Levetiracetam, bekannt unter dem Markennamen Keppra, ist ein Antiepileptikum, das zur Behandlung verschiedener Formen von Epilepsie eingesetzt wird. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Dosierung von Levetiracetam bei Epilepsie, einschließlich Anwendungsgebiete, Dosierungsrichtlinien, wichtiger Hinweise und möglicher Nebenwirkungen.
Einführung in Levetiracetam
Levetiracetam ist ein Pyrrolidon-Derivat, das seit etwa 35 Jahren auf dem Markt ist. Obwohl der genaue Wirkmechanismus noch nicht vollständig aufgeklärt ist, wird angenommen, dass es an das synaptische Vesikelprotein SV2A bindet, welches eine Rolle bei der Vesikelfusion und der Exozytose von Neurotransmittern spielt. Darüber hinaus beeinflusst Levetiracetam die intraneuronalen Calciumspiegel.
Anwendungsgebiete von Levetiracetam
Levetiracetam ist indiziert zur:
- Monotherapie partieller Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren mit neu diagnostizierter Epilepsie.
- Zusatztherapie
- partieller Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Erwachsenen, Jugendlichen, Kindern und Säuglingen ab einem Alter von 1 Monat.
- myoklonischer Anfälle bei Erwachsenen und Jugendlichen ab einem Alter von 12 Jahren mit juveniler myoklonischer Epilepsie.
- primär generalisierter tonisch-klonischer Anfälle bei Erwachsenen und Jugendlichen ab einem Alter von 12 Jahren mit idiopathischer generalisierter Epilepsie.
Dosierungsempfehlungen
Die Dosierung von Levetiracetam variiert je nach Alter, Gewicht, Nierenfunktion und Art der Anwendung (Mono- oder Zusatztherapie). Es ist wichtig, die Dosierungsanweisungen des Arztes genau zu befolgen.
Monotherapie (ab 16 Jahren)
- Erwachsene (>/= 18 Jahre) und Jugendliche (ab 16 Jahre):
- Empfohlene Dosis: 5 ml (500 mg) bis 15 ml (1500 mg) zweimal täglich.
- Zu Beginn der Behandlung wird der Arzt möglicherweise für zwei Wochen eine niedrigere Dosis verschreiben.
Zusatzbehandlung
- Erwachsene und Jugendliche (12 bis 17 Jahre):
- Empfohlene Dosis: 5 ml (500 mg) bis 15 ml (1500 mg) zweimal täglich.
- Kinder ab 6 Monaten und älter:
- Die Dosierung wird vom Arzt in Abhängigkeit von Alter, Gewicht und Dosis verordnet.
- Kinder von 6 Monaten bis 4 Jahren: 0,1 ml (10 mg) bis 0,3 ml (30 mg) pro kg Körpergewicht zweimal täglich.
- Kinder ab 4 Jahren: 0,1 ml (10 mg) bis 0,3 ml (30 mg) pro kg Körpergewicht zweimal täglich.
- Säuglinge (1 Monat bis unter 6 Monate):
- 0,07 ml (7 mg) bis 0,21 ml (21 mg) pro kg Körpergewicht zweimal täglich.
Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung
Die Tagesdosis muss individuell entsprechend der Nierenfunktion festgelegt werden. Die Dosisanpassung sollte gemäß den Tabellen in der Fachinformation erfolgen.
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Art der Anwendung
Levetiracetam kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Tabletten sollten mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen und als Ganzes geschluckt werden. Für Patienten, die die Tabletten nicht als Ganzes schlucken können, oder für die die passende Dosis nicht mit ganzen Tabletten zusammengestellt werden kann, steht eine Lösung zum Einnehmen zur Verfügung. Nach der oralen Einnahme kann der bittere Geschmack von Levetiracetam wahrnehmbar sein.
Wichtige Hinweise
- Überempfindlichkeit: Levetiracetam darf nicht eingenommen werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegenüber Levetiracetam, Pyrrolidonderivaten oder einem der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels besteht.
- Nierenfunktionsstörung: Bei Patienten mit Nierenbeschwerden muss die Dosis angepasst werden.
- Leberfunktionsstörung: Bei Patienten mit leicht bis mäßig eingeschränkter Leberfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich. Bei schweren Leberfunktionsstörungen ist Vorsicht geboten.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Levetiracetam kann während der Schwangerschaft angewendet werden, wenn dies klinisch erforderlich ist. Es wird empfohlen, die Behandlung mit der geringstmöglichen wirksamen Dosis durchzuführen. Levetiracetam wird in die Muttermilch ausgeschieden, weshalb das Stillen nicht empfohlen wird.
- Psychiatrische Nebenwirkungen: Levetiracetam kann zu psychotischen Symptomen und Verhaltensauffälligkeiten einschließlich Reizbarkeit und Aggressivität führen. Patienten sollten auf die Entwicklung psychiatrischer Anzeichen überwacht werden.
- Suizidgedanken: Patienten sollten hinsichtlich Anzeichen von Depression und/oder Suizidgedanken und suizidalen Verhaltensweisen überwacht werden.
- Verschlechterung von Anfällen: In seltenen Fällen kann es zu einer Verschlechterung der Anfälle kommen. Patienten sollten bei einer Verschlechterung der Epilepsie unverzüglich ihren Arzt konsultieren.
- Ausschleichende Dosierung: Bei Beendigung der Behandlung sollte Levetiracetam schrittweise abgesetzt werden, um eine Erhöhung der Anfallshäufigkeit zu vermeiden.
- Wechselwirkungen: Bei gleichzeitiger Anwendung von Levetiracetam und Methotrexat kann es zu einer Erhöhung/Verlängerung der Methotrexatkonzentration im Blut kommen. Die Serumkonzentrationen von Methotrexat und Levetiracetam sollten sorgfältig überwacht werden. Die gleichzeitige Verabreichung von Macrogol kann die Wirksamkeit von Levetiracetam verringern.
- Reaktionsvermögen: Levetiracetam kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Patienten sollten beim Autofahren oder Bedienen von Maschinen vorsichtig sein.
Mögliche Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen von Levetiracetam sind:
- Nasopharyngitis (Entzündung des Nasen-Rachen-Raumes)
- Somnolenz (Schläfrigkeit)
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit
- Schwindel
Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:
- Anorexie (Appetitlosigkeit)
- Depression
- Feindseligkeit/Aggression
- Angst
- Insomnie (Schlaflosigkeit)
- Nervosität/Reizbarkeit
- Konvulsionen (Krämpfe)
- Gleichgewichtsstörungen
- Tremor (Zittern)
- Husten
- Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen)
- Diarrhö (Durchfall)
- Dyspepsie (Verdauungsstörungen)
- Nausea (Übelkeit)
- Erbrechen
- Rash (Hautausschlag)
- Asthenie (Schwächegefühl)/Müdigkeit
In seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie schweren allergischen Reaktionen (DRESS, anaphylaktische Reaktion, Quincke-Ödem), Enzephalopathie, Leberversagen, Nierenversagen, Stevens-Johnson-Syndrom und toxischer epidermaler Nekrolyse kommen.
Differenzialdiagnosen und Begleitende Zustände
Bei der Behandlung von Krampfanfällen ist es wichtig, andere mögliche Ursachen und Begleiterkrankungen zu berücksichtigen. Hier sind einige wichtige Punkte:
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- Status Epilepticus: Ein Anfall, der länger als 5 Minuten dauert oder zwei oder mehr Anfälle ohne vollständige Wiederherstellung des Bewusstseins zwischen den Anfällen. Dies erfordert eine sofortige Behandlung.
- Konvulsive Synkope: Ein kurzzeitiger Bewusstseinsverlust aufgrund von verminderter Durchblutung des Gehirns, der mit krampfartigen Bewegungen einhergehen kann.
- Dissoziativer Anfall: Ein psychogener nicht-epileptischer Anfall (PNES), der wie ein epileptischer Anfall aussehen kann, aber psychische Ursachen hat.
- BINTE-Schema: Ein Akronym zur Erinnerung an häufige Ursachen von Krampfanfällen:
- B: Blutzucker (Hypoglykämie)
- I: Infektion (insbesondere Meningitis, Sepsis)
- N: Neurologie (Epilepsie, Schlaganfall, Hirnblutung, Raumforderung)
- T: Trauma/Toxin (Schädel-Hirn-Trauma, Alkoholentzug, Intoxikation)
- E: Elektrolyte (insbesondere Hyponatriämie)
Erste Hilfe und Notfallmaßnahmen
Bei einem anhaltenden Krampfanfall sind folgende Schritte wichtig:
- ABC-Stabilisierung: Atemwege freimachen, Atmung und Kreislauf sicherstellen.
- Sauerstoffgabe: 15 l/min über Maske mit Reservoir.
- Schutz vor Verletzungen.
- Fokussierte Anamnese: Epilepsie bekannt? BINTE-Schema.
- Blutgasanalyse (BGA) mit Elektrolyten.
- Medikamentöse Therapie:
- Stufe 1: Benzodiazepin i.v. (z.B. Lorazepam 4mg i.v. oder Midazolam 10mg i.v.).
- Stufe 2: Antikonvulsiva (z.B. Levetiracetam oder Valproat).
- Stufe 3: Narkoseeinleitung (z.B. Propofol und Esketamin).
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