Dry Needling bei Migräne: Eine effektive Behandlungsmethode

Millionen von Menschen weltweit leiden unter Kopfschmerzen und Migräne, was zu erheblichen körperlichen und seelischen Belastungen führt. Betroffene ziehen sich oft aus dem sozialen Leben zurück und haben Schwierigkeiten, den Anforderungen von Beruf und Familie gerecht zu werden. Dry Needling kann hier eine wirksame Abhilfe schaffen, sowohl bei akuten Beschwerden als auch zur Prophylaxe.

Was ist Dry Needling?

Dry Needling ist eine spezielle Technik, die vor allem in der Behandlung von Muskelverspannungen und Bindegewebsproblemen von Bedeutung ist. Es handelt sich um eine wirksame Ergänzung zur manuellen Triggerpunkttherapie und Osteopathie. Der Begriff "Dry Needling" bedeutet "trockenes Nadeln", da keine Medikamente oder Schmerzmittel in den Triggerpunkt (verklebter Muskel) gespritzt werden. Stattdessen werden sterile Akupunkturnadeln verwendet, um direkt in den Triggerpunkt zu stechen.

Dry Needling vs. Akupunktur

Es ist wichtig zu betonen, dass Dry Needling und Akupunktur zwei unterschiedliche Behandlungsmethoden sind. Während beim Dry Needling nur eine Nadel verwendet wird, kommen bei der Akupunktur in einer Sitzung häufig mehrere Nadeln zum Einsatz. Zudem basiert Akupunktur auf Meridianen, während Dry Needling mit der neurofaszialen Matrix arbeitet.

Ziele des Dry Needlings

Die Ziele des Dry Needlings sind die nachhaltige Linderung schmerzhafter Muskelverspannungen durch das Lösen von myofaszialen Triggerpunkten. Bei dieser minimalinvasiven Nadeltechnik handelt es sich um eine effiziente und wertvolle Therapiemaßnahme, die zur Behandlung akuter und chronischer Schmerzzustände punktgenau eingesetzt werden kann.

Myofasziales Schmerzsyndrom

Das myofasziale Schmerzsyndrom ist eine chronische Dysfunktion der Muskel-Faszien-Einheit, bei der aktivierte Triggerpunkte als Schmerzgeneratoren fungieren.

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Wie funktioniert Dry Needling?

Beim Dry Needling werden sterile Akupunkturnadeln durch die Haut in den druckschmerzhaften Kontraktionsknoten fächerförmig eingestochen, um eine lokale Zuckungsantwort (local twitch response) auszulösen. Dadurch werden kleinste Verletzungen erzeugt, die nachfolgend körpereigene Reparaturmechanismen aktivieren. Infolge dessen kommt es in der Regel zur Auflösung der myofaszialen Triggerpunkte.

Ein weiterer Vorteil der kleinen Nadeln ist, dass sie an Punkte vordringen können, die man mit der Hand oder dem Finger gar nicht erreicht. Die Tiefe des Einstichs hängt von dem jeweiligen Muskel ab.

Lokale Zuckungsantwort (LTR)

Die lokale Zuckungsantwort (LTR) ist eine unwillkürliche, kurze Muskelkontraktion (50-100 ms), die durch die mechanische Stimulation eines aktiven Triggerpunkts ausgelöst wird.

Neurophysiologie der LTR

Die Neurophysiologie der LTR umfasst:

  • Mechanotransduktion: Der Nadelreiz aktiviert Mechanorezeptoren in der Muskelfaser.
  • Neurochemische Kaskade: Es kommt zur Freisetzung von ATP, was zur Entspannung kontrahierter Sarkomere führt, und zur Senkung von Substanz P, was periphere Schmerzsignale reduziert.
  • Zentrale Wirkung: Die LTR stimuliert die deszendierende Schmerzhemmung im Rückenmark.

Dry Needling bei Migräne und Kopfschmerzen

Vor allem Triggerpunkte in Kopf-, Nacken- und Schultermuskeln können Migräne auslösen und die Schmerzen während eines Anfalls verstärken, selbst wenn dieser eine nicht-muskuläre Ursache hat, wie z. B. Stress, Schlafmangel oder hormonelle Schwankungen.

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Interessanterweise fand man kürzlich heraus, dass die Anzahl der Triggerpunkte in den Muskeln nicht nur mit der Intensität und Häufigkeit der Attacken, sondern auch mit dem Ausmaß der verspürten Angst vor einem neuen Migräneanfall in Verbindung steht. Dry Needling ist somit eine vielversprechende Methode zur Behandlung von Migräne und anhaltenden Kopfschmerzen - sowohl im akuten Anfall als auch im schmerzfreien Intervall.

Studien belegen die Wirksamkeit

Untersuchungen haben gezeigt, dass Dry Needling bei Migräne und Kopfschmerzen wirksam sein kann. So reicht mitunter bereits eine einzige Anwendung, um die Häufigkeit und die Intensität der Kopfschmerzen zu reduzieren und die funktionellen Einschränkungen zu verbessern.

Eine Untersuchung von 218 Patienten, die an Migräne litten, verglich die Wirksamkeit von Amitriptylin mit den Effekten osteopathischer und chiropraktischer Techniken. Die Ergebnisse zeigten, dass die manuelle Wirbelsäulentherapie ebenso wirksam ist wie Amitriptylin.

Dry Needling als Ergänzung

Dry Needling zur Triggerpunktbehandlung sollte bei anhaltenden Kopfschmerzen grundsätzlich als Behandlungsoption in Betracht gezogen werden - und das je nach Bedarf als sinnvolle Ergänzung zur herkömmlichen Physiotherapie oder Osteopathie, als Einzelmaßnahme oder in Kombination mit medikamentösen Therapien.

Anwendungsbereiche von Dry Needling

Dry Needling kann bei verschiedenen Arten von Kopfschmerzen und Beschwerden im Kopf- und Kieferbereich eingesetzt werden:

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  • Spannungskopfschmerzen: Treten meist nach anhaltenden Muskelspannungen im Nacken- und Schulterbereich auf.
  • Schwindel: Ein Gefühl der Unsicherheit, begleitet von langanhaltendem oder kurzfristigem Schwanken oder Drehen.
  • Kieferbeschwerden: Die bekanntesten Symptome sind Knackgeräusche beim Kauen, Probleme beim weiten Öffnen des Mundes, Verspannungen in der Kaumuskulatur oder eine falsche Bissstellung.

Sicherheit und Hygiene

Die Sicherheit und Hygiene beim Dry Needling sind von großer Bedeutung. Eine gründliche Schulung und gute Kenntnisse der Anatomie und Palpation sind die Grundlage dafür. Der Therapeut muss immer wissen, wo sich die Nadelspitze befindet. Es ist wichtig, dass die Behandlung unter hygienischen Bedingungen durchgeführt wird, indem ausschließlich sterile Einwegnadeln und zugelassene Desinfektionsmittel verwendet werden. Das oberste Ziel des Dry Needlings ist es, die Therapie sicher, ohne Komplikationen und Verletzungen durchzuführen.

Risikoprofil und Sicherheitsmaßnahmen

Auch bei Patienten, die Blutverdünner einnehmen, kann Dry Needling sicher durchgeführt werden, wenn bestimmte Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Dazu gehören die Anpassung des INR-Wertes und die Verwendung von Mikronadeln. Nach der Behandlung wird für 5 Minuten Druck auf die Einstichstelle ausgeübt.

Was erwartet Sie bei einer Dry Needling-Behandlung?

Eine Dry Needling-Behandlung umfasst in der Regel die folgenden Schritte:

  1. Anamnese und Untersuchung: Der Therapeut erfragt Ihre Krankengeschichte und untersucht Sie, um die Triggerpunkte zu identifizieren.
  2. Behandlung: Die sterilen Akupunkturnadeln werden in die Triggerpunkte gestochen. Dies kann ein lokales Zucken (Local Twitch Response) auslösen.
  3. Nachsorge: Nach der Behandlung können lokale Schmerzen an der Einstichstelle auftreten, die sich oft muskelkaterähnlich anfühlen und nach ein bis zwei Tagen verschwinden.

In der Kölner Praxis NOVUM2 wird Dry Needling stets mit einer posturalen Analyse, Faszienketten-Training und neurozentriertem Coaching kombiniert.

Ganzheitliche Indikationsstellung bei NOVUM2

Bei NOVUM2 erfolgt eine ganzheitliche Indikationsstellung durch:

  • Klinische Untersuchung: Janda-Tests und Sonografie zur Triggerpunktvalidierung.
  • Labordiagnostik: CRP/Blutbild bei Verdacht auf Entzündung.
  • Psychosoziales Screening: TAPS-Tool für Schmerzchronifizierung.

Langzeitwirkung von Dry Needling

Dry Needling bietet mehr als nur Symptomlinderung. Es wirkt auf verschiedenen Ebenen:

  • Lokal: ATP-Freisetzung führt zur Muskelrelaxation.
  • Segmental: Hemmung der Schmerzmatrix im Rückenmark.
  • Zentral: Aktivierung des descending inhibitory pathway (Gehirn→Rückenmark).

Studien haben gezeigt, dass Dry Needling zu weniger Schmerzrückfällen führt als Massagetherapie und die Regenerationsbeschleunigung bei Sportverletzungen erhöht.

Dry Needling: Ja oder Nein? Ein Entscheidungsbaum

Ob Dry Needling das Richtige für Sie ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Schmerzcharakter: Ist der Schmerz myofaszial (lokalisiert, triggerbar) oder neuropathisch (brennend, ausstrahlend)?
  • Palpationsbefund: Ist ein aktiver Triggerpunkt vorhanden (LTR reproduzierbar) oder liegt eine diffuse Druckschmerzhaftigkeit vor?
  • Systemische Faktoren: Liegen Entzündungen oder Antikoagulanzien vor?

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