Gefühle spielen eine zentrale Rolle bei vielen Entscheidungen, die wir im Leben treffen. Besonders das Phänomen der Verliebtheit kann zu einem regelrechten Gefühlschaos führen. Doch was steckt eigentlich hinter dieser Achterbahn der Emotionen? Die Antwort liegt im Gehirn, genauer gesagt, in der Wirkung von Neurotransmittern und Neurohormonen.
Neurotransmitter und Neurohormone: Botenstoffe der Gefühle
Neurotransmitter und Neurohormone sind Botenstoffe, die von Nervenzellen ausgeschüttet werden und unsere Gefühle maßgeblich beeinflussen. Der Hauptunterschied zwischen den beiden liegt in ihrer Reichweite:
- Neurotransmitter übertragen Signale auf kurzem Weg direkt zwischen den Nervenzellen.
- Neurohormone werden mit dem Blut transportiert und können so auch längere Strecken im Körper zurücklegen.
Beim Verliebtsein sind zahlreiche Hormone und Neurotransmitter beteiligt, darunter Dopamin, (Nor-)Adrenalin, Serotonin, Oxytocin und Vasopressin.
Die Phasen der Liebe: Ein hormonelles Zusammenspiel
Die Liebe ist ein komplexer Prozess, der sich in verschiedene Phasen einteilen lässt, die jeweils von einem spezifischen Zusammenspiel von Hormonen und Neurotransmittern geprägt sind.
1. Phase: Verliebtsein - Ein Ausnahmezustand
In der ersten Phase des Verliebtseins, die oft nur wenige Wochen dauert, befindet sich der Körper in einem Ausnahmezustand. Bereits das Sehen der geliebten Person kann das Belohnungszentrum (mesolimbisches System) im Gehirn aktivieren und zu einer Dopaminausschüttung führen. Dopamin ist eines der zentralen "Glückshormone", das uns euphorisch macht. Gleichzeitig wird der präfrontale Cortex, der für rationale Entscheidungsfindung zuständig ist, heruntergefahren. Wir sind gewissermaßen "blind vor Liebe".
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Weitere typische Merkmale dieser Phase sind:
- Erhöhte Dopamin- und Noradrenalinspiegel: Dies führt zu Euphorie, gesteigerter Energie, Fokus und Verlangen nach dem Partner.
- Niedriger Serotoninspiegel: Kann zu Angstzuständen, Verlustängsten und Eifersucht führen.
- Anstieg des Stresshormons Cortisol: Bereitet den Körper auf einen Ausnahmezustand vor.
- Veränderungen im Testosteronspiegel: Bei Männern sinkt er, bei Frauen steigt er, was zu einer Angleichung der Geschlechter führen kann.
Adrenalin und Noradrenalin "putschen" den Körper auf, sorgen für Herzrasen und Schweißausbrüche. Es entsteht ein positiver Stress, auch "Eustress" genannt, der kurzfristig sogar die Funktion des Immunsystems verbessert, den Körper aber auch anstrengt. Glücklicherweise dauert diese intensive Phase der Verliebtheit maximal ein Jahr.
2. Phase: Leidenschaftliche Liebe - Bindung und Vertrautheit
Nach der stürmischen Verliebtheitsphase folgt die leidenschaftliche Liebe, in der Bindung und Vertrautheit in den Vordergrund rücken. Die anfängliche Euphorie weicht einem Gefühl der Ruhe und Sicherheit, das vor allem durch das Hormon Oxytocin vermittelt wird. Auch Vasopressin spielt eine wichtige Rolle bei der Festigung der Bindung. Oxytocin ist das sogenannte Kuschelhormon und auch für eine langfristige Bindung zuständig. Diese Hormone sorgen für ein wohliges, vertrautes Gefühl gegenüber dem Partner und verstärken somit die langfristige Bindung eines Paares.
3. Phase: Kameradschaftliche Liebe - Vertrautheit und Geborgenheit
In der dritten Phase, der kameradschaftlichen Liebe, sorgen Oxytocin und Vasopressin für einen vertrauten, geborgenen Zustand anstelle einer hormonellen Achterbahnfahrt.
Die Bedeutung von Dopamin, Oxytocin und Vasopressin im Detail
Dopamin: Das "Glückshormon" der Verliebtheit
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der im Gehirn eine zentrale Rolle im Belohnungssystem spielt. Es wird ausgeschüttet, wenn wir positive Erfahrungen machen, wie zum Beispiel beim Essen, Trinken oder Sex. Auch beim Anblick der geliebten Person wird Dopamin freigesetzt, was zu einem Gefühl der Euphorie und des Verlangens führt. Dopamin verstärkt Gefühle von Euphorie, Fokus und Verlangen. Gerade bei Dates sorgt es für eine intensive emotionale Verbindung.
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Oxytocin: Das "Kuschelhormon" der Bindung
Oxytocin, auch als "Kuschelhormon" bekannt, spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Bindung und Vertrauen. Es wird vermehrt bei Körperkontakt, wie zum Beispiel beim Küssen oder Umarmen, ausgeschüttet. Oxytocin fördert Vertrauen und Nähe bei Frauen. Es erzeugt ein Gefühl von Ruhe und Sicherheit.
Vasopressin: Das "Treuehormon" der Partnerschaft
Vasopressin ist ein Hormon, das vor allem bei Männern eine wichtige Rolle bei der Festigung der Partnerschaft spielt. Es wird bei sexueller Erregung ausgeschüttet und stärkt die Bindung zum Partner. Vasopressin stärkt die Bindung bei Männern.
Geschlechterunterschiede in der Liebe
Obwohl die grundlegenden Mechanismen der Liebe bei Männern und Frauen ähnlich sind, gibt es auch einige wichtige Unterschiede. Frauen verlieben sich tendenziell schneller, da bei ihnen beim Kennenlernen und besonders beim Sex das Bindungshormon Oxytocin stark ansteigt. Männer hingegen benötigen mehr Zeit, da bei ihnen Vasopressin erst mit wachsendem Commitment und regelmäßiger Nähe aktiviert wird.
Liebe und Sucht: Eine überraschende Parallele
Die Liebesforschung hat eine überraschende Parallele zur Suchtforschung aufgedeckt: Sucht missbraucht die Mechanismen der Liebe. Bei der Suchtentwicklung findet auf molekularer Ebene derselbe Umbau unserer Belohnungszentren statt wie beim Entstehen einer Bindung. Auch der Entzug ist ähnlich, und bei Liebeskummer müssen wir wohl kläglich darauf warten, bis unser Hirn sich endlich entwöhnt hat.
Die dunklen Seiten der Liebe
Liebeshormone fördern auch sozialen Ausschluss, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Egoismus. Dies kann dadurch erklärt werden, dass der Liebesmechanismus auch unser Gefühl der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe vermittelt - was auch bedeutet, zu wissen und zu zeigen wer eben nicht dazu gehört.
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Wie bleibt man verliebt? Tipps für eine dauerhafte Beziehung
Verliebtsein ist eine intensive Reaktion, die mit der Zeit weniger wird. Es gibt jedoch einige Tipps, wie Sie Ihre Beziehung stärken und die Liebe lebendig erhalten können:
- Küsse und Zärtlichkeiten austauschen: Bei den liebevollen Berührungen sendet der Körper Botenstoffe aus, die für eine stärkere Bindung zwischen den Partnern sorgen und Stresshormone abbauen.
- Miteinander lachen: Ausgelassenes Lachen löst Spannungen, Glücksgefühle entstehen.
- Lob und Anerkennung: Zeigen Sie Ihrem Partner ruhig, wenn er etwas gut gemacht oder Ihnen einen Gefallen getan hat.
- Gegenseitige Unterstützung: Können sich beide Partner aufeinander verlassen und arbeiten auf dasselbe Ziel hin, entsteht ein Hochgefühl.
- Rituale: Wiederkehrende Handlungen vermitteln Sicherheit und Halt.
- Wagen Sie regelmäßig etwas Neues: Ein Wochenendausflug oder ein gemeinsames Hobby.
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