten Sinneswahrnehmung hervorzurufen, an Popularität gewonnen hat. Bei näherer Betrachtung ihrer pharmakologischen Wirkungen und der damit verbundenen Risiken ergibt sich jedoch ein beunruhigenderes Bild ihrer Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.
Einführung
MDMA (3,4-Methylendioxymethylamphetamin) ist ein synthetisches Psychostimulans, das in den 1970er-Jahren als Hilfsmittel in der Psychotherapie eingesetzt wurde, bevor es als Partydroge populär wurde. Es wirkt hauptsächlich durch die Freisetzung von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Gehirn, was zu euphorischen Gefühlen, erhöhter Energie und gesteigerter Empathie führt. Die Droge ist in der Technoszene weit verbreitet, da sie wachhält und das Durchhaltevermögen steigert.
Wirkmechanismus von MDMA
MDMA ähnelt in seiner chemischen Struktur der Ausgangssubstanz Amphetamin. Amphetamine sind wie Ecstasy bekannt für ihre aufputschende Wirkung. MDMA fördert vor allem die Freisetzung des Neurotransmitters Serotonin. Neurotransmitter sind für die Reizweiterleitung im Nervensystem zuständig. Serotonin, im Volksmund auch als „Glückshormon“ bezeichnet, beeinflusst unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Stimmung, die Gefühle und die Körpertemperatur. Es wirkt aber auch auf andere Botenstoffe, wie zum Beispiel Noradrenalin und Dopamin. Noradrenalin wiederum erhöht zum Beispiel die Herzfrequenz.
MDMA durchdringt leicht die Blut-Hirn-Schranke und flutet etwa 30 Minuten nach der Einnahme ins zentrale Nervensystem. Im zentralen Nervensystem führt MDMA zur Freisetzung von Botenstoffen aus den Nervenzellendigungen in den synaptischen Spalt, hauptsächlich von Serotonin, aber auch Noradrenalin und Dopamin. Dies geschieht im Gegensatz zu anderen psychoaktiven Substanzen auch ohne vorangegangenen Nervenimpuls. Zusätzlich zur Freisetzung blockiert MDMA die Wiederaufnahme der ausgeschütteten Botenstoffe in die Zelle und reduziert die für die Wiederaufnahme verantwortlichen Transportstrukturen. So kommt es innerhalb der Zellen zu einem starken Serotoninmangel.
MDMA, insbesondere Dextro-MDMA, wirkt im Zentralnervensystem als Releaser (Ausschütter) der endogenen Monoamin-Transmitter Serotonin und Noradrenalin, und mit etwas schwächerer Wirkung auch Dopamin, was zu einem unüblich erhöhten Spiegel dieser Botenstoffe im Gehirn führt. Diese Transmitter prägen entscheidend die Stimmungslage des Menschen.
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Die Geschichte von MDMA
Bereits 1912 stellte ein Chemiker MDMA für ein deutsches Pharmaunternehmen her, als er an einem Medikament zur Blutstillung forschte. Es diente der Firma allerdings nur als Zwischenprodukt. Die Substanz MDMA selbst ist - anders als beispielsweise die als Designerdrogen missbrauchten Medikamente Tilidin oder Ketamin - nicht als Arzneimittel vermarktet worden. Lediglich in den 1970er-Jahren haben einige US-Mediziner und -Medizinerinnen MDMA experimentell in der psychiatrischen Therapie eingesetzt. Heute besteht in Fachkreisen Einigkeit darin, dass MDMA keinen therapeutischen Nutzen hat.
In den 1960er-Jahren arbeitete der Chemiker Alexander Shulgin beim amerikanischen Konzern Dow Chemicals mit psychoaktiven Substanzen. Er gilt als erster Mensch, der MDMA einnahm und in der Folge für die Verbreitung als Droge und Therapeutikum verantwortlich war. MDMA wurde in den nachfolgenden Jahren von einigen Psychotherapeuten in ihrer Praxis benutzt bis zum Verbot durch die Drug Enforcement Administration (DEA) im Juli 1985. Bis Mitte der 1980er-Jahre war MDMA uneingeschränkt verkehrsfähig. Die Verwendung als Rauschdroge (recreational drug) wurde zuerst in einigen trendigen Yuppiebars in Dallas beobachtet, es kam dann in die schwule Tanzszene und schließlich in die Raveclubs. Parallel zur wachsenden Popularität der Ravekultur wuchs seine Verbreitung in den 1990er-Jahren stark an und MDMA durchdrang weite Bereiche der Gesellschaft.
Formen und Konsummethoden von MDMA
Ecstasy bzw. der unter anderem enthaltene Wirkstoff MDMA werden üblicherweise in Tablettenform angeboten. Ecstasytabletten werden in der Szene häufig als "E"s, Pillen, Teile, Murmeln, Runde, Dinger bezeichnet. Als Erkennungszeichen weisen die Tabletten unterschiedliche Farben und Prägungen auf.
Manchmal wird MDMA auch als Pulver geschnupft; in Pulverform wird die Droge meist „Molly“ genannt. Sehr selten wird es gespritzt. Eine neuere Entwicklung sind Ecstasy-Kristalle („Emma“ oder „Cadillac“), von denen sich Konsumierende eine besondere „Reinheit“ versprechen.
MDMA kann auch in Getränken gelöst oder geschnupft werden. Oft ist das Ecstasy mit anderen Substanzen gestreckt.
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Dosierung und Wirkung
Die übliche Dosis liegt bei etwa 80 bis 150 Milligramm. Die Wirkung setzt etwa 30 bis 45 Minuten nach der Einnahme ein. Das Herz schlägt schneller, Blutdruck und Körpertemperatur steigen. Gleichzeitig kommt es zu Euphorie, gesteigertem Selbstvertrauen und einem intensiven Mitteilungsbedürfnis. Die körperliche Leistungsfähigkeit steigt, weshalb Ecstasy-Konsumenten auf Partys häufig ausdauernd tanzen. Es kann zu veränderter Wahrnehmung von Tönen und Farben, bei sehr hohen Dosen auch zu leichten Halluzinationen kommen.
MDMA wirkt als so genanntes Entaktogen, das heißt, es lässt die eigenen Emotionen intensiver erscheinen. Das fördert die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich mit den eigenen Problemen zu beschäftigen, aber auch das Gefühl von Nähe zu anderen („Empathogen“). MDMA schränkt zugleich die Wahrnehmung von körperlichen Alarmsignalen wie Durst, Hunger, Müdigkeit und Schmerzen stark ein.
Erwünschte und unerwünschte Wirkungen
Erwünschte Effekte
- Wach hält
- Die Ausdauer steigert
- Die Sinneswahrnehmung schärft
- Die Sexualität stimuliert
- Das Wohlbefinden fördert
- Euphorisch macht
- Ein Gefühl der Nähe zu anderen Menschen entstehen lässt
Unerwünschte Nebenwirkungen
- Herzrasen
- Hoher Blutdruck
- Erhöhung der Körpertemperatur
- Kreislaufkollaps
- Angstzustände
- Muskelverspannungen
- Verkrampfung der Kiefermuskulatur
- Zähneknirschen
- Ständige unruhige Bewegungen der Beine
Am Tag oder den Tagen nach dem Rausch kommen Symptome vor wie:
- Muskelschmerzen
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Schlafstörungen
- Depressive Verstimmung
Risiken und Gefahren von MDMA
Akute Risiken
Ecstasy täuscht dem Körper eine gesteigerte Leistungsfähigkeit vor. Der drogenbedingte Feiereifer kann fatale Folgen haben. Wenn Puls, Blutdruck und Körpertemperatur schon erhöht sind, ist ausdauerndes Tanzen zusätzlich gefährlich. Denn häufig wird zu wenig getrunken. Dehydrierung und Überhitzung können zum Kreislaufkollaps führen und in einigen Fällen sogar zum Tod.
Die höchste Gefahr liegt in Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlusten durch exzessive körperliche Betätigung wie zum Beispiel ausdauerndes Tanzen, die zu Körpertemperaturen über 41°C, zum Zusammenbruch und zum Tod führen können. Dies gilt besonders, wenn MDMA in Kombination mit Alkohol eingenommen wird. Menschen mit Herzschwäche, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Epilepsie und Grünem Star haben hierbei ein erhöhtes Risiko. Die Elektrolytverluste können zu epileptischen Anfällen führen. Da der Effekt durch Östrogen verstärkt wird, betrifft dies häufiger Frauen als Männer. Auch Herzrhythmusstörungen können auftreten. Es kann, wenn auch seltener, zu akutem Leberversagen kommen, zur Auflösung quergestreifter Muskelfasern oder zu einer Störung der Blutgerinnung mit Neigung zu Blutungen.
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Langzeitfolgen
MDMA erzeugt keine körperliche Abhängigkeit, aber der Körper gewöhnt sich bei regelmäßigem Konsum daran. Um dann noch Rauschzustände zu erreichen, sind immer höhere Dosierungen erforderlich, und die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit ist groß. Außerdem sind Schäden im Nervensystem und Gehirn möglich. Die Forschung legt nahe, dass die massive Serotoninausschüttung nicht nur akute psychotische Symptome wie Angstzustände, sondern auch Schäden an den Zellen verursacht, die das Serotonin freigesetzt haben. Wie schwerwiegend solche Schäden sein können, ist unklar, man vermutet aber, dass es zu einer schlechteren Lern- und Gedächtnisleistung kommt. Häufig sind auch Depressionen und Schlafstörungen - und das langanhaltend.
MDMA schädigt auch direkt Nervenzellen, die Serotonin als Botenstoff nutzen, indem es die Strukturen zur Wiederaufnahme von Serotonin verändert. In Tierexperimenten konnte gezeigt werden, dass sich durch MDMA geschädigte Nervenzellfortsätze im Hypothalamus und in der Amygdala teilweise regenerieren. Das geschah allerdings kaum im Hippocampus, einer Hirnregion, die für das Gedächtnis wichtig ist. Mehrere Studien, die das Gedächtnis untersuchten, wiesen bei MDMA-Konsumenten Störungen in der mittelfristigen Merkfähigkeit und der Lernleistung nach. Diese Beeinträchtigungen hingen mit der Dauer und der Häufigkeit des MDMA-Konsums zusammen. Allerdings könnten auch Gelegenheitskonsumenten davon betroffen sein.
Mischkonsum
Schon der Konsum von Ecstasy allein kann zu schweren Nebenwirkungen führen und das Risiko erhöht sich, wenn verschiedene Substanzen zusammen konsumiert werden. Denn was sich genau in einer Tablette befindet, wissen die Konsumierenden meist nicht. Bei illegal erworbenen Tabletten können auch andere Mittel enthalten sein: Medikamente, Streckmittel oder auch andere Drogen. Außerdem ist die Dosierung von MDMA unterschiedlich, teils gefährlich hoch. Die Wirkung ist also nicht vorhersehbar. Die meisten Todesfälle im Zusammenhang mit Ecstasy sind auf Mischkonsum zurückzuführen, wenn zum Beispiel Ecstasy mit Alkohol heruntergespült oder zur Beruhigung ein Joint geraucht wird.
Blue Punisher: Hochdosiertes Ecstasy mit erheblichen Risiken
Blue Punisher ist Ecstasy in seiner stärksten Variante. Fachleute warnen davor, denn je höher die MDMA-Konzentration, desto stärker wird nicht nur der Rausch, sondern desto höher ist auch das Risiko gefährlicher Nebenwirkungen.
Die Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) schätzt den typischen MDMA-Gehalt von Ecstasy-Produkten auf 140 bis 157 Milligramm. Schon 120 Milligramm MDMA gelten als hohe Dosis. Blue Punisher haben in der Regel einen MDMA-Gehalt von über 200 Milligramm und teilweise weit darüber - wobei man nie genau weiß, was drinsteckt. Zu trauriger Berühmtheit gelangte die Tablette in Deutschland nach einem tragischen Todesfall: Ein 13-jähriges Mädchen ist nach der Einnahme einer Blue-Punisher-Pille verstorben. In diesem Fall war die Wirkung des Blue Punisher so stark, dass sie unmittelbar zum Tod führte.
Was tun im Notfall?
Als Gegenmittel bei Angstzuständen und Krämpfen hilft Diazepam (Markenname Valium®) in niedriger Dosierung, bei Herzrasen darf keine Gabe von Sympathomimetika oder Betablocker erfolgen. Ansonsten sollten zuerst die "Hausmittel" ausgeschöpft werden: Die betroffene Person an die frische Luft bringen, viel Flüssigkeit verabreichen, wenn möglich Elektrolyte, (Trauben-)Zucker, Vitamin-B-Komplexe (Bierhefe) geben sowie eine Beruhigung durch persönliche Zuwendung erreichen.
Rechtliche Aspekte
MDMA und die meisten anderen bekannten Entaktogene sind in der Anlage 1 des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) aufgeführt. Das Führen eines Fahrzeugs unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen führt in der Regel zum Verlust des Führerscheins. Schon beim festgestellten Besitz wird die Fahreignung durch die Behörde in Frage gestellt. Die Fahrerlaubnisbehörde fordert dann Gutachten einschl. Drogenscreenings an.