Handtherapie bei durchtrennten Sehnen und Nerven: Ein umfassender Überblick

Die Hand ist ein komplexes und wichtiges Werkzeug, das sowohl kraftvolle als auch hochkoordinierte Bewegungen ermöglicht. Verletzungen an Sehnen und Nerven der Hand können die Funktionalität erheblich beeinträchtigen und den Alltag stark einschränken. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Therapie von durchtrennten Sehnen und Nerven in der Hand, von den Ursachen und Diagnosemöglichkeiten bis hin zu den verschiedenen Behandlungsansätzen und Rehabilitationsmaßnahmen.

Einführung in die Handchirurgie

Die Handchirurgie ist ein spezialisiertes Feld, das sich mit der Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen der Hand befasst. Dazu gehören akute Verletzungen wie Schnittverletzungen, durchtrennte Nerven, Bänder- oder Sehnenrisse und Knochenbrüche. Auch chronische Erkrankungen wie der schnellende Finger, Gelenkverschleiß, das Karpaltunnelsyndrom, Taubheitsgefühle und Schmerzen in den Fingern, Gelenkverkrümmungen und Bewegungseinschränkungen fallen in den Bereich der Handchirurgie.

Die Komplexität und Wichtigkeit der Handfunktion erfordern eine tiefgreifende Expertise und spezielle Ausstattung der Klinik, um eine bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.

Ursachen und Diagnose von Sehnenverletzungen

Sehnenverletzungen können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:

  • Akute Verletzungen: Schnittverletzungen durch Glas oder Messer sind häufige Ursachen für Beugesehnenverletzungen, die oft zu glatten Durchtrennungen der Sehnen führen. Quetschverletzungen können ebenfalls zu Sehnenrissen oder Abrissen der Ringbänder führen.
  • Chronische Erkrankungen: Entzündliche Gelenkerkrankungen wie Rheuma oder Gicht können zu einer entzündlichen Schwächung oder zum Aufreiben der Sehnen an Knochenvorsprüngen führen.
  • Überlastung: Wiederholte oder starke Druckbelastungen auf die Handinnenflächen können zu Sehnenscheidenentzündungen und Sehnenschwellungen führen, die das reibungslose Gleiten der Sehnen beeinträchtigen.

Die Diagnose von Sehnenverletzungen umfasst in der Regel eine gründliche körperliche Untersuchung, bei der die Funktion der einzelnen Sehnen überprüft wird. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT können eingesetzt werden, um die Diagnose zu bestätigen und das Ausmaß der Verletzung zu beurteilen.

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Spezifische Sehnenverletzungen

  • Beugesehnenrisse: Die vollständige Durchtrennung beider Beugesehnen eines Fingers fällt durch die fehlende Vorbeugung in der Ruhestellung der Hand auf. Bei der Untersuchung werden die oberflächliche und tiefe Beugesehne jedes Fingers einzeln überprüft.
  • Bizepssehnenruptur: Bei einem Bizepssehnenriss ist eine der Sehnen durchtrennt, die den Armbeugermuskel (Bizepsmuskel) an der Schulter oder am Unterarm befestigen. Besonders anfällig für Verletzungen ist die lange Bizepssehne.
  • Strecksehnenverletzung: Eine Strecksehnenverletzung entsteht, wenn eine der beiden Strecksehnen, die von der Muskulatur am Unterarm über den Handrücken zu den Fingern laufen, reißt.

Therapie von Sehnenverletzungen

Die Therapie von Sehnenverletzungen hängt von der Art und Schwere der Verletzung ab. Grundsätzlich kommen sowohl konservative als auch operative Behandlungsansätze in Frage.

Konservative Behandlung

  • Ruhigstellung: Bei leichteren Verletzungen kann eine Ruhigstellung des betroffenen Bereichs ausreichend sein, um die Heilung zu fördern. Dies kann durch eine Schiene oder einen Gipsverband erfolgen.
  • Physiotherapie: Physiotherapie spielt eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung der Funktion nach einer Sehnenverletzung. Durch gezielte Übungen werden die Muskeln gestärkt, die Beweglichkeit verbessert und die Koordination gefördert.

Operative Behandlung

Eine Operation ist in der Regel erforderlich, wenn die Sehne vollständig durchtrennt ist oder wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend sind. Ziel der Operation ist es, die gerissenen Sehnenenden wieder miteinander zu verbinden und die Funktion der Sehne wiederherzustellen.

  • Sehnennaht: Bei einer frischen Sehnenverletzung sollte die Operation innerhalb weniger Stunden erfolgen. Ziel der Operation ist die direkte Sehnennaht mit Wiederherstellung der eventuell mit verletzten Ringbänder, sodass ein freies Gleiten der Sehne im Sehnenkanal für die anschließenden Bewegungsübungen ermöglicht wird.
  • Sehnentransplantation: Bei größeren Defekten kann eine Sehnentransplantation erforderlich sein, bei der ein Stück Sehne von einer anderen Körperstelle entnommen und an die geschädigte Stelle eingesetzt wird.
  • Sehnenverlagerung: In manchen Fällen kann eine benachbarte Sehne so verlagert werden, dass sie die Funktion der geschädigten Sehne übernimmt.

Nachbehandlung nach Sehnenoperationen

Nach einer Sehnenoperation ist eine sorgfältige Nachbehandlung entscheidend für den Erfolg des Eingriffs. Die Nachbehandlung umfasst in der Regel eine Ruhigstellung des betroffenen Bereichs für einige Wochen, gefolgt von einer intensiven physiotherapeutischen Behandlung.

  • Bewegungstherapie: Ziel der Bewegungstherapie ist es, die Beweglichkeit der Sehne zu verbessern und Verklebungen mit dem umliegenden Gewebe zu vermeiden. Je nach Nahttechnik und intraoperativen Verhältnissen ist eine aktive oder passive Bewegung der Sehnen möglich.
  • Schienenbehandlung: In manchen Fällen kann eine Schiene verwendet werden, um die Sehne zu entlasten und die Heilung zu fördern.

Mögliche Komplikationen

Trotz sorgfältiger Durchführung können nach einer Sehnenoperation Komplikationen auftreten, wie z.B.:

  • Infektionen: Infektionen können den Heilungsprozess verzögern und weitere Behandlungen erforderlich machen.
  • Verklebungen: Verklebungen der Sehne mit dem umliegenden Gewebe können die Beweglichkeit einschränken.
  • Riss der Sehnennaht: Bei zu früher Belastung kann die Sehnennaht erneut reißen.

Ursachen und Diagnose von Nervenverletzungen

Nervenverletzungen in der Hand können verschiedene Ursachen haben, darunter:

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  • Unfälle: Unfälle mit scharfen Gegenständen wie Messern, Glasscherben oder Kreissägen sind häufige Ursachen für Nervenverletzungen.
  • Tumore: Auch bei Tumor-Operationen an der Hand kann es zu Nervenläsionen kommen.
  • Prellungen und Quetschungen: Prellungen, Quetschungen und Erfrierungen können ebenfalls zu Nervenverletzungen führen.
  • Kompressionssyndrome: Das Karpaltunnelsyndrom, das Loge-de-Guyon-Syndrom, das Pronator-teres-Syndrom und das Sulcus-nervi-ulnaris-Syndrom sind Beispiele für Nervenkompressionssyndrome, die zu Nervenschädigungen in der Hand führen können.

Die Diagnose von Nervenverletzungen umfasst eine neurologische Untersuchung, bei der die Sensibilität und Motorik der Hand überprüft werden. Elektrophysiologische Untersuchungen wie die Elektroneurographie und Elektromyographie können eingesetzt werden, um die Diagnose zu bestätigen und das Ausmaß der Nervenschädigung zu beurteilen. Moderne Verfahren wie die Traktographie und der dynamische Ultraschall können zusätzliche Informationen liefern.

Die wichtigsten Nerven der Hand

  • Nervus medianus (Mittelhandnerv): Der N. Medianus verläuft durch den Karpaltunnel in die Hohlhand hinein und versorgt die Daumenmuskeln sowie die Innenfläche der Hand an der Daumenseite sowie den Mittel- und Zeigefinger.
  • Nervus radialis (Radialisnerv): Der Nervus radialis versorgt die Strecker des Oberarms und die Streckmuskulatur des Daumens sowie Teile des Handrückens.
  • Nervus ulnaris (Ellenbogennerv): Der Nervus ulnaris versorgt einige Muskeln des Daumenballens und des Kleinfingerballens sowie den größten Teil der Mittelhand-Muskulatur und die Haut des kleinen Fingers und der Hälfte des daneben liegenden Ringfingers.

Therapie von Nervenverletzungen

Die Therapie von Nervenverletzungen zielt darauf ab, die Funktion des Nervs wiederherzustellen und die Sensibilität und Motorik der Hand zu verbessern.

Konservative Behandlung

Bei leichten Nervenverletzungen kann eine konservative Behandlung ausreichend sein. Diese umfasst in der Regel:

  • Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskeln zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Handfunktion im Alltag zu verbessern.

Operative Behandlung

Eine Operation ist in der Regel erforderlich, wenn der Nerv durchtrennt ist oder wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend sind. Ziel der Operation ist es, die Nervenenden wieder miteinander zu verbinden oder den Nerv zu rekonstruieren.

  • Nervennaht (End-zu-End-Naht): Ist ein Nervenschaden der Hand frisch, können durchtrennte Nerven wieder zusammengenäht werden. Diesen Eingriff nennt man End-zu-End-Naht.
  • Nerventransplantation: Fehlt ein Nerv auf großer Strecke, wird ein Stück von einer anderen Körperstelle wie dem Unterschenkel (z. B. Nervus suralis) entnommen und an die geschädigte Stelle gesetzt.
  • Nervenrekonstruktion: Bei komplexen Nervenverletzungen kann eine umfassendere Rekonstruktion erforderlich sein, um die Funktion des Nervs wiederherzustellen.

Nachbehandlung nach Nervenoperationen

Nach einer Nervenoperation ist eine längere Ergo- und Physiotherapie erforderlich, um den Nerv beim Zusammenwachsen zu unterstützen und die Funktion der Hand wiederherzustellen.

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Mögliche Komplikationen

Auch nach Nervenoperationen können Komplikationen auftreten, wie z.B.:

  • Infektionen: Infektionen können den Heilungsprozess verzögern.
  • Nervenkompression: Narbengewebe kann den Nerv komprimieren und zu erneuten Beschwerden führen.
  • Sensibilitätsstörungen: Sensibilitätsstörungen können auch nach erfolgreicher Nervenrekonstruktion bestehen bleiben.

Motorische Ersatzoperationen

Bei einer Radialis-Lähmung (Radialis-Parese), einer Lähmung der Handgelenks- und Fingerstrecker, können motorische Ersatzoperationen durchgeführt werden, um die Streckfunktion wiederherzustellen. Dabei kann ein Teil der Muskel- und Sehnengruppe auf der Beugeseite des Unterarms auf die Streckseite verlagert werden oder die Nerven, die die Muskeln der Beugeseite ansteuern, verpflanzt werden.

Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit

Die Behandlung von durchtrennten Sehnen und Nerven in der Hand erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachdisziplinen, darunter Handchirurgen, Neurologen, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten. Nur durch eine koordinierte und individuelle Therapie kann eine bestmögliche Wiederherstellung der Handfunktion erreicht werden.

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