Die Pudendusneuralgie ist eine seltene, aber äußerst belastende chronische Schmerzerkrankung im Bereich des Damms. Der Begriff setzt sich zusammen aus Pudendus (der Pudendusnerv) und Neuralgie (Nervenschmerzen). Betroffen ist der Nervus pudendus, auch Schamnerv genannt, der für die Sensibilität und Funktion im Beckenboden zuständig ist. Immer mehr PatientInnen suchen nach einer Behandlung, nachdem sie die Diagnose Pudendusneuralgie erhalten haben oder den Verdacht haben, daran zu leiden, wenn Urologe, Gynäkologe oder Proktologen keinen organischen Befund festgestellt haben.
Definition und Anatomie
Der Nervus pudendus entspringt im Kreuzbein, also im unteren Rücken und im Gesäß, einem Nervengeflecht (genannt Plexus). Er gehört zum peripheren Nervensystem und verästelt sich in den Bereich des Afters und der äußeren Genitalien. Dort ist er für Schmerz- und Sinneseindrücke sowie für die Steuerung einiger Muskeln zuständig. Als Damm bezeichnen Mediziner die Region zwischen After und Hodensack beziehungsweise der Scheide. Der Nervus pudendus ist zuständig für die sensible Wahrnehmung von After, Damm und Hoden beziehungsweise der Schamlippen. Außerdem versorgt der Schamnerv die Muskulatur des Beckenbodens und den äußeren Afterschließmuskel. Damit ist er wichtig für die Kontrolle von Harn und Stuhl sowie für die Sexualfunktion. Der Nervus pudendus ist ein Bündel mehrerer Nerven, die aus dem unteren Rückenmark her verlaufen. Er läuft seitlich durch verschiedene Strukturen des Beckens. Im sogenannten Alcock-Kanal zieht er nach vorne und teilt sich dann in verschiedene kleine Äste auf. Der Alcock-Kanal gilt als wichtige Engstelle im Verlauf des Nervus pudendus.
Ursachen der Pudendusneuralgie
Bei der Pudendusneuralgie wird eine Irritation durch Druck oder Verletzung des Pudendusnervs angenommen, die Schmerzen und Funktionsstörungen auslösen kann. Die Erkrankung entsteht häufig durch:
- Mechanischen Druck: Langes Sitzen, insbesondere auf ungeeigneten Stühlen oder Sätteln (z. B. beim Radfahren), kann den Nerv einklemmen oder reizen. Auch Operationen, in denen der Patient lange in derselben Position gelagert wird, führen in einigen Fällen zu Druckschädigungen. Starkes Pressen bei chronischer Obstipation soll ebenfalls eine Kompression verursachen können. Diese Faktoren sollen durch mechanische Druck- und Zugbelastungen eine Kompression oder eine Überdehnung des Nervs verursachen und die Beschwerden auslösen. Außerdem soll durch die Schädigung des Gewebes eine lokale Entzündung ausgelöst werden, die ein Ödem mit sich bringt, das den Nerv dann im Alcock-Kanal beengt.
- Operationen oder Geburten: Insbesondere vaginale Geburten können den Nervus pudendus schädigen. Durch das Einnähen des Nervs an das Lig. Sacrospinale im Rahmen einer Kolpopexie (bei der das Scheidenende fixiert wird) soll es weiterhin zum Pudendus-Schmerzsyndrom kommen.
- Narbenbildung, Verletzungen, Entzündungen: Verletzungen des Beckens wie ein Beckenbruch, Schuss- oder Stichverletzungen, Gewalteinwirkung im Bereich des Beckens; Gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose; Eine schwer verlaufene Geburt; Gefäßerkrankungen des Beckens wie Thrombosen oder Krampfadern; Bindegewebige Verengung des Alcock-Kanals; Seltener sind folgende Erkrankungen, die oft Nerven schädigen, die Ursache für eine Pudendusneuralgie: Herpes zoster (Gürtelrose); Tumorerkrankungen im Becken; Diabetes mellitus.
- Muskuläre Ursachen: Viel häufiger sind wahrscheinlich Irritationen durch mechanischen Druck auf den Nerv und seine Äste und zwar durch verhärtete Muskeln, die den Nerv auf seinem Weg durch den Körper einengen können. Kompressionssyndrome oder Entrapment-Syndrome kennt man bereits von anderen Muskeln, zum Beispiel eine Kompression des Ischiasnervs durch einen verspannten Piriformis-Muskel. Ein chronisch verspannter Piriformis-Muskel könnte auch eine Kompression des Pudendus-Nervs auslösen, da er unterhalb des Piriformis verläuft. Verspannungen im Piriformis können auch durch Sport, zum Beispiel durch schnelle Richtungswechsel bei Tennis, Handball und anderen Ballspielen, entstehen. Lange Meditationen oder ständiges Sitzen im Schneidersitz können Verspannungen im Piriformis auslösen (oder dem Obturatorius internus) Außerdem soll langes Sitzen Triggerpunkte im Piriformis aktivieren. Nach dem Verlauf des Muskels wäre es außerdem denkbar, dass eine Verspannung des Oburatorius internus, die Druck auf den Alcockkanal ausübt und die Faszie des Oburatorius internus verfestigt, sodass Druck und Minderdurchblutung im Bereich des Nervs entstehen könnte.
- Seltene Ursachen: Beckenfrakturen, Tumore, Radiotherapie, tiefe Hämatome durch Injektionen, Schädigungen des Nervs durch Herpes zoster, Geburtsverletzungen (z.B. bei Dammverletzungen).
- Idiopathisch: In vielen Fällen bleibt die Ursache unklar.
Symptome der Pudendusneuralgie
Die Beschwerden bei Pudendusneuralgie sind nicht einheitlich. Auch in der medizinischen Fachliteratur werden die Beschwerden recht unterschiedlich beschrieben, sodass klar wird, wie schwierig die Diagnose ist. Sind die Beschwerden stark, wie bei vielen Betroffenen, und helfen keine Schmerzmittel (wie ebenfalls bei vielen) ist die Lebensqualität stark eingeschränkt.
Typische Symptome sind:
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- Schmerzen: Heftige Schmerzen im Genital- und Dammbereich, die als brennend, stechend, einschießend, dumpf oder drückend beschrieben werden. Einige sprechen auch von einem "Gefühl einer Rasierklinge". Die Schmerzen können einseitig oder beidseitig auftreten.
- Verschlimmerung beim Sitzen: Typisch ist, dass die Schmerzen beim Sitzen zunehmen und beim Stehen oder Liegen nachlassen. Grund dafür ist die Druckentlastung im kleinen Becken. Der Schlaf der Patienten ist durch die Beschwerden in der Regel nicht gestört.
- Missempfindungen: Parästhesien (Kribbeln, Taubheitsgefühle) im Bereich des Beckens, Damms oder der Genitalien. Durch mögliche Taubheitsgefühle sind manchmal das Wasserlassen und der Stuhlgang nicht mehr richtig kontrollierbar.
- Funktionsstörungen: In seltenen Fällen kann es zu Harn- und Stuhlinkontinenz oder sexuellen Funktionsstörungen kommen. Benninghoff und Drenckhahn schreiben, dass eine Läsion des Nervs eine Funktionsuntüchtigkeit der Schließmuskeln von Blase und Anus verursachen könne sowie Störungen der Geschlechtsfunktion. Probleme bei den Sphinktermuskeln (Wind- und Stuhlinkontinenz, Harn- und Belastungsinkontinenz) werden genannt. Die Autoren im Prometheus berichten über folgende Beschwerden: Funktionsverlust des Beckenbodens einschließlich der Schließmuskeln von Blase und Darm (Harn und Stuhlinkontinenz) sowie einer Störung der Geschlechtsfunktionen, z. B. Impotenz beim Mann. Laut Travell und Simons können Schmerzen im Damm, sexuelle Funktionsstörungen und Dyspareunie der Frau; Potenzstörungen und Schmerzen in der Leiste entstehen.
Diagnose der Pudendusneuralgie
Die Diagnosestellung der Pudendusneuralgie ist häufig schwierig und dauert oft einige Monate mit verschiedenen Untersuchungen und eventuell Fachärzten. Grund ist, dass mehrere Krankheiten ein ähnliches Beschwerdebild auslösen. Diese müssen zuerst ausgeschlossen werden. Wenn Sie Schmerzen im Damm- und Genitalbereich haben, wird Ihr Hausarzt Sie an einen Urologen, Gynäkologen oder Proktologen überweisen. Diese Fachärzte schließen zunächst andere Erkrankungen aus, die oft ähnliche Beschwerden wie eine Pudendusneuralgie hervorrufen. Eine diagnostizierte Pudendusneuralgie wird dann als Nervenkrankheit in der Regel abschließend von einem Neurologen diagnostiziert und behandelt.
Die Diagnose umfasst in der Regel:
- Anamnese: Ausführliche Befragung des Patienten zu seiner Krankheitsgeschichte, Art und Lokalisation der Schmerzen, auslösenden Faktoren und Vorerkrankungen. Dabei stellt der Arzt unter anderem folgende Fragen: Seit wann haben Sie die Beschwerden? Sind die Beschwerden auf einer Seite stärker als auf der anderen? Wie würden Sie die Schmerzen beschreiben? Sind Sie zuckerkrank oder leiden Sie an Gürtelrose?
- Körperliche Untersuchung: Abtasten des Beckenbereichs, um Druckschmerzhaftigkeit des Nervus pudendus festzustellen. Typisch für die Pudendusneuralgie ist es, dass Druck in der Scheide, im Mastdarm (Rektum) oder am Damm Schmerzen auslöst.
- Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomografie (MRT) des Beckens und der Lendenwirbelsäule, um andere Ursachen wie Tumore oder Bandscheibenvorfälle auszuschließen. Mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) macht der Arzt häufig ein Bild des Beckens und des Rückenmarks. Darauf lassen sich in manchen Fällen Strukturen erkennen, die möglicherweise auf den Schamnerv oder das untere Rückenmark drücken wie zum Beispiel Tumoren oder Bandscheibenvorfälle. In den meisten Fällen einer Pudendusneuralgie finden sich aber in der MRT-Aufnahme keine Veränderungen.
- Pudendusblockade: Injektion eines Lokalanästhetikums in die Nähe des Nervus pudendus. Eine vorübergehende Schmerzlinderung nach der Injektion erhärtet die Diagnose. Häufig diagnostizieren die Ärzte eine Pudendus-Neuralgie durch einen Therapieversuch. Dabei spritzt der Arzt dreimal unter Bildkontrolle (meist durch eine Computertomografie, CT) ein Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) entlang des Schamnerven. Dieser Vorgang heißt Pudendusblockade. Bewirkt die Betäubung eine Besserung der Symptome, bestätigt das in der Regel die Diagnose. Dieser Pudendusblock ist auch eine übliche Methode bei der Geburtshilfe.
- Messung der Nervenleitgeschwindigkeit: Elektrophysiologische Untersuchung zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit des Nervus pudendus. Durch eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) lassen sich Schädigungen des Nervus pudendus nachweisen, die oft eine Pudendusneuralgie bewirken: Bei der Elektroneurografie (ENG) klebt der Arzt Elektroden auf die Hautbereiche, die durch den Nervus pudendus innerviert sind. Durch Strom reizt man den Nerv. Die Geschwindigkeit, mit der der Nerv die Information weiterleitet, lässt sich messen. Bei einer Pudendusneuralgie ist die Nervenleitgeschwindigkeit verändert.
Ausschluss anderer Krankheiten:
Die Diagnosestellung der Pudendusneuralgie ist häufig schwierig und dauert oft einige Monate mit verschiedenen Untersuchungen und eventuell Fachärzten. Grund ist, dass mehrere Krankheiten ein ähnliches Beschwerdebild auslösen. Diese müssen zuerst ausgeschlossen werden. Solche Krankheiten sind zum Beispiel: Hautentzündungen; Diabetes mellitus; Tumoren der Nerven und des Rückenmarks (Neurinom, Ependymom); Psychologische Erkrankungen; Nervenschäden durch Strahlentherapie.
Therapie der Pudendusneuralgie
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Pudendusneuralgie zu behandeln. Steckt eine Grunderkrankung dahinter, behandeln Mediziner in der Regel zunächst oder ergänzend diese. Das bedeutet, dass man zum Beispiel den Zuckerwert im Blut bei einem Patienten mit Diabetes mellitus richtig einstellt oder einen ursächlichen Tumor im Becken entsprechend therapiert.
Die Behandlung zielt in erster Linie auf die Schmerzlinderung und die Verbesserung der Lebensqualität ab. Folgende Therapieansätze kommen in Frage:
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- Schmerzmittel: Da die Schmerzen bei einer Pudendusneuralgie meist chronisch sind, sprechen übliche Schmerzmitteln (Analgetika) oft nicht an. Dennoch ist es möglich, zu versuchen, akute Schmerzattacken mit einem der folgenden zum Teil rezeptfreien Wirkstoffe zu lindern: Wenn diese nicht helfen, verschreiben Ärzte oft stärkere Schmerzmittel, etwa Opioide wie Tramadol, Dihydrocodein oder Hydromorphon. Diese sind zum Beispiel als Tabletten, Pflaster oder Zäpfchen erhältlich. Da bei diesen Mitteln Abhängigkeit und unerwünschte Wirkungen möglich sind, beobachtet der Arzt den Verlauf mit Kontrolluntersuchungen. Bei der langfristigen Behandlung dieser chronischen Nervenschmerzen haben sich auch Antidepressiva oder Antikonvulsiva als wirksam erwiesen. Antidepressiva (wie Amitriptylin oder Mianserin) und Antikonvulsiva (Krampflöser, Beispiele sind Gabapentin, Pregabalin, Carbamazepin und Lamotrigin) wirken dabei auf der Ebene der Signalweiterleitung in den Nerven, etwa indem sie Nervenbotenstoffe hemmen. Daher lassen sich diese Medikamente nicht nur für die Behandlung von Depressionen und epileptischen Anfällen nutzen, sondern auch zur Blockade der Schmerzweiterleitung. Oft kombinieren Ärzte verschiedene Schmerzmittel zur Therapie. Meist dauert es eine Weile, bis sich eine Besserung zeigt und bis die für jeden Patienten individuell passende Wirkstoff-Kombination gefunden wird.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Entspannung und Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur. Oft ergänzend zu Medikamenten helfen manchen Patienten bestimmte physiotherapeutische Übungen, die besonders auf die Entspannung im Bereich des Beckenbodens abzielen. Dazu gibt es besondere Patientenschulungen, außerdem hilft vielen Patienten eine psychologische Begleitung bei der Schmerztherapie. Die Übungen beinhalten ja ein An- und Entspannen. Bei dir ist es wichtig, den Fokus auf das Entspannen zu legen. Wie gut das bei dir funktioniert musst du ausprobieren - das hängt halt auch etwas davon ab was da wie geschädigt wurde - aber einen Versuch ist das auf jeden Fall wert.
- Pudendusblockade: Wiederholte Injektionen von Lokalanästhetika und Kortikosteroiden in die Nähe des Nervus pudendus zur Schmerzlinderung. Ein regelmäßiges Einspritzen von Betäubungsmitteln in den Bereich des Schamnerves, ein sogenannter Pudendusblock, ist zwar bei der Diagnose wichtig, zur Schmerzlinderung ist der Block aber nur kurzfristig wirksam und als Therapie laut Experten eher nicht geeignet. Bei der Pudendusblockade wird ein Lokalanästhetikum (ggf. mit Kortison oder Eigenblut) unter Ultraschallkontrolle direkt an den Pudendusnerv gespritzt. Die Injektion kann: die Schmerzen sofort lindern; helfen, den Teufelskreis aus Schmerz und Verspannung zu durchbrechen; in Serien (mehrere Sitzungen) durchgeführt werden.
- TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation): Reizstromtherapie zur Schmerzlinderung. Die sogenannte TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) ist eine Reizstromtherapie. Dabei klebt man Elektroden an den schmerzenden Stellen auf. Die Stromimpulse, die über sie gegeben werden, reizen den Nerven, sind aber für den Patienten nicht schmerzhaft. Sie sollen dazu dienen, die Schmerzweiterleitung ins Gehirn zu verringern.
- SPNS (subkutane periphere Nervenstimulation): Dabei implantieren die Ärzte Elektroden unter der Haut und stimulieren die Nerven. Bei einigen ähnlichen Schmerzsyndromen wie etwa dem Postnukleotomiesyndrom überlagert man so Schmerzimpulse und lindert damit die Symptome. Die Konzepte von TENS, Reizstromtherapie oder SPNS und ihre spezifische Wirksamkeit sind durch Studien nicht eindeutig belegt.
- Operative Therapie: In einigen Fällen kann eine operative Dekompression des Nervus pudendus erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu reduzieren. Laut Studien ist die beste Therapie der Pudendusneuralgie ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Nerv vom Druck entlastet wird oder aus einer Einklemmung befreit. Bei der als Neurolyse bezeichneten Operation wird der Nervus pudendus freigelegt. Auf diese Weise wird jeglicher Druck, der auf ihm lastet (zum Beispiel durch Narbengewebe) genommen. Der Nerv wird entweder von hinten durch die Gesäßmuskulatur (die besterprobte Möglichkeit) freipräpariert oder durch den Damm beziehungsweise durch die Scheide.
- Alternative Behandlungsformen: Im Bereich der Alternativmedizin gibt es etwa die Osteopathie oder Akupunktur, die manchen Patienten helfen können, die Schmerzen zu lindern. Wissenschaftlich-schulmedizinisch gibt es allerdings bislang keine gesicherten Erkenntnisse über die Wirksamkeit dieser Methoden. Das gleiche gilt für homöopathische Mittel, die den Schmerz stillen sollen. Eine Wirksamkeit von Homöopathie lässt sich mit wissenschaftlich-schulmedizinischen Mitteln und Methoden bislang nicht zeigen. Alternativmedizinische Methoden können die schulmedizinische Behandlung allenfalls ergänzen, jedoch nicht ersetzen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie selbst die Therapie bestmöglich unterstützen können.
- Regenerative Medizin: PRP (Platelet-Rich Plasma): körpereigene Wachstumsfaktoren zur Nervenregeneration; Stammzelltherapie: autologe mesenchymale Stammzellen aus Fettgewebe oder Knochenmark - fördern Heilung und reduzieren Entzündungen. Diese Verfahren zielen auf eine nachhaltige Beruhigung und Reparatur des geschädigten Nervengewebes. Die Injektionen erfolgen unter sterilen Bedingungen, in Lokalanästhesie oder leichter Sedierung - für die Patientinnen gut verträglich.
Weitere Empfehlungen für Betroffene
- Bewegung: Bleiben Sie in Bewegung, so gut es geht. Geeignete Möglichkeiten sind z. B.
- Ernährung: Bei chronischer Verstopfung kann das Pressen und der damit verbundene Druck den Pudendusnerv reizen. Maßnahmen dagegen sind genügend Bewegung, Wasser und Ballaststoffe. Bei anhaltender Verstopfung auch Medikamente checken: Antidepressiva, Neuroleptika, Antiepileptika, Mittel gegen Bluthochdruck, Lipidsenker, Diuretika, Sedativa, Opiate können chronische Verstopfung auslösen. Dann sollten Sie ggf. die Dosis anpassen und probieren, ob es besser wird. Ansonst empfehlen wir Flohsamen oder andere Ballaststoffe zuführen. Auch eine Gabe von 400 mg Magnesium pro Tag kann gegen Verstopfung helfen.
- Sitzposition: Wenn Ihre Beschwerden im Sitzen schlimmer werden, sorgen Sie für eine weiche Unterlage (Kissen), auch ein Sitzring kann vorübergehend benutzt werden. Letzterer ist aber keine Dauerlösung, da sich dabei die Rückseite der Oberschenkel chronisch anspannen kann, was wiederum dem Becken zu schaffen machen kann. Wenn nur Liegen hilft, legen Sie sich hin, aber schauen Sie, dass Sie insgesamt in Bewegung bleiben können. Zum Beispiel durch Körperübungen.
- Faszienrolle: Rollen Sie Ihre Oberschenkel mit einer Faszienrolle aus (zwei mal in der Woche jeweils einige Minuten langsam und in alle Richtungen) und machen Sie die Übungen aus dem Grundprogramm, um Ihre Beine zu entlasten.
- Radfahren: Zum Thema Radfahren kann man feststellen, dass viele mit einem unpassenden Sattel die Erfahrung haben, dass danach eine Taubheit oder andere Missempfindungen im Bereich des Damms entstehen. Diese lassen jedoch nach, sobald man den Druck wegnimmt. Bei chronischen Beschwerden ist es angeraten, auszuprobieren, ob ein passender Sattel das Problem behebt: Man kann sich im Fachgeschäft einen Sattel anmessen lassen, sodass der passende herausgesucht werden kann. Das kostet weniger als 100 Euro und bringt sehr viel. Wenn man gerne Rad fährt, kann man einfach ausprobieren, wie lange es möglich ist zu fahren, ohne weitere Beschwerden zu bekommen.
- Yoga: Yoga kann helfen, wieder zu lernen, sich zu entspannen und die Gedanken unter Kontrolle zu bringen, damit sie aus dem Teufelskreislauf Beschwerden - Gedanken - Anspannung herauskommen. Die Bewegung dabei ist ebenfalls positiv. Beobachten Sie, welche Übungen Ihnen guttun, und lassen Sie weg, was negative Folgen hat. Nicht jede und jeder Patient reagiert gleich.
- Weitere Maßnahmen:
- Beginnen Sie mit den Übungen aus dem Grundprogramm des Buchs „Unter der Gürtellinie“ oder des entsprechenden Onlinekurses und machen Sie diese konsequent täglich, vier Wochen lang. Das dauert pro Tag etwa 25 Minuten.
- Lassen Sie sich körpertherapeutisch untersuchen, um abzuklären, ob auch Verspannungen die Ursache für Ihre Beschwerden sein können.
- Lesen Sie das Buch „Unter der Gürtellinie“, um dahinter zu kommen, ob Sie Fehlhaltungen oder Gewohnheiten haben, die Ihre Beschwerden auslösen oder verstärken, und gehen Sie diese mithilfe der Tipps dazu im Buch an.
- Medikamente: Wenn Sie Medikamente bekommen haben und feststellen, dass Sie Ihnen helfen, Ihre Beschwerden besser in den Griff zu bekommen, sollten Sie sie nehmen. Von wiederholten Antibiotika-Einsatz ohne eine nachweisbare Infektion ist abzuraten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wenn Sie den Eindruck haben, dass die verordneten Medikament Ihnen nicht helfen.
- Bleiben Sie dran: Und schließlich bei Pudendudsneuralgie: Bleiben Sie dran.
Erfahrungsberichte von Betroffenen
Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein. Im Internet gibt es verschiedene Foren und Selbsthilfegruppen, in denen sich Menschen mit Pudendusneuralgie austauschen und gegenseitig unterstützen.
Einige Erfahrungsberichte von Betroffenen:
- Katrin: Leidet an starken Schmerzen rechtsseitig im Bereich Vagina/Harnröhre und Harnverhalt. Sie trägt nun seit einiger Zeit einen SPK (suprapubischer Katheter) und sucht den Austausch mit anderen Betroffenen, insbesondere zum Thema ISK (intermittierender Selbstkatheterismus) und Medikamente.
- Eine andere Betroffene: Beschreibt höllisch stechende und schneidende Schmerzen im betroffenen Bereich, die durch Sitzen unmöglich werden. Normale Schmerzmittel helfen nicht, nur Opiate können die Anfälle stoppen. Eine spezielle Diät, die auf Unverträglichkeiten abgestimmt ist, hat zu einer deutlichen Reduzierung der Anfälle geführt.
- Eine weitere Betroffene: Hat ständig Schmerzen und kann nicht sitzen. Sie war zur Behandlung und Diagnostik in Frankreich und nimmt Lyrika (ein Antiepileptika) und Aponal (ein Antidepressivum).
- Ein Betroffener aus der Schweiz: Litt unter starken Schmerzen, die durch Infiltrationen nur kurzzeitig gelindert werden konnten. Er unterzog sich einer Operation zur Freilegung des Nervus pudendus und erhofft sich eine Besserung innerhalb von 6-12 Monaten.
Verlauf und Prognose
Eine Prognose bezüglich der Pudendusneuralgie abzugeben ist schwierig, weil es viele verschiedene Ursachen gibt. Wichtig ist, die Schmerzen einer Pudendusneuralgie möglichst frühzeitig zu behandeln, damit sie nicht chronisch werden.
Zusammenfassung
Die Pudendusneuralgie ist eine komplexe und oft schwer zu diagnostizierende Erkrankung. Eine frühzeitige Diagnose und eine individuell angepasste Therapie sind entscheidend für die Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen. Der Austausch mit anderen Betroffenen und die Suche nach spezialisierten Ärzten und Therapeuten können dabei sehr hilfreich sein.
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