Die Dupuytren-Krankheit, auch Morbus Dupuytren genannt, ist eine gutartige Fibromatose, die zu Veränderungen an der Handinnenfläche führt und Beugekontrakturen der Finger hervorrufen kann. Dabei kommt es zu einer zunehmenden, idiopathischen Fibrosierung der Palmaraponeurose der Hände. Die Folgen dieser Veränderungen sind Verhärtungen, Strang- und Knotenbildung auf der Palmarseite der Hand sowie Streckdefizite und Beugekontrakturen der Finger.
Epidemiologie und Ursachen
Laut einer aktuellen Metaanalyse liegt die weltweite Prävalenz für Morbus Dupuytren rechnerisch bei circa 8%. In Afrika war die Prävalenz mit 17% am höchsten, gefolgt von Asien (15 %), Europa (10%) und Amerika (2%). Männer sind drei- bis viermal häufiger als Frauen von der Erkrankung betroffen, und die Inzidenz steigt mit zunehmendem Alter. Eine schwedische Studie ermittelte eine Prävalenz von 1,35% bei Männern und 0,5% bei Frauen im Alter von ≥ 20 Jahren.
Die genaue Ursache von MD ist bislang nicht bekannt. Eine dänische Zwillingsstudie errechnete eine Heritabilität von 80 % für die Erkrankung an der Dupuytren-Kontraktur. Die Erkrankung ist polygenetischen Ursprungs und sehr komplex. Eine Genome-Wide Association Study (GWAS) entdeckte bisher 26 mit MD assoziierte Genloci. Es wird vermutet, dass es noch mehr mit der Dupuytren-Kontraktur assoziierte Genloci gibt. Die an der Entwicklung der MD beteiligten Gene werden zeitverzögert exprimiert, was die zunehmende Inzidenz mit steigendem Alter erklärt.
Verlauf und Diagnose
MD verläuft als chronisch-fortschreitende, idiopathische Fibromatose, wobei der Verlauf individuell sehr unterschiedlich ist. Patienten bemerken zu Beginn der Erkrankung eine allmähliche Verhärtung der Handinnenfläche, die sie jedoch häufig als Schwielen deuten. Später entstehen knotige und flächenhafte Veränderungen der Handfläche, und es können sich derbe Bindegewebsstränge bilden. Bei weiterer Progression des MD können einzelne oder mehrere Finger nicht mehr frei gestreckt werden (Streckdefizit) und krümmen sich in Richtung der Handinnenfläche (Beugekontraktur). Häufig sind Ring- und Kleinfinger betroffen, prinzipiell kann die Erkrankung aber auch an den restlichen Fingern auftreten. Die Hälfte aller Patienten hat Beschwerden an beiden Händen.
Aufgrund der eindeutigen und gut sichtbaren Symptomatik kann eine Verdachtsdiagnose rasch gestellt werden. Anamnese und körperliche Allgemeinuntersuchung reichen in der Regel aus, um die Diagnose Morbus Dupuytren zu stellen. In Zweifelsfällen müssen verhärtete Narben, Arthrosen, Tendovaginitis stenosans (schnellende Finger, Schnappfinger) oder Tumorbildung als Differenzialdiagnosen ausgeschlossen werden.
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Therapie
Das Ziel der Behandlung von MD ist nicht die Heilung, sondern die Wiederherstellung der Handfunktion. Hierzu gibt es verschiedene konservative und chirurgische Behandlungsoptionen.
Konservative Methoden
Zu den konservativen Methoden gehören:
- Fingerlose gepolsterte Handschuhe zur Symptomlinderung bei Fibrosen in der Hohlhand, solange keine Kontraktur besteht.
- Radiotherapie zur Hemmung der Proliferation von Fibroblasten und zur Verlangsamung des Verlaufs der Fibromatose in frühen Stadien der Erkrankung. Eine weitere Indikation besteht im präventiven Einsatz bei aggressiven Verläufen.
- Kollagenase (in Deutschland nicht zugelassen) zur Reduktion der Beugekontraktur.
Chirurgische Verfahren
Chirurgische Eingriffe sollten erst erwogen werden, wenn sich Kontrakturen entwickelt haben, die der Patient als funktionelle Beeinträchtigung empfindet. Folgende chirurgische Verfahren kommen zum Einsatz:
- Limitierte Fasziektomie und segmentale Fasziektomie
- Perkutane Nadelfasziotomie
- Dermatofasziektomie
Bei Bedarf können die verschiedenen Verfahren kombiniert werden (moduläre Technik). Postoperative Schienenbehandlungen oder Lagerungshandschuhe können das Ergebnis möglicherweise stabilisieren.
Limitierte Fasziektomie und segmentale Fasziektomie
Die limitierte Fasziektomie (LF) kommt am häufigsten zum Einsatz und gilt als Referenzstandard. Als Indikation gilt eine Beugekontraktur von >20-30°. Erzielt werden kann eine Reduktion der Beugekontraktur um 80%. Die Patienten sind mit dem ästhetischen und funktionellen Ergebnis meist zufrieden. Die Wundheilung und damit die Wiedererlangung der Gebrauchsfähigkeit der Hand kann zwei bis vier Wochen dauern. Zu den Komplikationen gehören:
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- Lokales Ödem
- Komplex Regionales Schmerzsyndrom (CRPS)
- Gelenksteifheit
- Lappennekrose
- Infektion
- Wunddehiszenz
- Gefäßverletzung
- Nervenverletzung (Taubheitsgefühle, Kälteempfindlichkeit als Folgen)
- Hämatom
- Hautwunden
Die Rezidivrate ist mit 12-73% in fünf Jahren heterogen. Bei der limitierten Fasziektomie sind mehr langfristig beeinträchtigende Komplikationen zu erwarten als bei der perkutanen Nadelfasziotomie oder der Behandlung mit Kollagenase. Bei der segmentalen Fasziektomie soll das Komplikationsrisiko geringer sein. Zum Rezidivrisiko fehlen Daten.
Perkutane Nadelfasziotomie
Die perkutane Nadelfasziotomie ist die am wenigsten invasive chirurgische Behandlungsoption. Die Indikation besteht bei Strängen mit Beugekontraktur und wenn die Patienten ihre Hand nach der Behandlung möglichst schnell wieder gebrauchen möchten. Die Gebrauchsfähigkeit kann mit diesem Eingriff innerhalb von ein bis fünf Tagen erreicht werden. Die Verringerung der Beugekontraktur beträgt 65-85 %. Folgende Komplikationen werden beschrieben:
- Hautwunden
- Lokales Ödem
- Nervenverletzung
- Infektion
- CRPS
- Gefäßverletzung (sehr selten)
Die Rezidivrate ist mit 65% in 32 Monaten vergleichsweise hoch. Allerdings kann der Eingriff mit gutem Ergebnis und geringem Komplikationsrisiko wiederholt werden. Bei breiten Strängen ist der Erfolg der perkutanen Nadelfasziotomie bei der Korrektur des Streckdefizits allerdings begrenzt.
Dermofasziektomie
Dermofasziektomie mit Hautersatz ist die radikalste Operationsmethode bei MD. Dabei wird die Haut samt aller betroffenen Gewebe palmar und knapp dorsal zu den neurovaskulären Bündeln sowie palmar der Sehnenscheide auf der Beugeseite des Fingers entfernt. Die Indikationen für die Dermatofasziektomie sind Rezidive nach der limitierten Fasziektomie oder aggressive Verläufe bei jungen Patienten mit Risikofaktoren (Familienanamnese, Komorbiditäten). Mit der Dermofasziektomie kann eine Verringerung der Beugekontraktur um 80% erreicht werden. Die Wundheilung nimmt etwa drei bis acht Wochen in Anspruch. Bekannte Komplikationen sind:
- Wunddehiszenz
- Hautwunden
- CRPS
- Gefäßverletzung
- Nervenverletzung
- Hämatom
- Lokales Ödem
- Gelenksteifheit
Die Rezidivrate beträgt 8,4% in sechs Jahren. Im transplantierten Bereich tritt häufig ein Sensibilitätsverlust auf. An der Hebestelle des Hauttransplantates kann eine Narbe entstehen.
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Ursachen für Taubheitsgefühle nach der Operation
Das Empfinden im Operationsgebiet kann nach der Operation vermindert oder taub sein. Dies ist meist auf die Nähe der Operationsstelle zu den versorgenden Nerven zurückzuführen. Bereits innerhalb weniger Wochen bis Monate normalisiert sich die Sensibilität in der Regel vollständig.
Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle:
- Nervenverletzung: Während der Operation kann es zu einer Verletzung der kleinen Hautnerven kommen, die für die Sensibilität im Operationsgebiet verantwortlich sind.
- Druckschädigung: Durch die Operation und die damit verbundene Schwellung kann Druck auf die Nerven ausgeübt werden, was zu Taubheitsgefühlen führen kann.
- Narbenbildung: Narbengewebe kann auf die Nerven drücken und so die Sensibilität beeinträchtigen.
- Regionale Anästhesie: Eine Regionalanästhesie (Plexusanästhesie oder Armbetäubung) kann ebenfalls zu vorübergehenden Taubheitsgefühlen führen.
Weitere Nervenkompressionssyndrome als mögliche Ursache
Neben den direkten Auswirkungen der Dupuytren-Operation können auch andere Nervenkompressionssyndrome zu Taubheitsgefühlen in der Hand führen. Hierzu gehören:
- Karpaltunnelsyndrom (CTS): Ein Karpaltunnelsyndrom entsteht durch einen Engpass im Sehnenfach des Handgelenks, wodurch der Nervus medianus (Mittelnerv) eingeklemmt wird. Dies kann zu Taubheitsgefühl, Missempfindungen, Schmerzen und später Lähmungen und Funktionsstörungen in den daumenseitigen Fingern führen.
- Sulcus nervi ulnaris Syndrom (Kubitaltunnelsyndrom): Hierbei wird der Nervus ulnaris (Ellennerv) im Bereich des Ellbogens eingeengt. Dies kann zu Kribbeln, Taubheit und Missempfindungen in den vom Nervus ulnaris versorgten Hautgebieten führen.
- Guyon’sches Logen-Syndrom: Das Guyon’sche Logen-Syndrom bezeichnet eine Druckschädigung des Nervus ulnaris im Handgelenkbereich. Dies kann zu Schmerzen und Kribbeln im Kleinfinger und der dem Kleinfinger zugewandten Seite des Ringfingers führen. In schwerwiegenderen Fällen kann es zu einer Schwäche der entsprechenden Finger und zu einer Unfähigkeit des An- und Abspreizens der Finger kommen.
Was tun bei Taubheitsgefühlen?
In den meisten Fällen sind Taubheitsgefühle nach einer Dupuytren-Operation vorübergehend und verschwinden innerhalb weniger Wochen oder Monate von selbst. Um die Heilung zu unterstützen und die Sensibilität wiederherzustellen, können folgende Maßnahmen helfen:
- Bewegungsübungen: Regelmäßige Bewegungsübungen helfen, die Durchblutung zu fördern und die Nervenfunktion zu verbessern.
- Narbenmassage: Eine sanfte Narbenmassage mit fetthaltigen Cremes kann helfen, Narbengewebe aufzulockern und Druck auf die Nerven zu reduzieren.
- Physiotherapie: Ein Physiotherapeut kann Ihnen spezielle Übungen zeigen, um die Handfunktion zu verbessern und die Sensibilität wiederherzustellen.
- Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente zur Schmerzlinderung oder zur Verbesserung der Nervenfunktion eingesetzt werden.
Sollten die Taubheitsgefühle länger anhalten oder sich verschlimmern, ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären und gegebenenfalls weitere Behandlungen einzuleiten.
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