Migräne in den Wechseljahren: Ursachen, Behandlung und Linderung

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit gekennzeichnet ist. Viele Frauen erleben während der Wechseljahre eine Zunahme von Migräneanfällen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Migräne in den Wechseljahren, verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und gibt praktische Tipps zur Linderung der Beschwerden.

Migräne: Mehr als nur Kopfschmerz

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige, wiederkehrende Kopfschmerzen äußert. Der Schmerz wird oft als pulsierend, stechend oder pochend beschrieben und tritt häufig einseitig auf. Viele Betroffene leiden zusätzlich unter Übelkeit, Lärm- und Lichtscheu sowie einer Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen. Eine Migräneattacke kann zwischen wenigen Stunden und bis zu drei Tagen andauern.

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Etwa 20 % der Frauen sind betroffen. Für etwa jede zweite Frau verschlimmert sich die Migräne in der Zeit vor der letzten Regelblutung, der sogenannten Perimenopause. Bei rund 40 % bessert sich die Migräne während der Wechseljahre, während sich bei rund 10 % keine Veränderungen zeigen.

Hormonelle Ursachen der Migräne in den Wechseljahren

Hormonelle Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei Migräne. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Besonders die Östrogene sind von Bedeutung, und ihr Spiegel sinkt in der Perimenopause. Eine verbreitete Erklärung ist, dass dies einen verminderten Serotoninspiegel nach sich zieht, was einen zentralen Neurotransmitter in der körpereigenen Schmerzhemmung beeinflusst. Auch die Bildung des Botenstoffs Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), der bei Migräne eine Schlüsselrolle spielt, scheint durch hormonelle Einflüsse gesteuert zu werden.

Im Laufe der Wechseljahre kommt es zunächst zu schwankenden und anschließend zu sinkenden Östrogenwerten, was die Entstehung von Migräne begünstigen kann. Bei über der Hälfte aller Frauen, die vor ihren Wechseljahren bereits unter Migräne gelitten haben, verbessern sich die Symptome mit den Wechseljahren zwar, bei den übrigen 40 Prozent bleiben sie leider unverändert bestehen oder verschlimmern sich sogar.

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Östrogen und Migräne

Der Zusammenhang zwischen Östrogen und Migräne ist komplex. Ein Absinken des Östrogenspiegels, wie es vor der Menstruation oder in den Wechseljahren vorkommt, kann Migräneattacken auslösen. Dies erklärt auch, warum viele Frauen während der Menstruation oder in der Perimenopause verstärkt unter Migräne leiden.

CGRP und Migräne

CGRP ist ein Neuropeptid, das bei Migräne eine wichtige Rolle spielt. Es erweitert die Blutgefäße im Gehirn und kann Entzündungen fördern. Hormonelle Veränderungen, insbesondere der sinkende Östrogenspiegel, können die CGRP-Freisetzung beeinflussen und so Migräneattacken auslösen.

Weitere Ursachen und Triggerfaktoren

Neben den hormonellen Veränderungen können auch andere Faktoren Migräne in den Wechseljahren auslösen oder verschlimmern. Dazu gehören:

  • Stress: Stress ist ein bekannter Triggerfaktor für Migräne. Da sich im Alter bei Frauen oft Belastungen häufen, ist Stressmanagement besonders wichtig.
  • Schlafstörungen: Schlafstörungen sind in den Wechseljahren häufig und können Migräneattacken begünstigen.
  • Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke, wie Alkohol, Käse, Schokolade und Zitrusfrüchte, können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
  • Wetterveränderungen: Wetterveränderungen, insbesondere plötzliche Temperatur- oder Luftdruckschwankungen, können ebenfalls Migräneattacken triggern.
  • Flüssigkeitsmangel: Kopfschmerzen können übrigens auch entstehen, wenn du zu wenig Flüssigkeit zu dir nimmst.
  • Genetik: Auch die Genetik kann hier ausschlaggebend sein.

Es ist wichtig, die individuellen Triggerfaktoren zu identifizieren und zu vermeiden, um Migräneanfälle zu reduzieren. Das Führen eines Migräne-Tagebuchs kann dabei helfen, herauszufinden, welche persönlichen Trigger-Faktoren eine Migräneattacke begünstigen. Schreibe täglich über einige Woche hinweg auf, wie du dich fühlst; ob du gestresst bist, was du isst und trinkst, ob du Sport treibst, wie sich das Wetter verändert etc. Halte außerdem jeden Migräneanfall auf Papier fest und schreibe dazu, wann er aufgetreten ist und wie lange er andauert. So lassen sich nach einiger Zeit leichter Rückschlüsse darauf ziehen, was eine Attacke begünstigt.

Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne in den Wechseljahren

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne in den Wechseljahren, die darauf abzielen, die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.

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Medikamentöse Therapie

  • Akuttherapie: Bei akuten Migräneanfällen können Schmerzmittel wie Analgetika (z.B. Ibuprofen, Paracetamol) oder Triptane eingesetzt werden. Triptane sind spezifische Migränemittel, die die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Entzündung reduzieren.
  • Prophylaxe: Wenn Migräneanfälle häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann eine prophylaktische Behandlung in Erwägung gezogen werden. Dazu werden Medikamente eingesetzt, die die Häufigkeit und Intensität der Anfälle reduzieren sollen. Zu den häufig verwendeten Medikamenten gehören Betablocker, Antidepressiva, Antiepileptika und CGRP-Antikörper.

Hormonersatztherapie (HRT)

Eine Hormonersatztherapie zur Anhebung des Östrogenspiegels kann die Migräne zwar lindern, muss jedoch sorgfältig abgewogen werden, da sie auch Risiken birgt, etwa ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Entspannungsverfahren: Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder achtsamkeitsbasierte Programme wie MBSR können helfen, Stress abzubauen und das autonome Nervensystem zu beruhigen.
  • Sport: Regelmäßiger Ausdauersport, beispielsweise dreimal wöchentlich Joggen, wirkt nachweislich günstig. Forschern und Forscherinnen zufolge soll auch regelmäßiger Ausdauersport eine gute Vorbeugung bei Migräne sein.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und eine regelmäßige Nahrungsaufnahme können helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Migräneattacken vorzubeugen. Essen Sie daher mindestens alle 3 Stunden eine Kleinigkeit.
  • Magnesium: Magnesium wirkt krampflösend. Deshalb kann eine ausreichende Versorgung mit diesem Mineralstoff im gewissen Maße vor Migräneattacken schützen.

Pflanzliche Helfer

Pflanzliche Helfer, beispielsweise Extrakte aus Pestwurz oder Mönchspfeffer (insbesondere in der Anfangsphase der Wechseljahre), sollen bei Migräne ebenfalls vorbeugend wirken.

Spezielle Therapieangebote

Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, alle Kopfschmerzen, wie z.B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerz und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen.

Tipps zur Linderung akuter Migräneanfälle

  • Ruhe: Legen Sie sich bei einem Migräneanfall in einen dunklen, ruhigen Raum.
  • Kühle: Kühle Umschläge auf Stirn oder Nacken können helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Flüssigkeit: Trinken Sie ausreichend Wasser, um eine Dehydration zu vermeiden.
  • Medikamente: Nehmen Sie bei Bedarf Schmerzmittel oder Triptane ein.
  • Auszeit: Sollte sich eine Migräneattacke ankündigen, dann nehmen Sie sich eine Auszeit. Legen Sie sich ins Bett und verdunkeln Sie den Raum.
  • Ätherische Öle: Sehr wohltuend können auch ätherische Öle auf Eukalyptus- oder Pfefferminzbasis sein. Lege dich auf die Couch oder das Bett und massiere ganz sanft deinen Kopf und verspannte Nackenmuskeln.

Migräne im Alter

Migräne unterliegt im Laufe des Lebens immer wieder Veränderungen. Im Alter berichten viele Patienten, dass sich die Kopfschmerzerkrankung bessert. Dennoch muss das nicht sein. Vorsicht ist geboten, wenn ältere Menschen zum ersten Mal über Migräne klagen. Zudem bedarf die Behandlung einiger Besonderheiten.

Besonderheiten der Behandlung im Alter

Zur medikamentösen Behandlung von Migräne kommen vorrangig Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) sowie Triptane zum Einsatz. Für ältere Migränepatienten müssen jedoch einige Punkte vor der Anwendung beachtet werden:

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  • Funktionsstörungen der Nieren oder der Leber können eine veränderte Wirksamkeit der Medikamente hervorrufen.
  • Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck müssen besondere Beachtung finden.
  • Augenmerk sollte auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, zum Beispiel Psychopharmaka oder Herz-Kreislauf-Mittel, gelegt werden.
  • Patienten, die unter Gefäßerkrankungen leiden, beispielsweise der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), dürfen keine Triptane einnehmen.

Menstruelle Migräne

Die Schmerzen entstehen, wenn der Spiegel des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen im Blut abfällt. Forscher und Forscherinnen der Charité in Berlin haben herausgefunden, welche Mechanismen dabei ablaufen. In einer Untersuchung mit 180 Frauen zeigte sich: Migräne-Patientinnen schütten größere Mengen des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn aus, wenn der Östrogenspiegel zu Beginn der Periode sinkt, als die migränefreien Probandinnen.

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