Fast jeder Mensch hat schon einmal das Gefühl von Herzstolpern erlebt. Es tritt oft im Urlaub oder kurz vor dem Einschlafen auf, wenn der Puls kurz aussetzt und einem der Atem wegbleibt. Danach setzt das Herz seinen normalen Rhythmus fort. Dieses Phänomen wird als Extrasystole bezeichnet, ein zusätzlicher Herzschlag, der den Herzrhythmus kurzzeitig unterbricht. Obwohl es sich beängstigend anhören mag, hat es oft keine schwerwiegenden Ursachen und steht nicht immer mit dem Herzen in direktem Zusammenhang.
Was sind Extrasystolen?
Extrasystolen sind Impulse, die von Herzmuskelzellen ausgesendet werden und den Rhythmus stören, der normalerweise vom Sinusknoten vorgegeben wird. Neben Extraschlägen kann auch plötzliches Herzrasen, die sogenannte Tachykardie, mit einer Frequenz zwischen 150 und 200 Schlägen pro Minute auftreten. Laut Kardiologen ist dies häufig völlig harmlos, solange keine Herzerkrankung zugrunde liegt. Ein Herzfehler kann durch ein Langzeit-Elektrokardiogramm (EKG), ein Belastungs-EKG und einen Herzultraschall ausgeschlossen werden.
Ursachen von Extrasystolen
Die Ursachen für Extrasystolen sind vielfältig und reichen von harmlosen Auslösern bis hin zu zugrunde liegenden Erkrankungen.
Harmlos Ursachen
- Stress und emotionale Belastung: Emotionale Belastungen reizen den Sympathikus, ein Teil des vegetativen Nervensystems, der den Körper und insbesondere die Herztätigkeit in hohe Erregungsbereitschaft versetzt. Vor allem bei jüngeren Frauen kann Stress Herzstolpern und Herzrasen begünstigen.
- Überfunktion der Schilddrüse: Eine Schilddrüsenüberfunktion kann ebenfalls zu Herzrhythmusstörungen führen.
- Blähungen: In einigen Fällen können Blähungen Herzrhythmusstörungen begünstigen, indem der Querdarm oder der Magen auf das Zwerchfell drücken.
- Genussmittel: Der Konsum von Genussmitteln wie Alkohol und Kaffee kann Rhythmusstörungen fördern.
- Mineralstoffmangel: Ein Mangel an Mineralstoffen wie Kalium, Magnesium, Calcium und Eisen kann sich ungünstig auf die Herzgesundheit auswirken und Herzrhythmusstörungen verursachen oder verschlimmern.
- Vitamin-D-Mangel: Ein Vitamin-D-Mangel kann ebenfalls an Herzrhythmusstörungen beteiligt sein.
- Koffein: Schon eine Dose mit 250 ml „Flügel verleihenden“ Energie-Drinks enthält so viel Koffein wie eine Tasse starken Filterkaffees.
- Roemheld-Syndrom: Herzrhythmusstörungen bzw. Symptome, die Herzrhythmusstörungen ähneln, können auch dann auftreten, wenn das Roemheld-Syndrom vorliegt. Wichtig ist hier natürlich in erster Linie der Abbau des Übergewichts sowie der Blähungen.
- Histaminintoleranz: Auch eine Histaminintoleranz kann zu Herzrasen oder Herzstolpern und früher oder später zum Verdacht einer Herzrhythmusstörung führen. Leidet man an einer Histaminintoleranz, dann zeigt sich das Herzproblem insbesondere nach dem Genuss von Rotwein, Schokolade oder reifem Käse.
- Wechseljahre: Herzrasen und Herzstolpern gehören zu den unangenehmen, oft auch beunruhigenden Symptomen, die viele Frauen in den Wechseljahren erleben. Rund die Hälfte aller Frauen berichtet im Zuge der hormonellen Umstellung vor und nach der letzten Monatsblutung über solche Beschwerden im Herzbereich. Ursache für die Herzsymptome ist vermutlich vor allem der teils sinkende Östrogenspiegel: Östrogen wirkt nicht nur als Geschlechtshormon, sondern auch als Botenstoff des vegetativen Nervensystems.
Ernsthafte Ursachen
- Herzerkrankungen: In einigen Fällen können Extrasystolen auf eine zugrunde liegende Herzerkrankung hinweisen, wie z. B. ein Herzfehler oder eine koronare Herzkrankheit.
- Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion der Schilddrüse können Herzrhythmusstörungen verursachen.
- Elektrolytstörungen: Ein Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt, insbesondere ein Mangel an Kalium oder Magnesium, kann Extrasystolen auslösen.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, wie z. B. Digitalis, Sympathomimetika, Antiarrhythmika oder trizyklische Antidepressiva, können als Nebenwirkung Herzrhythmusstörungen verursachen.
- Schlafapnoe: Das Schlafapnoesyndrom, bei dem es nachts zu Atemaussetzern kommt, kann ebenfalls Vorhofflimmern begünstigen.
- Gastroösophageale Refluxerkrankung: Der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre kann das vegetative Nervensystem beeinflussen und Herzrhythmusstörungen fördern.
Diagnose von Extrasystolen
Die Diagnose von Extrasystolen erfolgt in der Regel durch ein Elektrokardiogramm (EKG), das die elektrische Aktivität des Herzens aufzeichnet. Um die Häufigkeit und Art der Extrasystolen zu bestimmen, kann auch ein Langzeit-EKG über 24 Stunden oder länger durchgeführt werden. In einigen Fällen sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Ursache der Extrasystolen zu ermitteln, wie z. B. ein Belastungs-EKG, ein Herzultraschall oder eine Blutuntersuchung zur Bestimmung der Schilddrüsenwerte und des Elektrolythaushaltes.
Behandlung von Extrasystolen
Die Behandlung von Extrasystolen richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Symptome. In vielen Fällen sind keine Medikamente erforderlich, insbesondere wenn die Extrasystolen harmlos sind und keine Beschwerden verursachen.
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Allgemeine Maßnahmen
- Vermeidung von Auslösern: Wenn die Extrasystolen durch Stress, Koffein, Alkohol oder andere Faktoren ausgelöst werden, sollten diese vermieden werden.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und das vegetative Nervensystem zu beruhigen.
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sowie eine ausreichende Zufuhr von Mineralstoffen und Vitaminen kann die Herzgesundheit fördern.
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität kann das Herz-Kreislauf-System stärken und das Wohlbefinden verbessern.
- Schlafhygiene: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Herzgesundheit und kann helfen, Extrasystolen zu reduzieren.
Medikamentöse Therapie
- Beta-Blocker: Beta-Blocker können helfen, die Herzfrequenz zu senken und Extrasystolen zu reduzieren.
- Antiarrhythmika: In schweren Fällen können Antiarrhythmika eingesetzt werden, um den Herzrhythmus zu stabilisieren.
- Magnesium und Kalium: Bei einem Mangel an Magnesium oder Kalium können diese Mineralstoffe in Form von Nahrungsergänzungsmitteln eingenommen werden.
Invasive Verfahren
- Katheterablation: In seltenen Fällen kann eine Katheterablation erforderlich sein, um die Herzmuskelzellen zu veröden, die die Extrasystolen verursachen.
- Herzschrittmacher: Bei sehr langsamen Herzrhythmusstörungen kann ein Herzschrittmacher eingesetzt werden, um den Herzrhythmus zu regulieren.
Psychische Aspekte von Herzrhythmusstörungen
Die Psyche spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Wahrnehmung von Herzrhythmusstörungen. Stress, Angst und Depressionen können das vegetative Nervensystem beeinflussen und Herzrhythmusstörungen auslösen oder verstärken. Umgekehrt können Herzrhythmusstörungen auch Angst und Panik auslösen, was zu einem Teufelskreis führen kann.
Psychokardiologie
Die Psychokardiologie ist ein interdisziplinärer Fachbereich, der sich mit den Zusammenhängen zwischen Psyche und Herzgesundheit befasst. Psychokardiologische Behandlungen können helfen, Stress abzubauen, Ängste zu bewältigen und ungünstige Verhaltensweisen zu ändern.
Psychotherapeutische Verfahren
- Kognitive Verhaltenstherapie: Die kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern, die zu Stress und Angst führen.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und das vegetative Nervensystem zu beruhigen.
- Stressbewältigungstraining: Stressbewältigungstrainings können helfen, Stressoren zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um mit Stress besser umzugehen.
Naturheilkundliche Ansätze
Neben den konventionellen Behandlungsmethoden gibt es auch einige naturheilkundliche Ansätze, die bei Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden können.
- Pflanzliche Mittel: Bestimmte pflanzliche Mittel, wie z. B. Weißdorn, können die Herzfunktion unterstützen und den Herzrhythmus stabilisieren.
- Homöopathie: In der Homöopathie gibt es eine Vielzahl von Mitteln, die bei Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden können. Die Wahl des geeigneten Mittels sollte jedoch einem erfahrenen Homöopathen überlassen werden.
- Schüssler-Salze: Schüssler-Salze sind Mineralsalze, die nach den Regeln der Homöopathie aufbereitet werden und bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt werden können, darunter auch Herzrhythmusstörungen.
- Ernährung: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sowie eine ausreichende Zufuhr von Mineralstoffen und Vitaminen ist wichtig für die Herzgesundheit.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
In den meisten Fällen sind Extrasystolen harmlos und bedürfen keiner Behandlung. Es gibt jedoch einige Situationen, in denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:
- Wenn die Extrasystolen häufig auftreten oder über einen längeren Zeitraum anhalten.
- Wenn die Extrasystolen von anderen Symptomen begleitet werden, wie z. B. Schmerzen in der Brust, Atemnot, Schwindel oder Ohnmacht.
- Wenn eine Herzerkrankung bekannt ist.
- Wenn die Extrasystolen die Lebensqualität beeinträchtigen.
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