Die Frage, ob Orgasmen zu einem Verlust von Gehirnzellen führen, ist ein Thema, das viele Menschen beschäftigt. Populäre Mythen und ungenaue Informationen haben zu Verwirrung geführt. Dieser Artikel untersucht die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Thema und beleuchtet, was wirklich im Gehirn während des sexuellen Höhepunkts passiert.
Einführung
Die Vorstellung, dass sexuelle Aktivität oder insbesondere Orgasmen, schädliche Auswirkungen auf das Gehirn haben könnten, ist weit verbreitet. Es ist wichtig, solche Behauptungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zu untersuchen, um Mythen zu entkräften und ein klares Verständnis der physiologischen Prozesse zu fördern.
Was passiert im Gehirn während eines Orgasmus?
Ein Orgasmus ist ein komplexer physiologischer Prozess, der zahlreiche Regionen im Gehirn aktiviert. Entgegen der landläufigen Meinung, dass das Gehirn währenddessen inaktiv ist, zeigt die Forschung, dass das Gegenteil der Fall ist. Kernspinaufnahmen zeigen eine regelrechte "Explosion" der Aktivität im Gehirn während des Orgasmus.
Aktive Hirnregionen
Während des Orgasmus sind mehrere Hirnregionen besonders aktiv:
- Genitaler sensorischer Cortex: Diese Region in der Scheitelmitte wird durch die Stimulation der Geschlechtsorgane aktiviert. Interessanterweise stimulieren verschiedene Geschlechtsorgane unterschiedliche Regionen des genitalen Cortex.
- Limbisches System: Der genitale Cortex aktiviert das limbische System, einschließlich Hippocampus und Amygdala, die beide bei der Emotionsverarbeitung eine Rolle spielen. Die Amygdala trägt auch dazu bei, dass Herzfrequenz und Blutdruck ansteigen.
- Kleinhirn: Während sich der Orgasmus aufbaut, löst das Kleinhirn vielfältige Muskelspannungen aus.
- Insula und Gyrus cinguli: In diesen Regionen wird Aktivität beobachtet, die sonst bei Schmerzempfindung auftritt. Dies ist bemerkenswert, da die Schmerzempfindlichkeit während des Orgasmus tatsächlich nachlässt.
- Periaquäduktales Grau und Raphe-Kerne: Diese Regionen bilden das Schmerzunterdrückungssystem des Gehirns, das während des Orgasmus stark aktiviert wird und Serotonin ins Rückenmark schickt.
- Nucleus accumbens und Hypothalamus: Auf dem Höhepunkt des Orgasmus spielen diese Regionen eine zentrale Rolle. Der Nucleus accumbens ist Teil des Lustzentrums des Gehirns und reagiert sehr empfindlich auf Dopamin. Der Hypothalamus produziert Oxytocin, das auch als "Kuschelhormon" bekannt ist und zum starken orgasmischen Wohlgefühl beitragen mag.
Beteiligung von Neurotransmittern
Neurotransmitter spielen eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung der Erfahrungen von Lust und Vergnügen während des Sex.
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- Dopamin: Dieser Neurotransmitter wird in großen Mengen ausgeschüttet und aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn massiv. Dies führt zu einem Rausch der Euphorie, ähnlich den Effekten von Heroin oder Kokain.
- Noradrenalin: Dieser Neurotransmitter hebt die Laune, erhöht die Aufmerksamkeit, vertreibt Hunger und Müdigkeit und dämpft Schmerzen.
- Endorphine: Diese körpereigenen Schmerzmittel fördern die Entspannung und helfen insbesondere Frauen, zum Höhepunkt zu gelangen.
- Serotonin: Dieser Neurotransmitter steigert zwar das Wohlbefinden, kann aber gleichzeitig die Erregung blockieren.
- Oxytozin: Dieses Hormon trägt zum starken orgasmischen Wohlgefühl bei und treibt Herzschlag und Blutdruck in die Höhe.
Sterben Gehirnzellen bei einem Orgasmus?
Die Behauptung, dass bei jedem Orgasmus Millionen von Gehirnzellen absterben, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Zwar sterben Gehirnzellen auch bei anderen alltäglichen Aktivitäten wie Niesen ab, aber ein Orgasmus führt nicht zu einem übermäßigen oder schädlichen Verlust von Gehirnzellen.
Dr.-Sommer-Team Antwort
Das Dr.-Sommer-Team bestätigt, dass es zwar stimmt, dass bei einem Orgasmus Gehirnzellen absterben, dies aber auch bei vielen anderen körperlichen Vorgängen geschieht. Die Anzahl der Gehirnzellen, die ein Mensch besitzt, ist so groß, dass ein lebhaftes Sexualleben keine negativen Auswirkungen auf die Intelligenz hat.
Positive Auswirkungen von Orgasmen
Orgasmen haben nicht nur keine negativen Auswirkungen auf das Gehirn, sondern können sogar positive Effekte haben.
Ausschüttung von Glückshormonen
Bei jedem Orgasmus schüttet der Körper Glückshormone aus, was zu einem Gefühl des Wohlbefindens führt.
Stressabbau und gesundheitliche Vorteile
Befriedigender Sex kann gegen Alltagsstress helfen und das geistige und seelische Wohlbefinden verbessern. Studien haben gezeigt, dass regelmäßiger Sex den Cholesterinspiegel senken, die Durchblutung verbessern, die Muskeln stärken und das Wachstum neuer Gehirnzellen begünstigen kann.
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Schmerzlinderung
Orgasmen können auch eine schmerzlindernde Wirkung haben. Studien haben gezeigt, dass sie Migräneanfälle stoppen, Arthritisschmerzen lindern und Menstruationskrämpfe reduzieren können.
Der Liebestod: Ein seltenes Phänomen
Obwohl Orgasmen im Allgemeinen sicher und gesund sind, gibt es seltene Fälle, in denen sexuelle Aktivität zum Tod führen kann. Dieses Phänomen wird als "Liebestod" bezeichnet.
Ursachen und Risikofaktoren
Der Liebestod ist meistens auf eine Vorerkrankung zurückzuführen, wie z. B. Arteriosklerose. Als Todesursache finden sich häufig Herzprobleme, Hirnblutungen oder geplatzte Aneurysmen. Übergewicht, Stress und die Einnahme von aufputschenden Substanzen können das Risiko erhöhen.
Geschlechterunterschiede
Der Liebestod ist überwiegend ein männliches Problem. Studien haben gezeigt, dass Männer häufiger betroffen sind als Frauen.
Seitensprung als Risikofaktor
Ein Seitensprung kann das Risiko eines Liebestods erhöhen, da er oft mit Stress und körperlicher Anstrengung verbunden ist. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Todesfälle mit fremdem Sexpartner in Statistiken überrepräsentiert sind, da sie häufiger zu einer Autopsie in der Rechtsmedizin führen.
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Reanimation
In Fällen von plötzlichem Herzstillstand nach dem Sex ist die Reanimation entscheidend. Studien haben gezeigt, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit durch Herz-Lungen-Wiederbelebung deutlich erhöht werden kann.
Gedächtnisverlust nach dem Orgasmus: Transiente globale Amnesie (TGA)
In seltenen Fällen kann ein Orgasmus zu einem vorübergehenden vollständigen Gedächtnisverlust führen, der als transiente globale Amnesie (TGA) bezeichnet wird.
Ursachen und Symptome
TGA ist normalerweise Folge von extremer körperlicher, psychischer und emotionaler Belastung oder von starken Reizen. Die Symptome umfassen Gedächtnisverlust für die 24 Stunden vor dem Ereignis und Schwierigkeiten, sich an Dinge zu erinnern, die kurz nach dem Ereignis geschehen.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose von TGA erfordert den Ausschluss gefährlicher neurologischer Ursachen wie Durchblutungsstörungen des Hirns oder ein epileptischer Anfall. Die Symptome verschwinden in der Regel nach kurzer Zeit.