Ein Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende Erkrankung des Gehirns, die durch eine Unterbrechung der Blutversorgung oder eine Blutung verursacht wird. Diese Ereignisse können zu dauerhaften Schäden und einer Vielzahl von Symptomen führen, einschließlich motorischer Beeinträchtigungen. In Deutschland erleiden jährlich etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall, was ihn zu einer der häufigsten neurologischen Erkrankungen macht. Etwa 10-17% der Schlaganfälle werden durch intrazerebrale Blutungen verursacht.
Was ist ein Schlaganfall?
Das Gehirn ist die Schaltzentrale unseres Körpers und benötigt eine stetige Zufuhr von Nährstoffen und Sauerstoff, um optimal zu funktionieren. Diese werden durch die großen Körperschlagadern, Hals- und Gehirnarterien transportiert. Wenn eines dieser Gefäße verstopft, platzt oder reißt, werden Teile des Gehirns nicht mehr ausreichend versorgt, was zu einem Schlaganfall führt. Die empfindlichen Nervenzellen des Gehirns sterben bereits nach kurzer Zeit ab, was zu bleibenden Schäden oder sogar zum Tod führen kann.
Formen des Schlaganfalls
Es gibt zwei Hauptformen des Schlaganfalls:
- Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt): In etwa 80 Prozent der Fälle handelt es sich um einen ischämischen Schlaganfall, bei dem ein arterielles Gefäß durch einen Blutpfropf verschlossen ist, der die Blutzufuhr zum Gehirn blockiert. Dieser Blutpfropf kann beispielsweise von verkalkten Arterienwänden stammen.
- Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung): Diese Form tritt seltener auf (ca. 20 Prozent der Fälle) und entsteht durch das Platzen oder Zerreißen eines arteriellen Gefäßes im Gehirn, wodurch Blut in das Hirngewebe austritt und dieses schädigt.
Was ist eine Hirnblutung?
Eine Hirnblutung, medizinisch als intrazerebrale Blutung bezeichnet, ist eine Blutung im Inneren des Schädels, im Bereich des Gehirns oder der Hirnhäute. Bei dieser Form des Schlaganfalls wird das Hirngewebe durch die Einblutung geschädigt. Da sich das Gehirn innerhalb des Schädelknochens befindet und sich bei Volumenzunahme nicht ausdehnen kann, führt die Blutung zu einem erhöhten Druck auf das Hirngewebe, was die Nervenzellen schädigt und zerstört.
Ursachen einer Hirnblutung
Eine Hirnblutung kann verschiedene Ursachen haben:
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- Bluthochdruck: Jahrelanger, unbehandelter Bluthochdruck kann die Gefäßwände schädigen und zum Platzen von Blutgefäßen führen.
- Gefäßveränderungen: Atherosklerose, Aneurysmen (Gefäßwandaussackungen) und andere Gefäßerkrankungen können die Gefäßstruktur schwächen und das Risiko einer Blutung erhöhen.
- Gerinnungsstörungen: Erkrankungen oder Medikamente, die die Blutgerinnung beeinflussen, können das Risiko von Hirnblutungen erhöhen.
- Amyloidangiopathie: Krankhafte Eiweißablagerungen in den Gehirngefäßen können diese schwächen und anfälliger für Blutungen machen.
- Tumore: In seltenen Fällen können Hirntumore zu Blutungen führen.
- Schädel-Hirn-Traumata: Schwere Verletzungen des Kopfes können ebenfalls Hirnblutungen verursachen.
Symptome eines Schlaganfalls und einer Hirnblutung
Die Symptome eines Schlaganfalls und einer Hirnblutung können sehr ähnlich sein, was eine schnelle Diagnose erschwert. Typische Symptome sind:
- Plötzliche einseitige Lähmungserscheinungen (vor allem in Arm oder Bein)
- Sprachstörungen (Schwierigkeiten beim Sprechen, Wortfindungsstörungen, Verständnisstörungen)
- Sehstörungen (eingeschränkte Sehfähigkeit, Doppeltsehen)
- Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
- Einseitige Taubheitsgefühle (z.B. herabhängender Mundwinkel)
- Starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen
- Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma
Es ist wichtig zu beachten, dass ein Schlaganfall immer ein Notfall ist. Bei Auftreten der genannten Symptome sollte sofort der Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 verständigt werden.
Motorische Symptome bei Schlaganfall
Motorische Symptome gehören zu den häufigsten und auffälligsten Folgen eines Schlaganfalls. Sie entstehen durch die Schädigung von Hirnarealen, die für die Steuerung von Bewegungen zuständig sind. Die Art und der Schweregrad der motorischen Beeinträchtigungen hängen von der Lokalisation und dem Ausmaß der Schädigung ab.
Halbseitenlähmung (Hemiplegie/Hemiparese)
Eine der häufigsten motorischen Folgen eines Schlaganfalls ist die Halbseitenlähmung, auch Hemiplegie genannt. Dabei ist eine Körperhälfte, entweder links oder rechts, von Lähmungen betroffen. Wenn die Lähmung nicht vollständig ist, spricht man von einer Hemiparese.
- Ursache: Die Gehirnhälften steuern die Körperhälften überkreuz. Das bedeutet, dass eine Schädigung der rechten Gehirnhälfte zu Lähmungen auf der linken Körperseite führen kann und umgekehrt.
- Symptome: Die Betroffenen können die betroffene Körperhälfte nicht mehr richtig spüren oder kontrollieren. Dies kann sich in Schwierigkeiten beim Gehen, Greifen, Halten von Gegenständen oder bei der Ausführung alltäglicher Aufgaben äußern. Im Gesicht kann es zu einer Lähmung des Mundwinkels (Fazialisparese) kommen, was das Lächeln erschwert.
- Auswirkungen: Die Halbseitenlähmung kann die Selbstständigkeit der Betroffenen erheblich einschränken und zu Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags führen.
Spastik
Spastik ist eine weitere häufige motorische Folge eines Schlaganfalls. Sie tritt in der Regel erst Wochen oder Monate nach dem Ereignis auf.
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- Ursache: Spastik entsteht durch eine Schädigung der Nervenbahnen, die die Muskelspannung regulieren. Dies führt zu einer erhöhten Muskelspannung und Steifigkeit, insbesondere in den betroffenen Gliedmaßen.
- Symptome: Die Muskeln sind angespannt und steif, was die Beweglichkeit einschränkt und zu Schmerzen führen kann. Es kann zu unkontrollierten Muskelkrämpfen und Zuckungen kommen.
- Auswirkungen: Spastik kann die Bewegungsfähigkeit weiter einschränken, die Körperpflege erschweren und zu Kontrakturen (dauerhaften Verkürzungen von Muskeln und Sehnen) führen.
Ataxie
Ataxie ist eine Störung der Bewegungskoordination.
- Ursache: Ataxie entsteht durch eine Schädigung des Kleinhirns oder der Nervenbahnen, die für die Koordination von Bewegungen zuständig sind.
- Symptome: Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, Bewegungen präzise und koordiniert auszuführen. Dies kann sich in einem unsicheren Gang, Schwierigkeiten beim Greifen nach Gegenständen oder beim Sprechen äußern.
- Auswirkungen: Ataxie kann die Selbstständigkeit der Betroffenen erheblich einschränken und zu Stürzen führen.
Dysarthrie
Dysarthrie ist eine Sprechstörung, die durch eine Beeinträchtigung der Muskeln verursacht wird, die für die Artikulation zuständig sind.
- Ursache: Dysarthrie entsteht durch eine Schädigung der Hirnareale, die die Sprechmuskulatur steuern.
- Symptome: Die Sprache ist verwaschen, undeutlich oder schwer verständlich. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, die Lippen, die Zunge oder den Gaumen richtig zu bewegen.
- Auswirkungen: Dysarthrie kann die Kommunikation erschweren und zu sozialer Isolation führen.
Schluckstörungen (Dysphagie)
Schluckstörungen sind eine häufige Komplikation nach einem Schlaganfall.
- Ursache: Schluckstörungen entstehen durch eine Schädigung der Hirnareale, die die Schluckmuskulatur steuern.
- Symptome: Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, Nahrung oder Flüssigkeit sicher zu schlucken. Dies kann zu Husten, Würgen oder dem Eindringen von Nahrung in die Atemwege führen.
- Auswirkungen: Schluckstörungen können zu Mangelernährung, Dehydration und Lungenentzündung führen.
Diagnose
Um einen Schlaganfall oder eine Hirnblutung zu diagnostizieren, werden verschiedene bildgebende Verfahren eingesetzt:
- Computertomographie (CT): Die CT ist eine schnelle und zuverlässige Methode, um Blutungen im Gehirn zu erkennen und andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist empfindlicher als die CT und kann auch kleinere Hirninfarkte und andere Veränderungen im Gehirn darstellen.
- Doppler-Sonografie: Diese Ultraschalluntersuchung wird eingesetzt, um Gefäßverschlüsse und -verengungen in den hirnversorgenden Arterien zu erkennen.
Akutbehandlung
Die Akutbehandlung eines Schlaganfalls zielt darauf ab, die Durchblutung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen und weitere Schäden zu verhindern.
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- Ischämischer Schlaganfall: Bei einem ischämischen Schlaganfall kann eine Thrombolyse (Lyse-Therapie) durchgeführt werden, um den Blutpfropf aufzulösen und die Durchblutung wiederherzustellen. In manchen Fällen kann auch eine Thrombektomie erforderlich sein, bei der der Blutpfropf mechanisch entfernt wird.
- Hämorrhagischer Schlaganfall: Bei einer Hirnblutung liegt der Fokus auf der Kontrolle der Blutung, der Senkung des Hirndrucks und der Vermeidung von Komplikationen. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um das Blut zu entfernen und den Druck auf das Gehirn zu entlasten.
Rehabilitation
Nach der Akutbehandlung ist eine umfassende Rehabilitation entscheidend, um verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Rehabilitation kann verschiedene Therapieformen umfassen:
- Physiotherapie (Krankengymnastik): Verbesserung der motorischen Fähigkeiten, des Gleichgewichts und der Koordination.
- Ergotherapie (Beschäftigungstherapie): Wiedererlangung der Selbstständigkeit im Alltag, Training vonAlltagsaktivitäten.
- Logopädie (Sprachtherapie): Behandlung von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen.
- Neuropsychologische Therapie: Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen, wie Gedächtnis- oder Aufmerksamkeitsstörungen.
- Psychotherapie: Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung und Bewältigung psychischer Probleme, wie Depressionen oder Angststörungen.
Die Rehabilitation sollte so früh wie möglich beginnen und individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt sein. Das menschliche Gehirn ist in der Lage, verlorene Funktionen zurückzuerlangen und Schäden durch gesunde Nervenzellen zu kompensieren (Neuroplastizität). Eine engmaschige und frühzeitige Betreuung durch neurologisch erfahrene Spezialisten ist daher von großer Bedeutung.
Schlaganfall-Prävention
Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die das Auftreten eines Schlaganfalls begünstigen. Viele dieser Faktoren sind beeinflussbar, sodass jeder Einzelne aktiv zur Vorbeugung beitragen kann:
- Blutdruckkontrolle: Regelmäßige Messung und Behandlung von Bluthochdruck.
- Gesunde Ernährung: Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst undBallaststoffen, wenig Salz und gesättigten Fetten.
- Regelmäßige Bewegung: Mindestens 30 Minuten moderate körperliche Aktivität an den meisten Tagen der Woche.
- Nichtrauchen: Verzicht auf Nikotin.
- Gewichtsmanagement: Vermeidung von Übergewicht.
- Kontrolle von Diabetes und Fettstoffwechselstörungen: Behandlung von Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen.
- Vermeidung von übermäßigem Alkoholkonsum: Beschränkung des Alkoholkonsums auf moderate Mengen.
- Stressmanagement: Erlernen vonEntspannungstechniken und Stressbewältigungsstrategien.
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