Die zahnärztliche Lokalanästhesie ist ein Routineverfahren, um Schmerzen bei Behandlungen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich auszuschalten. Obwohl sie in der Regel sicher ist, können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten, darunter auch Schädigungen des Sehnervs. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Risiken und möglichen Alternativen, um Patienten und Behandelnde für dieses Thema zu sensibilisieren.
Einführung in die Lokalanästhesie in der Zahnmedizin
Bei diversen zahnärztlichen Behandlungen soll zuvor die Schmerzempfindung ausgeschaltet werden - mithilfe einer örtlichen Betäubung. Die Vorteile reichen bis hin zu einem reduzierten Angstgefühl. Die zahnärztliche Lokalanästhesie (örtliche Betäubung) dient der lokalen Ausschaltung der Schmerzempfindung im Zahn- Mund- Kiefer und Gesichtsbereich. Durch sie können die notwendigen Behandlungen (wie z.B. Füllungen, Wurzelbehandlungen, Extraktionen, Operationen) in der Regel schmerzfrei durchgeführt werden.
Überwiegend wird diese Körperregion vom Nervus trigeminus (einem Hirnnerven) mit Gefühl versorgt. Um diesen zu betäuben, wird die Lokalanästhesie möglichst dicht an kleinere Nervenfasern (Infiltrationsanästhesie), in den Zahnhalteapparat und Kieferknochen (intraligamentäre Anästhesie) oder in die Nähe eines der drei Hauptäste des Nerven (Leitungsanästhesie) platziert.
Arten der Lokalanästhesie und ihre Anwendung
Es gibt verschiedene Techniken der Lokalanästhesie, die je nach Art und Umfang des Eingriffs eingesetzt werden:
- Oberflächenanästhesie: Die häufigste Variante der Lokalanästhesie ist die Oberflächenanästhesie. Wie schon an der Bezeichnung zu erkennen ist, bleibt die Wirkung dieser Variante auf die Oberfläche beschränkt. Dafür kommt ein Gel oder Spray zum Einsatz, das auf die Schleimhaut aufgetragen wird. Die Oberflächenanästhesie allein würde nicht ausreichen, um die Behandlung schmerzfrei zu gestalten. Sie dient lediglich dazu, die Schmerzen der nachfolgenden Infiltrations- bzw. Leitungsanästhesie zu reduzieren. Dadurch lässt sich insbesondere der Einstichschmerz deutlich lindern.
- Infiltrationsanästhesie: Die Infiltrationsanästhesie kommt vor allem im Oberkiefer zum Einsatz und eignet sich zur Schmerzausschaltung an einzelnen Zähnen. Das Anästhetikum wird zu diesem Zweck in das Zahnfleisch des zu behandelnden Bereichs injiziert. Der Wirkstoff breitet sich dann durch das Gewebe hinweg aus und „infiltriert“ dieses.
- Intraligamentäre Anästhesie: Die intraligamentäre Anästhesie kommt meist dann zum Einsatz, wenn sich Eingriffe auf einen einzelnen Zahn beschränken. Sie kann auch als zusätzliche Betäubung eingesetzt werden, wenn eine andere Form nicht ausreicht, um die Schmerzen vollständig auszuschalten. Zum Einsatz kommt dafür eine Spritze mit einer sehr dünnen Nadel. So hätte an beiden Zähnen Insbesondere eine intraligamentäre Anästhesie durchgeführt werden können. Bei dieser wird das Lokalanästhetikum in den Spalt zwischen Zahnwurzel und Knochenfach injiziert.
- Leitungsanästhesie: Die Leitungsanästhesie kommt zumeist im Unterkiefer zum Einsatz. Insbesondere im Seitenzahnbereich wäre eine Infiltrationsanästhesie ungeeignet, da das Anästhetikum aufgrund des kompakten Knochens nicht bis zu den Nerven vordringen könnte. Das Lokalanästhetikum wird in der Nähe eines Nervs injiziert, sodass es sich rasch ausbreiten und das gesamte Areal betäuben kann. Die Leitungsanästhesie hat den Vorteil, dass sie für eine lang anhaltende Betäubung des Bereichs von bis zu vier Stunden sorgt. Gleichzeitig kann auf eine Vollnarkose verzichtet werden. Für den Zahnarzt kann die Methode jedoch trotz ihres häufigen Einsatzes Schwierigkeiten bereithalten. Er muss die Spritze einführen, ohne das Zielgebiet genau zu sehen. Der Moment des Einstichs kann für Patienten kurzfristig sehr unangenehm sein.
Wie Lokalanästhesie wirkt
Die Wirkung des Anästhetikums setzt da an, wo Schmerzen normalerweise entstehen. Wichtig dafür sind die drei Bestandteile: Rezeptoren, Nervenbahnen und unser Gehirn. Erfahren die Rezeptoren eine Reizung, senden sie ein Schmerzsignal an das Gehirn, welches durch die Nervenbahnen geleitet wird. Das geschieht zum Beispiel bei einem kalten Reiz, wenn unsere Zähne mit kaltem Eis in Berührung kommen. Auch bei einem mechanischen Reiz, wie dem Bohren an einem Zahn, wird ein Schmerzsignal ausgesendet. Unser Gehirn nimmt dieses Signal auf und lässt uns Schmerzen verspüren. Der eigentliche Nutzen der Schmerzen liegt in ihrer Schutzfunktion: Wir bemerken, dass wir einer gesundheitlichen Gefahr ausgesetzt sind und können entsprechend reagieren.
Lesen Sie auch: Alles über Herpes-Meningitis
Kommt die Lokalanästhesie ins Spiel, so ändert sich dieses Schema der Schmerzweiterleitung. Der Wirkstoff setzt an den Nervenbahnen an und verhindert, dass weiterhin Schmerzsignale an das Gehirn gesendet werden. Obwohl die Rezeptoren diese Reize während der Behandlung wahrnehmen, entstehen somit keine Schmerzen. Solange die Reizleitung vollständig unterbrochen ist, ist die schmerzfreie Behandlung möglich. Kehrt nach der Behandlung langsam das Gefühl in den behandelten Bereichen zurück, bedeutet dies, dass Signale nun wieder weitergeleitet werden können. Nach demselben Muster kann die Lokalanästhesie beim Zahnarzt in ganz unterschiedlichen Bereichen zur Betäubung eingesetzt werden.
Mögliche Ursachen für Sehnervschädigungen
Obwohl selten, können Sehnervschädigungen nach Lokalanästhesie auftreten. Mögliche Ursachen sind:
- Direkte Verletzung des Nervs: Im Zusammenhang mit der Leitungsanästhesie steht die Verletzung des Nervs durch die Injektion des Lokalanästhetikums in die Umgebung des Nervenstammes oder in den Nerv selbst. Dabei kann der Nerv mechanisch beispielsweise durch die Kanülenspritze irritiert werden.
- Indirekte Schädigung durch Hämatome: Durch Verletzung kleiner Blutgefäße können Blutungen in das umgebene Gewebe eintreten. Bei Einblutungen in einen der Kaumuskeln infolge der Injektion kann es zu einer Behinderung der Mundöffnung und Schmerzen, in ganz seltenen Fällen auch Infektionen kommen.
- Toxische Wirkung des Anästhetikums: Vielmehr spreche die beidseitige Beeinträchtigung für eine nicht vorhersehbare toxische Schädigung.
- Vasokonstriktoren: Adrenalin sollte bei der Lokalanästhesie in der Schwangerschaft so wenig wie möglich zum Einsatz kommen. Denn bei einer systematischen Aufnahme besteht das Risiko, dass Kontraktionen des Uterus ausgelöst werden.
Risikofaktoren und Prävention
Einige Faktoren können das Risiko einer Nervenschädigung erhöhen:
- Anatomische Variationen: Der Moment des Einstichs kann für Patienten kurzfristig sehr unangenehm sein.
- Entzündungen: Alternativ kann eine starke Entzündung des Zahnfleischs dafür verantwortlich sein. Denn durch den veränderten Säuregehalt im Gewebe erreicht das Betäubungsmittel die Nervenbahnen schlechter.
- Vorerkrankungen: Probleme können allerdings entstehen, wenn der Blutdruck der Patienten während der Narkose sehr stark fällt. Das kann vor allem dann passieren, wenn es sich um Patienten mit Vorerkrankungen handelt und es mit der Operation schnell gehen muss. Also etwa nach einem Unfall wie zum Beispiel einem Hüftbruch, wenn es wenig Zeit zur Vorbereitung gibt und die Patienten vielleicht ohnehin schon Kreislauf-Medikamente einnehmen mussten.
Zur Prävention von Nervenschädigungen ist es wichtig, dass der Zahnarzt über eine fundierte Kenntnis der Anatomie verfügt, die richtige Injektionstechnik anwendet und die Menge des Anästhetikums sorgfältig dosiert.
Symptome einer Sehnervschädigung
Symptome einer Nervenschädigung können sein:
Lesen Sie auch: Seltene Fälle von Meningitis nach Impfung
- Taubheitsgefühl. Sollte das Taubheitsgefühl auch am nächsten Tag noch vorhanden sein, setzen Sie sich besser mit Ihrem Zahnarzt in Verbindung.
- Schmerzen
- Geschmacksstörungen (wie im Fall des Klägers, der seinen Geschmackssinn verlor)
- Eingeschränkte Beweglichkeit des Mundes: Aufgrund der Betäubung kann es zu einer eingeschränkten Beweglichkeit des Mundes kommen.
Diagnose und Behandlung
Bei Verdacht auf eine Nervenschädigung sollte umgehend ein Zahnarzt oder Spezialist konsultiert werden. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine neurologische Untersuchung und bildgebende Verfahren. Eine spezielle Therapie gibt es derzeit nicht. Die spontane Heilung muss abgewartet werden. Sollte das Taubheitsgefühl nicht nach max. Das vollständige Abklingen der Symptome kann je nach Ausmaß der Schädigung zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten dauern.
Rechtliche Aspekte und Schmerzensgeld
Irreversible Nervenschädigungen durch die dentale Leitungsanästhesie sind sehr selten. Dennoch ist bei der Aufklärung des Patienten auf mögliche Komplikationen und Alternativen gemäß der aktuellen Rechtslage hinzuweisen.
Ein Gerichtsurteil (wie im Fall des Klägers, dem 15.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen wurden) zeigt, dass Patienten bei einer dauerhaften Schädigung des Nervus lingualis Anspruch auf Schmerzensgeld haben können. Die Höhe des Schmerzensgeldes richtet sich nach dem Grad der Beeinträchtigung und den individuellen Umständen des Falls.
Alternativen zur Lokalanästhesie
Aufgrund der Schmerzen, die durch die Spritze mit dem Anästhetikum ausgelöst werden können, entsteht bei vielen Patienten der Wunsch nach einer Alternative. Vor allem Angstpatienten sind durch eine Allgemeinanästhesie leichter dazu in der Lage, die Behandlung hinter sich zu bringen. Zu den typischen Zielgruppen zählen beispielsweise:
- Kinder
- Patientinnen und Patienten vor schwerwiegenden Eingriffen
- Patientinnen und Patienten mit Behinderungen
- Angstpatienten
Patienten, die sich für eine Sedierung entscheiden, befinden sich während der Behandlung in einem Zustand tiefer Entspannung. Gerne gewählt wird diese Alternative zum Beispiel beim Entfernen der Weisheitszähne. Zwar sind sie weiterhin ansprechbar, von der Behandlung merken sie jedoch sehr wenig. Der Vorteil gegenüber der Vollnarkose ist, dass der Patient trotzdem mit dem Zahnarzt kooperieren kann und in diesem Fall keine künstliche Beatmung erforderlich ist.
Lesen Sie auch: Alternativen zur Nasenspray-Abhängigkeit
Die kostspielige Alternative dazu ist die Vollnarkose. Dafür ist neben dem Zahnarzt und seinem Team auch ein Facharzt für Anästhesie anwesend. Dieser leitet die Narkose ein und überwacht während der Behandlung alle Körperfunktionen. Im Vergleich zur Sedierung wird durch die Vollnarkose eine längere Ruhephase von zwei bis drei Stunden notwendig. Erst im Anschluss können sich Patienten abholen lassen.
Die Kosten für beide Alternativen zur Lokalanästhesie müssen selbst getragen werden, da sie nicht Teil der Kassenleistung sind.
Als adäquate Alternative kann zur Leitungsanästhesie die Infiltrationsanästhesie oder intraligamentäre Anästhesie in Betracht gezogen werden.
Lokalanästhesie in der Schwangerschaft
Fällt die Zahnbehandlung in die Zeit der Schwangerschaft, müssen Sie dies dem Zahnarzt in jedem Fall mitteilen. Auf diese Weise kann darauf Rücksicht genommen werden, wo es nötig sein sollte. Neben Lidocain und Bupivacain gilt vor allem der Wirkstoff Articain als sehr sicher. Dieser besitzt eine hohe Proteinbindung, was dafür sorgt, dass der Fötus damit so wenig wie möglich in Kontakt kommt.
Wenn die Lokalanästhesie nicht wirkt
In sehr seltenen Fällen kann es vorkommen, dass die Lokalanästhesie beim Zahnarzt nicht wie gewünscht funktioniert. Es könnte sich einerseits um einen Behandlungsfehler handeln, wenn die Spritze des Zahnarztes nicht die richtige Stelle erreicht. Wichtig ist, dass Sie dem Zahnarzt umgehend signalisieren, falls Sie wider Erwarten noch Schmerzen spüren. Dieser kann die Injektion dann wahlweise an einer anderen Stelle wiederholen oder die Dosierung anpassen. Reicht das noch nicht aus, um schmerzfrei behandeln zu können, kommt noch eine zweite Betäubungsmethode zum Einsatz.
Postoperative Komplikationen und Verhaltensregeln
Unmittelbar nach der Behandlung spüren die meisten Patienten noch ein Taubheitsgefühl, das erst allmählich wieder verschwindet. So lange sind auch das normale Empfinden und die anderen Mundfunktionen eingeschränkt. So ist die Frage, wann die Wirkung wieder abklingt, nur zu gut verständlich. Bei einer Infiltrationsanästhesie sollte das Gefühl nach rund zwei Stunden wieder schrittweise zurückkehren. Nach einer Leitungsanästhesie ist es nicht ungewöhnlich, dass dies erst nach vier bis sechs Stunden der Fall ist.
Im Rahmen einer Lokalanästhesie können verschiedene Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten auftreten, über die Patienten im Vorfeld informiert sein müssen. Insgesamt sind diese jedoch sehr selten. Wesentlich sind die folgenden drei Risiken:
- Eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit: Infolge der örtlichen Betäubung und der zahnärztlichen Behandlung kann es zu einer Beeinträchtigung der Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit kommen. Diese ist primär nicht auf das Medikament, sondern vielmehr auf den Stress und die Angst im Rahmen der Behandlung sowie der lokalen Irritation zurückzuführen. Aus Sicherheitsgründen ist es deshalb ratsam, nicht selbst mit dem Auto von der Praxis nach Hause zu fahren, wenn ein Eingriff durchgeführt wurde.
- Selbstverletzung. Sollten außer dem behandelten Zahn auch die umgebenen Weichteile (z. B. Zunge, Wangen, Lippen) betäubt sein, verzichten Sie bitte, solange dieser Zustand anhält, auf die Nahrungsaufnahme. Nicht auszuschließen sind Eigenverletzungen in den anästhesierten Bereiche, die vor allem nach einer Leitungsanästhesie auftreten können. Aufgrund des Taubheitsgefühls kann zum Beispiel auf die Wange oder Lippe gebissen werden. Deshalb sollte erst wieder gegessen werden, wenn die Wirkung der Anästhesie vollständig abgeklungen ist.
- Allergische Reaktionen: Je nach individueller Disposition können zudem allergische Reaktionen bis hin zu einem anaphylaktischen Schock durch den Wirkstoff und die in der Anästhesielösung befindlichen Konservierungsstoffe ausgelöst werden. Typische Symptome einer allergischen Reaktion sind Rötungen, Ausschläge, Juckreiz, eine Schwellung der Lippen, Übelkeit und Herzrasen.
tags: #durch #betaubungsspritze #sehnerv #geschadigt