Dopamin: Wirkung, Funktion und Zusammenhang mit Suchtverhalten

Dopamin, oft fälschlicherweise als reines Glückshormon bezeichnet, ist ein Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle in vielen Prozessen unseres Körpers und Geistes spielt. Von der Steuerung unserer Bewegungen bis hin zur Beeinflussung unserer Motivation und unseres Belohnungssystems ist Dopamin an einer Vielzahl von Funktionen beteiligt. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Wirkungen von Dopamin, seine Funktionen im Gehirn und Körper sowie seinen Zusammenhang mit Suchtverhalten und psychischen Erkrankungen.

Was ist Dopamin?

Dopamin ist ein Neurotransmitter, also ein Botenstoff, der die Kommunikation zwischen Nervenzellen im Gehirn ermöglicht. Es gehört zur Gruppe der Katecholamine und wird im Nervensystem und im Nebennierenmark gebildet. Dopamin ist kein Hormon, sondern ein Neurotransmitter, der dafür sorgt, dass Nervenzellen miteinander kommunizieren können.

Dopamin und das Belohnungssystem

Dopamin spielt eine zentrale Rolle im Belohnungssystem des Gehirns. Es wird ausgeschüttet, wenn wir positive Erfahrungen machen, wie zum Beispiel beim Essen, bei sozialen Interaktionen oder beim Erreichen eines Ziels. Das ausgeschüttete Dopamin markiert diese Situationen als wichtig und sorgt dafür, dass wir uns an sie erinnern und sie in Zukunft wiederholen möchten.

Prof. Dr. Falk Kiefer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, erklärt, dass Dopamin nicht direkt glücklich macht, sondern vielmehr auf mögliche Belohnungen hinweist. Es hat also eine belohnungsankündigende Wirkung und spielt eine große Rolle beim Belohnungslernen. Situationen, die mit Belohnungen einhergehen, werden gewissermaßen durch das Dopamin "gelikt" und dann im Suchtgedächtnis abgespeichert als etwas, das mit Belohnung verbunden ist.

Dopamin und Sucht

Die belohnungsankündigende Wirkung von Dopamin spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Suchtverhalten. Substanzen wie Drogen, Alkohol oder auch bestimmte Verhaltensweisen wie Glücksspiel oder die Nutzung sozialer Medien können zu einer übermäßigen Dopaminausschüttung führen. Das Gehirn verbindet diese Erfahrungen mit einem starken Belohnungsgefühl, was dazu führt, dass das Verlangen nach der Substanz oder dem Verhalten immer größer wird.

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Soziale Medien nutzen diese Mechanismen, indem sie beispielsweise durch nette Kommentare oder Likes Dopamin freisetzen. Wir assoziieren diese positiven Rückmeldungen mit dem Handy und entwickeln eine Belohnungserwartung, sobald wir das Gerät sehen oder es vibriert. Das Handy wird immer wichtiger, während andere Dinge in unserer Umgebung an Bedeutung verlieren, weil sie nicht so stark mit Dopamin markiert sind.

Dieses Verhalten kann Aspekte von Suchtverhalten annehmen, da soziale Netzwerke darauf ausgelegt sind, das Dopaminsystem immer wieder anzustacheln. In Extremfällen kann dies zu einer Ähnlichkeit mit klassischen Abhängigkeiten führen.

Typische Symptome von Suchtverhalten:

  • Craving: Ein starker, schwer bezwingbarer Wunsch, das Suchtmittel zu konsumieren oder das süchtige Verhalten auszuüben.
  • Toleranzentwicklung: Um den gleichen positiven Effekt zu erleben, sind höhere Dosen des Suchtmittels oder des suchtartigen Verhaltens erforderlich.
  • Vernachlässigung anderer Lebensbereiche: Dem Nachgehen der Sucht wird Vorrang vor anderen Interessen und Verpflichtungen gegeben.
  • Entzugssymptome: Bei Beendigung oder Reduktion des Konsums können körperliche und/oder psychische Entzugssymptome auftreten.
  • Kontrollverlust: Es wird zunehmend schwieriger, den Substanzkonsum oder das Ausmaß des süchtigen Verhaltens bezüglich Dauer und Intensität zu kontrollieren.
  • Anhaltender Konsum trotz bereits eingetretener Schäden: Der Substanzkonsum bzw. das Suchtverhalten wird fortgesetzt, obwohl es bereits zu schädlichen Folgen geführt hat.

Dopamin und Jugendliche

Gerade die Gehirne von Jugendlichen reagieren besonders empfindlich auf die Ausschüttung von Dopamin. Das Gehirn von Jugendlichen ist besonders sensibel für neue Prägungen, sich also auf neue Belohnungsreize auszurichten. Das ergibt evolutionär viel Sinn, weil in dieser Phase die Ablösung von ehemaligen Belohnungsreizen wie der Mutter und der Familie stattfindet und Jugendliche eine neue Ausrichtung brauchen. In der Jugend werden neue Präferenzen gesetzt und da spielt das Dopamin eine große Rolle. In heutigen Zeiten beinhaltet das die Gefahr sich stark auf das Handy und soziale Netzwerke auszurichten und das wird man dann auch schwer wieder los.

Dopamin-Detox

Der Begriff "Dopamin-Detox" beschreibt den zeitweisen Verzicht auf äußere Reize, die eine Dopaminausschüttung auslösen. Dies kann bedeuten, sich von Medien, sozialen Netzwerken, stimulierenden Substanzen und anderen Ablenkungen zurückzuziehen, um das Dopaminsystem zu entlasten und die Sensibilität für natürliche Belohnungen wiederherzustellen.

Prof. Dr. Kiefer vergleicht den Dopamin-Detox mit dem Rückzug von Eremiten in die Einsamkeit. Wenn man sich von äußeren Triggern abschottet, dann reagiert das Dopamin nicht andauernd auf äußere Signale, es gibt keine Höhen und Tiefen. Das beste Beispiel dafür ist die Meditation. Das ist ein Zustand, den Menschen anstreben, um zu ihrem Inneren zu gelangen.

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Obwohl es keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit eines Dopamin-Detox gibt, kann er dazu beitragen, die eigenen Verhaltensmuster zu reflektieren und neue Prioritäten zu setzen.

Dopamin-Mangel

Ein Dopaminmangel kann sich auf unterschiedliche Arten äußern. Häufig stellt sich eine Art generelle Unlust ein. Man hat wenig Antrieb und sieht keine Freude darin, sich mit anderen Menschen zu treffen. Neben der Stimmung können bei einem Dopaminmangel auch Depressionen auftreten und es gibt Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit.

Ursachen für einen Dopaminmangel:

  • Genetische Veranlagung: Es wird eine genetische Veranlagung vermutet.
  • Länger anhaltender Stress: Das kann Stress im unmittelbaren Umfeld sein, etwa in der Familie oder in der Partnerschaft oder Unsicherheit am Arbeitsplatz. Es kann aber auch gesellschaftlicher Stress sein, etwa während eines Krieges oder während einer großen Wirtschaftskrise mit viel Unsicherheit.
  • Seelische Belastungen: Auch andere seelische Belastungen, Mangelernährung und Bewegungsarmut können mit einem Dopaminmangel einhergehen.

Möglichkeiten, den Dopaminspiegel auf natürliche Weise zu erhöhen

Grundsätzlich wird die Produktion von Dopamin durch Tätigkeiten gesteigert, bei denen wir Lust empfinden. Um das Dopaminsystem auf gesunde Weise anzuregen, empfehlen sich vor allem Sport und ausreichend Schlaf. Eine ausgewogene Ernährung kann das Nervensystem insgesamt stärken.

  • Sport: Wer mit Sport den Dopaminspiegel steigern möchte, braucht wahrscheinlich ein gewisses Pensum. Dazu sollte man schon mehrmals in der Woche Sport von mindestens mittlerer Intensität machen.
  • Schlaf: Schlafmangel kann das Dopaminsystem durcheinanderbringen. Umgekehrt ist davon auszugehen, dass ausreichend Schlaf sich positiv auf das Dopaminsystem auswirken kann.
  • Ernährung: Dopamin wird im Nervensystem und im Nebennierenmark unter anderem aus den Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin gebildet. Die mediterrane Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse und Olivenöl und Fisch sowie weißem Fleisch hat eine stabilisierende Wirkung auf das Nervensystem. Dazu tragen unter anderem die Omega-3-Fettsäuren bei, die etwa in Fisch und Olivenöl enthalten sind.
  • Weitere Tipps:
    • Abbau von chronischem Stress (ständiger Stress hemmt die Produktion von Dopamin)
    • Praktizieren von Entspannung (Meditation und Yoga)
    • Regelmäßige Bewegung (bereits nach 10min. kommt es zur Ausschüttung von Dopamin und nach 20 min. ist die Konzentration an Dopamin am höchsten)
    • Ausreichendes Verzehren von Proteinen (Hülsenfrüchte, Eier, Milchprodukte etc. führen zum Wachstum von Dopamin)
    • Genießen von Musik (die Hirnaktivität im Belohnungszentrum ist reich an Dopaminrezeptoren und wird dabei angesprochen)
    • Sonne tanken (Sonnenstrahlen fördern die Herstellung von Dopamin)

Dopamin-Überschuss

Nicht nur ein Dopaminmangel kann zu Beschwerden führen, auch ein Dopaminüberschuss beziehungsweise eine ständige Aktivierung des Dopaminsystems kann zum Problem werden. Zu einem kurzfristigen Dopaminüberschuss kann es kommen, wenn die Dopaminausschüttung in kurzer Zeit extrem stimuliert wird. Je mehr Dinge man macht, die eine Dopaminausschüttung bewirken, desto weniger empfindlich wird das Gehirn für kleinere Reize. Das kann im Laufe der Zeit zu einer Art Abstumpfung des Dopaminsystems führen.

Dopamin und Erkrankungen

Ein Ungleichgewicht im Dopaminsystem kann mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung stehen:

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  • Parkinson-Krankheit: Bei der Parkinson-Krankheit ist der Dopamin-Spiegel im Gehirn erniedrigt. Dadurch können Gehirn und Muskeln nicht mehr richtig kommunizieren und es kommt zu Bewegungsstörungen.
  • ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung): Es gibt Hinweise darauf, dass ein Dopaminmangel bei ADHS eine Rolle spielt.
  • Schizophrenie: Ein langfristiges Ungleichgewicht im Dopaminsystem kann mit Erkrankungen wie Schizophrenie einhergehen.
  • Depressionen: Ein Dopaminmangel kann mit Depressionen einhergehen.
  • Psychosen: Hohe Dopaminwerte werden mit seelischen Erkrankungen, wie Psychosen, in Verbindung gebracht.

Dopamin als Medikament

Dopamin kann auch als Arzneimittel in Apotheken gekauft werden, allerdings ist es rezeptpflichtig. Der Wirkstoff Dopamin gehört zur Gruppe der Katecholamine und wird therapeutisch bei Schockzuständen eingesetzt. Außerdem kommt er als Nervenbotenstoff natürlicherweise im Körper vor. Dopamin vermittelt motivations- und antriebssteigernde Effekte. Bei zu niedrigen oder zu hohen Spiegeln kann es zu parkinsonartigen oder manieförmigen Symptomen kommen.

Anwendungsgebiete von Dopamin als Medikament:

  • Herzversagen, auch infarktbedingt (kardiogener Schock)
  • Postoperative Schockzustände
  • Schwere Infektionen (infektiös-toxischer Schock)
  • Überempfindlichkeitsreaktionen (anaphylaktischer Schock)
  • Starker Blutdruckabfall (schwere Hypotensionen)
  • Beginnendes beziehungsweise manifestes akutes Nierenversagen

Nebenwirkungen von Dopamin als Medikament:

  • Herzrhythmusstörungen (überwiegend Extrasystolen), Sinustachykardien, Herzklopfen
  • Angina-pectoris-Beschwerden
  • Kopfschmerzen, Fingertremor
  • Atemnot
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Blutdruckabfall und Vasokonstriktion
  • Unruhegefühl, Angstgefühl

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