Dopamin-Acetylcholin-Zusammenhang: Ein komplexes Zusammenspiel im Gehirn

Das Gehirn ist ein komplexes Netzwerk, in dem rund 100 Milliarden Nervenzellen miteinander kommunizieren müssen. Diese Kommunikation erfolgt über elektrische Impulse und chemische Botenstoffe, die sogenannten Neurotransmitter. Solange ein Gleichgewicht zwischen diesen Neurotransmittern besteht, funktioniert alles reibungslos. Doch was passiert, wenn dieses Gleichgewicht gestört ist? Und welche Rolle spielen dabei Dopamin und Acetylcholin?

Was sind Neurotransmitter?

Neurotransmitter sind Botenstoffe, die Informationen zwischen den Nervenzellen vermitteln. Die Nervenzellen, auch Neuronen genannt, sind über Synapsen miteinander verbunden. An diesen Kontaktstellen findet die Übertragung von Informationen statt. Gedanken, Gefühle, Bewegungen - all das würde ohne die Nervenbotenstoffe nicht funktionieren. Kein Wunder, dass ein Ungleichgewicht massive Folgen hat, sowohl auf kognitiver als auch auf motorischer Ebene.

Die Vielfalt der Neurotransmitter

Bisher sind etwa 100 Neurotransmitter bekannt, aber vermutlich gibt es noch viele mehr. Sie lassen sich aufgrund ihrer chemischen Struktur in Gruppen einteilen: Aminosäuren, Peptide und Monoamine. Außerdem können sie hinsichtlich ihrer Funktion unterschieden werden: "anregend" oder "hemmend", wobei manche Neurotransmitter sogar beides sein können.

Die wichtigsten Neurotransmitter

Unter dieser Vielzahl gibt es einige, die für die Nerven-Kommunikation besonders wichtig sind:

  • Acetylcholin: Spielt eine entscheidende Rolle im vegetativen Nervensystem und an der Schnittstelle zwischen motorischen Nerven und Skelettmuskulatur. Im Gehirn ist es an der Steuerung von Aufmerksamkeit und der Erregbarkeit des Gehirns während des Schlaf- und Wachrhythmus beteiligt.
  • Serotonin: Der Glücksbotenstoff, der die Stimmung verbessert und den Schlaf reguliert. Aus Serotonin wird am Abend Melatonin, das menschliche Schlafhormon, gebildet.
  • Dopamin: Verantwortlich für Motivation und den Belohnungseffekt. Es entsteht aus der Aminosäure Tyrosin.
  • GABA (Gamma-Aminobuttersäure): Der Gegenpol zu den anregenden Neurotransmittern, sorgt für Entspannung.

Die Bedeutung von Neurotransmittern

Neurotransmitter haben eine oft unterschätzte Macht über unsere Leistungsfähigkeit. Motivation, Lust, Stimmung, Energie, Schlaf, Verlangen - all das sind Bereiche, die von den Neurotransmittern im Gehirn gesteuert werden. Sie beeinflussen unsere geistige Leistungsfähigkeit, unsere Lernfähigkeit, unser Gedächtnis und auch die Art und Weise, wie wir mit Stress umgehen.

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Ein Ungleichgewicht zwischen den Neurotransmittern kann sich auf vielfältige Weise äußern:

  • Stimmungsschwankungen
  • Schlafstörungen
  • Gefühl des Kontrollverlusts
  • Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Suchtverhalten

Ursachen für ein Neurotransmitter-Ungleichgewicht

Der heutige Lebensstil mit Hektik, Stress und Überforderung ist nicht gerade eine Wellnesskur für unsere Nervenzellen. Ständig müssen sie aktiv sein, verschiedene Dinge gleichzeitig erledigen, sie sind immer unter Strom - dabei kommt die Entspannung viel zu kurz. Hinzu kommen noch eine ungesunde Ernährung, wenig Schlaf, womöglich noch Alkohol und Nikotin und Umweltgifte, denen wir uns kaum entziehen können. Dass der Informationsfluss in den Synapsen darunter leidet, ist wenig überraschend.

Dopamin und Acetylcholin im Fokus

Dopamin: Motivation, Belohnung und Bewegung

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine Schlüsselrolle bei Motivation, Belohnung und der Steuerung von Bewegungen spielt. Dopaminhaltige Zellen finden sich vielerorts im Zentralnervensystem, aber zwei dopaminerge Neuronengruppen haben besondere Bedeutung:

  • Substantia nigra: Sendet Nerven ins Striatum und ist für die Steuerung willkürlicher Bewegungen wichtig. Degenerieren die dopaminergen Zellen in der Substantia nigra, löst das die Parkinson-Krankheit aus.
  • Ventrales Tegmentum: Sendet Axone in bestimmte Teile des Großhirns und des limbischen Systems. Dieser Pfad ist auch als mesocorticolimbisches System bekannt und spielt eine wichtige Rolle bei der Motivation und dem Belohnungssystem.

Erhöht man durch geeignete Wirkstoffe die verfügbare Dopamin-Menge, so wirkt sich das stimulierend aus - oft allerdings auch suchterzeugend. Ein bekanntes Beispiel ist Kokain: Es hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin und sorgt so für Wachheit, gesteigertes Selbstwertgefühl und Euphorie; gleichzeitig macht die Stimulation des Belohnungssystems abhängig. Aber auch andere Symptome und psychische Krankheiten werden mit Störungen des Dopaminsystems in Verbindung gebracht, wie beispielsweise Schizophrenie und ADHS.

Acetylcholin: Lernen, Gedächtnis und Muskelkontrolle

Acetylcholin war der erste entdeckte Neurotransmitter und spielt eine entscheidende Rolle im vegetativen Nervensystem sowie an der Schnittstelle zwischen motorischen Nerven und Skelettmuskulatur. Aber auch im Gehirn finden sich cholinerge Neuronen. Die wichtigsten davon lassen sich zu zwei diffusen Modulationssystemen zusammenfassen:

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  • Basales Vorderhirn: Innerviert Hippocampus, Neocortex und Riechkolben. Diese Zellen gehören zu den ersten, die bei der Alzheimer-Krankheit absterben.
  • Pons und Tegmentum des Mittelhirns: Wirkt vor allem in den Thalamus hinein, darüber aber auch stark ins Großhirn. Beteiligt sind die cholinergen Neuronen etwa an der Steuerung von Aufmerksamkeit und der Erregbarkeit des Gehirns während Schlaf- und Wachrhythmus.

Acetylcholin ist sehr ähnlich aufgebaut wie Nikotin und bindet an dieselben Rezeptoren.

Das Zusammenspiel von Dopamin und Acetylcholin

Dopamin und Acetylcholin sind Gegenspieler im Gehirn. Anticholinergika verstärken in vielen Punkten die Dopaminwirkung, sind also euphorisierend und können psychotisch-delirante Symptomatik hervorrufen, sind auch gegen bestimmte Formen der Parkinson'schen Erkrankung wirksam.

Die recht neue Entdeckung einer unmittelbaren Steuerung der Dopaminausschüttung im Striatum durch Acetylcholin-Neuronen erfordert eine Neubewertung der Rolle von Acetylcholin in Bezug auf Dopamin und ADHS. Acetylcholin-Neurone im Striatum können durch eine Aktivierung von Acetylcholin-Rezeptoren auf Dopamin-Axonen ein Aktionspotenzial in den dopaminergen Axonen auslösen, das in der Folge eine phasische Dopaminausschüttungen an den dopaminergen Terminalen auslöst.

Es wurde ein neuer Mechanismus der Freisetzung des Botenstoffes Dopamin identifiziert: Beim entdeckten Mechanismus entsteht das zur Dopamin-Freisetzung führende Aktionspotenzial direkt im sendenden Axon, hervorgerufen durch die Wirkung eines zweiten Botenstoffs namens Acetylcholin. Diese Acetylcholin-freisetzenden Zellen können sich in unmittelbarer Nähe zu Dopamin-freisetzenden Axonen befinden. Die Autoren konnten in ihrer Arbeit nun zeigen, dass Acetylcholin Dopamin-freisetzende Nervenfasern direkt erregt. Der „Sender“ wird gleichzeitig zum „Empfänger“.

Morbus Parkinson: Ein Ungleichgewicht zwischen Dopamin und Acetylcholin

Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung des Nervensystems, bei der es zum Untergang dopaminerger Nervenzellen im Gehirn kommt, vor allem in der Substantia nigra. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht der Neurotransmitter Dopamin und Acetylcholin.

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In der Behandlung kommt es darauf an, die Dopaminwirkung zu erhöhen beziehungsweise die von Acetylcholin zu senken. Um Dopamin zu erhöhen, kommt dessen Vorstufe L-Dopa zum Einsatz. Eine andere Möglichkeit, die Dopaminverfügbarkeit zu erhöhen, ist die Hemmung des enzymatischen Abbaus mit MAO-B-Hemmern und COMT-Hemmern.

Neurotransmitter natürlich ins Gleichgewicht bringen

Ob die Neurotransmitter im Ungleichgewicht sind, lässt sich nur schwer über Tests herausfinden, da diese keine eindeutigen Ergebnisse liefern. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Neurotransmitter auf natürliche Weise wieder ins Gleichgewicht zu bringen:

  • Ernährung: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist die Basis, um Körper und Geist zu optimieren.
    • Um Serotonin zu verstärken, sind Lebensmittel wichtig, die L-Tryptophan enthalten (Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte).
    • Um Dopamin zu verstärken, bietet sich der Verzehr von Avocados, grünem Blattgemüse, Äpfeln, Nüssen, Samen, Haferflocken und dunkler Schokolade an. Auch Kaffee und Grüner Tee pushen Dopamin - sollten aber in Maßen genossen werden.
    • Einen Acetylcholin-Mangel kann man durch gesunde Fette ausgleichen. Fetthaltiger Fisch, Fleisch, Geflügel, Eier und fetthaltige Milchprodukte sind reich an Cholin, der Vorstufe von Acetylcholin.
    • GABA steigt hingegen an, wenn man beispielsweise Bananen, Brokkoli, Zitrusfrüchte, Linsen, braunen Reis, Fisch, Nüsse, Haferflocken, Spinat, probiotischen Joghurt, Kefir oder Sauerkraut auf den Speiseplan setzt.
  • Supplements: Die Gehirnleistung kann auch über Supplements gefördert werden. 5-HTP ist der Vorläufer von Serotonin, sollte jedoch nicht langfristig eingenommen werden.
  • Lifestyle: Regelmäßiger Sport, ausreichend Schlaf, frische Luft und Sonnenschein sorgen für die Ausschüttung von Serotonin und Dopamin. Meditation und ähnliche Entspannungsmethoden sind dafür sehr empfehlenswert. Ein gutes Training für die Dopamin-Ausschüttung sind außerdem immer neue Ziele, die man erreichen will. Dabei fängt man am besten mit Kleinigkeiten an, auf die man seine Energie fokussiert. So erreicht man schneller seine Ziele und kommt in den Genuss des Dopamin-Benefits. Auch Yoga kann die Produktion von GABA nachgewiesen werden.

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