Eine Bauchoperation kann verschiedene Ursachen haben und unterschiedliche Auswirkungen auf den Körper haben. Eine mögliche Komplikation, die nach einer solchen Operation auftreten kann, ist die Durchtrennung von Nerven. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und möglichen Folgen von durchtrennten Nerven nach einer Bauch-OP.
Einführung
Bauchoperationen sind komplexe Eingriffe, die zur Behandlung einer Vielzahl von Erkrankungen notwendig sein können. Obwohl Chirurgen stets bemüht sind, Schäden an umliegendem Gewebe zu vermeiden, kann es in einigen Fällen zur unbeabsichtigten Durchtrennung von Nerven kommen. Dies kann zu einer Reihe von Beschwerden und Funktionsstörungen führen, die die Lebensqualität des Patienten erheblich beeinträchtigen können.
Ursachen für Nervendurchtrennungen nach Bauch-OP
Nerven können während einer Bauchoperation aus verschiedenen Gründen durchtrennt werden:
- Direkte Verletzung durch chirurgische Instrumente: Während des Eingriffs können Nerven versehentlich mit Skalpellen, Scheren oder anderen Instrumenten durchtrennt werden.
- Zug oder Druck auf Nerven: Bei der Mobilisierung von Organen oder Geweben können Nerven gedehnt oder gequetscht werden, was zu einer Schädigung führen kann.
- Verletzung durch Hitze oder Kälte: Der Einsatz von Elektrokoagulation zur Blutstillung oder Kryotherapie zur Gewebezerstörung kann Nerven schädigen, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe befinden.
- Entfernung von Tumoren: Bei der Entfernung von Tumoren im Bauchraum kann es notwendig sein, Nerven zu durchtrennen, die den Tumor versorgen oder in ihn eingewachsen sind.
- Narbenbildung und Verwachsungen: Nach einer Operation können sich Narben und Verwachsungen bilden, die Nerven einklemmen oder komprimieren und dadurch schädigen können. Verwachsungen (Adhäsionen) sind Gewebsbrücken, z. B. im Bauchraum, die Organe unter sich oder mit der Bauchwand an Stellen verbinden, die normalerweise unverbunden sind. Die notwendige Beweglichkeit der Organe (z. B. Darm) wird dadurch eingeschränkt. Verwachsungen bilden sich nach Verletzungen und Entzündungen des Bauchfells, ursächlich hierfür sind meist Operationen. Sie können aber auch nach entzündlichen Erkrankungen, z. B. Eierstock- oder Eileiterentzündungen oder im Rahmen von gutartigen Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut (Endometriose), entstehen.
Symptome und Folgen von durchtrennten Nerven
Die Symptome, die nach einer Nervendurchtrennung auftreten, hängen von der Art und dem Ort des betroffenen Nervs ab. Mögliche Folgen sind:
- Schmerzen: Nervenschäden können zu chronischen Schmerzen im Bauchraum, im Operationsgebiet oder in anderen Körperregionen führen. Der Zug eines Verwachsungsstrangs an einem mit Nerven ausgestatteten, sehr auf ständige Beweglichkeit und Ausdehnung angelegten Organs, wie z. B. Darmschlinge oder Harnblase, kann ohne Zweifel Schmerzen verursachen.
- Gefühlsstörungen: Betroffene können Taubheitsgefühle, Kribbeln oder andere Sensibilitätsstörungen im Bereich des versorgten Hautareals entwickeln. Ein geschädigter Nerv kann dementsprechend ankommende elektrische Impulse nicht mehr richtig weiterleiten. Es kommt zum Schmerz oder zu Gefühlsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln.
- Muskelschwäche oder Lähmungen: Wenn motorische Nerven betroffen sind, kann es zu Muskelschwäche oder sogar Lähmungen in den entsprechenden Muskelgruppen kommen. Im Falle einer kompletten Nervendurchtrennung ist die von diesem Nerven versorgte Muskulatur schlaff gelähmt.
- Verdauungsstörungen: Die Durchtrennung von Nerven, die den Verdauungstrakt steuern, kann zu Verdauungsstörungen wie Verstopfung, Durchfall oder Blähungen führen.
- Blasen- und Darmfunktionsstörungen: In einigen Fällen können Nervenschäden die Funktion von Blase und Darm beeinträchtigen, was zu Inkontinenz oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Stuhlgang führen kann.
- Sexuelle Funktionsstörungen: Nerven, die für die sexuelle Funktion wichtig sind, können ebenfalls betroffen sein, was zu Erektionsstörungen bei Männern oder verminderter Empfindsamkeit bei Frauen führen kann.
- Trophische Störungen: Abhängig von den betroffenen Nervenfasern treten vegetative sowie trophische Störungen auf.
Diagnose von Nervenschäden nach Bauch-OP
Die Diagnose von Nervenschäden nach einer Bauchoperation umfasst in der Regel eine Kombination aus:
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- Körperlicher Untersuchung: Der Arzt untersucht den Patienten auf Sensibilitätsstörungen, Muskelschwäche und andere neurologische Auffälligkeiten.
- Elektrophysiologischen Untersuchungen: Mithilfe von Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen (NLG) kann festgestellt werden, ob die Nerven normal leiten.
- Bildgebenden Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt werden, um die Nerven darzustellen und mögliche Schädigungen zu erkennen. Unter Umständen setzen wir auch die Kernspintomographie (MRT) ein, um eine bildliche Darstellung zu erhalten und zu ermitteln, ob die Beschwerden von Schädigungen der peripheren Nerven selbst oder bspw. von Schädigungen der Wirbelsäule wie etwa einem Bandscheibenvorfall stammen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von durchtrennten Nerven nach einer Bauchoperation hängt von der Art und dem Ausmaß der Schädigung ab. Mögliche Therapieansätze sind:
- Konservative Behandlung: Bei leichten Nervenschäden kann eine konservative Behandlung ausreichend sein. Diese umfasst in der Regel Schmerzmittel, Physiotherapie zur Stärkung der Muskulatur und Ergotherapie zur Verbesserung der Funktion.
- Chirurgische Nervenrekonstruktion: Wenn ein Nerv vollständig durchtrennt ist, kann eine Operation erforderlich sein, um die Nervenenden wieder miteinander zu verbinden. Im Falle einer kompletten Nervendurchtrennung kann operativ eine Naht der durchtrennten Nerven durchgeführt, also die zwei Nervenenden wieder miteinander verbunden werden. Sind die beiden Enden aufgrund der Verletzung so weit voneinander entfernt, dass der Arzt sie nicht zusammenlegen kann, ist eine Nerventransplantation erforderlich, bei der ein Spendernerv zur Überbrückung des fehlenden Stücks eingenäht wird. Diesen entnimmt der Arzt meist aus dem Nervus suralis, der an der Außenkante des Fußes und des Unterschenkels verläuft7. Im Anschluss an die Operation muss die operierte Stelle - je nach Operationsart - für zehn Tage bis drei Wochen mit einem Gips ruhiggestellt werden. Über den Zeitpunkt für die Operation entscheidet der Neurologe (Facharzt für Nerven) beziehungsweise Chirurg. Im Falle einer glatten Durchtrennung sollte die Nervennaht bereits in den ersten Stunden nach dem Geschehen gesetzt werden, um eine gute Chance zu haben, dass sich der Nerv wieder regeneriert.
- Nerventransplantation: In manchen Fällen ist es nicht möglich, die Nervenenden direkt miteinander zu verbinden. Dann kann eine Nerventransplantation in Betracht gezogen werden, bei der ein Nerv aus einer anderen Körperregion entnommen und zur Überbrückung der Lücke verwendet wird.
- Nervenentlastung (Dekompression): Wenn Nerven durch Narben oder Verwachsungen eingeklemmt sind, kann eine Operation zur Entlastung des Nervs durchgeführt werden. Ziel der Operation ist es, die anatomische Engstelle zu beseitigen und den Nerv zu „entlasten“. Daher spricht man auch von einer Dekompression, die den komprimierten, also zusammengedrückten, Nerv aus seinem Engpass befreit, d. h. dekomprimiert. Am erfolgreichsten ist eine Operation, die frühzeitig durchgeführt wird - idealerweise vor dem Auftreten sensibler oder motorischer Störungen.
- Schmerztherapie: Chronische Schmerzen, die durch Nervenschäden verursacht werden, können mit verschiedenen schmerztherapeutischen Maßnahmen behandelt werden, darunter Medikamente, Nervenblockaden oder Rückenmarkstimulation.
- Kryoneurolyse: Die Kryoneurolyse ist ein sehr wirkungsvolles Instrument in der Behandlung von Neuralgien, Nervenschmerzen und Neuromschmerzen. Die Kryoanalgesie, auch Kryoanalgesie oder Kryoneurolyse genannt, ist eine spezielle Technik zur langfristigen Schmerzlinderung in der interventionellen Schmerztherapie. Die moderne Kryoanalgesie geht auf Coo-per et al. zurück, die 1961 ein Gerät entwickelten, das flüssigen Stickstoff in einer hohlen Röhre verwendete, die an der Spitze isoliert war und eine Temperatur von - 190° C erreichte. Lloyd et al. schlugen vor, dass die Kryoanalgesie anderen Methoden der peripheralen Nervenzerstörung, einschließlich Alkohol-Neurolyse, Phenol-Neurolyse oder chirurgischen Läsionen, überlegen sei.
Unterstützung der Nervenregeneration
Wird die Ursache der Nervenschädigung etwa bei chronischen Rückenschmerzen, Polyneuropathie oder Karpaltunnel Syndromen behoben, können sich Nerven regenerieren. Dabei ist die Gabe einer Nährstoffkombination aus Uridinmonophosphat (UMP), Vitamin B12 und Folsäure eine geeignete unterstützende Behandlungsoption. UMP besteht aus den Komponenten Uracil, einer Ribose sowie Phosphat. Das Pyrimidinnukleotid ist ein natürlicher Bestandteil der in allen Zellen vorkommenden Ribonukleinsäure (RNA). UMP kann mit weiteren Phosphaten energiereiche Verbindungen eingehen und als Bestandteil gruppenübertragender Coenzyme mit der abgegebenen Energie zahlreiche Stoffwechselreaktionen aktivieren. Dadurch wird die Synthese von Phospho- und Glykolipiden sowie Glykoproteinen angeregt und der Wiederaufbau der Myelinschicht unterstützt. Zusätzlich fördert UMP als RNA-Baustein die Biosynthese von Strukturproteinen und Enzymen. Insgesamt trägt die gezielte Stimulation des Nervenstoffwechsels zur Unterstützung der physiologischen Reparaturmechanismen nach Nervenläsionen bei.
Verschiedene Vitamine des B-Komplexes spielen für unsere Nerven eine entscheidende Rolle, da sie zur normalen Funktion des Nervensystems beitragen. Dies ist auch daran zu erkennen, dass eine mangelnde Versorgung mit B-Vitaminen, insbesondere ein Vitamin-B-12-Mangel, zu einer Nervenschädigung (z. B. der peripheren Neuropathie) beitragen kann. Als Coenzym übernimmt Vitamin B12 wichtige Funktionen im Energiestoffwechsel, der Zellteilung sowie der Übertragung von Methylgruppen. Damit spielt das Vitamin eine besondere Rolle bei der Herstellung wichtiger Nervenzellproteine und dem schützenden Myelin. Vitamin B12 ist ausschließlich in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Milchprodukten und Eiern enthalten. Daher sind Vegetarier:innen häufig nicht optimal mit B12 versorgt. Vitamin B6 übernimmt eine zentrale Rolle bei der Herstellung von Nervenbotenstoffen, die für die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen wichtig sind. Zudem wird es als Cofaktor für die Herstellung von Myelin benötigt. Vitamin B1 wird häufig auch als „Nervenvitamin“ bezeichnet, denn es übernimmt gleich mehrere Aufgaben zum Erhalt der Nervenfunktion. Als Cofaktor beim Abbau von Glukose ist es zum einen dafür mitverantwortlich, dass der Nervenzelle ausreichend Energie zur Verfügung steht. Zum anderen unterstützt es die Bereitstellung von Nervenbotenstoffen und Myelin und trägt zum Erhalt der Struktur der Zellmembranen bei. Folsäure ist für das Wachstum und die Teilung der Nervenzelle von Bedeutung. Gemeinsam mit Vitamin B12 übernimmt es zudem eine wichtige Rolle als sog. Methylgruppenüberträger und ist somit an der Herstellung von DNA-Bausteinen beteiligt. Darüber hinaus trägt das Vitamin Folsäure dazu bei, das Stoffwechselprodukt Homocystein „abzubauen“, welches in großen Mengen nervenschädigend sein kann. Dabei arbeitet es eng mit Vitamin B6 und Vitamin B12 zusammen. Als Folat ist es insbesondere in grünem Blattgemüse zu finden.
Prävention von Nervenschäden bei Bauch-OP
Obwohl es nicht immer möglich ist, Nervenschäden bei Bauchoperationen vollständig zu vermeiden, können bestimmte Maßnahmen dazu beitragen, das Risiko zu minimieren:
- Sorgfältige Operationsplanung: Eine sorgfältige Planung des Eingriffs und die Berücksichtigung der anatomischen Strukturen können helfen, Nerven zu schonen.
- Minimalinvasive Techniken: Wenn möglich, sollten minimalinvasive Operationstechniken bevorzugt werden, da sie in der Regel mit weniger Gewebeschäden und einem geringeren Risiko für Nervenverletzungen verbunden sind.
- Erfahrung des Chirurgen: Ein erfahrener Chirurg, der mit den anatomischen Gegebenheiten vertraut ist, kann das Risiko von Nervenschäden reduzieren.
- Adhäsionsbarrieren: Seit einiger Zeit gibt es die sogenannten Adhäsionsbarrieren, die eine zusätzliche Trennschicht zwischen dem Bauchfellüberzug, der Bauchwand und den Organen bilden und somit die Verklebungs- und Verwachsungsgefahr herabsetzen. Feste Adhäsionsbarrieren sind Membranen, die während der Operation auf die Hauptwundfläche aufgebracht werden und dort verbleiben, so dass das Verwachsungsrisiko gezielt an der abgedeckten Stelle reduziert wird. Jedoch können nicht alle beschädigten Stellen geschützt werden. Flüssige Adhäsionsbarrieren verteilen sich im gesamten Bauchraum und erhöhen den Abstand zwischen dem Bauchfellüberzug der Organe und der Bauchwand. Das Verwachsungsrisiko wird daher nicht nur an einer bestimmten Stelle geringer, sondern im gesamten Bauchraum. Darüber hinaus können auch die Organe, vor allem die Darmschlingen, durch die erhöhte Flüssigkeitsmenge besser gleiten und sich bewegen. Jede Bewegung innerhalb des Bauches wirkt einer Verklebung entgegen!
Narbenpflege
Nach Verletzungen oder Operationen sollte auf eine gute Wundheilung geachtet werden. Aufkratzen von Wundschorf oder Infektionen können zu hypertrophen Narben führen. Mit der Narbenpflege kann begonnen werden, wenn die Wunde geschlossen ist: Zweimal täglich, drei bis sechs Monate lang. Wichtig ist es, dass das Gewebe nicht zu früh belastet wird, d.h. Schonung des Areals und kein Sport in den ersten Wochen. Alle frischen Narben sollten 6 Monate lang vor der Sonne geschützt werden. In Ihrer Apotheke gibt es spezielle Narbengele mit UV-Schutz.Um Verhärtungen zu lindern, eignet sich ein Narbengel oder eine Narbensalbe aus der Apotheke. Manche haben einen kühlenden Effekt, manche richten sich an spezielle Formen wie Brandnarben. Damit das Gewebe gut durchblutet wird, der Spannungsschmerz nachlässt und die feuchtigkeitsspendenden und pflegenden Inhaltsstoffe tief eindringen, können Sie das Auftragen durch sanfte Massagen intensivieren. Dafür eigenen sich spezielle Öle, die häufig Vitamin E enthalten und verschiedene Pflanzenextrakte wie z.B. Ringelblume und Kamille. Silikongele (mit oder ohne UV-Schutz) bilden einen dehnbaren, dünnen, luftdurchlässigen Schutzfilm, der die Narbe elastischer werden lässt und sich problemlos bei beanspruchten Gelenken auftragen lässt.Feuchtigkeitsspendende Hyaluronsäure und Aloe Vera ist ebenfalls bestens geeignet, um das Narbengewebe schön geschmeidig zu halten. Dexpanthenol, Allantoin und Zink sind heilungsfördernd, Heparin bringt die Wirkstoffe tiefer ins Gewebe.
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