Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der Millionen Menschen betroffen sind. Die Forschung macht stetig große Fortschritte, die sich in den vergangenen Jahren auch in neuen medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien sowie wirksamen Prophylaxe-Maßnahmen niedergeschlagen haben. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über aktuelle medikamentöse Behandlungsansätze, insbesondere über die neuen Therapieoptionen wie Gepante, Ditane und monoklonale Antikörper, und vergleicht diese mit etablierten Methoden.
Migräne: Eine weit verbreitete neurologische Erkrankung
Migräne gehört in Deutschland zu den zehn häufigsten Ursachen für krankheitsbedingte Fehltage. Betroffene - dreimal mehr Frauen als Männer mit der höchsten Prävalenz zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr - haben dabei oft große Einschränkungen in ihrer Lebensqualität. Pochende Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Übelkeit sind typische Symptome. Bis zu 15 Prozent der Menschen in Deutschland sind von Migräne betroffen. Viele Patienten verzweifeln an ihren Migräne-Attacken, da die eingesetzten Mittel oft nur kurzzeitig wirken oder aufgrund anderer Erkrankungen nicht eingesetzt werden können.
Aktualisierte Leitlinien zur Migränetherapie
Die Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ wurde auf den neuesten Stand gebracht. Neben neuen Arzneimitteln wurden auch neue Optionen ohne Medikamente aufgenommen. Die Leitlinie wird jedes Jahr ergänzt und alle fünf Jahre vollständig überarbeitet. Sie dient Medizinern und Angehörigen anderer Heilberufe als wissenschaftliche Orientierung, entscheidet jedoch nicht über die Kostenübernahme durch die Krankenkassen. "Die Leitlinie bezieht sich ausschließlich auf die wissenschaftliche Evidenz“, sagt der emeritierte Neurologe Hans-Christoph Diener, der ebenfalls an der aktualisierten Leitlinie mitgeschrieben hat. Damit auch die Betroffenen selbst einen guten Überblick bekommen, gibt es erstmals auch eine Patientenleitlinie für Migräniker, die die wissenschaftlichen Empfehlungen in verständliche Sprache übersetzt.
Medikamentöse Therapieoptionen bei akuten Migräneattacken
Triptane
Als mittlerweile evident gesichert gilt, dass Triptane - konkret die Wirkstoffe Eletriptan, Rizatriptan und Sumatriptan - das erste Mittel der Wahl sind, um akute Migräneattacken zu behandeln. Sie gelten (immer noch) als wirksamste Medikation. Triptane sind, anders als zum Beispiel Aspirin, keine generellen Medikamente gegen Schmerz. Prof. Dr. Arne May, Facharzt für Neurologie, leitet die Kopfschmerzambulanz am Universitätsklinikum Eppendorf. Bei Triptanen, sagt er, seien erstaunlich wenig Nebenwirkungen zu beobachten: "Manche klagen über ein Engegefühl in der Brust.
Neu ist die Erkenntnis, dass die Fixkombination von 85 mg Sumatriptan und 500 mg Naproxen eine bessere Wirksamkeit für Schmerzfreiheit nach 2 Stunden und für anhaltende Schmerzfreiheit bis zu 24 Stunden hat als Sumatriptan oder Naproxen allein - und das bei „akzeptablen unerwünschten Arzneimittelwirkungen“.
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Triptane sind selektive 5-HT1B/D-Rezeptor-Agonisten. Sie hemmen die neurogene Entzündung und wirken gefäßverengend. Durch diese vasokonstriktiven Eigenschaften sind Kontraindikationen bei koronarer Herzerkrankung, Herzinfarkt, Schlaganfall und anderen Gefäßerkrankungen begründet. Auch sollen Triptane nicht während der Auraphase der Migräneattacke eingesetzt werden. Ebenso stellt die Niereninsuffizienz eine Kontraindikation dar.
Lasmiditan (Ditane)
Für den Serotonin-1F-Rezeptoragonisten Lasmiditan gibt es mittlerweile gesicherte Evidenz der Wirksamkeit. Lasmiditan hat sich in Dosierung von 50 mg, 100 mg und 200 mg zur Behandlung akuter Migräneattacken wirksamer erwiesen hat als Placebo. Ein Vorteil bei Lasmiditan ist, dass es keine vasokonstriktiven Eigenschaften besitzt und bei Patienten mit Kontraindikationen gegen Triptane verwendet werden kann. Allerdings hat es ein Spektrum an unerwünschten Wirkungen wie unter anderem Müdigkeit und Schwindel, sodass bis 8 Stunden nach der Einnahme kein Kraftfahrzeug geführt und keine gefährdenden Maschinen bedient werden dürfen.
Die Entwicklung der Ditane zielte darauf, Migräneakutmedikamente ohne diese Kontraindikationen zur Verfügung zu stellen. Durch Aktivierung des 5-HT1F-Rezeptors im Trigeminusganglion und im kaudalen Trigeminuskern kann die durale Plasmaproteinextravasation und die c-Fos-Induktion im Nucleus caudalis des N. trigeminus gehemmt werden.
Im Gegensatz zu den Triptanen ist eine eingeschränkte Nierenfunktion keine Kontraindikation. Häufige Nebenwirkungen von Lasmiditan schließen Benommenheit, Schläfrigkeit, Koordinationsstörungen, Sehstörungen, Schwindel, Erbrechen, Muskelschwäche und Erschöpfung ein.
Indirekte Vergleiche zur Wirksamkeit von Lasmiditan im Vergleich zu den Triptanen zeigen eine ähnliche Wirksamkeit. In Hinblick auf die Verträglichkeit und auch auf die Wirtschaftlichkeit kann Lasmiditan für Patienten eingesetzt werden, die mit Analgetika oder Triptanen Migräneattacken nicht ausreichend behandeln können oder bei denen Kontraindikationen für deren Anwendung bestehen.
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Gepante
Gepante sind eine neue Klasse von Medikamenten, die Migräneanfällen vorbeugen und auch im Akutfall helfen sollen. Die Wirkstoffe setzen an einem Botenstoff an, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle zu spielen scheint: Dem Calcitonin-Gene-Related-Peptide kurz CGRP. Dockt er an bestimmten Stellen im Hirn an, führt das zu einer Entzündungsreaktion. Gleichzeitig steigt die Schmerzempfindlichkeit. Es kommt zu einer Migräneattacke. „Gepante blockieren die Andockstelle“, erklärt Prof. Burkhard Hinz, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie an der Universitätsmedizin Rostock. Dadurch werden Migräneattacken verhindert oder abgeschwächt.
Gepante können in Tablettenform eingenommen werden. Sie wirken nach der Einnahme zwar relativ schnell, werden im Vergleich zu den Antikörpern aber auch viel schneller wieder ausgeschieden. Sie sind grundsätzlich sowohl für die Behandlung einer Attacke als auch für die Vorbeugung von Migräne geeignet.
Für die Akutbehandlung schwerer Migräneanfälle sind die sogenannten Triptane empfohlen. Gepante könnten vor allem für Menschen geeignet sein, die Triptane beispielsweise aufgrund ihres Herz-Kreislauf-Risikos nicht einnehmen dürfen.
Gepante haben dagegen keine gefäßverengenden Eigenschaften. „Man kann sie grundsätzlich bei Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung verschreiben“, sagt Prof. Dagny Holle-Lee, Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerz- und Schwindelzentrums an der Universitätsmedizin Essen.
In Europa ist Rimegepant und in den USA Rimegepant und Ubrogepant für die Behandlung akuter Migräneattacken zugelassen. Rimegepant hat auch eine Zulassung zur Migräneprophylaxe.
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Rimegepant zeigte 2 Stunden nach Einnahme der Dosis bei 19,6% und Placebo bei 12% der behandelten Patienten Schmerzfreiheit. Als Nebenwirkungen treten am häufigsten Übelkeit, Harnweginfekte und Schwindel auf.
Bei Vergleich der Wirksamkeit der Gepante als Akutmedikation zeigen Ubrogepant und Rimegepant in Phase-3-Studien einen therapeutischen Nutzen, das ist die Differenz der Wirksamkeit Verum minus Placebo, von 5-10% bezüglich der Schmerzfreiheit nach 2 Stunden. Der therapeutische Nutzen für Triptane nach 2 Stunden liegt zwischen 16% und 32% (Sumatriptan, Eletriptan und Rizatriptan). Unspezifische Analgetika wie z.B. Acetylsalicylsäure oder Diclofenac, die nicht speziell für die Behandlung der Migräneattacken entwickelt wurden, weisen einen therapeutischen Nutzen zwischen 11% und 13% auf. Diese Vergleiche zeigen, dass Triptane weiterhin Standard in der Akuttherapie der Migräne sind.
Die neuen Medikamentengruppe der Ditane und der Gepante können in der Behandlung der akuten Migräneattacke für Patienten hilfreich sein, die nicht auf Triptane ansprechen, die Kontraindikationen für Triptane aufweisen oder diese nicht vertragen. Es ist bisher offen, wie hoch das Risiko der Entstehung eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes ist.
Ubrogepant
Eines der neuen Medikamente, Ubrogepant, könnte nicht nur gegen die Kopfschmerzen wirken, sondern auch schon gegen vorhergehende Symptome der Migräne. Das ergab eine Nachauswertung einer Studie, deren Ergebnisse im Mai 2025 im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht wurde.
Die Studie, die Ubrogepant auch als Mittel gegen die Migräne-Vorboten ins Spiel bringt, ist eine Nachauswertung von Daten zu etwa 500 Migräne-Patienten. Die hatten entweder Ubrogepant oder ein Placebo eingenommen, sobald Vorboten-Symptome auftraten und sie Kopfschmerzen in den folgenden ein bis sechs Stunden erwarteten. Die Studie sollte zeigen, ob das Medikament die Kopfschmerzen schon vor dem Entstehen verhindern kann. Das Ergebnis: Ubrogepant konnte tatsächlich einen Teil der Attacken unterbinden. Die Ergebnisse deuten laut den Studienautoren darauf hin, dass Ubrogepant gegen häufige Vorboten-Symptome bei Migräne wirken könnte. Allerdings plädieren nicht beteiligte Fachleute ebenso wie die Forschenden selbst für eine Folgestudie, die nicht nachträglich analysiert, wie Ubrogepant die Vorboten-Symptome bei Migräne beeinflusst, sondern den Zusammenhang gezielt untersucht. Unklar ist zudem, ob auch andere Gepante ähnlich früh wirken könnten.
Im Dezember 2019 hat die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA das Medikament Ubrogepant zugelassen, um eine akute Migräne mit oder ohne Aura bei Erwachsenen zu behandeln. Vertrieben wird es dort unter dem Handelsnamen Ubrelvy in Form von Tabletten.
Rimegepant (Vydura)
Seit Juni 2025 ist in Deutschland ein neues Medikament zur Behandlung von Migräne verfügbar: Rimegepant, vermarktet unter dem Namen Vydura. Es handelt sich um das erste Arzneimittel, das sowohl zur akuten Behandlung von Migräneattacken als auch zur Vorbeugung eingesetzt werden kann. Diese doppelte Anwendbarkeit macht es zu einer innovativen Option für Betroffene.
Rimegepant wird in Form einer Tablette angeboten, die sich im Mund auflöst. Dies erleichtert die Einnahme, insbesondere während einer akuten Attacke, wenn Schlucken oft erschwert ist. Die Wirkung setzt in der Regel innerhalb von etwa zwei Stunden ein. Der Wirkmechanismus basiert auf der Blockade eines bestimmten Botenmoleküls namens CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), das bei Migräne eine zentrale Rolle spielt. CGRP ist dafür bekannt, Entzündungsprozesse und die Erweiterung von Blutgefäßen im Gehirn auszulösen, was zu den typischen Symptomen einer Migräne führt. Durch die Hemmung dieses Moleküls kann Rimegepant die Beschwerden effektiv lindern.
Die empfohlene Dosierung beträgt 75 mg bei Bedarf, wobei das Medikament höchstens einmal pro Tag eingenommen werden sollte.
Rimegepant, ein CGRP-Rezeptorantagonist, zeigt in Studien mit über 3000 Personen eine moderate Wirksamkeit bei der Akutbehandlung von Migräne. Nach zwei Stunden waren fünf bis zehn Prozent mehr Patientinnen und Patienten schmerzfrei im Vergleich zu Placebo. Auch Begleitsymptome wie Übelkeit und Lichtempfindlichkeit besserten sich leicht häufiger.
Rimegepant ist ein modernes Medikament zur Behandlung von Migräne und eignet sich besonders für spezifische Patientengruppen, bei denen herkömmliche Therapien nicht ausreichend wirksam oder verträglich sind. Insbesondere profitieren Menschen, die Triptane - eine häufig eingesetzte Medikamentengruppe bei Migräne - entweder nicht vertragen oder aufgrund bestimmter gesundheitlicher Einschränkungen nicht anwenden dürfen.
Dazu zählen beispielsweise Personen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen, da Triptane aufgrund ihrer gefäßverengenden Wirkung in solchen Fällen kontraindiziert sein können. Darüber hinaus ist Rimegepant eine vielversprechende Option für Patientinnen und Patienten, die trotz der Anwendung anderer Migränetherapien keine ausreichende Linderung ihrer Beschwerden erfahren.
Die Einnahme von Rimegepant kann mit verschiedenen Nebenwirkungen einhergehen. Die meisten dieser Beschwerden sind mild und vorübergehend. Häufig berichten Patientinnen und Patienten über Übelkeit sowie Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung. Diese Symptome treten in der Regel nur kurzfristig auf und erfordern selten eine medizinische Intervention.
Die Kosten für eine Behandlung mit Rimegepant belaufen sich auf etwa 30 Euro pro Tablette. Im Vergleich dazu kostet eine Tablette Sumatriptan, ein häufig eingesetztes Medikament zur Migränebehandlung, lediglich rund zwei Euro. Damit ist Rimegepant etwa 15-mal teurer als Sumatriptan.
Rimegepant ist ein Medikament zur Behandlung bestimmter Kopfschmerzarten, insbesondere Migräne. Es wird jedoch nicht als Standardtherapie eingesetzt, sondern dient primär als Reserve-Medikament. Das bedeutet, dass es in der Regel nur dann verschrieben wird, wenn andere Behandlungsoptionen entweder nicht ausreichend wirken oder vom Patienten nicht vertragen werden.
Nicht-medikamentöse Therapie gegen akute Attacken
Gesicherte Erkenntnisse zur Wirksamkeit liegen mittlerweile auch für die externe transkutane Stimulation des Nervus trigeminus im supraorbitalen Bereich (Cefaly®) vor als nicht-medikamentöse Akut-Behandlungsoption. Ebenfalls als wirksam bei der Therapie akuter Migräneattacken gilt die Remote Electrical Neuromodulation (REN).
Für Akupunktur gibt es weiterhin lediglich „Hinweise auf eine Wirkung bei der Behandlung des akuten Migräneanfalls“ - problematisch sei allerdings die Qualität der vorliegenden Studien, die keine Aussage zur Evidenz zulassen, heißt es von den Leitlinienautoren.
Medikamentöse Prophylaxe von Migräneattacken
Für die Vorbeugung von Migräneattacken (Migräneprophylaxe) werden unter anderem bestimmte Antikörper eingesetzt. Sie binden entweder das CGRP, sodass es erst gar nicht im Gehirn andocken kann. Oder aber sie blockieren - wie Gepante -die Andockstelle selbst, sodass CGRP keine Wirkung entfalten können.
Antikörper werden per Spritze verabreicht. „Sie wirken nicht so schnell, dafür aber länger anhaltend“, so Pharmakologe Hinz. Deshalb kommen sie nur bei der Vorbeugung von Migräneaanfällen zum Einsatz.
Monoklonale Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor
Schon seit den 1990er-Jahren wird dazu geforscht - inzwischen stehen mehrere wirksame Medikamente zur Akutbehandlung und Prophylaxe bereit, die bei CGRP ansetzen. Dazu gehören auch monoklonale Antikörper, die zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden. "Jetzt wissen wir nach fünf Jahren Erfahrung, dass mehr als die Hälfte der Betroffenen durch das Medikament ihre Migränetage halbieren“, erklärt der Neurologe Hans-Christoph Diener.
Die Leitlinie besagt, dass die Klasse der monoklonalen Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor in der Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne gesichert wirksam sei und ein nachgewiesen sehr gutes Verträglichkeitsprofil habe.
Für den Wirkstoff Erenumab aus dieser Klasse gibt es außerdem eine randomisierte Vergleichsstudie mit dem traditionellen Migräneprophylaktikum Topiramat, bei dem sich der Antikörper als besser wirksam und besser verträglich erwiesen hat. Weiterhin gilt aber, dass Betroffene mit erhöhtem Risiko für vaskuläre Erkrankungen „aus pathophysiologischen Überlegungen“ noch nicht mit den monoklonalen Antikörpern gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor sowie mit Gepanten behandelt werden sollten.
Atogepant (Aquipta)
Ganz neu ist die Substanz Atogepant, die direkt am CGRP-Rezeptor ansetzt und inzwischen für die Migräneprophylaxe zugelassen ist. Sie blockiert den Signalweg des Moleküls und kann so Migräneattacken abmildern.
Mit dem Präparat Aquipta (Atogepant) bringt US-Hersteller Abbvie am 1. März erstmals ein Mittel aus der Substanzklasse der Gepante auf den Markt.
Aquipta ist zugelassen zur Migräneprophylaxe bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit 4 oder mehr Migränetagen pro Monat. Es kann laut Hersteller sowohl bei episodischer als auch bei chronischer Migräne verschrieben werden. Betroffene nehmen das Präparat einmal täglich als Tablette ein.
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) verweist vornehmlich auf 2 größere Studien, denenzufolge Aquipta die Anzahl der Tage, an denen Patienten unter Migräne leiden, reduziert. So habe in einer Studie mit 882 Betroffenen (mindestens 4 Migräneanfälle pro Monat) eine 12-wöchige Behandlung mit Aquipta die Zahl der Migränetage pro Monat von durchschnittlich 8 auf 3 bis 4 gesenkt. In der Placebogruppe verringerte sich die Zahl der Migränetage immerhin noch auf 5. Die meisten Nebenwirkungen seien leicht oder mäßig ausgeprägt, so die EMA.
Die Reduktion der Migränetage durch Aquipta habe sich in den Studien zur episodischen und chronischen Migräne ähnlich wie bei den CGRP/CGRP-Rezeptor-Antikörpern bereits nach 4 Wochen gezeigt, sagte Christian Geber, Mitglied des Präsidiums der Deutschen Schmerzgesellschaft, auf Anfrage des Deutschen Ärzteblattes. Die Wirkung sei somit im Vergleich zu unspezifischen Migräneprophylaktika schneller eingetreten. Aquipta sei dabei auch bei Versagen von bis zu 4 Vortherapien wirksam gewesen.
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) erwartet im Vergleich zu klassischen unspezifischen Migräneprophylaxen wie Amitriptylin, Betablockern, Flunarizin oder Topiramat bei Aquipta eine bessere Verträglichkeit und damit bessere Therapieadhärenz.
Aus der Klasse der Gepante wird für die Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne auch Atogepant 1 x 60 mg empfohlen, welches auch bei Betroffenen mit Kopfschmerz durch Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln wirksam ist.
Der Wirkstoff zählt zur Gruppe der Gepante und bindet an den Rezeptor des Neuropeptids CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptides).
Die weißen, runden Tabletten sind im Ganzen zu schlucken. Sie dürfen nicht geteilt, zerdrückt oder zerkaut werden. Wenn die Einnahme vergessen wird, ist diese so schnell wie möglich nachzuholen. In den Zulassungsstudien traten am häufigsten verminderter Appetit, Übelkeit, Verstopfung, Fatigue und Gewichtsabnahme auf. Atogepant hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Bei einigen Patienten kann es jedoch zu Somnolenz führen.
Rimegepant
So ist Rimegepant in der Prophylaxe der episodischen Migräne jetzt gesichert wirksam und zugelassen. Eine randomisierte, doppelblinde Vergleichsstudie über 3 Monate konnte Rimegepant die gleiche Wirksamkeit wie Galcanezumab (ein monoklonaler Antikörper gegen den CGRP-Rezeptor) in der Prophylaxe der episodischen Migräne bescheinigen.
Weitere medikamentöse Optionen
Besser abgesichert ist mittlerweile auch die Erkenntnis, dass der Betablocker Propranolol in der Prophylaxe der chronischen Migräne eine vergleichbare Wirksamkeit hat wie Topiramat.
Nicht-medikamentöse Optionen zur Migräneprophylaxe
Im Bereich der Prophylaxe von Migräneattacken gibt es nun einige medikamentöse und nicht-medikamentöse Optionen.
Bedeutung von Studien und Forschung
In einer Studie, veröffentlicht im "Journal of Headache and Pain", wurden die wirtschaftlichen Folgen von Migräne untersucht. Die Forschenden werteten Gesundheits- und Wirtschaftsdaten aus, um die direkten Kosten für Behandlungen und Medikamente sowie die indirekten Verluste durch reduzierte Arbeitsleistung zu berechnen. Die Ergebnisse zeigen, dass Migräne sowohl das Gesundheitssystem als auch die Wirtschaft stark belastet. Solche Studien machen deutlich, wie wichtig bessere Prävention und Behandlung für Betroffene sind.
Die Rolle der CGRP-Proteine
Dass es mittlerweile deutlich mehr medikamentöse Optionen gibt, liegt vor allem an dem Molekül CGRP (Calcitonin Gene Related Peptide), das im menschlichen Nervensystem vorkommt und bei Migräneattacken vermehrt freigesetzt wird. Schon seit den 1990er-Jahren wird dazu geforscht - inzwischen stehen mehrere wirksame Medikamente zur Akutbehandlung und Prophylaxe bereit, die bei CGRP ansetzen.
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