Masern sind eine hochansteckende Viruserkrankung, die durch das Masernvirus (Briarcus morbillorum) ausgelöst wird. Sie gehören zu den klassischen Kinderkrankheiten, sind aber keineswegs harmlos. Die Erkrankung kann zu schweren Komplikationen wie Lungenentzündung, Mittelohrentzündung oder einer gefährlichen Gehirnentzündung (Enzephalitis) führen. Zudem kann es in seltenen Fällen zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) kommen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der Masernvirus-Hirnhautentzündung.
Was sind Masern?
Die Masernerkrankung ist eine Virusinfektion, die sehr ansteckend ist und zu den klassischen Kinderkrankheiten zählt. Meist genügt bereits ein kurzer Kontakt mit einem Masernpatienten, um die Erkrankung zu übertragen. Charakteristische Symptome sind Beschwerden in den oberen Atemwegen und ein Hautausschlag.
Masernviren sind sehr ansteckend und kommen auf der ganzen Welt vor. Die fieberhafte Virusinfektion stellt sich zu Beginn meist mit grippeähnlichen Beschwerden dar, bevor es dann zum charakteristischen Masern-Ausschlag kommt. In der Regel heilt die Erkrankung von alleine aus, es können aber auch schwere Komplikationen auftreten.
Ansteckung mit Masern
Eine Ansteckung mit Masern erfolgt durch das sogenannte RNA-Virus Briarcus morbillorum. Es zählt zur Familie der Paramyxoviren. Die Übertragung geschieht durch Tröpfchen in der Luft oder auf Gegenständen, meist beim Niesen, Husten, Sprechen oder durch Benutzung gemeinsamer Objekte wie beispielsweise Geschirr. Die infektiösen Partikel gelangen dadurch in die Schleimhäute von Mund oder Nase. Sie können ebenfalls in die Bindehaut der Augen eindringen und so die Krankheit auslösen. An Masern Erkrankte können andere in der Umgebung über eine Entfernung von mehreren Metern hinweg anstecken. Es genügt dabei schon, sich mit einem Kranken im selben Raum aufzuhalten. Der Erreger der Masern kann in der Luft bis zu zwei Stunden lang überleben. Ist man nicht immun, steckt man sich mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 Prozent an. Man spricht dabei vom Kontagiositätsindex. Bei 95 Prozent der Infizierten brechen die Masern dann aus. Die größte Gefahr, sich anzustecken, besteht während des Anfangsstadiums, 5 Tage vor Symptombeginn und bis vier Tage nach dem Ausbruch des typischen Hautausschlags.
Um sich vermehren und ausbreiten zu können, benötigen Viren die Zellen anderer Lebewesen als Wirt. Der einzige natürliche Wirt des RNA-Virus ist der Mensch. Durch die Einführung einer Masern-Impfung konnte die Zahl der Erkrankungen eingedämmt werden. Dennoch infizieren sich hierzulande jedes Jahr zwischen 200 und 2500 Menschen. Immer wieder treten regionale oder bundesweite Masern-Ausbrüche auf, die jedoch zeitlich begrenzt sind. Seit einigen Jahren erkranken zunehmend Jugendliche und auch junge Erwachsene an den Masern.
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In afrikanischen und asiatischen Entwicklungsländern zählen Masern zu den zehn häufigsten Infektionskrankheiten. Oft enden sie tödlich. Es sind hauptsächlich Kinder betroffen.
Symptome von Masern
Die Inkubationszeit - die Dauer, bis die Krankheit nach der Ansteckung mit den Viren ausbricht - beträgt normalerweise acht bis zehn Tage. Bis sich der für die Masern charakteristische Hautausschlag entwickelt, dauert es in der Regel ungefähr zwei Wochen. In Einzelfällen auch 21 Tage. Bereits drei bis fünf Tage, bevor die typischen Flecken auftauchen, sowie bis zu vier Tage danach sind die Infizierten ansteckend.
Die Masern-Erkrankung verläuft in zwei Stadien, dem Vorstadium und dem Hauptstadium.
- Vorstadium: Erkältungssymptome und aufgedunsenes Gesicht. Im Vorstadium, also acht bis zehn Tage nach der Infektion, äußert sich die Infektion wie eine Erkältung mit Schnupfen, trockenem Husten, leichtem Fieber sowie einer Bindehautentzündung. Hinzu kommen meist Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Die Betroffenen sind darüber hinaus lichtempfindlich und haben ein aufgedunsenes Gesicht. Zudem bilden sich oftmals auf Höhe der Backenzähne kleine weiße Flecken (Koplik-Flecken) an der Wangenschleimhaut, die wie Kalkspritzer aussehen und von einem rötlichen Hof umgeben sind. Gegen Ende dieses ersten Krankheitsstadiums, das drei bis fünf Tage dauert, geht das Fieber zurück.
- Hauptstadium: Hautausschlag am ganzen Körper. Es folgt das Hauptstadium mit dem typischen rot-fleckigen Hautausschlag, dem sogenannten Exanthem. Dieser Begriff stammt vom griechischen Wort „exantheo“, zu Deutsch ich blühe auf, ab. Das Exanthem beginnt meist hinter den Ohren und an der Halsseite. Die Flecken auf der Haut tauchen zunächst unregelmäßig auf und verschmelzen im weiteren Verlauf miteinander. Während sie im Gesicht verblassen, breiten sie sich über den gesamten Körper aus. Mitunter kommt es zu kleinen Hautblutungen. Auch das Fieber steigt in dieser Phase noch einmal an. Zudem schwellen manchmal auch die Lymphknoten am Hals an und es kommt zu Halsschmerzen.
Sobald das Fieber und der Hautausschlag zurückgehen, kann es zu einer kleieartigen Schuppung der Haut kommen. Allmählich erholt sich der Kranke, selbst wenn er anfänglich noch geschwächt und empfindlich gegenüber anderen Infektionen ist. Wenn keine Komplikationen auftreten, erholt sich der Patient nach etwa zwei Wochen. Das Immunsystem kann aber noch für weitere sechs Wochen geschwächt sein.
Bei Kindern sind die Beschwerden in der Regel nicht so stark und klassisch ausgeprägt. Mitunter zeigen sie nur unspezifische Symptome, sind leicht reizbar, lethargisch und haben keinen Appetit. Auch eine vorgewölbte Fontanelle kann ein Hinweis auf eine Meningitis sein.
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Bei Erwachsenen verläuft eine Masernerkrankung oft schwerer als bei Kindern. So dauert es länger, bis sie sich von der Infektion wieder erholt haben. Zudem sind erwachsene Patienten anfälliger für Komplikationen. Aber auch Kinder im Säuglingsalter und Personen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders gefährdet, Komplikationen zu entwickeln. Vor allem Lungen- und Mittelohrentzündungen sowie Hirnentzündungen treten häufig auf.
Masern - Diagnose
Einige typische Symptome, wie beispielsweise Ausschlag, ermöglichen meist eine rasche Diagnose der Masern. Allerdings weisen Krankheiten wie Röteln, Ringelröteln und Scharlach ein ähnliches Beschwerdebild auf, so dass es sinnvoll ist, eine Verwechslung sicher auszuschließen. Der Masern-Verdacht lässt sich durch eine Laboruntersuchung bestätigen oder ausschließen. Dabei stehen unterschiedliche Tests zur Verfügung. In der Regel wird eine Blutuntersuchung auf mögliche Antikörper gegen die Masernviren veranlasst. Dies sind die gängigsten Testverfahren:
- Blutuntersuchung auf spezifische Antikörper gegen das Masernvirus. Es ist die schnellste und sicherste Methode. Antikörper sind manchmal erst nachweisbar, wenn der typische Masern-Ausschlag auftritt. Bei Verdacht auf eine Hirnhautentzündung kann gegebenenfalls auch Liquor (Nervenwasser) entnommen und untersucht werden.
- Untersuchung von Proben aus Urin, Speichel, Zahntaschenflüssigkeit oder einem Rachenabstrich, um virales Erbgut (Masernvirus-RNA) nachweisen zu können. Werden virale Erbgutspuren entdeckt, vervielfältigt man sie mittels PCR (Polymerase-Ketten-Reaktion). So lässt sich das vorhandene Erbgut eindeutig erkennen.
- In einer Urin- oder Speichelprobe werden Masernviren angezüchtet. Das Verfahren ermöglicht eine klare Identifikation der Erreger. Da dies sehr aufwendig ist, wird es nur in Einzelfällen durchgeführt, beispielsweise bei Patienten mit unterdrücktem Immunsystem.
Meldepflicht von Masern
Ist jemand an Masern erkrankt, muss der behandelnde Arzt dies dem zuständigen Gesundheitsamt melden. Masern zählen seit 2001 zu den Krankheiten, die meldepflichtig sind. Nur so lässt sich rasch erkennen, wenn es zu gehäuftem Auftreten der Infektionskrankheit innerhalb bestimmter Regionen kommt. Tritt so ein Fall ein, können wichtige Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet werden, wie beispielsweise die Schließung von Gemeinschaftseinrichtungen.
Wer an Masern erkrankt ist, muss isoliert werden. Dies bedeutet auch, dass keine Orte besucht werden dürfen, an denen man andere anstecken könnte. Die Regelung betrifft ebenso Angehörige oder Mitbewohner, die nicht ausreichend geschützt sind. Denn sie könnten das Virus auch übertragen. Erst nach dem Abklingen der Symptome, frühestens jedoch fünf Tage nach Auftreten des Ausschlags, ist man nicht mehr ansteckend. Die Isolierung kann dann aufgehoben werden.
Masernvirus-Meningitis (Hirnhautentzündung)
Eine Meningitis (Hirnhautentzündung) ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute. Sie kann durch verschiedene Erreger wie Viren, Bakterien oder Pilze verursacht werden, wobei die Ansteckungsgefahr je nach Erreger variiert. Sie kann auch im Rahmen anderer Erkrankungen wie Sarkoidose oder Krebs auftreten, ist dann jedoch nicht ansteckend.
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Hierzulande sind es vorwiegend Bakterien wie Meningokokken, Pneumokokken, Listerien oder Haemophilus influenzae und Viren wie das Masernvirus, Herpesvirus oder Eppstein-Barr-Virus, die eine Meningitis auslösen.
Ursachen einer Masernvirus-Meningitis
Masernviren können in seltenen Fällen eine Hirnhautentzündung verursachen. Die genauen Mechanismen, die zu einer Masernvirus-Meningitis führen, sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass die Viren auf dem Blutweg das Gehirn erreichen und dort eine Entzündung der Hirnhäute auslösen. Die Masernvirusinfektion bedingt während der akuten Phase der Erkrankung eine transitorische Immunschwäche durch eine Infektion von Immunzellen, wie Lymphozyten und Makrophagen.
Symptome einer Masernvirus-Meningitis
Die Symptome einer Masernvirus-Meningitis ähneln denen anderer Formen der Hirnhautentzündung. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Starke Kopfschmerzen
- Hohes Fieber
- Nackensteifigkeit (erschwerte oder schmerzhafte Bewegung des Kopfes)
- Übelkeit und Erbrechen
- Lichtempfindlichkeit
- Bewusstseinsstörungen (Benommenheit, Verwirrtheit, Koma)
- Krampfanfälle
Bei Säuglingen und Kleinkindern können die Symptome unspezifischer sein, wie z.B.:
- Reizbarkeit
- Lethargie (Teilnahmslosigkeit)
- Appetitlosigkeit
- Vorgewölbte Fontanelle (weiche Stelle am Kopf)
Diagnose einer Masernvirus-Meningitis
Die Diagnose einer Masernvirus-Meningitis wird in der Regel anhand der typischen Symptome, einer körperlichen Untersuchung und einerLiquoruntersuchung gestellt. Bei der Liquoruntersuchung wird Nervenwasser aus dem Rückenmark entnommen und auf Entzündungszeichen und Masernviren untersucht. Zudem findet sich bei Masernpatienten virales Erbgut (Masernvirus-RNA) im Blut.
Behandlung einer Masernvirus-Meningitis
Es gibt keine spezifische antivirale Therapie gegen Masernviren. Die Behandlung einer Masernvirus-Meningitis erfolgt daher in der Regel symptomatisch. Das bedeutet, dass die Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit gelindert werden. In schweren Fällen kann eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich sein, um die Vitalfunktionen aufrechtzuerhalten.
Folgende Maßnahmen können die Symptome lindern und den Heilungsprozess unterstützen:
- Bettruhe halten und den Körper schonen.
- Bei Lichtempfindlichkeit aufgrund entzündeter Augen, das Zimmer abdunkeln.
- Bei Husten und entzündeten Atemwegen, inhalieren und ggf. Hustenmittel einnehmen.
- Wird sehr hohes Fieber gemessen, können fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen, eingenommen werden. (Bei Kindern sollte der Arzt vorher gefragt werden.)
- Ausreichend viel trinken. Am besten geeignet sind Kräutertees und Wasser. Besonders wichtig ist die Flüssigkeitszufuhr bei Fieber und starkem Schwitzen. Wer an Nieren- oder Herzkrankheiten leidet, sollte über die richtige Trinkmenge mit seinem Arzt sprechen.
Treten zusätzliche bakterielle Infektionen auf, zum Beispiel eine Mittelohrentzündung oder eine Lungenentzündung, wird der Arzt Antibiotika verordnen.
Kommt es aufgrund der Masern zum Krupp-Syndrom oder einer Gehirnentzündung, muss der Patient stationär, im Krankenhaus, behandelt werden.
Vorbeugung einer Masernvirus-Meningitis
Der beste Schutz vor einer Masernvirus-Meningitis ist die Masernimpfung (MMR-Impfung). Sie ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben und wird im Kleinkindalter in zwei Dosen verabreicht. Auch Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden und keinen Impfschutz haben, sollten sich impfen lassen.
Wann und wie oft sollte man impfen?
Die Impfung gegen Masern erfolgt mit abgeschwächten Masernviren, also mit einem Lebendimpfstoff. Sie wird in der Regel, als sogenannte MMR-Impfung, in Kombination mit der Impfung gegen Mumps und Röteln verabreicht.
Kinder erhalten die erste Impfung normalerweise zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat. Bei der ersten Impfung kann mit einem weiteren Impfstoff gegen Windpocken geimpft werden. Eine zweite Impfung sollte zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat erfolgen. Bei der zweiten Impfung kann ein Kombinationsimpfstoff verwendet werden, der gleichzeitig gegen alle vier Erkrankungen schützt (MMRV-Impfung). Weitere Auffrischimpfungen sind nach der vollständigen Grundimmunisierung entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) auch im Erwachsenenalter nicht mehr notwendig.
Wurden die Impfungen bei Kindern nicht im vorgesehenen Zeitraum durchgeführt, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), diese bis zum 18. Lebensjahr des Kindes nachzuholen.
Auch Erwachsene sollten sich gegen Masern impfen lassen, wenn sie nach 1970 geboren sind und nicht wissen, ob sie in der Kindheit an Masern erkrankt waren oder einen Impfschutz haben. Wie bei den Kindern erfolgt die Impfung in Kombination mit der Impfung gegen Mumps und Röteln.
Impfpflicht der Masernimpfung
Seit 2020 müssen alle Kinder vor der Aufnahme in die Kita, Kindertagespflege oder Schule nachweisen, dass sie gegen Masern geimpft sind. Ungeimpften Kindern kann der Besuch einer Kindertagesstätte verweigert werden. Gegen Eltern von Kindern, die bereits in Kindertagesstätten betreut werden, kann ein Bußgeld verhängt werden, wenn die Eltern sich weigern, ihr Kind impfen zu lassen. Ebenfalls kann gegen Einrichtungen ein Bußgeld verhängt werden, wenn sie ungeimpfte Kinder betreuen.
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