Einführung
Durchblutungsstörungen des Gehirns sind ein ernstes Gesundheitsproblem, das in jedem Alter auftreten kann. Während bei älteren Menschen oft Risikofaktoren wie Arteriosklerose im Vordergrund stehen, sind die Ursachen bei jungen Menschen vielschichtiger und erfordern eine eingehende Untersuchung. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Durchblutungsstörungen des Gehirns bei jungen Menschen, um das Bewusstsein für diese potenziell lebensbedrohliche Erkrankung zu schärfen.
Was sind Durchblutungsstörungen des Gehirns?
Bei einer Durchblutungsstörung im Gehirn kann das Blut nicht mehr ungehindert durch die Blutbahnen fließen. Dies führt zu einer eingeschränkten oder fehlenden Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen. Je nach Ausprägung der Krankheit kann diese schleichend oder akut auftreten. Akute Störungen führen oft zu Empfindungs- und Wahrnehmungsstörungen und können innerhalb weniger Minuten oder Stunden ischämische Attacken oder gar Schlaganfälle verursachen. Schleichende Erkrankungen werden häufig erst spät erkannt.
Ursachen von Durchblutungsstörungen des Gehirns bei jungen Menschen
Während bei Erwachsenen oft der Lebenswandel für die Durchblutungsstörung im Gehirn verantwortlich ist, sind die Ursachen bei Jüngeren vielschichtig. Angeborene Fehlanlagen in Gefäßen, Autoimmunerkrankungen und andere Faktoren können eine Rolle spielen.
Einige der Hauptursachen sind:
- Angeborene Gefäßfehlbildungen: Aneurysmen (Gefäßaussackungen) oder Blutschwämmchen können im Gehirn Blutungen verursachen, die zu Störungen der Nervenversorgung führen.
- Autoimmunerkrankungen: Hierbei attackiert das Immunsystem Gehirngefäße, was zu Gefäßentzündungen und Durchblutungsstörungen führen kann.
- Hirntumore: Diese können Nerven abdrücken und einen Schlaganfall hervorrufen.
- Gefäßwandrisse (Dissektionen): Ein Einriss der Wand von Halsgefäßen kann zu halbseitigen Kopfschmerzen und Schlaganfällen führen. Bei jüngeren Erwachsenen kann ein Gefäßwandriss mit Einblutung zwischen die Schichten der Gefäßwand ursächlich sein: Es handelt sich um die sog. Dissektion einer Arterie. Tritt dies im Bereich hirnversorgender Arterien auf (zervikale arterielle Dissektion/CAD), kann das einen Schlaganfall (Insult) auslösen.
- Neonatale Schlaganfälle: Bei Neugeborenen können komplizierte Geburten (z.B. Zangengeburt) oder Frühgeburtlichkeit Schlaganfälle begünstigen, da die Gefäße bei Frühgeborenen sehr fragil sind.
- Weitere Ursachen: Seltener können angeborene oder erworbene Gefäßfehlbildungen, Gefäßverkrampfungen (Vasokonstriktionssyndrom) oder die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel wie die Anti-Baby-Pille eine Rolle spielen. Letztendlich gibt es aber auch Schlaganfälle, deren Ursache nicht geklärt werden kann und die häufig auch bei jüngeren Menschen auftreten. Der Mediziner spricht dann von einem kryptogenen Schlaganfall. Experten vermuten kleine Blutgerinnsel (Embolien) unbekannten Ursprungs (ESUS: „embolic stroke of undetermined source“, heißt embolischer Schlaganfall ungeklärter Ätiologie).
Symptome von Durchblutungsstörungen des Gehirns
Durchblutungsstörungen im Gehirn können sich durch eine Vielzahl von Symptomen bemerkbar machen. Die Symptome können plötzlich auftreten oder sich langsam entwickeln. Es ist wichtig, auf folgende Warnzeichen zu achten:
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- Plötzliche, starke Kopfschmerzen: Insbesondere bei einer Subarachnoidalblutung aus einem Aneurysma.
- Sehstörungen: Z.B. Sehstörungen auf einem Auge („wie blind, alles ist schwarz“), die von kurzer Dauer sind und danach das Sehen wieder „ganz normal ist“ oder vorübergehendes Doppeltsehen oder einseitige Erblindung, medizinisch Amaurosis fugax genannt.
- Sprach- und Sprechstörungen: Verwaschene Sprache, Schwierigkeiten, Wörter zu finden, oder falsche Buchstaben werden gesprochen. Ebenso können sich reversible Sprachstörungen bemerkbar machen.
- Lähmungserscheinungen: Plötzliche Schwäche oder Lähmung im Gesicht, Arm oder Bein, oft nur auf einer Körperhälfte.
- Gefühlsstörungen: Kribbeln oder Taubheitsgefühl in einem Arm, einem Bein oder einer Hälfte des Körpers. Grundsätzlich können auch Gefühlsstörungen erstes Symptom eines Schlaganfalls sein, vor allem, wenn sie eine Gesichts- oder Körperhälfte betreffen.
- Schwindel: Drehschwindel, Unsicherheit beim Stehen, schwankender Gang oder das Gefühl, wie auf hoher See zu sein.
- Koordinationsstörungen: Schwierigkeiten, Bewegungen zu koordinieren.
- Bewusstlosigkeit: In schweren Fällen können Atmung und Puls aussetzen.
Auch, wenn derartige Anzeichen nur kurzzeitig auftreten, könnten sie Zeichen einer Mangeldurchblutung sein und müssen ernst genommen werden. Sie können einen Schlaganfall ankündigen. Mediziner sprechen von einer Transitorisch Ischämischen Attacke (TIA).
Diagnose von Durchblutungsstörungen des Gehirns
Bei Verdacht auf eine Durchblutungsstörung des Gehirns ist eine rasche und umfassende Diagnostik entscheidend. Folgende Untersuchungen werden in der Regel durchgeführt:
- Neurologische Untersuchung: Beurteilung der neurologischen Funktionen, wie z.B. Reflexe, Koordination, Sprache und Gedächtnis.
- Bildgebende Verfahren:
- Computertomographie (CT): Um zu unterscheiden, ob es sich um einen Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall) oder um eine Hirnblutung handelt, werden bildgebende Untersuchungen durchgeführt. Dabei handelt es sich um Schichtaufnahmen des Gehirns, entweder mittels Computertomographie (CT) oder mittels Kernspin- bzw. Magnetresonanztomographie (MRT).
- Magnetresonanztomographie (MRT): MRT (mit spezieller Durchblutungsmessung)
- CT- oder MR-Angiographie: Darstellung der hirnversorgenden Gefäße.
- Doppler-Ultraschall: Ultraschalluntersuchung der hirnversorgenden Gefäße, um Verengungen oder Verschlüsse zu erkennen. Um die Durchblutungssituation zum Gehirn beurteilen zu können, empfiehlt sich eine duplexsonographische Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern. Hier können die Carotiden gut beurteilt werden, einerseits wenn es um den Beginn einer Arteriosklerose Behandlung geht (meist Entscheidungsfindung vor Therapieeinleitung mit einem Cholesterinsenker), andererseits lässt sich hier eine Durchblutungsstörung zum Gehirn direkt detektieren.
- Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Risikofaktoren wie Cholesterin, Blutzucker und Entzündungsmarkern. Darüber hinaus erfolgt eine Laboruntersuchung des Bluts.
- Elektrokardiogramm (EKG): Zum Nachweis von Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern, die ein Risikofaktor für Schlaganfälle sein können. Des Weiteren wird immer ein EKG zum Nachweis bzw.
- Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen wie eine Angiographie (Darstellung der Blutgefäße mit Kontrastmittel) oder eine Liquoranalyse (Untersuchung des Nervenwassers) erforderlich sein.
Behandlung von Durchblutungsstörungen des Gehirns
Die Behandlung einer Durchblutungsstörung im Gehirn richtet sich nach der Ursache. Die Medizin unterscheidet hierbei zwischen akuten und vorbeugenden Maßnahmen sowie Rehabilitationsbehandlungen. Bei einer akuten Erkrankung versucht der Arzt initial das Gehirn vor weiteren Schäden zu bewahren. Der Behandlungsansatz ist abhängig von der Art der Erkrankung.
Akutbehandlung
Ein Schlaganfall muss so schnell wie möglich behandelt werden - jede Minute zählt. Es gilt das Motto „time is brain“, damit es nicht zu bleibenden Schäden durch Absterben von Gehirnzellen kommt. Je schneller die Behandlung erfolgt, desto höher sind die Chancen auf eine weitgehende oder vollständige Genesung.
- Ischämischer Schlaganfall:
- Thrombolyse (Lyse): Medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels. Grundsätzlich sollte die Lysetherapie innerhalb von 4,5 Stunden nach Beginn der Schlaganfallsymptome begonnen werden. Neue Studien haben gezeigt, dass unter bestimmten Umständen eine Lysetherapie auch noch später erfolgreich sein kann.
- Thrombektomie: Mechanische Entfernung des Blutgerinnsels mittels Katheter. Vor allem beim Verschluss großer Hirngefäße erfolgt eine Thrombektomie.
- Hämorrhagischer Schlaganfall:
- Blutdrucksenkung: Um die Ausbreitung der Blutung zu bremsen. Zunächst wird versucht, die Ausbreitung der Blutung zu bremsen, durch Senkung des Blutdrucks und ggf. den Einsatz gerinnungsaktiver Medikamente.
- Operation: Bei ausgedehnten Hirnblutungen. Bei einer Hirnblutung wird wiederum meist eine Operation durchgeführt.
- Verschluss des Aneurysmas: Bei einer Subarachnoidalblutung muss das Aneurysma durch einen Katheter-Eingriff oder eine Operation verschlossen werden. Das Aneurysma muss durch einen Katheter-Eingriff oder eine Operation verschlossen werden.
Vorbeugende Maßnahmen
Nach der Akutbehandlung ist es wichtig, das Risiko für weitere Schlaganfälle zu minimieren. Hierzu gehören:
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- Medikamentöse Therapie:
- Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. ASS): Um die Bildung neuer Blutgerinnsel zu verhindern. Nach einem ischämischen Schlaganfall, auch bei einem „Mini-Schlaganfall“ (TIA), erfolgt eine therapeutische Beeinflussung der Blutgerinnung, um das Risiko zu minimieren, dass sich ein neues Blutgerinnsel bildet und zu einem Folgeschlaganfall führt. Oft wird dafür Aspirin/ASS eingesetzt, da es die Blutplättchenbildung hemmt.
- Antikoagulationstherapie: Bei Vorhofflimmern, um die Bildung von Blutgerinnseln im Herzen zu verhindern. Wenn ein Vorhofflimmern ursächlich war, erfolgt die sogenannte Antikoagulationstherapie. Die sogenannten neuen oralen Antikoagulanzien (NOACs), zu denen dieses Präparat zählt, wirken genauso gut wie Marcumar und haben den Vorteil, dass sie in einer fixen täglichen Dosis genommen werden können und keine regelmäßigen Blutkontrollen erforderlich sind.
- Cholesterinsenkende Medikamente (Statine): Um Ablagerungen in den Blutgefäßen zu reduzieren. Zeigen sich bereits Ablagerungen am Gefäßsystem (sogenannte Plaquebildung) empfiehlt sich der Therapiebeginn mit einem Cholesterinsenker, um die bereits vorhandenen Plaques positiv umzubauen und zu stabilisieren. Denn eine Plaqueruptur führt oft zu einer Verschleppung von thrombogenem Material, welches dann eine periphere Schlagader im Gehirn verstopfen kann.
- Blutdrucksenkende Medikamente: Um den Blutdruck zu normalisieren und das Risiko für Hirnblutungen zu senken. Wichtig ist die medikamentöse Einstellung von Blutdruck, Diabetes mellitus und Cholesterin.
- Lebensstiländerungen:
- Gesunde Ernährung: Reich an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, wenig gesättigte Fette und Cholesterin.
- Regelmäßige Bewegung: Um das Herz-Kreislauf-System zu stärken und Übergewicht zu vermeiden. Um den Gefäßalterungsprozess, die Arteriosklerose, möglichst positiv zu beeinflussen, empfiehlt sich ein sportlich aktiver Lebensstil mit dem Ziel einer Normalgewichtigkeit und dem Verzicht auf Nikotin. Weiter empfiehlt sich eine moderate körperliche Aktivität (z.B. 3 x wöchentlich 30 min. leichtes Ausdauertraining).
- Nikotinverzicht: Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Schlaganfallrisiko erheblich.
- Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht. Reduzieren Sie möglicherweise bestehendes Übergewicht.
- Stressmanagement: Stress kann den Blutdruck erhöhen und das Schlaganfallrisiko steigern. Vermeiden Sie Dauerstress.
- Begrenzung des Alkoholkonsums: Trinken Sie keinen oder nur sehr wenig Alkohol.
Rehabilitation
Kommt es im Zuge einer Durchblutungsstörung des Gehirns zu einem Schlaganfall, steht dem Patienten nach der ärztlichen Notversorgung ein breites Spektrum an Therapie- und Rehabilitationsmaßnahmen zur Verfügung. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache sowie der Lokalisation des Schadens. Die Therapie ist zudem immer individuell und zielt darauf ab, dass der Patient größtmögliche Selbstständigkeit erlangt. Je nach gesundheitlicher Verfassung und Schweregrad der Folgeschäden, sind unterschiedliche Reha-Maßnahmen möglich, die die Einschränkungen des Patienten berücksichtigen. Den Anfang einer jeden Reha bildet das Erstgespräch, in dem der Arzt gemeinsam mit dem Patienten persönliche Ziele festlegt.
- Physiotherapie: Zur Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination. Zu den gängigsten Rehabilitationsmaßnahmen zählen Therapien aus den Bereichen der Physiotherapie, der Logopädie, der Ergotherapie sowie der Sporttherapie.
- Logopädie: Zur Behandlung von Sprach- und Sprechstörungen. Bei einer Sprachstörung (Aphasie) können Sprachverständnis und/oder Sprachkodierung gestört sein; bei einer Sprechstörung (Dysarthrie) sind die Sprechmuskeln beeinträchtigt - Logopäden trainieren die Kommunikation.
- Ergotherapie: Zur Verbesserung der Alltagskompetenzen und Feinmotorik. Die Ergotherapie hilft bei der Feinmotorik und beim (Wieder-)Erlernen vom Arbeiten mit Gegenständen.
- Neuropsychologische Maßnahmen: Zum besseren Umgang mit der Erkrankung und etwaigen Folgeschäden. Je nach Gesundheitszustand des Patienten kann der Arzt zudem auch neuropsychologische Maßnahmen verordnen. Im Zuge dieser Therapien erlernen Patienten den besseren Umgang mit ihrer Erkrankung und etwaigen Folgeschäden.
- Weitere Maßnahmen: Ergänzt werden diese Maßnahmen zudem oftmals durch aktivierende Pflegekonzepte sowie Ernährungsberatungen und Schulungen hinsichtlich des Lebensstils.
Ob eine Rehabilitation ambulant oder stationär durchgeführt wird, richtet sich nach dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten, den Lebensumständen sowie dessen Wünschen. an, sodass der Patient sein gewohntes Umfeld nicht verlassen muss. Die Zeitdauer einer ambulanten Reha ist zeitlich meist nicht begrenzt und umfasst neben Rehabilitationsmaßnahmen auch eine Reihe vorbeugender Konzepte, um erneute Schlaganfälle zu vermeiden. Im Gegensatz dazu ist eine stationäre Reha zeitlich beschränkt. Der Aufenthalt dauert in der Regel drei bis vier Wochen, wobei eine Verlängerung bei Bedarf auf Antrag möglich ist. Eine stationäre Aufnahme in eine weiterführende Reha-Klinik ist nur möglich, wenn der zuständige Kostenträger dem Aufenthalt zustimmt. für eine stationäre Rehabilitation. Ob die Reha bewilligt wird, hängt von der Schwere des Schlaganfalls sowie etwaigen Vorerkrankungen ab.
Spezielle Aspekte bei Kindern und Jugendlichen
Die Rehabilitation im Kindesalter erfolgt entsprechend der jeweiligen Grunderkrankung in Zusammenarbeit mit Physiotherapeutinnen, Logopädinnen, Ergotherapeutinnen, Immunspezialistinnen und Neurolog*innen. Sie begleiten die jungen Patientinnen und Patienten teilweise über mehrere Jahre. Kinder sind sehr lernfähig und haben deshalb gute Aussicht auf Heilung. Je nach Schwere des Schlaganfalls können Einschränkungen zurückbleiben, mit denen die Betroffenen erfahrungsgemäß aber durchaus gut zurechtkommen können. Somit ist die Prognose in vielen Fällen positiv.
Transitorische ischämische Attacke (TIA)
Eine Transitorische Ischämische Attacke, kurz TIA, wird umgangssprachlich auch als Mini-Schlaganfall bezeichnet - aus gutem Grund: Die Symptome und Ursachen einer TIA stimmen tatsächlich mit denen eines Schlaganfalls weitgehend überein. Der wesentliche Unterschied ist, dass die Beschwerden bei einer TIA laut der offiziellen Definition nach spätestens 24 Stunden wieder abklingen. Oft ist das sogar schon nach wenigen Minuten der Fall.
TIA niemals unterschätzen!
Eine Transitorische Ischämische Attacke ist häufig Vorbote eines Schlaganfalls. Das Risiko, einen „richtigen“ Schlaganfall zu erleiden, ist in den ersten 24 bis 48 Stunden nach einer TIA am größten. Daher ist es unbedingt notwendig, bei Schlaganfallsymptomen die Notrufnummer 112 zu wählen - auch wenn diese nach kurzer Zeit abgeklungen sind.
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Ursachen und Risikofaktoren
Ursache einer Transitorischen Ischämischen Attacke ist ein vorübergehender Verschluss einer Arterie des Gehirns, meist durch ein Blutgerinnsel. Dieses kann beispielsweise im Bereich des Halses oder des Herzens entstehen, sich lösen und über die Blutbahn ins Gehirn gelangen. Es gibt verschiedene Faktoren, die das TIA-Risiko erhöhen und auch den Risikofaktoren für Schlaganfälle entsprechen. Dazu gehören unter anderem: Übergewicht und Adipositas ein gestörter Zuckerstoffwechsel (Diabetes mellitus) Vorhofflimmern Bluthochdruck hormonelle Verhütungsmittel wie die Anti-Baby-Pille
Symptome
Eine Transitorische Ischämische Attacke zeigt sich mit typischen akuten Symptomen, die auch bei einem Schlaganfall auftreten. Dazu gehören: Gefühlsstörungen in Form von Kribbeln oder einem Taubheitsgefühl in einem Arm, einem Bein oder einer Hälfte des Körpers Lähmungserscheinungen in einem Bein, einem Arm oder einer Körperhälfte Sprach- und Sprechstörungen Schwindel, damit einhergehend: unsicherer Gang, Schwanken, Drehgefühl vorübergehendes Doppeltsehen einseitige Erblindung, medizinisch Amaurosis fugax genannt Bei einer TIA treten all diese Symptome nur für einen kurzen Zeitraum auf und bilden sich dann vollständig wieder zurück. Bei manchen Betroffenen kann es während einer Transitorischen Ischämischen Attacke zusätzlich zu Kopfschmerzen kommen. Ansonsten verläuft die TIA in der Regel völlig ohne Schmerzen. Das Fehlen von Schmerzen sowie die kurze Dauer führen dazu, dass viele Betroffenen die TIA nicht ernst nehmen - eine potentiell gefährliche Fehleinschätzung.
Diagnose und Behandlung
Eine TIA ist ein medizinischer Notfall: Die Betroffenen sollten den Notruf wählen, damit sie umgehend in einem Krankenhaus untersucht und behandelt werden können. Dort werden sie meist auf eine Spezialstation gebracht, die sogenannte Stroke-Unit, wo abgeklärt wird, woher die Symptome stammen und worum es sich handelt. Im Akutfall, bei noch bestehenden Symptomen, werden die betreuenden Ärzte und Ärztinnen das strukturierte Vorgehen einer Schlaganfallbetreuung wählen. Das heißt, es ist schnellstmöglich zu klären, ob der Patient oder die Patientin für eine gerinnselauflösende medikamentöse Behandlung (sogenannte Lyse) und/oder für die mechanische Entfernung des Gerinnsels mittels Katheter in einem spezialisierten Zentrum (Thrombektomie) in Frage kommt.
Da bei einer TIA meist kleinere Blutgerinnsel die Hirnarterien blockieren, die sich selbst auflösen, können die Patienten beim Eintreffen in der Klinik wieder asymptomatisch sein. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer TIA einen gefährlichen Schlaganfall zu erleiden, ist erhöht. Daher geht es bei der Behandlung insbesondere darum, die individuellen Risikofaktoren für einen Schlaganfall festzustellen und zu verringern. Dazu gehört zum Beispiel, die Therapie einer eventuell bestehenden Diabetes-Erkrankung zu überprüfen, erhöhten Blutdruck zu senken oder andere Erkrankungen, die das Schlaganfall-Risiko steigern, zu behandeln.
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