Du bist das Gehirn und ich das Herz: Die tiefe Verbindung zwischen Verstand und Gefühl

Die Redewendung "Du bist das Gehirn und ich das Herz" deutet auf eine traditionelle Dichotomie hin: Das Gehirn steht für Rationalität, Logik und Verstand, während das Herz für Emotionen, Intuition und Leidenschaft steht. Doch die moderne Wissenschaft zeigt, dass diese Vorstellung zu kurz greift. Herz und Gehirn sind keine getrennten Einheiten, sondern stehen in einer ständigen, komplexen Wechselwirkung. Diese Verbindung beeinflusst unser Denken, Fühlen, Verhalten und unsere gesamte Gesundheit.

Die Herz-Hirn-Achse: Eine komplexe Verbindung

Die Wissenschaft spricht von der Herz-Hirn-Achse, einem komplexen, mehrdimensionalen Netzwerk, das noch nicht bis ins Detail verstanden ist. Diese Achse beschreibt die bidirektionale Kommunikation zwischen Herz und Gehirn, die über verschiedene Wege erfolgt:

  • Das autonome Nervensystem: Das autonome Nervensystem, bestehend aus Sympathikus und Parasympathikus, ist eine "Standleitung" zwischen Herz und Gehirn. Der Sympathikus aktiviert uns in Stresssituationen, erhöht die Herzfrequenz und den Blutdruck. Der Parasympathikus hingegen beruhigt uns, verlangsamt die Atmung und senkt die Herzfrequenz. Ein flexibler Herzschlag, der sich ständig an die jeweilige Situation anpasst, ist ein Zeichen von Gesundheit. Eine starre Herzfunktion kann dagegen lebensbedrohlich sein.
  • Hormone: Das Herz produziert Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Oxytocin, die die Leistungsfähigkeit, den Blutdruck und soziale Bindungen beeinflussen.
  • Elektromagnetisches Feld: Das Herz erzeugt ein starkes elektromagnetisches Feld, das das größte des menschlichen Körpers ist. Dieses Feld kann nicht nur den eigenen Körper, sondern auch die Hirnwellen von Mitmenschen in unserer Nähe beeinflussen und sich mit ihnen synchronisieren.
  • Barorezeptoren: Sensible Sensoren in großen Gefäßen messen ständig den Blutdruck und leiten diese Information direkt ins Gehirn weiter.

Das Herz als "König der Organe": Eine neue Perspektive

Prof. Abdullah A. Al Abdulgader, ein angesehener Kardiologe, vertritt die These, dass das Herz das energetisch dominante Organ des Menschen und der "König der Organe" ist. Er argumentiert, dass das Herz ein elektromagnetisches Feld erzeugt, das 5000-mal stärker ist als das des Gehirns und mehr Informationen an das Gehirn sendet als umgekehrt. Das Herz fungiert als zentraler Taktgeber des menschlichen Lebens und beeinflusst maßgeblich die Gehirnfunktionen.

Al Abdulgader betont die spirituelle Bedeutung des Herzens und sieht die Seele als göttliches Wesen, das im Herzen lebt und seinen Rhythmus beeinflusst. Er fordert eine "Heart-Based Universal Science", in der Liebe und Altruismus als Basis für eine globale Bewusstseinsentwicklung dienen.

Die Auswirkungen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf das Gehirn

Die enge Verbindung zwischen Herz und Gehirn bedeutet, dass Herzerkrankungen auch das Gehirn beeinträchtigen können:

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  • Schlaganfall: Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen das Risiko für Schlaganfälle, die durch Blutgerinnsel verursacht werden, die ins Gehirn gelangen.
  • Kognitive Einschränkungen und Demenz: Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz können das Risiko für kognitive Einschränkungen und Demenz erhöhen, da sie mit systemischen Entzündungsreaktionen und einer verringerten Durchblutung des Gehirns einhergehen.
  • Depressionen: Es besteht ein wechselseitiger Zusammenhang zwischen Herzerkrankungen und Depressionen. Herzerkrankungen begünstigen das Auftreten von Depressionen, und Depressionen erhöhen das Risiko für Herzerkrankungen.

Die Auswirkungen von psychischen Erkrankungen auf das Herz

Umgekehrt können auch psychische Erkrankungen das Herz belasten:

  • Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und plötzlichen Herztod: Menschen mit Depressionen haben ein doppelt so hohes Risiko, einen Herzinfarkt oder einen plötzlichen Herztod zu erleiden.
  • Takotsubo-Syndrom (Gebrochenes-Herz-Syndrom): Stress und emotionale Belastungen können zu einer Herzmuskelschwäche führen, die als Takotsubo-Syndrom bekannt ist. Die Symptome ähneln einem Herzinfarkt, jedoch finden sich keine Blockaden der Arterien.

Brain-Body States: Das Zusammenspiel von Körper und Geist

Die Wissenschaftler sprechen von sogenannten "Brain-Body States", einem fein abgestimmten Zusammenspiel von Nerven, Hormonen und Kreislaufreaktionen, das permanent zwischen Kopf und Körper vermittelt. Herzschlag, Blutdruck, Aufmerksamkeit und Emotionen laufen nicht getrennt, sondern parallel - und greifen ineinander. Ein stressiger Moment kann so zum Auslöser für langfristige Veränderungen werden.

Prävention und Therapie: Eine ganzheitliche Betrachtung

Die Erkenntnisse über die Herz-Hirn-Achse haben wichtige Implikationen für die Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf- und psychischen Erkrankungen. Es ist wichtig, beide Aspekte zu berücksichtigen und eine ganzheitliche Betrachtung anzustreben.

  • Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, gesunder Ernährung, Vermeidung von Übergewicht, Bluthochdruck, Hypercholesterinämie und Diabetes ist gut für Herz und Hirn.
  • Stressmanagement: Stress kann sowohl Herz als auch Gehirn schädigen. Es ist wichtig, krankmachende Stressoren zu vermeiden und an der eigenen Stressregulation zu arbeiten. Dabei hilft ein starkes soziales Netzwerk, das in Belastungssituationen unterstützen kann.
  • Integrierte Behandlung: In der Behandlung von Herz-Kreislauf- und psychischen Erkrankungen sollten beide Aspekte berücksichtigt werden. Eine integrierte Betrachtung könnte die Prävention verbessern.

Die Herz-Kohärenz-Übung: Das Herz ins Gleichgewicht bringen

Die Herz-Kohärenz-Übung ist eine Art Meditation, die helfen kann, das Herz ins Gleichgewicht zu bringen und die Herzratenvariabilität zu erhöhen. Sie besteht aus folgenden Schritten:

  1. Atmen: Zweimal langsam und tief einatmen. Dabei auf die Atmung konzentrieren und nach dem langsamen Ausatmen kurz pausieren, bis der Körper von sich aus nach dem nächsten Atemzug verlangt.
  2. Durch das Herz atmen: Weiter langsam und tief einatmen, ohne die Atmung willentlich zu beeinflussen. Dabei stellt man sich bildlich und sinnlich vor, man würde durch das Herz atmen.
  3. Gefühle von Dankbarkeit oder Liebe: Ruhig weiteratmen. Nun auf ein Gefühl von Wärme und Ausdehnung in der Brust achten und / oder auf Gefühle von Dankbarkeit oder Liebe.

Die Übung dauert höchstens ein paar Minuten und wirkt umso schneller und besser, je regelmäßiger man sie anwendet.

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