Stress ist ein weit verbreiteter Begriff, der individuell und subjektiv erlebt wird. Er kann sich auf vielfältige Weise äußern. Anhaltender Stress über Monate oder Jahre kann jedoch negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Bei erhöhtem Stresslevel werden vermehrt Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus der Nebenniere ausgeschüttet, was die Schmerzwahrnehmung beeinflussen kann. In solchen Situationen werden in der Pflanzenheilkunde gerne Adaptogene eingesetzt, Pflanzen, die eine "Stress-Anpassung" ermöglichen. Rhodiola rosea, auch Rosenwurz genannt, gilt neben anderen Adaptogenen als eine der am besten untersuchten Heilpflanzen in Bezug auf Stress.
Was ist Rhodiola Rosea?
Rhodiola rosea, oder Rosenwurz, ist vor allem in Skandinavien und Sibirien beheimatet und kann bis zu 60 Zentimeter hoch werden. Seit Jahrtausenden wird Rosenwurz in der chinesischen und tibetischen Heilkunde medizinisch genutzt. Ihre Wirkungen wurden im Bereich der Blutstillung, der allgemeinen Stärkung und der "Hirnstärkung" beschrieben.
Der Rosenwurz ist eine ausdauernde und widerstandsfähige Pflanze, die zu den Dickblattgewächsen gehört und eine Höhe von 5-30 cm erreicht. Der Aufbau weist auf Sukkulenz hin, d.h. die ausgeprägten Wasserspeichergewebe lassen die Pflanze sehr saftig erscheinen. Damit übersteht der Rosenwurz extrem trockene Witterungsperioden gut. Aus einem unterirdischen Stamm wachsen mehrere dicke, saftige Stängel, die bei Verletzung den typischen Rosenduft verströmen. Wechselständige oder quirlartig am Stängel ansetzende blaugrüne Blätter sind ebenfalls sehr safthaltig, 1-4 cm lang, verkehrt lanzettlich oder löffelförmig und meist ganzrandig. Der Rosenwurz ist zweihäusig. Die Kronblätter der weiblichen Blüten sind gelb - später rotorangefarben, dagegen die Kronblätter der männlichen Blüten purpurfarben. Rosenwurz wächst auf feuchten Böden, in Bergschluchten, auf Moorböden ebenso wie auf sehr trockenem und sandigem Untergrund in Hochgebirgslagen.
Die Wirkung von Rhodiola auf den Körper
Rhodiola rosea hat Einfluss auf die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse. Zudem wirkt die Pflanze antioxidativ, beruhigend, angstlösend, antientzündlich und schützend auf die Nervenzellen im Gehirn. Ferner kann sie die Schlafqualität verbessern, Reizbarkeit reduzieren, den Zyklus harmonisieren und Antriebslosigkeit mindern. Es wurde auch ein Anstieg des Serotoninspiegels beobachtet. Dies ist besonders für Migränepatienten interessant, die vor allem vor bzw. zu Beginn der Periode an Attacken leiden. Neben einem Abfallen des Progesteronspiegels kann auch ein Serotoninmangel die Migräne verstärken.
Die Wirkstoffe der Rosenwurz stimulieren im Gehirn die Rezeptoren verschiedener Botenstoffe wie Noradrenalin, Dopamin, Acetylcholin und Serotonin. Diese Botenstoffe sind für die Leistung des Gehirns wichtig. Sie sorgen dafür, dass wir wach, aufmerksam und konzentriert sind.
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Die Forschung der letzten Jahre zeigt, dass Dopamin und Serotonin das Lernen erleichtern. Beide Botenstoffe wirken wie Motivatoren auf unsere Gehirnzellen. Sie fluten das Gehirn und senden folgendes Signal: Alle aufgewacht! Dieser Moment ist gerade wichtig! In der Folge widmet sich das Gehirn dem aktuellen Geschehen mit gesteigerter Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit und unterdrückt Ablenkungen durch abschweifende Gedanken. Dein Gehirn nimmt mit Hilfe von Dopamin und Serotonin den Lernstoff als wichtig wahr. Und wichtige Informationen erfahren eine besondere Behandlung im Gehirn: Sie finden schneller Einlass in das Gedächtnis. Dank Dopamin und Serotonin fällt es Dir also leichter, Erlerntes zu behalten.
Ob Dein Serotonin- und Dopamin-Stoffwechsel angeregt sind, kannst Du fühlen. Beide Botenstoffe sorgen im Gehirnstoffwechsel dafür, dass Du das, was Du gerade machst, als angenehm und belohnend wahrnimmst. Du kennst wahrscheinlich den Aha-Effekt beim Lernen, wenn sich Dir Zusammenhänge erschließen und Dir Lösungen für Probleme einfallen. Der Aha-Effekt sorgt für Glücksgefühle, die wiederum das Lernen vertiefen. Diese durch Serotonin und Dopamin vermittelte positive Dynamik fördert die Rosenwurz.
Die Rosenwurz tut Dir damit einen großen Gefallen: Denn wenn Du Lernen als belohnend wahrnimmst, lernst Du nicht nur leichter, sondern auch lieber.
Studien lassen vermuten, dass die durch Rosenwurz vermittelten Glücksgefühle helfen, positive Gewohnheiten zu festigen. Wenn Du beim Lernen durch positive Gefühle belohnt wirst, steigert das Deine Bereitschaft und Motivation, in Zukunft zu lernen. Ein Umstand, der sich positiv auf Studium und Karriere auswirken kann!
Rhodiola als Adaptogen gegen Stress, Angst und Müdigkeit
Rosenwurz gilt als ein pflanzliches Adaptogen. Wie andere Adaptogene erhöht sie die Leistungsfähigkeit unter stressigen Bedingungen. Auch das Lernen ist meist stressig - auf Grund von Zeitdruck, Sorgen oder Unwillen. Wirkstoffe der Rosenwurz (insbesondere die Hauptwirkstoffe aus der Gruppe der Rosavine und Salidrosid) erhöhen Studien zufolge die Belastbarkeit für Stress, reduzieren Stresshormone und wirken so den erschöpfenden Auswirkungen von Stress entgegen. Dies kann nicht nur beim Lernen hilfreich sein, sondern Studierende wahrscheinlich auch vor dem durch Dauerstress verursachten Burnout schützen.
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Zudem könnten Rosenwurz-Wirkstoffe die Ermüdung von Gehirnzellen verzögern. Ihre antioxidativen Eigenschaften könnten Gehirnzellen vor freien Radikalen schützen, die ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
Neben Stress und Ermüdung ist auch die Angst ein schlechter, aber leider häufiger Begleiter beim Lernen. Dafür sorgen unter anderem Termindruck und Versagensangst. Die angstlösenden Effekte der Rosenwurz könnten dafür sorgen, dass Dich Ängste nicht allzu sehr beim Lernen hindern.
Rhodiola bei Migräne
Stress ist ein häufiger Auslöser für Migräneattacken. Rhodiola rosea kann durch seine adaptogenen Eigenschaften helfen, den Körper widerstandsfähiger gegen Stress zu machen und somit die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Der beobachtete Anstieg des Serotoninspiegels durch Rhodiola ist besonders für Migränepatienten relevant, da ein Serotoninmangel Migräne verstärken kann, insbesondere im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus.
Anwendung und Dosierung
Beim Erwerb von Präparaten ist genau auf die Inhaltsstoffe zu achten. Hierbei sollte man auf den Gehalt bzw. die Angabe von Rosavinen (meist 3 %) und Salidrosid (meist 0,8-1 %) achten. Je nach Hersteller entspricht dies häufig einer Tagesdosis von 200-600 mg Rosenwurz-Extrakt bzw. Da es sich um ein pflanzliches Produkt handelt, sollte die Einnahme mindestens einige Wochen erfolgen.
Die übliche Dosierung liegt zwischen 200 und 600 Milligramm täglich eines standardisierten Rhodiola-Extrakts. Bei ausgeprägter Erschöpfung oder depressiven Verstimmungen kann die Dosis auf bis zu 1000 Milligramm pro Tag gesteigert werden. Die Einnahme erfolgt vorzugsweise morgens oder mittags, da Rhodiola eine leicht anregende Wirkung besitzt und bei späterer Einnahme Schlafstörungen verursachen kann. Präparate sind meist in Form von Kapseln erhältlich, können aber auch als Pulver oder Tropfen eingenommen werden. Die Wirkung tritt bei vielen Menschen bereits nach wenigen Tagen ein, stabilisiert sich jedoch über mehrere Wochen.
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Rhodiola kann als Tee getrunken werden, ist jedoch unüblich. Der Tee ist zudem vergleichsweise teuer. Hierzu werden 2-3 Gramm Rosenwurzwurzelstock mit etwa 250 Milliliter kaltem Wasser übergossen. Tinkturen können gekauft oder auch selbst hergestellt werden. Hierfür wird getrockneter Rosenwurzwurzelstock zerkleinert und in mindestens 70-prozentigen Ethanol gegeben.
Das Trinken von Rosenwurz-Tee ist auf Grund der vielen in der Pflanze enthaltenen Gerbstoffe kein besonderer Genuss. In unserer Praxis empfehlen wir daher Extrakte der Rosenwurz zur innerlichen Einnahme. Empfehlenswert sind auch wegen ihrer geprüften Qualität apothekenpflichtige pflanzliche Arzneimittel aus Rosenwurz-Extrakten.
Handelsnamen und Präparate
Rhodiola ist in Deutschland und Europa unter verschiedenen Produktnamen erhältlich, darunter Rosenwurz®, Arctic Root®, Rhodiola Extract®, Rhodiola Energy® oder Rhodiola Force®. Da es sich nicht um ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, sondern um ein Nahrungsergänzungsmittel handelt, können sich die Präparate in ihrer Wirkstoffkonzentration unterscheiden. In der neurologischen Praxis Willich wird auf geprüfte, standardisierte Extrakte geachtet, die einen definierten Gehalt an Rosavinen und Salidrosiden enthalten.
Sicherheitshinweise und Nebenwirkungen
Kontraindikationen oder Interaktionen mit anderen Wirkstoffen sind nicht bekannt. Rhodiola ist in der Regel gut verträglich. Gelegentlich können leichte Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Schwindel auftreten. Manche Menschen berichten über eine innere Unruhe oder Schlafstörungen, vor allem wenn die Dosis zu hoch gewählt oder das Präparat zu spät am Tag eingenommen wird. Diese Symptome sind meist vorübergehend und klingen nach einer Dosisanpassung schnell wieder ab. Allergische Reaktionen sind äußerst selten.
Wenn Sie allergisch auf Rosenwurz oder einen der Bestandteile des Präparates reagieren, sollten Sie Rhodiola nicht einnehmen. Bei einer bestehenden bipolaren Störung ist Vorsicht geboten, da in seltenen Fällen manische Episoden ausgelöst werden können. Schwangeren und stillenden Frauen wird von der Einnahme abgeraten, da bislang keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen.
Bei gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva, insbesondere SSRI oder MAO-Hemmern, kann Rhodiola das Risiko eines sogenannten Serotonin-Syndroms erhöhen. Dabei kann es zu innerer Unruhe, Zittern, Schwitzen oder Herzrasen kommen. Daher sollte eine Kombination nur nach Rücksprache mit der neurologischen Praxis erfolgen. Mit pflanzlichen oder homöopathischen Mitteln sind bislang keine relevanten Wechselwirkungen bekannt.
Fazit
Rhodiola rosea ist eine vielversprechende natürliche Option zur Unterstützung bei Stress, Migräne und anderen stressbedingten Beschwerden. Durch ihre adaptogenen Eigenschaften kann sie helfen, den Körper widerstandsfähiger zu machen und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. Es ist jedoch wichtig, vor der Einnahme einen Arzt oder Apotheker zu konsultieren, um mögliche Wechselwirkungen oder Kontraindikationen auszuschließen.