Viele Menschen setzen Medikamente ein, um dem wachsenden Leistungsdruck standzuhalten. In den Forschungslabors suchen Neurowissenschaftler nach Möglichkeiten, das Gehirn zu Höchstleistungen zu bringen. Medikamente, die die Aufmerksamkeit erhöhen, sogenannte Neuroenhancer, sind bereits erhältlich. Doch machen Pillen wirklich schlauer? Und welche Risiken birgt das "Gehirndoping"?
Der Test mit Schachspielern
Der Psychiater Klaus Lieb testet die Wirkung von Neuroenhancern mit Turnierschachspielern. Er untersucht, wie sich die Leistung der Schachspieler unter dem Einfluss von Ritalin, Amphetamin und Koffein verändert und wie diese Substanzen im Gehirn wirken.
Der Hype um Neuroenhancer
Die Enhancer Modafinil und Ritalin sind in den USA zur Modedroge geworden. In Europa sind sie verschreibungspflichtig, aber über einschlägige Internetseiten kann jeder die Präparate bestellen, auch wenn das verboten ist. Die Dokumentation „Doping fürs Gehirn. Machen Pillen schlauer?“ gibt Einblicke in Gehirnforschungslabore und geht der Frage nach, woher der Hype um die Neuroenhancer kommt und ob er von der Pharmaindustrie künstlich angefacht wird, um einen Markt zu schaffen.
Selbstversuch mit Modafinil
Felix Hasler, ein Pharmakologe in Zürich, wagte einen Selbstversuch mit Modafinil. Er stellte fest, dass er außergewöhnlich wach, konzentriert und motiviert war und verfasste, angetrieben von dem Wirkstoff Modafinil, einige Artikel. Die Angst vor dem leeren Blatt war verflogen. Ohne Mühe reihte er einen Gedankengang an den nächsten, die Sätze flossen regelrecht aus ihm heraus. Trotzdem nahm Hasler keine weitere Pille.
Keine Macht den Pillen!
Mediziner raten vom Konsum von Neuroenhancern ab. Stephan Schleim von der Uni-Klinik Bonn sagt: „Wer das Zeug bei der heutigen Wissenslage schluckt, ist dumm“. Schlauer machten die Pillen ohnehin nicht, und den Intelligenzquotienten verbessern sie auch nicht. Und für Hasler, der den Selbstversuch wagte, ist klar: „Man kann nicht alle Grenzen aufheben und 24 Stunden durcharbeiten."
Lesen Sie auch: Mehr zum Thema Neuroenhancement
Verbreitung von Hirndoping
Empirische Studien, wie viele Studenten gedopt lernen, existieren zwar nicht. Anhaltspunkte für einen verstärkten Missbrauch von sogenannten Neuropushern gibt es trotzdem. Die Abgabe von Medikamenten mit dem Ritalin-Wirkstoff Methylphenidat zum Beispiel hat sich in Deutschland laut Auskunft der Bundesopiumstelle in den letzten zehn Jahren fast verzehnfacht. Laut dem Gesundheitsreport der Deutschen Angestelltenkrankenkasse (DAK) nehmen etwa 800000 Gesunde regelmäßig Medikamente, die für depressive, demente oder hyperaktive Menschen gedacht sind. Jeder Fünfte der Befragten zwischen 20 und 29 Jahren gab an, jemanden zu kennen, der Medikamente einnimmt, ohne dass hierfür eine medizinische Notwendigkeit besteht. Die DAK vermutet, dass der Gebrauch unter Akademikern besonders hoch ist und oft im Studium beginnt. Ein weiteres Indiz ist der rege Austausch in Internetforen, wo Gehirndoping ein Thema ist.
Die Folgen des Lernrauschs
"Die Nachteile waren, dass ich ohne Rita gar nichts mehr konnte", gesteht ein Nutzer in einem Internetforum. An der Berliner Charité will eine Forschergruppe im kommenden Jahr herausfinden, wie verbreitet das Hirndoping ist und 3000 repräsentativ ausgewählte Studenten persönlich befragen. Isabella Heuser, Medizinerin an der Berliner Charité, glaubt trotz des fehlenden Datenmaterials an einen Trend. Sie ist überzeugt: Lernpillen sind weit verbreitet, vor allem unter Studenten lernintensiver Fächer wie Medizin oder Jura. Sie selbst erlebt allerdings nur die Spitze des Eisbergs: „Wir sehen nur die, die es übertrieben haben. Zu uns kommen die Studenten erst, wenn etwas schief gelaufen ist.“ Zum Beispiel, wenn Nebenwirkungen zu massiven Schlafstörungen oder Panikattacken führen.
Leistungsdruck und Optimierungswahn
Laut einer repräsentativen Studie der Uni Konstanz fühlt sich fast jeder vierte Student durch die hohen Leistungsanforderungen an der Uni stark belastet. Das straffe Pensum in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen und „Hammerexamen“ erhöhen den Druck zusätzlich. Heuser und andere Forscher verweisen auch auf die gesellschaftliche Tendenz zur Optimierung des eigenen Körpers und der eigenen Leistungsfähigkeit. „Das ist wie mit der plastischen Chirurgie. 16-jährige Mädchen denken über eine Brustvergrößerung nach. Studenten überlegen sich, wie sie ihr Gehirn überlisten können“, sagt Isabella Heuser.
Die Rolle der Pharmaindustrie
Für die Hersteller scheint es ein lukrativer Markt zu sein. Die Firma Cephalon, die Provigil - wie Vigil in den USA heißt - auf den Markt gebracht hat, wurde bereits vor einigen Jahren wegen aggressiver Werbekampagnen gerügt. In Broschüren forderte sie Ärzte auf, das Mittel zu verschreiben, wenn Patienten über einen Mangel an Energie klagen.
Die tatsächliche Wirkung von Neuropushern
Die tatsächliche Wirkung der heute verfügbaren Neuropusher wird häufig überschätzt, die Nebenwirkungen teils unterschätzt. Über die Langzeitfolgen gibt es kaum Erfahrungswerte. Tests mit Gesunden kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen: Forscher von der Universität Cambridge konnten zwar eine leichte Verbesserung der Leistungsfähigkeit, unter anderem der räumlichen Gedächtnisleistung, beobachten. „Doch die Tests zeigen auch, dass Versuchspersonen manchmal vorschnell antworteten und so mehr Fehler machten“, erklärt Stephan Schleim von der Uni Bonn. Zudem ließen sich Tests unter Laborbedingungen nicht einfach auf eine konkrete Lernsituation übertragen. Andere Versuche hätten keinerlei Leistungsverbesserung gezeigt. Die leistungssteigernde Wirkung des Narkolepsie-Medikaments Modafinil auf gesunde Patienten erscheint vielversprechender: Obwohl man den exakten Wirkungsmechanismus immer noch nicht kennt, lässt sich bei Testpersonen eine Verbesserung der Aufmerksamkeitsspanne feststellen. „Die Steigerung der kognitiven Leistung liegt aber meistens unter zehn Prozent“, sagt Schleim.
Lesen Sie auch: Hirndoping – Eine Übersicht
Nebenwirkungen und gesellschaftliche Folgen
Frei von Nebenwirkungen ist aber auch Modafinil nicht. Laut Beipackzettel treten häufig Kopfschmerzen auf, seltener kommt es beispielsweise zu Schlaflosigkeit, hohem Blutdruck oder Erbrechen. Außerdem sind psychische Reaktionen bis hin zur Persönlichkeitsveränderung möglich. Der studierte Philosoph Schleim verweist neben den körperlichen Folgen vor allem auf die gesellschaftlichen Folgen des Hirndopings. Er befürchtet ein „kognitives Wettrüsten“.
Dopingkontrollen an Hochschulen?
An Hochschulen stellt sich die Frage, ob man den Einsatz von Neuroenhancern verbieten und Dopingkontrollen vor Prüfungen einführen müsste. Auch Isabella Heuser hält dies grundsätzlich für denkbar, verweist aber darauf, dass die heute verfügbaren Substanzen nicht unmittelbar vor einer Prüfung, sondern während der Vorbereitung eingenommen werden. Die Frage, was erlaubt sein sollte und was nicht, muss zudem eindeutig geklärt sein.
Juristische Aspekte
Strafbar macht sich derjenige, der illegal mit solchen Substanzen handelt oder auch der Arzt, der ein Rezept ausstellt, obwohl es keine medizinische Indikation gibt. Nicht jedoch derjenige, der sie konsumiert. Der Prüfling, der vor seiner Prüfung Medikamente einnimmt, handelt stets auf eigenes Risiko. Er kann sich nicht im Nachhinein auf seine Prüfungsunfähigkeit berufen, wenn das Mittel nicht die gewünschte Wirkung oder gar eine gegensätzliche Wirkung gezeigt hat.
Neuroenhancement: Definition und Verbreitung
Neuroenhancement ist der Versuch gesunder Personen, ihre geistige Leistungsfähigkeit durch die Einnahme psychoaktiver Substanzen zu steigern. Aktuell geben 6,7 % der deutschen Erwerbstätigen zwischen 20 und 50 Jahren an, bereits einmal Neuroenhancement praktiziert zu haben - Tendenz steigend. Die am häufigsten verwendeten Substanzen sind Koffein, Ginkgo biloba, Methylphenidat, Amphetamine und Modafinil, aber auch Antidementiva und Antidepressiva bis zu illegalen Drogen wie Speed oder Ecstasy kommen zum Einsatz.
Substanzen und ihre Wirkung
Eine Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit bei Gesunden ist tatsächlich nur für die Substanzen Koffein, Methylphenidat, Amphetamine und Modafinil nachgewiesen, wobei die Wirkung im Einzelfall sehr unterschiedlich ausfallen kann: Je niedriger die Leistungsfähigkeit zu Beginn der Einnahme ist, desto mehr profitiert die jeweilige Person davon. Unabhängig von den Effekten beim Einzelnen haben die genannten Stimulanzien teilweise erhebliche körperliche Nebenwirkungen und ein mehr oder weniger ausgeprägtes Abhängigkeitspotential.
Lesen Sie auch: Doping: Eine Gefahr für das Nervensystem
Warnung vor leichtfertiger Anwendung
Die Studienlage zum Einsatz von Neuroenhancern bei Gesunden hinsichtlich Wirkungen, Nebenwirkungen und Langzeiteffekten ist insgesamt schlecht, so dass eine umfassende Bewertung dieser Substanzen schwierig ist. Von einer leichtfertigen, insbesondere langfristigen Anwendung durch Gesunde wird daher dringend abgeraten! Letztlich handelt es sich bei der Einnahme von Arzneimitteln ohne medizinische Notwendigkeit um einen Arzneimittelmissbrauch - der von zahlreichen negativen, sowohl physischen als auch psychischen (Aus-)Wirkungen begleitet werden kann.
Definitionen: Neuroenhancement, Gehirndoping, Soft-Enhancement, Mood Enhancement
Der Versuch, die geistige Leistungsfähigkeit gesunder Personen durch die Einnahme psychoaktiver Substanzen aller Art zu steigern, wird als „(pharmakologisches) Neuroenhancement“ oder auch „Cognitive Enhancement“ bezeichnet. Der Begriff „Gehirndoping“ beschreibt den Gebrauch einer Untergruppe dieser psychoaktiven Substanzen, die verschreibungspflichtig sind oder bei denen es sich um Betäubungsmittel handelt und deren Anwendung durch Gesunde einen Missbrauch darstellt. Die Einnahme von nicht verschreibungspflichtigen OTC („over the counter“)-Arzneimitteln wird gelegentlich als „Soft-Enhancement“ bezeichnet, das auch die Einnahme von homöopathischen Mitteln umfasst. Eine weitere Unterdefinition ist das „Mood Enhancement“, das die Einnahme von Substanzen, überwiegend Antidepressiva, die emotionale Funktionen und damit das psychische Wohlbefinden beeinflussen sollen, beschreibt.
Geschichte des Neuroenhancement
Der Gebrauch von Mitteln, die den Wachzustand und die geistige Leistungsfähigkeit beeinflussen, ist kein neues gesellschaftliches Phänomen. Seit jeher versuchen Menschen, durch den Einsatz verschiedenster Substanzen sowohl ihre körperliche als auch ihre geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern.
Umfragen zum Neuroenhancement
Für Aufsehen sorgte eine 2008 veröffentlichte Online-Umfrage der renommierten Fachzeitschrift Nature unter rund 1400 Wissenschaftlern aus 60 Ländern. Etwa 20 % von ihnen gaben an, selbst schon einmal verschreibungspflichtige Präparate eingenommen zu haben, um ihre Konzentration und Aufmerksamkeit zu steigern. In Deutschland führte die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) 2009 eine repräsentative Umfrage für den DAK-Gesundheitsreport durch. 4,7 % der Befragten gaben an, ohne medizinische Notwendigkeit leistungssteigernde Substanzen eingenommen zu haben oder einzunehmen. Die Befragung wurde 2015 wiederholt. Nun gaben 6,7 % der Befragten an, schon einmal Gehirndoping praktiziert zu haben. Dabei stand das psychische Wohlbefinden häufiger im Vordergrund als die Leistungssteigerung, wobei hier geschlechtsspezifische Unterschiede festzustellen waren: Männern kam es eher auf die geistige Leistungssteigerung an, während Frauen auf eine Stimmungsaufhellung und den Abbau von Ängsten und Nervosität zum Ziel hatten.
Gründe für die Zunahme des Neuroenhancement
Die Zunahme des pharmakologischen Neuroenhancement spiegelt die gestiegenen Anforderungen der heutigen Arbeitswelt wider. Berufstätigen werden in hohem Maße psychische Belastbarkeit, Stress-Resistenz, hohe Konzentrationsfähigkeit und schnelles Reaktionsvermögen abverlangt. Aus diesem Grund finden sich unter den Anwendern von Neuroenhancement nicht mehr nur Künstler und Intellektuelle, sondern Banker, Manager, Softwareentwickler, Wissenschaftler, Ärzte und zunehmend auch Schüler und Studenten.
Überblick über Substanzen
Koffein
Koffein in Form von Kaffee ist die weltweit am häufigsten verwendete Substanz mit psychoaktiven Eigenschaften. Das einzige in Deutschland zugelassene koffein-haltige Arzneimittel ist nicht verschreibungspflichtig und enthält 200 mg Koffein pro Tablette, die Tageshöchstdosis beträgt 400 mg. Es wird eingesetzt zur kurzfristigen Beseitigung von Ermüdungserscheinungen. Nebenwirkungen treten in der Regel bei Dosierungen über 200 mg auf und umfassen Kopfschmerzen, Unruhe, Schwitzen, Magen-Darm-Beschwerden, Nervosität, Schlafstörungen/Schlaflosigkeit, Zittern, Bluthochdruck, Beschleunigung des Herzschlags, Herzrhythmusstörungen und Übelkeit. Wie alle Stimulanzien steigert Koffein die Aufmerksamkeit und Wachheit, dabei entfaltet es seine Wirkungen vor allem bei Probanden mit Schlafentzug und erschöpften Probanden. Reaktionszeiten werden verkürzt, und die Gedächtnisleistung wird gesteigert, allerdings nur bei Aufgaben mit moderatem Schwierigkeitsgrad.
Ginkgo biloba
In Deutschland sind Ginkgo biloba-Präparate als nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel erhältlich. Ginkgo-Extrakt ist unter anderem zur symptomatischen Behandlung von Beschwerden bei hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen bei demenziellem Syndrom zugelassen. Die übliche Dosierung beträgt bis zu 240 mg Ginkgo-Extrakt täglich. Zu den beschriebenen Eigenschaften gehören neuroprotektive, antioxidative und durchblutungsfördernde Wirkungen. Als Nebenwirkungen können leichte allergische Hautreaktionen und Wechselwirkungen mit Gerinnungshemmern auftreten.
Methylphenidat und Dexamfetamin
Methylphenidat und Dexamfetamin sind in Deutschland zugelassen zur Behandlung der Aufmerksamkeits-Defizin-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) und unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz. Die maximale Tagesdosis darf 60 mg Methylphenidat bzw. 20 mg Dexamfetamin nicht überschreiten. Die Liste der Nebenwirkungen ist lang: Überempfindlichkeitsreaktionen, Magen-Darm-Beschwerden, Appetitminderung, Kopfschmerzen, Schwindel, innere Unruhe, Schlafstörungen, Nervosität, Übelkeit, Erbrechen, Zittern, Schweißausbrüche und Hitzewallungen, Delirium-ähnliche Zustände mit Halluzinationen, Bluthochdruck, Beschleunigung des Herzschlags, Herzrhythmusstörungen bis zum plötzlichen Herztod, zerebrale Krampfanfälle, etc. Als sehr häufige Nebenwirkung werden sogar Konzentrationsstörungen angegeben. Bei Kindern wurde bei längerfristiger Einnahme von Methylphenidat eine Verminderung der Gewichtszunahme und des Längenwachstums beobachtet. Ein weiteres Risiko der Einnahme dieser Stimulanzien liegt darin, dass sie psychische Erkrankungen wie Manien mit Symptomen wie irrealer Euphorie und Selbstüberschätzung oder Psychosen auslösen können. Wie alle Stimulanzien können Methylphenidat und Amphetamine insbesondere zu psychischen Abhängigkeiten führen. Amphetamine steigern die Wachheit, (Dauer-)Aufmerksamkeit, Konzentration und verkürzen die Reaktionszeiten. Methylphenidat verbessert aktuellen Untersuchungen zufolge die Aufmerksamkeit und Wachheit, die Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie schlussfolgerndes Denken und Problemlösekompetenzen; die Effekte sind wiederum bei Probanden mit Schlafmangel stärker.
Modafinil
In Deutschland ist Modafinil verschreibungspflichtig und zur Behandlung exzessiver, krankhafter Tagesmüdigkeit bei Narkolepsie zugelassen. Täglich sollten maximal 400 mg Modafinil eingenommen werden. Zu den am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen gehören verminderter Appetit, Kopfschmerzen, Nervosität, Schlaflosigkeit, Angst, Depression, Denkstörungen, Verwirrtheit, Reizbarkeit, Schwindelgefühl, verschwommenes Sehen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Mundtrockenheit, Durchfall, Verstopfung, Brustschmerzen, Beschleunigung des Herzschlags, Herzklopfen, Bluthochdruck und viele weitere. Verschiedene Untersuchungen zeigen die kognitionsfördernden Eigenschaften von Modafinil bei Gesunden, dies gilt insbesondere wieder nach Schlafentzug.
Antidementiva
Zur Gruppe der Antidementiva gehören zwei Substanzklassen mit unterschiedlichem Wirkmechanismus. Donepezil, Galantamin und Rivastigmin sind Acetylcholinesterase-Inhibitoren und in Deutschland als verschreibungspflichtige Arzneimittel zur Behandlung der milden bis mittelschweren Alzheimer-Demenz zugelassen. Ebenfalls verschreibungspflichtig ist der Wirkstoff Memantin, ein NMDA (N-Methyl-D-Aspartat)-Partialantagonist zur Behandlung der mittelgradigen bis schweren Alzheimer-Demenz. Typische Nebenwirkungen der Antidementiva sind Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Kopfschmerzen, Schwindel, Schwächegefühl, Appetitlosigkeit, Zittern, Harninkontinenz und dosisabhängig Halluzinationen, Verwirrtheit, Erregungszustände und aggressives Verhalten.
Antidepressiva
Aus der Gruppe der Antidepressiva werden überwiegend selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer als Neuroenhancer eingesetzt. Dazu gehört der Wirkstoff Fluoxetin, in Deutschland ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Behandlung von Episoden einer schweren Depression. Die Tagesdosis sollte höchstens 60 mg betragen. Häufigste Nebenwirkungen sind verminderter Appetit und Gewichtsverlust, Nervosität, Ruhelosigkeit, Angst, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Aufmerksamkeitsstörungen, Schwindel, Benommenheit, verschwommenes Sehen, Störungen der Sexualfunktion und gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung.
Fazit zur Wirksamkeit und Risiken
Eine Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit bei Gesunden ist tatsächlich nur für die Substanzen Koffein, Methylphenidat, Amphetamine und Modafinil nachgewiesen. Im Mittel sind diese Wirkungen eher moderat. Im Einzelfall sind jedoch stärkere Wirkungen möglich: In Abhängigkeit von den genetischen Voraussetzungen spricht jeder Proband mehr oder weniger stark auf die unterschiedlichen Substanzen an. Die Wirkung der Stimulanzien ist darüber hinaus abhängig von der kognitiven Ausgangssituation: Bei Personen am unteren Rand des Leistungsspektrums ist eine deutlich stärkere Leistungssteigerung zu erwarten als bei Personen mit bereits zu Beginn sehr hohem Leistungsniveau. Unabhängig von der Wirkstärke beim Einzelnen sind die Effekte angesichts der Nebenwirkungen und des Abhängigkeitspotentials psychoaktiver Substanzen unter Umständen durch erhebliche gesundheitliche Nachteile erkauft.
Ethische und gesellschaftliche Fragen
Viele Menschen greifen im Wettbewerb um gute Noten und Leistungen am Arbeitsplatz zu vermeintlich leistungssteigernden Substanzen. Handelt es sich bei der Einnahme leistungssteigernder Medikamente um verwerfliches „Hirndoping“ im täglichen Konkurrenzwettbewerb? Oder kann „Cognitive Enhancement“ die Chancengleichheit fördern? Die vielfältigen Aspekte des „Hirndopings“ zeigen, wie wichtig es ist, mögliche Folgen des lebenswissenschaftlichen Fortschritts mit einem gesellschaftlichen Diskurs zu begleiten.
Informationsdefizit bei Jugendlichen
Britta Oertel ist Informationswissenschaftlerin am Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT). Sie leitete das Projekt JuHdo und stellt bei Jugendlichen ein hohes Informationsdefizit zur kognitiven Leistungssteigerung fest. „Das betrifft sowohl das Wissen um die Wirkung als auch um die gesundheitlichen Nebenwirkungen der Substanzen. „Das gibt durchaus Anlass zur Sorge.
Studien zur Verbreitung
6,7 Prozent der befragten Berufstätigen nutzen ohne medizinische Notwendigkeit verschreibungspflichtige Medikamente, um ihre kognitiven Leistungen zu verbessern. Expertinnen und Experten glauben, dass bis zu 12 Prozent der Erwerbstätigen „Hirndoping“ praktizieren (DAK-Gesundheitsreport 2015). Einer Studie aus dem Jahr 2012 zufolge konsumieren 5 Prozent leistungssteigernde Substanzen (Hochschul-Informations-System GmbH, HIS-Studie). Eine in der Fachzeitschrift „Phamarcotherapy“ veröffentlichte Arbeit kommt 2013 zu dem Ergebnis, dass 20 Prozent der Studierenden leistungssteigernde Substanzen konsumieren.
Die Debatte um Neuroenhancement in "Gehirn und Geist"
In der Zeitschrift "Gehirn und Geist" wurde die Debatte um Neuroenhancement ausführlich diskutiert. Thomas Metzinger prophezeite, dass die Grenze zwischen legalem und illegalem Drogenkonsum immer unschärfer würde, und machte die Hersteller der Präparate dafür mitverantwortlich. Michael Gazzaniga empfahl, den neuen Möglichkeiten offen zu begegnen, während Stephan Schleim die Risiken die möglichen Vorteile bei Weitem überwiegen sah. Mathias Berger und Claus Normann lieferten eine Übersicht über die zu dieser Zeit vorliegenden Studien, in denen die Wirksamkeit der schon heute verfügbaren Präparate bei Gesunden als Neuroenhancer untersucht worden war.
Das Memorandum zum Neuro-Enhancement
Das Memorandum zum Neuro-Enhancement, das 2009 in "Gehirn und Geist" erschien, warf die Frage auf, inwiefern sich künftige Neuro-Enhancement-Präparate von anderen Vorteilen unterscheiden, die privilegierte Mitglieder der Gesellschaft längst genießen.
Aktuelle Studien und Ergebnisse
Aktuelle Studien zeigen, dass die Verbesserungen durch bekannte Hirndopingmittel, sofern sie überhaupt nachgewiesen werden können, etwa im Vergleich zu Placebos nur gering sind. Eine Studie der University of Nottingham ergab, dass Versuchspersonen unter Einfluss von Modafinil Schwierigkeiten hatten, rechtzeitig zu antworten und insgesamt schlechter abschnitten als die Kontrollgruppe.
Der Missbrauch von Modafinil
Ärzte verschreiben Modafinil nur gegen Narkolepsie. Das Medikament wird seit Jahren als Gehirn-Booster missbraucht. Der Absatz ist vor allem in den USA rasant gestiegen. Eine Metastudie von Ruairidh Battleday und Anna-Katharine Brem ergab, dass Modafinil keine signifikante Wirkung auf das Arbeitsgedächtnis hat, aber die geistigen Leistungen bei komplexeren Aufgaben verlässlicher zu erhöhen scheint. Die EMA warnt jedoch vor dem Missbrauch von Modafinil, da das gesundheitliche Risiko durch Nebenwirkungen deutlich höher ist als die erhoffte Wirkung.
Neuroenhancer: Keine Wunderpillen
Wer sein Gehirn auf nimmermüde trimmen will, zahlt gesundheitlich unter Umständen einen hohen Preis - für eine oft überschaubare Wirkung des Neuroenhancements. Studien zeigen, dass diese Mittel meist hinter den subjektiven Erwartungen zurückbleiben.
Gesunde Alternativen zum Neuroenhancement
Geringer Effekt, hohes Risiko: Unterm Strich lohnt sich Neuroenhancement nicht. Bleiben gesunde Alternativen, um das Hirn auf Hochtouren zu bringen. „Dazu gehören ausreichend Schlaf und Pausen, eine gute Flüssigkeitsversorgung, reichlich Bewegung und frische Luft“, sagt Nelles.
Die Frage der Legalität
2008 haben US-amerikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der renommierten Fachzeitschrift Science ein Tabu gebrochen und sich offen für das „Hirndoping“ ausgesprochen. In Deutschland finden sich Vertreter der Wissenschaft, die dem Thema Hirndoping positiv gegenüber stehen, wie ein Memorandum in der Zeitschrift Gehirn & Geist verdeutlicht.