Dopamin, Ironie und neurologische Netzwerke: Ein komplexes Zusammenspiel

Im pädagogischen Bereich herrscht oft ein gewisser Ernst, der im Kontrast zur kindlichen Freude steht. Säuglinge und Kleinkinder lachen durchschnittlich 400 Mal am Tag, während Erwachsene nur etwa 15 Mal dieses Vergnügen haben. Dieser Unterschied wirft die Frage auf, woran das liegt. Etymologisch betrachtet stammt das Wort Humor aus dem Lateinischen und bedeutet Flüssigkeit. In der antiken und mittelalterlichen Medizin bis zur Renaissance bezeichnete der Begriff Humor die vier physiologischen Körperflüssigkeiten: Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle. Das Gleichgewicht oder Ungleichgewicht dieser Flüssigkeiten sollte das Temperament bzw. die Laune einer Person beeinflussen.

Humortheorien im Überblick

Im Laufe der Zeit sind verschiedene Theorien zur Erklärung des Humors entstanden, die sich in unterschiedliche wissenschaftliche Bereiche einordnen lassen.

Geisteswissenschaftliche und philosophische Theorien

Philosophen wie Platon und Aristoteles sahen Humor in Verbindung mit Schadenfreude und betrachteten ihn als "Inbegriff des Bösen im Menschen". Thomas Hobbes und Theodor Lipps teilten diese Auffassung und sahen Lachen als Reaktion auf die festgestellte Unvollkommenheit anderer im Vergleich zu den eigenen überwundenen Fehlern und Schwächen. Henri Bergson hingegen sah Lachen als "eine Reaktion auf das Schauspiel der Unangepasstheit an das Leben". Ungeschicklichkeit löst laut Bergson Lachen aus, da sie eine fehlende körperliche oder geistige Anpassungsfähigkeit an die sich ständig verändernden Umstände widerspiegelt. Diese Erklärungsansätze betonen die Überlegenheit.

Psycho-physiologische Theorien

Arousal-Theorien untersuchen den Zusammenhang zwischen Humor und neuraler Aktivierung. Das Erzählen eines Witzes stimuliert beispielsweise Nerven und baut Spannung auf. Nach dem Psychologen Berlyne stellt dieser Prozess einen neuralen Anstieg ("arousal boost") dar und entspricht einer künstlich erzeugten Gefahrensituation.

Evolutionsbiologische Theorien

Diese Theorien gehen davon aus, dass sich Lächeln und Lachen aus dem Zähnefletschen bei Tieren entwickelt haben. Während dies ursprünglich ein Zeichen für eine Verteidigungsmaßnahme bei einem Angriff war, gelten diese Gesichtsausdrücke heute als Signale für eine entspannte Situation, was dazu führt, dass Lachen und Humor als "ein Ersatz für eine tatsächliche Attacke" gesehen werden können. Ein lachendes Gesicht signalisiert Entwarnung und wirkt wohltuend auf den Körper. Jeder Mensch besitzt somit ein angeborenes Potenzial zum humorvollen Agieren, wobei Anlage und Erfahrungen die individuelle Entwicklung beeinflussen.

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Soziologische und sozialpsychologische Theorien

Diese Ansätze betonen die sozial verbindende Funktion des Lachens und des Humors. Nach Sigmund Freud setzt Humor eine dreigliedrige Konstellation voraus: eine erzählende Person, eine zuhörende Person und die "Zielscheibe" des humoristischen Prozesses. Diese Zielscheibe kann die erzählende Person selbst oder reale bzw. fiktive Individuen sein. Eine humorvolle Situation entsteht jedoch nur, wenn Erzähler/in und Zuhörer/in den gleichen oder einen ähnlichen Standpunkt zum Thema des Witzes teilen.

Kognitionstheorien

Diese Theorien beschäftigen sich hauptsächlich mit den kognitiven Aspekten von Humor und betonen, dass "die Wahrnehmung von Inkongruenzen eine zentrale Voraussetzung für Humoraktionen und das Erleben von Humor ist". Inkongruenz bedeutet eine Erwartungsverletzung, ein Konflikt zwischen dem, was erwartet wird, und dem, was tatsächlich erlebt wird. Humor bringt also "zwei separate Ideen, Begriffe oder Situationen in einer überraschenden oder unerwarteten Weise zusammen". Bei der Verarbeitung inkongruenter Wahrnehmungen scheinen beide Hirnhemisphären unterschiedliche Rollen zu spielen. Die Wahrnehmung einer Inkongruenz durch die rechte Gehirnhälfte ruft negative Emotionen wie Angst, Fremdheit oder Erschrecken hervor, was zu einer Steigerung der neuralen Stimulation führt. In der linken Hirnhälfte werden die Eigenschaften der Situation analysiert. Dieser kognitive Prozess enthüllt dann das Lustige an den Umständen und wandelt die zunächst unangenehmen Gefühle in positive, heitere Emotionen um.

Psychoanalytische Theorien

Sigmund Freud legte mit seinen Schriften "Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten" und "Der Humor" die Grundlage für die Theorien der Spannungsabfuhr. Er betrachtete Witz, Komik und Humor als Lusterfahrungen, welche "die Ersparnis oder Ökonomie der psychischen Energie" gemeinsam haben. Da bestimmte Triebe, wie aggressive oder sexuelle Impulse, gesellschaftlich nicht zum Ausdruck kommen dürfen, verdrängen die Menschen diese. Der Witz ist eine sozial akzeptierte Form, diese Bedürfnisse zu befriedigen und mit dem inneren Konflikt zwischen Norm und Bedürfnis fertig zu werden. Freud sah Humor auch in Verbindung mit unangenehmen Emotionen wie Furcht, Traurigkeit oder Ärger. Indem man lustige oder inkongruente Aspekte bei erlebten Ereignissen wahrnimmt, sieht man diese aus einem anderen Blickwinkel. Die Energie, welche aus diesen unangenehmen Gefühlen entstanden wäre, wird dann in Vergnügen umgewandelt. Freud sah in dieser Eigenschaft des Humors einen Abwehr- bzw.

Neben diesen Theorien wird Humor in der Psychologie auch als komplizierte, zusammengesetzte Emotion betrachtet, die erst nach der kognitiven Verarbeitung von einer früheren meist negativen Grundemotion erlebt wird. Humor setzt sich aus verschiedenen psychischen Komponenten zusammen, die ihm nicht spezifisch sind und auch nie in der gleichen Kombination wieder auftreten. Ein wichtiger emotionaler Bestandteil des Humors sind angenehme Gefühle, sogenannte "Glücksgefühle", die zwar mit der Empfindung von Humor einhergehen, aber nicht spezifisch für ihn sind, da sie auch in anderen Situationen gespürt werden können.

Die Entwicklung des frühkindlichen Humors

Paul McGhee gilt als Pionier der modernen Humorforschung und Vertreter der Inkongruenztheorie über den Humor. Er stellte die Frage, ob Säuglinge bereits mit der Fähigkeit, Humor zu erleben, geboren werden oder ob sich diese erst später entwickelt. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts blieb die Untersuchung der Humorentwicklung bei Kindern weitgehend unberücksichtigt. Freud behauptete sogar, dass Kinder keinen Humor besitzen, weil sie ihn nicht brauchen, um sich glücklich zu fühlen. Spätere Studien, unter anderem von McGhee, haben jedoch nachgewiesen, dass Kinder schon zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr Humor entwickeln. Dieser Nachweis basiert auf der Erforschung von Lächeln und Lachen als zwei kommunikative Phänomene, welche bereits in der Säuglingszeit auftreten. Allerdings sind sie lediglich als Indikatoren und nicht als Beweis für die Humorentwicklung zu verstehen.

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Das Lächeln und Lachen in der Säuglingszeit

In der ersten Woche nach der Geburt kann bei Säuglingen ein erstes Lächeln während des Schlafs beobachtet werden, ein Zeichen für die Aktivität des zentralen Nervensystems. Im wachen Zustand tritt das Lächeln zwischen der zweiten und der vierten Lebenswoche auf, oft auch ohne den Einfluss eines äußeren Reizes. Gegen Ende des ersten Lebensmonats reagieren Säuglinge auf körperliche Reize (z. B. Streicheln) mit einem spontanen Lächeln, meist in Interaktion mit der Bezugsperson und ihrer stimmlichen Begleitung. Im zweiten Lebensmonat wecken visuelle und akustische Reize in Zusammenhang mit Bewegung das Interesse der Kinder und können ebenfalls ein Lächeln hervorrufen. Zwischen dem dritten und vierten Monat scheint die Form eines unbewegten menschlichen Gesichts die zuverlässigste Quelle für das Lächeln darzustellen. Piaget nennt dieses Phänomen das "Erkennungslächeln" und erklärt es damit, dass der Säugling sich an genügend Merkmale eines Gesichts erinnern kann, um dieses als vertraut zu erkennen.

Besonders interessant ist das Auftreten des Lächelns bis zum sechsten Monat. Einerseits erkennt der Säugling allmählich genauer das Gesicht seiner Bezugspersonen und lächelt sie eher an als fremde Personen, was als Zeichen einer beginnenden Bindung gesehen werden kann. Andererseits rufen Gegenstände, welche mit einem gewissen Aufwand erkannt werden, eher ein Lächeln hervor, als jene, die sofort eingeordnet werden oder völlig unbekannt sind. Das Kind muss sich erst an den Gegenstand gewöhnen und eine kognitive Verarbeitung leisten, indem es diesen mit früheren Erfahrungen vergleicht, um Interesse und Freude daran zu haben. Säuglinge lachen in der Regel zum ersten Mal zwischen dem dritten und vierten Monat, meistens in Interaktion mit einer Bezugsperson. Die Ursachen sind ähnlich wie beim Lächeln, nämlich akustische Reize in Verbindung mit körperlichen Stimuli. Im Laufe des ersten Lebensjahres lachen Säuglinge immer häufiger, da diese Stimuli mit zunehmendem Alter zahlreicher und komplexer werden. Beispielsweise reagieren Kinder zwischen dem siebten und achten Monat mit einem Lachen eher auf taktile Reize, während Einjährige dies häufig bei visuellen oder sozialen Reizen tun.

Die Stufen der Humorentwicklung nach McGhee

Für McGhee ist das Lachen als Reaktion auf inkongruente Situationen die erste Stufe der Humorentwicklung bei Kindern im Alter zwischen sechs und zwölf bis 15 Monaten. Kinder lachen über Verhaltensweisen ihrer Bezugspersonen, welche ihnen ungewöhnlich vorkommen, können aber selber noch nicht humorvoll agieren. Dies liegt daran, dass "imagination, make-believe, and fantasy (…) are emphasized as playing a central role in children’s humor". Kinder müssen also die notwendigen kognitiven Fähigkeiten entwickeln, um sich fantasievoll mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen, bevor sie die Inkongruenz des Humors verstehen und selber produzieren können.

Ein Zeichen dieser kognitiven Entwicklung ist das Auftreten des Symbolspiels bzw. Als-ob-Spiels bei Kindern zwischen zwölf und dreizehn Monaten. Kennzeichnend für diese Tätigkeit ist, dass ein Spielgegenstand umgedeutet (z. B. eine Banane wird als Telefon benutzt) bzw. von einem fiktiven, gedachten Objekt ersetzt wird, wenn das Kind beispielsweise vorgibt, aus einer leeren Tasse zu trinken. Diese neu erworbene Fähigkeit ermöglicht Kindern, erste humorvolle Situationen selbst zu erzeugen. Für McGhee stellt dies die zweite Stufe der Humorentwicklung dar, in der Kinder inkongruente Handlungen gegenüber Objekten vollziehen.

Die dritte Stufe setzt circa zwischen dem 24. und dem 27. Lebensmonat ein und geht mit der Entwicklung der Sprache des Kindes einher. Da Kinder in diesem Alter über sprachliche und begriffliche Kompetenzen verfügen, können sie nun mit Hilfe von Wörtern Humor hervorbringen. Kinder haben Freude daran, Bezeichnungen von Gegenständen oder Namen von Personen zu vertauschen. Beispielsweise sagen sie, dass eine Katze ein Hund sei oder Paul Anna heiße. Ein wichtiges Merkmal dieser Phase ist, dass Kinder nicht nur mit Objekten, sondern auch mit Wörtern agieren und wegen verbaler Äußerungen lachen. Diese Tatsache weist auf die Entwicklung der Fähigkeit zur Abstraktion hin.

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Die vierte Stufe ist zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr einzuordnen und scheint die Phase der Entstehung des Sinns für Humor bei Kindern zu sein. In dieser Phase treten multiple Formen von Humor auf. Die Kinder finden Gefallen an Wortklängen und sie beginnen damit zu spielen, indem sie beispielsweise ein Wort mehrmals wiederholen und bei jeder Wiederholung die Anfangsbuchstaben ändern. Dadurch ergeben sich Wörterketten wie mama, bama, dama, kama, lama. Eine andere Art der humorvollen Interaktionen liegt in der Kombination von wirklichen und unwirklichen Wörtern, wie beispielsweise "I want more treemilk". Die letzte charakteristische Humorinteraktion nach McGhee betrifft das Spiel mit Konzepten. Kinder wissen nun, dass ein Begriff verschiedene Erscheinungsbilder und Eigenschaften besitzen kann und empfinden Freude daran, die Konventionen zu verletzen. Witzig finden sie beispielsweise, Eigenschaften dort hinzuzufügen, wo sie nicht hingehören (wie ein menschlicher Körper mit einem Hundekopf) oder unmögliches Verhalten darzustellen (wie eine Kuh auf Schlittschuhen).

Neurodiversität: Eine andere Perspektive auf das Gehirn

Der Begriff Neurodiversität beschreibt die Vielfalt der Gehirne und die unterschiedlichen Arten, wie Menschen die Welt wahrnehmen. Auch wenn das Gehirn eines jeden Menschen ähnlich aufgebaut ist, kann es doch ganz unterschiedlich funktionieren. Diese unterschiedliche Funktionsweise führt zu unterschiedlichem Verhalten, Lernprozessen und Interaktionen mit der Welt. Jeder Mensch ist auf seine Art einzigartig, und es gibt kein Richtig oder Falsch. Judy Singer prägte den Begriff Neurodiversität und setzte sich dafür ein, dass jeder Mensch mit seinen individuellen neurologischen Fähigkeiten gleichbehandelt wird. Phänomene wie Autismus oder ADHS sind keine Störungen oder Krankheiten, sondern Teil der Individualität.

Grundsätzlich wird zwischen neurodivergent und neurotypisch unterschieden. Neurodivergent sind Personen mit Diagnosen wie ADHS, Autismus oder Dyslexie. Die Gehirne dieser Menschen funktionieren anders als die der breiten Masse. Menschen, die dem Standard entsprechen und nicht neurodivergent sind, bezeichnet man als neurotypisch.

Beispiele für Neurodivergenzen

  • ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung): Zeigt sich vor allem durch Konzentrationsstörungen, Impulsivität und körperliche Unruhe (Hyperaktivität). ADHS hängt mit einer geringeren Verfügbarkeit von Dopamin zusammen, einem Neurotransmitter, der für Motivation und Antrieb sorgt. Um diesen Mangel auszugleichen, suchen sich Menschen mit ADHS verschiedene Formen der Stimulation, um die Dopamin-Ausschüttung zu erhöhen. Das können Bewegung, Lautstärke oder neue Aktivitäten sein. Menschen mit ADHS haben häufig sehr viel Energie, sind impulsiv, kreativ, begeisterungsfähig und risikofreudig, haben aber auch Schwierigkeiten, Tätigkeiten anzufangen oder zu Ende zu bringen. Zeitmanagement und Organisation ist für sie häufig sehr herausfordernd. Sie können jedoch in einen Hyperfokus-Zustand geraten, in dem sie sich über Stunden mit einer Tätigkeit beschäftigen und dabei sogar vergessen zu essen, zu trinken oder zur Toilette zu gehen. Dieser Zustand ist allerdings nicht steuerbar.
  • Aphantasie: Menschen mit Aphantasie haben kein visuelles Vorstellungsvermögen. Wenn sie die Augen schließen und sich etwas vorstellen sollen, bleibt das Bild schwarz. Sie brauchen möglicherweise andere Lernstrategien, da sie ihre Vorstellungskraft nicht nutzen können, um Informationen zu speichern und abzurufen. Die Kreativität wird von dieser Besonderheit jedoch nicht beeinträchtigt.
  • Autismus (Autismus-Spektrum-Störung, ASS): Das Autismus-Spektrum ist extrem vielfältig, und oft bleibt Autismus unentdeckt, weil viele Betroffene ihr Verhalten so anpassen, dass es den sozialen Erwartungen entspricht. Diese Anpassung kostet jedoch viel Kraft und kann zu Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen führen. Das Autistic Selfadvocacy Network (ASAN) definiert Autismus als eine andere Art zu denken und zu kommunizieren. Mögliche Eigenschaften sind ein Bedürfnis nach Routinen, Sensibilität für Sinnesreize, Stimming (Wiederholungen bestimmter Verhaltensweisen), direkte Kommunikation, Schwierigkeit, Körpersprache zu verstehen, andere Körpersprache und ausgeprägte Spezialinteressen.
  • Dyskalkulie: Beschreibt eine Rechenstörung. Menschen mit Dyskalkulie haben häufig Schwierigkeiten beim Verständnis von Mengen und Maßen wie der Uhrzeit, Geld oder Längen. Auch fällt es ihnen oft schwer, Zahlen richtig zu benennen und zu schreiben.
  • Dyslexie (Legasthenie): Beschreibt eine Lese- und Rechtschreibschwäche. Es wird unterschieden zwischen einer kombinierten Lese-Rechtschreibstörung, einer isolierten Lesestörung und einer isolierten Rechtschreibstörung.
  • Dyspraxie: Bezeichnet eine Entwicklungsstörung in der Motorik. Betroffene Kinder haben oft Schwierigkeiten mit der Balance, beim Werfen, Fangen, dem Schließen von Knöpfen oder dem Binden einer Schleife.
  • Hochbegabung: Beschreibt Menschen mit einer intellektuellen Leistungsfähigkeit, die weit über dem Durchschnitt liegt. Meistens ist damit eine hohe Denk- oder Problemlösefähigkeit gemeint.
  • Hochsensibilität: Hochsensible Menschen nehmen Reize besonders intensiv wahr. Helles Licht, starke Gerüche, Berührungen, Lärm: All dies kann häufig nicht ausgeblendet werden. Auch die Emotionen anderer nehmen hochsensible Menschen oft sehr intensiv wahr.
  • Synästhesie: Menschen mit Synästhesie haben miteinander verknüpfte Sinneswahrnehmungen. Das kann bedeuten, dass sie visuelle Reize gleichzeitig hören oder schmecken.
  • Tourette-Syndrom: Menschen mit Tourette-Syndrom haben sogenannte Tics - plötzlich auftretende Bewegungen und Laute, die die Betroffenen nur bedingt kontrollieren können.

Neurodivergente Menschen haben eine andere Wahrnehmung und bringen somit andere Perspektiven und Erfahrungen mit. Sie sind oft sehr kreativ und haben ein hohes Maß an Energie. Sie haben einen sehr guten Blick für Details. Diese Stärken können vor allem im beruflichen Umfeld sehr bereichernd sein.

Neurologische Erkrankungen und Netzwerkstörungen im Gehirn

Neurologische Erkrankungen wie Schizophrenie, Demenz, Parkinson oder Schlaganfall gehen mit Netzwerkstörungen im Gehirn einher. Diese können sowohl Ursache als auch Ergebnis der Krankheit sein. Dicht vernetzte Gehirnareale mit vielen untereinander verknüpften Knotenpunkten sind besonders häufig betroffen. Meist handelt es sich dabei um Bereiche, in denen Informationen aus unterschiedlichen Quellen verarbeitet und in höheren kognitiven Prozessen integriert werden. Sowohl zu viel als auch zu wenig Netzwerkaktivität kann zu neurologischen Problemen führen. Mit Methoden wie der Tiefenhirnstimulation oder der nicht-invasiven transkraniellen Magnet- oder Elektrostimulation können gestörte Netzwerke beeinflusst und teilweise wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

Das Gehirn als Netzwerk

Um die komplexen neurologischen Symptome zu verstehen, lenken Forscher zunehmend den Blick auf die globale Ebene. Das Gehirn agiert vernetzt. Das System der neuronalen Netze mit ihren Knotenpunkten, die mal intensiver und mal weniger intensiv miteinander kommunizieren, ist fein austariert. Doch bei vielen neurologischen Erkrankungen kommt es hier zu deutlichen Veränderungen. Bei Schizophrenie ist die funktionelle Kopplung von Hirnarealen bei kognitiven Herausforderungen im Vergleich zu Kontrollgruppen vermindert, im Ruhenetzwerk aber verstärkt. Zellschäden und das Absterben von Neuronen wiederum führen bei Demenzerkrankungen zu einer Schwächung von Netzwerken, insbesondere in den zentralen Knotenpunkten stark verknüpfter Gehirnregionen im temporalen, parietalen und frontalen Cortex. Auch die Netzwerke von Patienten mit Multipler Sklerose werden in Mitleidenschaft gezogen. Gehirnverletzungen und Schlaganfall gehen ebenfalls oft mit Netzwerkstörungen einher, weil schlagartig hunderttausende Neurone absterben und ihre axonalen Verbindungen und Synapsen aus dem Netzwerk verschwinden. Bei Epilepsie und ADHS werden mitunter verstärkte Verbindungen insbesondere auf der Ebene lokaler Netze gemessen.

Therapieansätze durch Netzwerkstimulation

Alexander Münchau untersucht die Netzwerkauffälligkeiten bei verschiedenen Varianten der Parkinson-Erkrankung. Hier führt das Absterben von Neuronen in der Substantia nigra in den Basalganglien zu einem Mangel des Botenstoffs Dopamin, der die typischen Bewegungsstörungen wie Zittern, Steifigkeit oder motorische Aussetzer auslöst. Im nächsten Schritt wollen die Forscher diese Netzwerkauffälligkeiten beeinflussen. Eine Methode könnte die Tiefenhirnstimulation sein. Dabei senden ins Gehirn implantierte Elektroden leichte regelmäßige Stromimpulse, welche die Reizweiterleitung in bestimmten Kerngebieten im Zwischenhirn wie ein Metronom wieder in den Takt bringen. Ein anderer Ansatz ist die repetitive transkranielle Magnetstimulation.

Friedhelm Hummel hofft ebenfalls darauf, neue Erkenntnisse über Netzwerke zur Therapieverbesserung nutzen zu können, und zwar bei der Regeneration nach einem Schlaganfall. Mithilfe der transkraniellen Magnetstimulation wollen die Forscher bei Schlaganfallpatienten die Vernetzung des ventralen prämotorischen Cortex mit dem Motorcortex zusätzlich anregen. Auch bei Schizophrenie-Erkrankungen könnte geschickte Netzwerkstimulation Symptome lindern. Bei gesunden Probanden konnte Christoph Mulerts Team bereits erfolgreich transkranielle Wechselstromstimulation einsetzen, um den Datenstrom über das Corpus Callosum zu drosseln. Bei Patienten, so Mulerts Hoffnung, könnte man womöglich Halluzinationen mildern, wenn man aus überaktiven Netzwerken auf diese Weise selektiv bestimmte synaptische Übertragungswege eliminiert.

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