Doping und seine Auswirkungen auf das Nervensystem

Doping im Sport ist ein weit verbreitetes Problem, das nicht nur die Fairness des Wettbewerbs untergräbt, sondern auch erhebliche gesundheitliche Risiken birgt. Während die leistungssteigernden Effekte von Dopingmitteln oft im Vordergrund stehen, sind die Auswirkungen auf das Nervensystem ein oft übersehener, aber kritischer Aspekt. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Wirkungen verschiedener Dopingmittel auf das Nervensystem, von Stimulanzien bis hin zu anabolen Steroiden, und zeigt die potenziellen Gefahren für die Gesundheit auf.

Neuroenhancement und Gehirndoping

Der Begriff "Neuroenhancement" oder "Cognitive Enhancement" beschreibt den Versuch gesunder Personen, ihre geistige Leistungsfähigkeit durch die Einnahme psychoaktiver Substanzen zu steigern. "Gehirndoping" bezieht sich speziell auf den Missbrauch verschreibungspflichtiger oder illegaler Substanzen zu diesem Zweck. "Soft-Enhancement" umfasst die Einnahme nicht verschreibungspflichtiger Medikamente, während "Mood Enhancement" die Verwendung von Substanzen zur Verbesserung der Stimmung und des psychischen Wohlbefindens beschreibt.

Der Gebrauch von Substanzen zur Beeinflussung des Wachzustands und der geistigen Leistungsfähigkeit ist kein neues Phänomen. Seit jeher haben Menschen versucht, ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten durch verschiedene Mittel zu verbessern.

Prävalenz von Neuroenhancement

Eine Umfrage der Fachzeitschrift Nature aus dem Jahr 2008 ergab, dass etwa 20 % der befragten Wissenschaftler bereits verschreibungspflichtige Präparate zur Steigerung ihrer Konzentration und Aufmerksamkeit eingenommen hatten. In Deutschland gaben 2015 6,7 % der Erwerbstätigen zwischen 20 und 50 Jahren an, bereits "Gehirndoping" praktiziert zu haben, was die gestiegenen Anforderungen der modernen Arbeitswelt widerspiegelt.

Substanzen für Neuroenhancement

Zu den am häufigsten verwendeten Substanzen gehören:

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  • Koffein: Die weltweit am häufigsten verwendete psychoaktive Substanz, die in Kaffee, Tee und Energy-Drinks enthalten ist.
  • Ginkgo biloba: Ein nicht verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das zur symptomatischen Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen eingesetzt wird.
  • Methylphenidat und Amphetamine: Verschreibungspflichtige Medikamente zur Behandlung von ADHS, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.
  • Modafinil: Ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Behandlung exzessiver Tagesmüdigkeit bei Narkolepsie.
  • Antidementiva: Verschreibungspflichtige Medikamente zur Behandlung von Demenzerkrankungen, die fälschlicherweise zur kognitiven Verbesserung eingesetzt werden.
  • Antidepressiva: Verschreibungspflichtige Medikamente, die zur Stimmungsaufhellung und Verbesserung der sozialen Funktionsfähigkeit eingesetzt werden.
  • Illegale Drogen: Substanzen wie Speed oder Ecstasy, die erhebliche gesundheitliche Risiken bergen.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Einnahme von Neuroenhancern birgt erhebliche Risiken und Nebenwirkungen, darunter:

  • Körperliche Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Unruhe, Schwitzen, Magen-Darm-Beschwerden, Nervosität, Schlafstörungen, Zittern, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Übelkeit.
  • Psychische Nebenwirkungen: Angst, Depression, Denkstörungen, Verwirrtheit, Reizbarkeit, Halluzinationen, Manien und Psychosen.
  • Abhängigkeitspotenzial: Viele Stimulanzien können zu psychischer Abhängigkeit führen, wobei beim Absetzen Entzugserscheinungen wie depressive Verstimmungen und starkes Drogenverlangen auftreten können.
  • Langzeitfolgen: Die langfristigen Auswirkungen des Konsums von Neuroenhancern auf das Gehirn sind noch nicht ausreichend erforscht.

Stimulanzien

Stimulanzien sind psychoaktive Substanzen, die das Nervensystem beeinflussen und den Körper zu Spitzenleistungen anspornen. Sie werden häufig illegal im Sport als Doping eingesetzt, aber auch legal im Alltag, um Müdigkeit zu vertreiben.

Wirkungsweise

Stimulanzien stimulieren den Sympathikus, den Teil des Nervensystems, der den Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Dies führt zu einer Freisetzung von Neurotransmittern wie Dopamin und Noradrenalin im Gehirn, was die Aufmerksamkeit, Konzentration und Wachheit erhöht.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Einnahme von Stimulanzien kann zu einer Vielzahl von Risiken und Nebenwirkungen führen:

  • Erschöpfung: Stimulanzien verbrauchen die körperlichen Energiereserven und verkürzen die Ruhephasen des Körpers, was zu Erschöpfung führen kann.
  • Neurotoxische Schäden: Der Abbau freier Radikale wird verringert, was zu neurotoxischen Schäden führen kann.
  • Psychische Probleme: Stimulanzien können zu Schlafstörungen, Depressionen, Angstzuständen, Aggressivität und Psychosen führen.
  • Herz-Kreislauf-Probleme: Stimulanzien können zu Bluthochdruck, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen und sogar zum Herz-Kreislauf-Kollaps führen.
  • Sucht: Stimulanzien haben ein hohes Suchtrisiko, das sich in erster Linie psychisch manifestiert.

Beispiele für Stimulanzien

  • Amphetamine: Steigern die Wachheit, Aufmerksamkeit und Konzentration, können aber auch zu schweren Nebenwirkungen wie Psychosen und Herzproblemen führen.
  • Kokain: Ein starkes Stimulans, das Euphorie, Energie und Selbstbewusstsein verleiht, aber auch ein hohes Suchtpotenzial hat und zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen kann.
  • Ecstasy: Eine synthetische Droge, die stimulierende und halluzinogene Wirkungen hat, aber auch zu Angstzuständen, Depressionen und Herzproblemen führen kann.

Anabolika

Anabolika sind synthetische Substanzen, die von den männlichen Sexualhormonen, den Androgenen, abgeleitet sind. Sie wirken eiweißanabol, d. h. sie fördern das Muskelwachstum und beschleunigen die Regeneration.

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Wirkungsweise

Anabolika erhöhen die Eiweißproduktion in den Muskelzellen, was zu einem gesteigerten Muskelwachstum führt. Sie können auch die Sauerstoffversorgung der Muskeln verbessern und die Aggressivität steigern.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Einnahme von Anabolika birgt erhebliche Risiken und Nebenwirkungen:

  • Vermännlichung bei Frauen: Anabolika können bei Frauen zu irreversiblen Veränderungen wie Stimmvertiefung, Klitoriswachstum und Haarwachstum im Gesicht führen.
  • Brustwachstum bei Männern: Anabolika können bei Männern zu einer Vergrößerung der Brustdrüsen (Gynäkomastie) führen.
  • Herz-Kreislauf-Probleme: Anabolika können den Blutdruck erhöhen, den Cholesterinspiegel negativ beeinflussen und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen.
  • Leberschäden: Anabolika können zu Leberschäden und Lebertumoren führen.
  • Psychische Probleme: Anabolika können zu Aggressivität, Depressionen, Angstzuständen und Psychosen führen.
  • Sucht: Anabolika können psychisch abhängig machen.

Beispiele für Anabolika

  • Testosteron: Das wichtigste männliche Sexualhormon, das für das Muskelwachstum und die Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale verantwortlich ist.
  • Oral-Turinabol: Ein synthetisches Anabolikum, das in der DDR als Dopingmittel eingesetzt wurde.
  • Nandrolon: Ein weiteres synthetisches Anabolikum, das häufig von Bodybuildern verwendet wird.

Erythropoietin (EPO)

Erythropoietin (EPO) ist ein Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt. Es wird medizinisch zur Behandlung von Blutarmut eingesetzt, aber auch illegal im Sport als Dopingmittel.

Wirkungsweise

EPO erhöht die Anzahl der roten Blutkörperchen, was die Sauerstoffversorgung der Muskeln verbessert und die Ausdauerleistung steigert.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Einnahme von EPO birgt erhebliche Risiken und Nebenwirkungen:

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  • Erhöhtes Thromboserisiko: Durch die vermehrte Bildung roter Blutkörperchen wird das Blut dickflüssiger, was das Risiko für Thrombosen (Blutgerinnsel) erhöht.
  • Herz-Kreislauf-Probleme: EPO kann zu Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall führen.
  • Neurologische Schäden: Studien deuten darauf hin, dass EPO auch als Schutzfaktor im Gehirn wirkt und möglicherweise bei der Behandlung von Schlaganfallschäden und Schizophrenie eingesetzt werden könnte.

Weitere Dopingmittel und ihre Auswirkungen auf das Nervensystem

Neben den oben genannten Substanzen gibt es noch weitere Dopingmittel, die das Nervensystem beeinflussen können:

  • Narkotika: Schmerzmittel, die die Schmerzwahrnehmung unterdrücken und beruhigend wirken. Sie können zu Abhängigkeit und Atemlähmung führen.
  • Cannabinoide: Substanzen, die von der Hanfpflanze abgeleitet sind und eine schmerzstillende, krampflösende und entspannende Wirkung haben. Sie können zu Verwirrung, Gedächtnisstörungen und Koordinationsproblemen führen.
  • Glucocorticoide: Steroidhormone, die entzündungshemmend und immunsuppressiv wirken. Sie können zu Muskelschwund, Osteoporose und psychischen Problemen führen.

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