Dranginkontinenz und Parkinson: Ursachen, Therapie und Alltagstipps

Inkontinenz ist eine häufige, aber oft wenig thematisierte Begleiterscheinung bei Morbus Parkinson. Sie stellt für Betroffene und ihre Angehörigen eine zusätzliche Belastung dar, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen kann. Dieser Artikel beleuchtet den engen Zusammenhang zwischen Parkinson und Inkontinenz, erklärt die Ursachen und Symptome, stellt Behandlungsmöglichkeiten vor und gibt praktische Tipps für den Umgang im Alltag.

Was ist Parkinson?

Bei Morbus Parkinson, kurz "Parkinson", handelt es sich um eine degenerative neurologische Erkrankung des zentralen Nervensystems. In Deutschland leben schätzungsweise rund 300.000 Betroffene, jedes Jahr kommen bis zu 20.000 Neuerkrankungen hinzu. Die Wahrscheinlichkeit, an Parkinson zu erkranken, steigt mit dem Alter. Allerdings können auch jüngere Menschen davon betroffen sein. Erste Symptome zeigen sich in diesem Falle schon ab einem Alter von ca. 40 Jahren.

Im Laufe der Erkrankung verändert sich die Region der "Substantia Nigra" im Gehirn. In der Substantia Nigra befinden sich ca. 400.000 schwarze Zellen (daher Nigra), die für die Bildung des Botenstoffes Dopamin zuständig sind. Dieser ist mit für die Koordinierung und Aktivierung der Muskelzellen im Körper zuständig. Ist bei gesunden Menschen das Absterben der Nigra-Zellen in einem gewissen Maße normal, beschleunigt es sich bei Parkinson-Betroffenen massiv und sorgt dadurch für typische Symptome und Einschränkungen.

Eingeteilt wird Parkinson in drei große Syndrome. Davon ist das idiopathische oder primäre Parkinson-Syndrom am häufigsten vertreten, ca. 75% der Parkinson-Betroffenen leiden darunter. Die Ursachen für das Syndrom sind unbekannt. Man geht aber davon aus, dass es durch das Absterben der Nervenzellen in der Substantia nigra entsteht.

Ursachen von Parkinson

Die Ursachen für Morbus Parkinson sind noch nicht abschließend geklärt. Medizinerinnen und Mediziner sind aufgrund der aktuellen Forschungen aber immer mehr der Überzeugung, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen. Dabei wird nicht die Krankheit selbst vererbt, sondern vielmehr gewisse Gendefekte, welche die Entstehung der Krankheit begünstigen können. Dabei ist wichtig zu wissen, dass man diesen Defekt auch ein Leben lang mit sich rumtragen kann, ohne dass die Krankheit ausbricht.

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Zusätzlich zu dieser genetischen Veranlagung spielen aber noch weitere Faktoren eine Rolle. Dazu zählen zum Beispiel Umweltfaktoren, wie eine dauerhaft hohe Schadstoffbelastung und eben das Alter. Auch bestimmte Sportarten, bei denen der Kopf (das Gehirn) besonders stark belastet werden, können die Entstehung einer Parkinson-Erkrankung begünstigen.

Symptome von Parkinson

Viele Symptome, die bei Parkinson auftreten, lassen sich vor allem im Frühstadium nicht direkt mit der Krankheit in Verbindung bringen und können auch auf viele andere Krankheiten hindeuten. Dazu zählen Schlafstörungen und vermehrte Müdigkeit. Auch häufige Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich können ein Anzeichen für Morbus Parkinson sein, ebenso wie motorische Störungen und eine veränderte Handschrift. Einfach alltägliche Handlungen dauern plötzlich einfach länger. Des Weiteren zeigen sich Veränderungen im Gesicht. Betroffene sind nicht mehr zu einer komplexen Mimik in der Lage. Kann man plötzlich auch intensive Gerüche nicht mehr wahrnehmen, kann das ein weiteres Indiz für Parkinson sein.

Im weiteren Verlauf der Krankheit nehmen besonders die motorischen Störungen immer mehr zu. Aufgrund der verminderten Motorik kommt es bei Parkinson-Betroffenen oft auch zu Veränderungen im Gangbild. Anstatt wie früher vielleicht große, raumgreifende Schritte zu machen, gehen sie nun vermehrt langsam, trippelnd und mit kleinen Schritten. Zudem wird ihr Gang merklich unsicherer, gebückt und wackelig. Die Sturzgefahr steigt und eine Gehhilfe ist oftmals erforderlich. Auch Richtungswechsel bereiten Probleme.

Wichtig zu wissen: Treten all diese Symptome anfangs noch einseitig auf, setzt sich im Laufe der Erkrankung ein Typ durch. Zeigt sich die Erkrankung zum Beispiel vor allem durch das Zittern, spricht man vom Tremor-Dominanten-Typ.

Parkinson und Inkontinenz

Neben den vier Hauptsymptomen kann es zu weiteren Beschwerden kommen. So machen sich bei Parkinson-Patientinnen und Patienten häufig auch vermehrter Harndrang und Nykturie (nächtlicher starker Harndrang) bis hin zu einer Form der Harninkontinenz und / oder Stuhlinkontinenz bemerkbar. Die am häufigsten auftretenden Formen sind jedoch die Belastungsinkontinenz und die Dranginkontinenz.

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Begründet wird das vor allem damit, dass es sich bei Morbus Parkinson um eine neurologische Erkrankung handelt, bei der es zu vielerlei motorischen Störungen kommt. Zudem sind die Bewegungsabläufe oft stark verlangsamt und die Betroffenen schaffen es schlichtweg nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette. Andererseits leiden auch viele Betroffene unter Entleerungsstörungen.

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die primär motorische Symptome wie Zittern, Steifigkeit und verlangsamte Bewegungen verursacht. Doch Parkinson beeinflusst nicht nur das motorische System. Auch das autonome Nervensystem, das unwillkürliche Körperfunktionen wie die Herzfrequenz, die Verdauung und eben auch die Blasenfunktion steuert, kann durch die Erkrankung beeinträchtigt werden. Die Störungen im autonomen Nervensystem können bei Parkinson zu einer Vielzahl von Problemen führen, die die Blasenkontrolle betreffen. Dazu gehören Veränderungen bei der Wahrnehmung des Harndrangs - dieser kann verzögert oder aber plötzlich und sehr stark auftreten. Zudem kann die Koordination der Blasenmuskulatur und des Schließmuskels gestört sein.

Formen der Inkontinenz bei Parkinson

Bei Menschen mit Parkinson können verschiedene Arten von Inkontinenz auftreten:

  • Dranginkontinenz (Urge-Inkontinenz): Diese Form ist die häufigste bei Parkinson-Patienten. Sie ist gekennzeichnet durch einen plötzlichen, sehr starken Harndrang, der oft kaum aufzuhalten ist und zu unwillkürlichem Urinverlust führt, bevor die Toilette erreicht wird.
  • Überlaufinkontinenz: Hierbei entleert sich die Blase nicht vollständig, sondern läuft „über“, was zu ständigem Tröpfeln oder unkontrolliertem Verlust kleiner Urinmengen führt.
  • Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz): Diese Form tritt bei erhöhtem Druck auf die Blase auf, etwa beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben.

Diagnose von Parkinson und Inkontinenz

Um Morbus Parkinson eindeutig zu diagnostizieren, finden neben der ausführlichen Anamnese, die optimalerweise bei jedem Arztbesuch durchgeführt werden sollte, außerdem umfangreiche körperliche Untersuchungen statt. So werden zum Beispiel die Reflexe und die Beweglichkeit der betroffenen Person getestet. Zudem prüft man, ob bei ruhig halten der Hände ein Tremor vorliegt. Um festzustellen, welche Veränderungen im Gehirn auftreten, kommen außerdem bildgebende Verfahren zum Einsatz.

Die Abklärung von Inkontinenz bei Parkinson erfolgt durch den behandelnden Arzt, oft in Zusammenarbeit mit einem Urologen. Eine ausführliche Anamnese, ein Miktionsprotokoll (Aufzeichnung der Trinkmenge, Toilettengänge und Urinverlust), körperliche Untersuchung und ggf. urodynamische Messungen helfen, die Ursache und Art der Inkontinenz zu bestimmen.

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Therapiemöglichkeiten bei Parkinson und Inkontinenz

Die Therapie bei Morbus Parkinson besteht zumeist aus zwei Elementen: dem medikamentösen Ansatz und dem körperlichen Ansatz. Beim medikamentösen Ansatz kommen Medikamente wie das Levodopa (L-Dopa), MAO-B & COMT-Hemmer, oder auch Dopamin-Antagonisten zum Einsatz. L-Dopa unterstützt den Körper beziehungsweise die zuständigen Zellen im Gehirn dabei, weiterhin das so wichtige Dopamin zu produzieren. Der körperliche Ansatz aus Physiotherapie, Logopädie und Psychotherapie zielt vor allem darauf ab, die Mobilität und auch die kognitiven Fähigkeiten, das Sprachvermögen sowie die mentale Gesundheit der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten.

Eher selten und meist nur bei jüngeren Betroffenen kommt die operative Methode der Elektrostimulation des Gehirns zum Einsatz. Dabei wird ein Tiefenhirnstimulator (Hirnschrittmacher) ins Gehirn eingesetzt.

Bestimmte Medikamente, wie z. B. Anticholinergika oder Beta-3-Agonisten, können die Überaktivität der Blase reduzieren. Manchmal ist auch eine Anpassung der Parkinson-Medikation notwendig, da einige Präparate Einfluss auf die Blasenfunktion haben können.

Weitere Therapieansätze

  • Blasentraining: Ziel ist es, die Intervalle zwischen den Toilettengängen schrittweise zu verlängern und die Kontrolle über den Harndrang zurückzugewinnen.
  • Beckenbodentraining: Gezielte Übungen stärken die Muskulatur des Beckenbodens, die für die Blasenkontrolle mitverantwortlich ist.
  • Veränderung der Trink- und Ernährungsgewohnheiten: Vermeiden Sie blasenreizende Substanzen wie Koffein, Alkohol, säurehaltige Säfte oder scharfe Speisen.
  • Sakrale Neuromodulation: In ausgewählten Fällen können auch invasivere Verfahren wie die Sakrale Neuromodulation (ein „Blasen-Schrittmacher“) oder sehr selten chirurgische Eingriffe in Betracht gezogen werden.

Was hilft bei Inkontinenz in Zusammenhang mit Parkinson?

Die Diagnose Parkinson an sich ist psychisch schon schwer belastend. Psychische Probleme und Depressionen können die Folge sein. Kommt noch eine Inkontinenz hinzu, macht es das Ganze nicht besser. Daher ist neben einem gezielten Blasentraining und dem richtigen, sprich passenden Inkontinenzmaterial auch eine gute psychologische Betreuung und eine kompetente Beratung zur Krankheit Parkinson und dem Symptom Inkontinenz wichtig.

Neben den genannten Therapieformen können ausreichend Bewegung, Sportarten wie Schwimmen und gezieltes Gleichgewichtstraining helfen, einen schweren Verlauf der Erkrankung hinauszuzögern. Auch eine gesunde, mediterrane Ernährung und die Reduktion des Fleischkonsums sind einem positiven Krankheitsverlauf zuträglich.

Alltagstipps für den Umgang mit Inkontinenz bei Parkinson

Inkontinenz bei Parkinson ist nicht nur eine körperliche Belastung, sondern kann auch das psychische Wohlbefinden und soziale Leben stark beeinträchtigen. Viele Betroffene fühlen sich beschämt, ziehen sich zurück und vermeiden Aktivitäten außer Haus. Es ist jedoch entscheidend zu verstehen: Sie sind nicht allein mit dieser Herausforderung.

  • Regelmäßige Toilettengänge: Gehen Sie in festen Intervallen (z. B. alle 2-3 Stunden) zur Toilette, auch wenn Sie keinen starken Harndrang verspüren.
  • Anpassung der Umgebung: Machen Sie den Weg zur Toilette sicher und schnell zugänglich. Entfernen Sie Stolperfallen, sorgen Sie für gute Beleuchtung und installieren Sie bei Bedarf Haltegriffe.
  • Geeignete Inkontinenzprodukte wählen: Moderne Inkontinenzprodukte wie Einlagen, Pants oder Windeln bieten diskreten und zuverlässigen Schutz. Es gibt eine große Auswahl an Größen und Saugstärken für unterschiedliche Bedürfnisse am Tag und in der Nacht.
  • Flüssigkeitsmanagement: Trinken Sie ausreichend, um Verstopfung vorzubeugen, die Inkontinenz verschlimmern kann.
  • Hautpflege: Regelmäßiger Urinverlust kann die Haut reizen.
  • Planung im Alltag: Planen Sie Ausflüge so, dass Toiletten verfügbar sind.
  • Offenheit und Unterstützung suchen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie und Freunden über Ihre Probleme. Tauschen Sie sich in Selbsthilfegruppen aus.

Finanzielle Unterstützung

Wussten Sie, dass Inkontinenzprodukte auch medizinische Hilfsmittel sind und von einem Arzt verschrieben werden können? Bei einer medizinischen Notwendigkeit übernehmen die Krankenkassen oft einen Großteil oder sogar die gesamten Kosten für Inkontinenzmaterial. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt über die Möglichkeit eines Rezepts.

Dazu gehören Inkontinenzprodukte, aber auch Bettschutzauflagen, Desinfektionsmittel oder Handschuhe. Wenn ein Pflegegrad vorliegt, können Sie diese Verbrauchsprodukte monatlich im Wert von bis zu 42 Euro kostenlos erhalten.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Inkontinenz bei Parkinson eine behandelbare und managebare Begleiterscheinung ist. Durch eine frühzeitige Diagnose, die Inanspruchnahme medizinischer und therapeutischer Hilfe, die Anpassung des Alltags und die Nutzung geeigneter Hilfsmittel wie Inkontinenzprodukte können die Auswirkungen auf Ihre Lebensqualität deutlich reduziert werden. Scheuen Sie sich nicht, offen über Ihre Beschwerden zu sprechen und die verfügbare Unterstützung zu nutzen.

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