Dopamin ist ein natürlich vorkommendes Katecholamin, das sowohl als Neurotransmitter im Gehirn als auch als Medikament in der Notfallmedizin und Intensivpflege eine wichtige Rolle spielt. Als Medikament wird Dopaminhydrochlorid intravenös verabreicht und wird zur Behandlung von Schockzuständen oder drohenden Schockzuständen eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung, Dosierung, Symptome einer Überdosierung und Therapiemaßnahmen bei einer Dopamin-Überdosierung durch Infusion.
Anwendungshinweise für Dopamin-Infusion
Dopamin darf ausschließlich als intravenöse Infusion verabreicht werden. Eine unverdünnte intravenöse Injektion als Bolus ist kontraindiziert. Vor der Anwendung muss Dopamin mit geeigneten Infusionslösungen verdünnt werden.
Empfohlene Infusionslösungen
- 0,9% Natriumchlorid-Infusionslösung
- 5% Glucose-Infusionslösung
Die Infusionslösung sollte vor Gebrauch frisch zubereitet werden. Nur klare, unverfärbte Infusionslösungen verwenden. Die gebrauchsfertige Infusionslösung mit Dopamin ist während der üblichen Infusionsdauer (maximal 24 Stunden) stabil.
Dosierung von Dopamin
Die Dosierung von Dopamin muss individuell angepasst werden, wobei die erforderliche Infusionsgeschwindigkeit vom Schweregrad des Schocks, dem Ansprechen auf die Therapie und den auftretenden Nebenwirkungen abhängt. Die angestrebte Wirkung von Dopamin auf Hämodynamik oder Nierenfunktion muss bei jedem Patienten individuell titriert werden.
Empfohlene Dosierung für Erwachsene
- Initialdosis: Bei Patienten, die voraussichtlich auf eine mäßige Unterstützung der Herz- und Kreislauffunktion bzw. der Nierendurchblutung ansprechen, kann die Infusion mit 2 - 5 µg/kg KG/min begonnen werden.
- Schwer erkrankte Patienten: Bei schwer erkrankten Patienten sollte mit einer Dosis von 5 µg/kg KG/min begonnen und die Dosierung schrittweise (z. B. alle 15 - 30 min) um 5 - 10 µg/kg KG/min bis auf 20 - 50 µg/kg KG/min erhöht werden.
Die Mehrzahl der Patienten spricht auf Dosierungen bis 20 µg/kg KG/min an. Höhere Dosierungen können mit einer Abnahme der Nierendurchblutung einhergehen. Bei fortgeschrittener Kreislaufdekompensation wurden Infusionsgeschwindigkeiten von über 50 µg/kg KG/min verabreicht.
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Überwachung bei hohen Dosierungen
Bei Dosen über 50 µg/kg KG/min muss die Urinausscheidung unbedingt überwacht werden. Nimmt diese ab, ist die Infusionsgeschwindigkeit zu verringern. Bestehen Bedenken gegen die Verabreichung größerer Flüssigkeitsmengen, ist die Verwendung höherer Dopamin-Konzentrationen der Erhöhung der Infusionsgeschwindigkeit von Lösungen niedrigerer Konzentration vorzuziehen.
Anwendung bei Kindern
Da bei Kindern noch keine ausreichenden Erfahrungswerte vorliegen, kann die geeignete Dosierung nicht endgültig festgelegt werden.
Dauer der Anwendung
Die Infusion von Dopamin sollte intravenös kontinuierlich über einen Zentralvenenkatheter erfolgen. Die Dauer der Infusionsbehandlung richtet sich nach den klinischen Erfordernissen und ist vom Arzt zu bestimmen.
Indikationen für die Anwendung von Dopamin
Dopamin wird bei Schockzuständen bzw. drohenden Schockzuständen angewendet, die beispielsweise auftreten bei:
- Herzversagen, auch infarktbedingt (kardiogener Schock)
- Postoperativen Schockzuständen
- Schweren Infektionen (infektiös-toxischer Schock)
- Überempfindlichkeitsreaktionen (anaphylaktischer Schock)
- Starkem Blutdruckabfall (schwere Hypotensionen)
- Beginnendem bzw. manifestem akuten Nierenversagen
Kontraindikationen
Dopamin darf nicht angewendet werden bei:
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- Bekannter Überempfindlichkeit gegen Dopamin oder einen der sonstigen Bestandteile
- Geschwulst des Nebennierenmarks (Phäochromozytom)
- Bestimmten Formen des grünen Stars (Engwinkelglaukom)
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
- Vergrößerung der Vorsteherdrüse mit Restharnbildung (Prostataadenom)
- Vorhofflimmern mit schneller Überleitung (Tachyarrhythmien)
- Kammerflimmern
- Hypovolämie (Volumenmangel muss vor Therapie mit Dopamin ausgeglichen werden)
Symptome einer Dopamin-Überdosierung
Die Symptome einer Überdosierung sind im Allgemeinen durch die sympathomimetischen Effekte von Dopamin bedingt. Mit steigender Dosierung tritt neben der agonistischen Wirkung auf die ß-Rezeptoren eine zunehmende Stimulation der alpha-Rezeptoren auf, deren vasokonstriktorische Effekte schließlich überwiegen können.
Zu den Symptomen einer Überdosierung können gehören:
- Starker Blutdruckanstieg
- Tachykardie
- Tachykarde Herzrhythmusstörungen
- Erhöhung des linksventrikulären enddiastolischen Druckes mit konsekutiver Lungenstauung bis zum Lungenödem
- Angina pectoris Anfälle (insbesondere bei Patienten mit bekannter koronarer Herzkrankheit)
- Unspezifische Thoraxschmerzen
- Herzklopfen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Kältegefühl in den Extremitäten und Zyanose
Therapiemaßnahmen bei Dopamin-Überdosierung
Da die Halbwertszeit von Dopamin relativ kurz ist, sollte die Infusionsrate reduziert oder die Infusion unterbrochen werden, bis sich der Zustand des Patienten stabilisiert hat. Führen diese Maßnahmen nicht zum Erfolg, so ist die Gabe von Phenolamin (kurzwirksamer alpha-Blocker), Betarezeptorenblockern oder Nitroglycerin zu erwägen.
Nebenwirkungen von Dopamin
Wie alle Arzneimittel kann auch Dopamin Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.
Häufige Nebenwirkungen
- Herzrhythmusstörungen (überwiegend Extrasystolen)
- Sinustachykardien
- Herzklopfen
- Atemnot
- Angina pectoris Beschwerden
- Übelkeit
- Erbrechen
- Kopfschmerzen
- Unruhegefühl
- Fingertremor
- Blutdruckabfall
- Engstellung der Gefäße (Vasokonstriktion)
Seltene Nebenwirkungen
- Supraventrikuläre Tachykardien oder ventrikuläre Tachykardien bis hin zu Kammerflimmern
- Überleitungsstörungen
- Verlangsamung der Herzschlagfolge (Bradykardie)
- Verbreiteter QRS-Komplex
- Erhöhter Blutdruck
- Aufrichtung der Körperhaare (Piloarrektion)
- Erhöhung der Harnstoffwerte im Blut
Nicht bekannt
- Anstieg des linksventrikulären enddiastolischen Druckes (Risiko steigt mit höherer Dosis)
- Umkehr der dopaminergen Vasodilatation im Splanchnikusgebiet und renalem Gefäßbett in eine Vasokonstriktion (bei höheren Dosierungen >= 20 µg/kg KG/min), was zu einer Abnahme der Nierendurchblutung führen kann
- Hautnekrosen (Absterben von Hautgewebe) und Gangrän der Akren (besonders bei Patienten mit akralen Durchblutungsstörungen und bei Verabreichung höherer Dosierungen >= 10 µg/kg KG/min)
- Unverhältnismäßiger Anstieg des diastolischen Blutdrucks (d. h. ein merkliches Absinken der Blutdruckamplitude)
- Blutungsgefahr nach Operationen im Splanchnikusgebiet oder bei Patienten mit Blutungsneigung im Gastrointestinaltrakt wegen Umverteilung des Blutflusses
- Zunahme der Hypoxämie (Verminderung des Sauerstoffgehaltes im arteriellen Blut) bei beatmungspflichtigen Patienten, die auf eine Mehrdurchblutung auch hypoventilierter Alveolargebiete (pulmonale "Shunt"-Bildung) zurückgeführt wurde
- Lokale Nekrosen bei versehentlicher paravenöser Infusion
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Vor der Anwendung von Dopamin sollte der Arzt oder das medizinische Fachpersonal informiert werden, wenn der Patient an organischen Herz- und Gefäßveränderungen leidet, wie z. B.:
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- Bestimmten Herzerkrankungen wie koronarer Herzkrankheit und Angina pectoris
- Arteriellen Verschlusskrankheiten (z. B. Arteriosklerose, arterielle Embolien, Morbus Raynaud, Kälteschäden wie Erfrierungen, diabetische Mikroangiopathie, Morbus Winiwarter-Buerger)
- Herzrhythmusstörungen
Dopamin sollte nur mit größter Vorsicht bei Inhalationsnarkosen mit halogenierten Kohlenwasserstoffen eingesetzt werden. Bei bewusstlosen Patienten ist wegen evtl. Aspirationsgefahr auf Freihaltung der Atemwege zu achten.
Vermeidung von Gewebeschäden
Eine versehentliche paravenöse Infusion kann zu lokalen Nekrosen führen. Die Infusion sollte deshalb möglichst über einen zentralen Venenkatheter erfolgen. Aus gleichem Grund darf Dopamin auch nicht subkutan oder intramuskulär angewendet werden. Eine intraarterielle Gabe ist ebenfalls unbedingt zu vermeiden, da eine gefäßverengende Wirkung mit der Gefahr einer Gewebeschädigung besteht.
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen, andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden.
- Ein Zusatz alkalisierender Substanzen darf wegen Inaktivierung von Dopamin nicht erfolgen.
- Metoclopramid kann die erwünschte Wirkung von Dopamin beeinträchtigen.
- Bei gleichzeitiger Verabreichung von Dopamin und Guanethidin wird die sympathomimetische Wirkung von Dopamin verstärkt.
- Die gleichzeitige Gabe von MAO-Hemmstoffen und Arzneimitteln, die wie Dopamin zur Gruppe der sog. Sympathomimetika gehören, kann zu lebensbedrohlichen Nebenwirkungen führen. Patienten, die mit MAO-Hemmstoffen behandelt werden, benötigen eine wesentlich geringere Dosis Dopamin (Beginn der Behandlung mit höchstens 1/10 der Normaldosis).
- Die gleichzeitige Gabe von Dopamin und harntreibenden Mitteln (Diuretika) kann additive und potenzierende Effekte haben.
- Weitere Wechselwirkungen sind bekannt zwischen Dopamin und trizyklischen Antidepressiva, Anästhetika (verstärkte Neigung zu Herzrhythmusstörungen) oder Phenytoin (Blutdruckabfall, Bradykardie, Herzstillstand).
- Die Kombination von Dopamin und Mutterkornalkaloiden kann zu maximaler peripherer Gefäßverengung mit Gangrängefahr führen.
- Halogenierte Kohlenwasserstoff-Anästhetika können autonome kardiale Zentren und das Myokard gegen bestimmte intravenös verabreichte Katecholamine sensibilisieren, was möglicherweise die Gefahr von durch Dopamin verursachten Herzrhythmusstörungen erhöht.
- Unter Dopamin-Therapie können sich die Serum-Glucose-Spiegel erhöhen.
- Bestimmung der Katecholamin-Ausscheidung im Urin kann zu falsch-positiven Werten führen.
Dopamin in der Schwangerschaft und Stillzeit
Da keine ausreichenden Erfahrungen mit einer Anwendung von Dopaminhydrochlorid während der Schwangerschaft beim Menschen vorliegen, darf es nur bei lebensbedrohenden Zuständen angewendet werden. Es liegen keine Daten zu einem eventuellen Übergang von Dopaminhydrochlorid in die Muttermilch vor. Auf Grund der geringen Plasmahalbwertszeit von Dopaminhydrochlorid erscheint das Stillen nach einer intravenösen Gabe unbedenklich.