Taubheitsgefühl in der Hand nach Kanülierung am Handgelenk: Ursachen und Behandlung

Viele Menschen erleben gelegentlich ein kurzes Taubheitsgefühl in der Hand, begleitet von Kribbeln. Dies ist oft harmlos und verschwindet schnell. Wenn diese Symptome jedoch häufig auftreten oder von Schmerzen begleitet werden, könnte ein Karpaltunnelsyndrom (KTS) die Ursache sein. Auch nach dem Setzen einer Kanüle am Handgelenk kann es zu Taubheitsgefühlen kommen, die verschiedene Ursachen haben können. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Taubheitsgefühle in der Hand nach einer Kanülierung am Handgelenk, insbesondere im Zusammenhang mit dem Karpaltunnelsyndrom, und bietet einen umfassenden Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Anatomie des Karpaltunnels

Der Karpaltunnel ist ein Kanal im Bereich der Handwurzel, der von Knochen und Bindegewebe begrenzt wird. Er befindet sich an der Innenseite des Handgelenks und wird von einem festen Bindegewebsband, dem Karpalband (Retinaculum flexorum), überspannt. Durch den Karpaltunnel verlaufen die Sehnen der Fingerbeugemuskeln und der Mittelnerv (Nervus medianus). Dieser Nerv ist für die Empfindungsfähigkeit und Beweglichkeit des Daumenballens sowie von Teilen der Hand verantwortlich.

Karpaltunnelsyndrom (KTS)

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine Erkrankung, bei der der Mittelnerv im Karpaltunnel eingeengt wird. Diese Kompression entsteht durch Schwellungen oder Verengungen im Karpaltunnel, was zu Druck auf den Nerv führt.

Ursachen des Karpaltunnelsyndroms

Die Entstehung eines KTS kann verschiedene Ursachen haben. Oft ist es eine Kombination mehrerer Faktoren, die zur Entwicklung der Erkrankung beitragen:

  • Überlastung des Handgelenks: Wiederholte Bewegungen oder anhaltender Druck auf das Handgelenk können den Karpaltunnel belasten und zu einer Reizung oder Schädigung des Nervus medianus führen. Besonders gefährdet sind Menschen, die viel am Computer arbeiten, handwerkliche Tätigkeiten ausüben, Musikinstrumente spielen oder Sportarten mit hoher Handgelenkbelastung betreiben. Monotone Arbeitsabläufe im Beruf, zum Beispiel stundenlanges Halten handgeführter Motorsägen und Steinbohrer, begünstigen langfristig das Entstehen eines Karpaltunnelsyndroms.
  • Wassereinlagerungen (Ödeme): Ödeme im Handgelenksbereich können den verfügbaren Raum im Karpaltunnel verringern und so zu einer Kompression des Nervs führen. Wassereinlagerungen können bei Schwangerschaft, hormonellen Veränderungen (z.B. Menopause), Nierenerkrankungen oder Herzinsuffizienz auftreten.
  • Genetische Veranlagung: Einige Menschen haben von Natur aus einen engeren Karpaltunnel, was das Risiko für die Entwicklung eines KTS erhöht. Diese anatomische Besonderheit kann familiär gehäuft auftreten.
  • Verletzungen im Handgelenksbereich: Traumata wie Frakturen oder Verstauchungen können zu Schwellungen oder Veränderungen der Anatomie führen, die den Nervus medianus beeinträchtigen.
  • Entzündliche Erkrankungen: Verschiedene entzündliche Prozesse können zur Entstehung eines KTS beitragen, wie z.B. rheumatoide Arthritis, Sehnenscheidenentzündungen oder Gicht.
  • Hormonelle Veränderungen: Hormonelle Schwankungen, insbesondere während der Schwangerschaft oder Menopause, können das Risiko für ein KTS erhöhen.
  • Bestimmte Erkrankungen: Bestimmte Erkrankungen können das Risiko für ein Karpaltunnelsyndrom erhöhen, zum Beispiel Rheuma, Diabetes mellitus, Verletzungen im Bereich des Handgelenks sowie eine wiederholte Entzündung der Sehnenscheiden. Auch in der Schwangerschaft ist das Risiko etwas erhöht, da sich in dieser Zeit mehr Flüssigkeit im Gewebe ansammelt.
  • Tumoröse und tumorähnliche Raumforderungen: Lipome, Ganglien und Osteophyten können ebenfalls zu einer Verengung des Karpaltunnels führen.
  • Dialyse: Besonders häufig ist das KTS auch bei langjährigen Dialysepatienten.

Symptome des Karpaltunnelsyndroms

Die Symptome des KTS entwickeln sich oft langsam und können im Laufe der Zeit an Intensität zunehmen. Typische Symptome sind:

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  • Empfindungsstörungen: Taubheit und Kribbeln (Ameisenlaufen) in den Händen sind typische Symptome. Betroffen sind typischerweise Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger. Ein erstes, typisches Anzeichen ist es, wenn nachts eine Hand einschläft. Zunächst kommt es meist nur nachts oder nach Überbelastung des Handgelenks (z. B. durch Abknicken beim Fahrradfahren, Stricken, Telefonieren) zu Beschwerden.
  • Schmerzen in den Fingern: Manchmal schmerzt auch die ganze Hand oder die Schmerzen strahlen bis in den Arm aus.
  • Nächtliche Beschwerden: Die Beschwerden treten meist nachts und gegen Morgen auf. Sie betreffen in der Regel beide Hände, wenn auch nicht unbedingt zur gleichen Zeit.
  • Schwäche der Handmuskulatur: Im späteren Verlauf können auch Lähmungserscheinungen und eine nachlassende Greifkraft auftreten. Im Spätstadium kann es zu Muskelschwund am Daumenballen kommen.
  • Sensibilitätsausfälle: Im späten Krankheitsstadium ist mit Sensibilitätsausfällen an der Hand und einer Atrophie des Thenars zu rechnen.

Diagnose des Karpaltunnelsyndroms

Eine genaue Diagnose ist entscheidend für die erfolgreiche Behandlung des KTS. Ärzte verwenden eine Kombination aus klinischer Untersuchung und diagnostischen Tests, um die Erkrankung festzustellen und ihren Schweregrad zu bestimmen.

Diagnostische Schritte:

  1. Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten zu seinen Symptomen, deren Verlauf, Risikofaktoren und Vorerkrankungen.
  2. Klinische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Hände auf sichtbare Veränderungen und führt spezifische Tests durch:
    • Inspektion und Palpation: Neben der gründlichen Inspektion wird die passive Beweglichkeit von Hand- und Fingergelenken geprüft. Inspektion und Palpation dienen ferner dem Erkennen oder Ausschluss einer Muskelatrophie. Eine beginnende Atrophie des lateralen Thenars kann durch subkutanes Fettgewebe verdeckt sein und lässt sich am besten palpatorisch und im Seitenvergleich diagnostizieren. Das Gleiche gilt für eine verminderte Schweißsekretion, die allerdings nur bei hochgradiger nervaler Schädigung zu beobachten ist.
    • Prüfung der Oberflächensensibilität: Die Sensibilitätsstörungen betreffen bei rund 40 Prozent der Patienten die volaren Fingerkuppen. Zur Prüfung der Oberflächensensibilität hat sich die Berührung mit einem Wattebausch bewährt. Die Stereognosie (Großhirnleistung) wird oft mithilfe von Münzen beurteilt. Der Patient wird aufgefordert, gängige Münzen allein durch betasten zu identifizieren. Da die Stereognosie eine intakte Stereoästhesie in der Peripherie voraussetzt, wird auch diese untersucht. Hierfür wird das vom Medianusnerv versorgte Gebiet mit der Zwei-Punkte-Diskrimination (beispielsweise mit einer aufgebogenen Büroklammer) geprüft. Damit soll getestet werden, ob der Patient zwei taktile Reize räumlich unterscheiden kann.
    • Prüfung der Motorik: Die Prüfung der Motorik konzentriert sich auf eine Abduktions- und Oppositionsschwäche des Daumens. Das Flaschenzeichen erlaubt eine gute Beurteilung der Funktion des M. abductor pollicis brevis und opponens brevis. Der Patient soll mit beiden Händen jeweils einen zylindrischen Gegenstand (zum Beispiel eine Flasche) umgreifen. Sind aufgrund der Medianusschädigung die abduzierenden und opponierenden Daumenmuskeln geschwächt, gelingt es dem Patienten nicht, das runde Objekt vollständig zu umfassen. Das Flaschenzeichen ist positiv, wenn die zwischen Daumen und Zeigefinger gelegene Hautfalte nicht komplett am Gegenstand anliegt.
    • Phalen-Test: Der Patient beugt beide Handgelenke maximal nach vorne und hält diese Position für etwa eine Minute. Bei einem positiven Test treten die typischen Symptome wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl auf. Hier winkelt die Patient*in die Hand für eine Minute maximal an. Kommt es danach zu Gefühlsausfällen im Bereich der Finger (zum Beispiel beim Bestreichen der Haut mit einer Nadel oder einem Wattebausch), ist dies ein Zeichen für ein Karpaltunnelsyndrom.
    • Hoffmann-Tinel-Zeichen: Der Arzt beklopft leicht den Nervus medianus am Handgelenk. Ein positives Zeichen liegt vor, wenn der Patient ein elektrisches Kribbeln in den betroffenen Fingern verspürt. Dabei wird der Karpaltunnel beklopft (z. B. mit den Fingern oder einem Reflexhämmerchen).
    • Flaschengriff-Test: Der Patient wird aufgefordert, eine Flasche fest zu umgreifen. Bei einer Schwäche der Daumenballenmuskulatur, die auf ein fortgeschrittenes KTS hinweisen kann, ist dies nur eingeschränkt möglich.
  3. Elektrophysiologische Untersuchungen:
    • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Diese Untersuchung misst die Geschwindigkeit, mit der elektrische Impulse durch den Nervus medianus geleitet werden. Eine verlangsamte Leitgeschwindigkeit im Bereich des Karpaltunnels ist ein starker Hinweis auf ein KTS. Um andere Nervenschädigungen, etwa im Bereich der Halswirbelsäule, auszuschließen, misst man die Nervenleitgeschwindigkeit des Mittelnervs, wobei zum Vergleich immer die Gegenseite mitbestimmt wird.
    • Elektromyographie (EMG): Bei dieser Untersuchung werden feine Nadelelektroden in die Muskeln eingeführt, um die elektrische Aktivität zu messen. Ein EMG kann Aufschluss über den Grad der Nervenschädigung geben. Im Zweifel ist auch eine elektromyografische Untersuchung (EMG) der Daumenmuskulatur hilfreich.
  4. Bildgebende Verfahren:
    • Ultraschalluntersuchung: Mit Hilfe des Ultraschalls kann der Arzt die Struktur des Karpaltunnels und die Dicke des Nervus medianus beurteilen. Eine Verdickung des Nervs ist oft ein Zeichen für ein KTS.
    • Magnetresonanztomographie (MRT): In seltenen Fällen kann ein MRT des Handgelenks erforderlich sein, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.

Behandlungsmöglichkeiten des Karpaltunnelsyndroms

Die Behandlung des KTS richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Generell gibt es konservative und operative Behandlungsansätze.

Konservative Therapie:

  • Handgelenkschienen: Die wirksamste nicht-operative Behandlungsmethode ist die nächtliche Ruhigstellung des Handgelenks mithilfe einer geeigneten Schiene. Sie stabilisieren das Handgelenk in neutraler Position und verhindern, dass das Handgelenk abknickt. Fachleute empfehlen zudem, Belastungen zu vermeiden, bei denen man einen Zusammenhang mit den Beschwerden vermutet.
  • Physiotherapie: Übungen zur Dehnung und Kräftigung für Hand und Unterarm sowie Nervenmobilisationstechniken können helfen, die Beschwerden zu lindern. In der Anfangsphase können mitunter auch spezielle Dehnungsübungen und andere Maßnahmen wie z. B.
  • Ergonomische Anpassungen: Optimierung des Arbeitsplatzes und Verwendung ergonomischer Hilfsmittel (z.B. ergonomische Tastatur, Mauspad mit Handgelenkstütze) können helfen, das Handgelenk zu entlasten. Wenn Sie beruflich viel an einer Tastatur arbeiten, achten Sie auf einen einen ergonomisch gestalteten Arbeitsplatz. Dies beinhaltet z. B.
  • Medikamentöse Therapie:
    • Entzündungshemmende Medikamente (NSAR): Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, die ohne Rezept in Apotheken erhältlich sind, können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
    • Kortison-Injektionen: Kortisonspritzen in den Karpaltunnel können die Beschwerden vorübergehend lindern. Langfristig helfen sie jedoch meist nicht. In manchen Fällen, etwa bei starken Beschwerden oder unzureichendem Erfolg der anderen Therapieoptionen, ist ein chirurgischer Eingriff unumgänglich, um den Nerv zu entlasten und Schmerzfreiheit zu erreichen. Kortisontabletten, zunächst 20 mg über 2 Wochen, danach 10 mg für weitere 2 Wochen, aufgrund der Nebenwirkungen jedoch nicht länger als 4 Wochen. Injektion von Kortison (z. B. Methylprednisolon) in den Karpaltunnel (bis zu 3-mal). Häufigere Spritzen werden nicht empfohlen, da Kortison langfristig zum Abbau von Gewebe führt.

Operative Therapie:

Bei einem hartnäckigen KTS kann auch eine Operation infrage kommen. Dabei wird das Karpalband durchtrennt, das sich quer über die Handwurzelknochen spannt. Dadurch wird der Mittelnerv entlastet. Die gute Nachricht: Die nächtlichen Schmerzen und Missempfindungen in den Händen verschwinden sofort nach der OP.

  • Offene Operation: Dabei wird ein 2 - 3 cm langer Schnitt vom Handgelenk in die Hohlhand vorgenommen, unter Sicht das Band komplett durchtrennt und der Nerv inspiziert.
  • Endoskopische Operation: Dabei wird das Retinakulum im Rahmen einer Gelenkspiegelung durchtrennt. Die endoskopische Operation führt zu geringeren Narbenbeschwerden, ermöglicht aber nicht immer die vollständige Spaltung des Retinakulums. Zudem ist das Risiko für Verletzungen von Sehnen, Nerven und Gefäßen etwas höher.

Nach der Operation lassen die Beschwerden rasch nach. Eine anschließende Ruhigstellung ist nicht zwingend notwendig. Im Gegenteil: Schon am ersten postoperativen Tag sollten die Finger bereits wieder aktiv bewegt werden, um Schwellungen und Fingersteife vorzubeugen.

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Weitere Behandlungsmöglichkeiten

  • Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT): Es gibt Anhaltspunkte, dass eine extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) die Beschwerden etwas lindern kann. Dabei sendet ein Gerät Schallwellen mit hohem Druck von außen durch die Haut. Die Kosten dieser Behandlung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht.
  • Alternative Behandlungen: Manchmal werden auch weitere Behandlungen empfohlen, etwa Akupunktur, eine Ultraschalltherapie, eine Lasertherapie oder eine Magnetfeldtherapie. Dass sie bei einem Karpaltunnelsyndrom helfen können, ist jedoch nicht belegt. Bei mäßigen Beschwerden bzw. im Anfangsstadium können Magnettherapie, Akupunktur und Ultraschallwellen einen Versuch wert sein.
  • Vitamin-B6-Präparate: Auch die Einnahme von Vitamin-B6-Präparaten wird manchmal empfohlen. Sie sollen die Nerven stärken. Keltican® forte ist die Nr. Keltican® - Das Original. Millionenfach bewährt. 1 Vitamin B12 trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei.

Prävention

  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Achten Sie auf eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, insbesondere beiComputerarbeit.
  • Pausen: Gönnen Sie Ihren Händen regelmäßige Pausen, um sich zu erholen.
  • Dehnübungen: Führen Sie regelmäßig Dehnübungen für Handgelenk und Finger durch.
  • Kräftigung der Handmuskulatur: Kräftigen Sie die Handmuskulatur durch gezielte Übungen.
  • Monotone Anstrengung vermeiden: Meiden Sie, wann immer möglich, übermäßige Anstrengungen der Hände. Gefährlich sind insbesondere Tätigkeiten, bei denen die Hände längere Zeit im Handgelenk gestreckt oder gebeugt sind, z. B.
  • Hände abbrausen: Wechselwarme Bäder können die Durchblutung fördern.
  • Ausschütteln: Lockern Sie die Handgelenke regelmäßig durch Ausschütteln.

Taubheitsgefühl nach Kanülierung am Handgelenk

Neben dem Karpaltunnelsyndrom gibt es weitere mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle in der Hand nach dem Setzen einer Kanüle am Handgelenk:

  • Direkte Nervenreizung oder -verletzung: Beim Setzen der Kanüle kann es zu einer direkten Reizung oder Verletzung eines Nervs kommen. Dies kann zu vorübergehenden oder dauerhaften Taubheitsgefühlen führen.
  • Hämatom: Ein Hämatom (Bluterguss) im Bereich der Kanülierungsstelle kann auf die Nerven drücken und Taubheitsgefühle verursachen.
  • Lokale Entzündung: Eine Entzündung an der Kanülierungsstelle kann ebenfalls zu Taubheitsgefühlen führen.
  • Kompressionssyndrom: Durch die Kanülierung und den damit verbundenen Druck kann es zu einem Kompressionssyndrom kommen, bei dem ein Nerv eingeengt wird.

Was tun bei Taubheitsgefühl nach Kanülierung?

Wenn nach dem Setzen einer Kanüle am Handgelenk Taubheitsgefühle auftreten, sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:

  1. Arzt informieren: Informieren Sie umgehend Ihren Arzt über die Beschwerden.
  2. Hand schonen: Vermeiden Sie Belastungen des Handgelenks.
  3. Kühlen: Kühlen Sie die Kanülierungsstelle, um Schwellungen und Entzündungen zu reduzieren.
  4. Bewegung: Bewegen Sie die Finger und das Handgelenk vorsichtig, um die Durchblutung zu fördern.
  5. Schmerzmittel: Bei Bedarf können Sie Schmerzmittel einnehmen.

In den meisten Fällen verschwinden die Taubheitsgefühle nach einigen Tagen oder Wochen von selbst. In seltenen Fällen kann jedoch eine weitere Behandlung erforderlich sein, z.B. Physiotherapie oder eine Operation.

Andere Ursachen für Kribbeln und Taubheitsgefühle

Kribbeln und Taubheitsgefühle können auch durch andere Erkrankungen und Störungen verursacht werden:

  • Polyneuropathie: Hier kommt es zu Schäden an den peripheren Nerven - also den Nerven, die weit entfernt von Gehirn und Rückenmark liegen. Vor allem die ganz kleinen Nervenenden an den Händen und Füßen sind häufig früh betroffen. Typische Symptome sind Kribbeln, Ameisenlaufen und Taubheitsgefühle. Die Missempfindungen breiten sich oft handschuh- oder sockenförmig an beiden Gliedmaßen aus.
  • Restless-Legs-Syndrom (RLS): auch Syndrom der unruhigen Beine genannt. Das RLS äußert sich durch Missempfindungen wie schmerzhaftes Kribbeln, Ziehen und Brennen in den Beinen. Die Symptome bestehen oder verschlechtern sich in Ruhe, vor allem abends und nachts. Betroffene verspüren häufig den starken Drang, sich zu bewegen.
  • Multiple Sklerose (MS): MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Zum ZNS gehören das Gehirn und Rückenmark. Die Erkrankung beginnt meist im jungen Erwachsenenalter.
  • Parkinson-Krankheit: Bei Parkinson sterben bestimmte Nervenzellen im Gehirn ab, die den Botenstoff Dopamin bilden. Durch den Zellabbau kommt es zu einem Mangel an Dopamin. In der Folge beeinträchtigt das die normalen Bewegungsabläufe: Es kommt zum Beispiel zu Muskelsteifigkeit (Rigor), Zittern (Tremor) und Bewegungsarmut.
  • Migräne: Kribbeln und Taubheitsgefühle können eine Migräne-Attacke ankündigen. Die Missempfindungen treten zumeist im Gesicht auf oder einseitig an Armen oder Beinen.
  • Guillain-Barré-Syndrom (GBS): Bei der seltenen Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem gegen die peripheren Nerven, greift sie an und zerstört sie. Zunächst äußert sich das häufig durch Kribbeln und Taubheitsgefühle in Händen und Füßen. Im Verlauf können Lähmungserscheinungen hinzukommen, die sich mitunter auf den ganzen Körper ausbreiten. Einem GBS geht oft eine Infektion voraus. Die meisten Erkankten erholen sich innerhalb von einigen Wochen bis Monaten.
  • Bandscheibenvorfall: Die Bandscheiben liegen zwischen den Wirbelkörpern, die den Wirbelkanal bilden. Im Wirbelkanal verläuft das Rückenmark, darum herum liegen zahlreiche Nervenwurzeln. Die Bandscheiben bestehen im Inneren aus einer gelartigen Masse. Tritt diese bei einem Bandscheibenvorfall aus, kann sie auf die Nervenwurzeln drücken und Schmerzen verursachen. Je nachdem, wo der Vorfall auftritt, sind beispielsweise Kribbeln und Lähmungserscheinungen im Bein oder in Arm und Hand möglich.
  • Ulnartunnel- und Ulnarrinnensyndrom: Zwischen Axel und Hand liegt der Ellen-Nerv (Nervus ulnaris). Hinten am Ellenbogen verläuft dieser Nerv durch eine Knochenrinne; an der Hand passiert er den Ulnartunnel. Gerät der Nerv etwa durch falsche Hand-Haltung beim Radfahren unter Druck, äußert sich das durch Taubheitsgefühle - vor allem am kleinen Finger und teilweise am Ringfinger („Radfahrerlähmung“). Ist der Nerv im Ellenbogen-Bereich eingeklemmt, ruft das ebenfalls Missempfindungen an den Händen hervor. Ursache sind zum Beispiel Unfälle oder Fehlbelastungen wie häufiges Arm-Aufstützen auf hartem Untergrund.
  • Leistentunnelsyndrom: medizinisch Meralgia paraesthetica genannt. Durch Druck im Bereich des Leistenbands oder Leistenkanals wird der Oberschenkelhautnerv eingeklemmt. Mögliche Ursachen sind das Tragen zu enger Kleidung wie Jeans oder Übergewicht. Meist kommt es zu Schmerzen und Gefühlsstörungen am oberen und seitlichen Oberschenkel.
  • Durchblutungsstörungen:
    • Schlaganfall: Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns nicht mehr richtig durchblutet. Häufig passiert das durch ein Blutgerinnsel, das ein Hirngefäß verstopft, seltener durch eine Hirnblutung. Die Minderdurchblutung führt zu einem Sauerstoffmangel, der je nach Ausmaß lebensbedrohlich sein kann. Kribbeln und Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen in Arm, Bein oder Gesicht können auf einen Schlaganfall hinweisen - vor allem, wenn sie nur eine Körperseite betreffen.
    • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK): Bei der PAVK ist der Blutfluss in den Beingefäßen behindert. Das äußert sich durch Schmerzen - zu Beginn nur beim Gehen. Typischerweise sind diese Schmerzen so ausgeprägt, dass sie immer wieder zum Stehenbleiben zwingen („Schaufensterkrankheit“).
    • Raynaud-Syndrom: Hier lösen zum Beispiel Kälte oder Stress Gefäßkrämpfe aus. Dies führt zu anfallsartigen Durchblutungsstörungen, vor allem in den Händen, manchmal auch an den Füßen. Bemerkbar macht sich das typischerweise durch kalte, blasse, bläuliche oder rote und gefühllose Finger, die wehtun und sich taub anfühlen können.
  • Psychische Störungen:
    • Angst-/Panikattacken und Angststörungen (Phobien): Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle können begleitend zu Panikattacken oder Angstzuständen auftreten.
    • Hyperventilationssyndrom: In Stress-Situationen oder während einer Panikattacke kann es zu hektischem Ein- und Ausatmen kommen. In der Folge atmet man mehr Kohlendioxid aus, wodurch die Menge an Kohlendioxid im Blut abnimmt. Das führt dazu, dass die Nerven und Muskeln kurzfristig zu stark erregt werden. Damit einhergehen können Gefühlsstörungen und Verkrampfungen - etwa an Händen und Lippen. Die Konzentration auf die Atmung zu lenken und bewusst langsam ein- und auszuatmen sollte helfen, die Symptome zu lindern. Falls das nicht genügt, rufen Sie einen Arzt oder eine Ärztin.
    • Somatoforme Störungen: Darunter verstehen Medizinerinnen und Mediziner körperliche Beschwerden, die keine körperliche Ursache haben. Müdigkeit, Muskelverspannungen, Zungenbrennen oder auch Kribbeln sind mögliche Symptome einer somatoformen Störung.
  • Medikamente und Umweltgifte: Vergiftungen, zum Beispiel mit Schwermetallen, haben mitunter chronische Schäden an den Nerven zur Folge, die zu Missempfindungen führen. Kribbeln und Taubheitsgefühle treten bisweilen auch als unerwünschte, aber meist vorübergehende Nebenwirkung einiger Medikamente auf.

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