Der Klimawandel führt zu immer häufigeren und intensiveren Hitzewellen, die nicht nur die Umwelt, sondern auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen. Besonders gefährdet sind ältere und chronisch kranke Menschen, Menschen mit Behinderungen und Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen müssen. Auch Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie zählen zur Risikogruppe. Dieser Artikel beleuchtet die Auswirkungen von Hitze und Sonneneinstrahlung auf Epilepsie und gibt praktische Ratschläge, wie man sich schützen kann.
Hitzewellen und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit
Der Sommer war geprägt von Rekordtemperaturen. Die Monate Juni bis August zählen mit Abstand zu den heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen 1940. Solche Hitzewellen wirken sich gravierend auf die Gesundheit aus. Ein Leitfaden der KLUG appelliert: „Medikamente müssen - wenn Hitzewellen drohen - unbedingt geprüft und angepasst werden. Manche neurologischen Medikamente beeinträchtigen die Hitzekompensation des Körpers, zudem verlieren viele Medikamente durch Hitze ihre Wirkung“, so die Expert:innen. In der Heidelberger Hitzetabelle sind Arzneistoffe mit potenziellen Risiken in Hitzewellen aufgeführt.
Die Gefahr von Hitze für das Gehirn
Hohe Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung können das Gehirn schädigen und lebensgefährlich sein. Dr. med. Ramanan Ganeshan, Chefarzt der Abteilung für Neurologie des Asklepios Fachklinikums Teupitz, warnt: „Hitze und die intensive Sonneneinstrahlung wirken nicht nur belastend auf das Herz-Kreislauf-System - sie greifen auch das Gehirn direkt an. Bei Temperaturen über 30 °C kann es zu einem Sonnenstich oder Hitzschlag kommen.“ Die Folgen können Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle oder sogar dauerhafte neurologische Schäden sein. In manchen Fällen kann die Situation innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden.
Sonnenstich und Hitzschlag: Was ist der Unterschied?
Ein Sonnenstich entsteht durch eine Überwärmung des Gehirns durch direkte Sonneneinstrahlung. Die Wärmestrahlung reizt die Hirnhäute und kann in schweren Fällen zu einer Hirnschwellung (Hirnödem) führen. Symptome eines Sonnenstichs sind starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Schwindel, Nackensteife und Kreislaufprobleme.
Ein Hitzschlag hingegen entsteht, wenn das Temperaturregulationssystem des Körpers zusammenbricht. Die Körpertemperatur steigt auf über 40°C und das Schwitzen ist oft eingestellt. Dies ist eine lebensbedrohliche Situation, bei der sofort ärztliche Hilfe notwendig ist. Anzeichen für einen Hitzschlag sind starke Unruhe, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen.
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Epilepsie und Hitze: Ein gefährliches Zusammenspiel
Menschen mit Epilepsie sollten bei Hitze besonders vorsichtig sein. Dr. Ganeshan erklärt: „Starkes Schwitzen führt darüber hinaus zu einem Salzverlust, was neurologische Symptome wie epileptische Anfälle auslösen kann.“ Zudem kann Hitze ein häufiger Auslöser für Anfälle sein.
Wetterfühligkeit bei Epilepsie
Epilepsie-Patienten berichten häufig, dass das Risiko, einen Anfall zu bekommen, vom Wetter abzuhängen scheint. Forscher aus Jena geben ihnen nun Recht. Neben Luftdruck und -feuchtigkeit spielen auch die Temperaturen eine Rolle. Eine Studie des Universitätsklinikums Jena (UKJ) ergab, dass das Risiko für epileptische Anfälle bei niedrigem Luftdruck und hoher Luftfeuchtigkeit steigt. Sommerliche Temperaturen dagegen lassen das Risiko sinken.
Vorbeugende Maßnahmen bei Hitze
Um das Nervensystem bei starker Sonneneinstrahlung zu schützen und das Risiko von Anfällen zu minimieren, sind folgende Maßnahmen wichtig:
- Ausreichend trinken: Es sollten mindestens 1,5 bis zwei Liter Flüssigkeit pro Tag getrunken werden. Geeignet sind Leitungswasser auf Zimmertemperatur, Kräuter- und Früchtetees sowie Saftschorlen und Mineralwasser, möglichst auch elektrolythaltige Getränke. Alkoholhaltige oder eiskalte Getränke sind ungeeignet.
- Elektrolythaushalt ausgleichen: Durch starkes Schwitzen verliert der Körper Elektrolyte. Diese können durch Elektrolytgetränke, Brühen oder Salzwasser (ein Teelöffel pro Liter Wasser) ersetzt werden.
- Körperliche Anstrengung vermeiden: Planbare Aktivitäten sollten in kühlere Tageszeiten verlegt werden. Direkte Sonneneinstrahlung und körperliche Anstrengungen sollten vermieden werden.
- Kopfbedeckung und Kleidung: Es sollte eine passende Kopfbedeckung getragen und luftige, lange Baumwollkleidung bevorzugt werden.
- Sonnencreme verwenden: Die Haut sollte mit Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor vor UV-Strahlung und Verbrennungen geschützt werden.
- Medikamente überprüfen: Medikamente sollten - wenn Hitzewellen drohen - unbedingt geprüft und angepasst werden. Manche neurologischen Medikamente beeinträchtigen die Hitzekompensation des Körpers, zudem verlieren viele Medikamente durch Hitze ihre Wirkung.
- Kühle Umgebung schaffen: Die Räume, in denen man sich aufhält, sollten möglichst kühl gehalten werden, beispielsweise durch ausreichende Verschattung. Regelmäßige Abkühlungen durch kalte Duschen oder Kompressen können ebenfalls helfen.
Medikamente und Hitze
Arzneimittel reagieren unterschiedlich auf hohe Temperaturen - und Hitzeschäden sieht man ihnen meist nicht an. Besonders empfindlich sind Medikamente mit flüssiger oder weicher Konsistenz wie Zäpfchen, Salben, Säfte, Cremes, aber auch Wirkstoffpflaster und Sprays. Arzneimittel sollten grundsätzlich kühl, aber nicht zu kalt, aufbewahrt werden - denn sowohl heiße als auch frostige Temperaturen können die Wirksamkeit verändern. Bei manchen Medikamenten, wie z. B. Blutdrucksenkern, muss eventuell die Dosis in den heißen Sommermonaten angepasst werden. Im Zweifelsfall sollte man den Beipackzettel genau lesen und ärztlichen Rat suchen.
Einige Medikamente können die Wärmeregulation des Körpers beeinflussen oder zu einem verringerten Durstgefühl führen. Dazu gehören u. a. Topiramat (Hitzegefühl als Nebenwirkung, Erhöhung der Körpertemperatur durch verringertes Schwitzen) und Carbamazepin (verringertes Durstgefühl). Allgemein können Medikamente, die sedierend wirken - wie z. B. Benzodiazepine, Antiepileptika, Neuroleptika, Antidepressiva, Antihistaminika - die Wahrnehmung einer Hitzeerschöpfung reduzieren.
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Klimawandel und neurologische Erkrankungen
Eine britische Studie hat Hinweise darauf gefunden, dass die Klimakrise die Häufigkeit und Schwere vieler Erkrankungen des Nervensystems beeinflusst. Daten aus den USA und Korea zeigten bei steigenden Temperaturen und erhöhtem Luftdruck ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle. Gingen die Temperaturen weiter in die Extreme, erhöhte sich auch die Sterblichkeit. Laut den Forschenden ist durch das extreme Wetter auch eine erhöhte Frequenz von Migräneattacken bei Betroffenen sowie allgemein ein stärkeres Aufkommen von Migräne in der Bevölkerung zu erwarten. Bei Epilepsie fanden sie einen ähnlichen Zusammenhang: "Die meisten Epilepsien weisen Merkmale auf, die durch den Klimawandel wahrscheinlich verschlimmert werden, wie etwa eine Empfindlichkeit gegenüber Schlafentzug als Auslöser von Anfällen, da der Schlaf durch den Klimawandel, insbesondere Hitzewellen, beeinträchtigt wird und werden wird."
Die Rolle der Politik und des medizinischen Personals
Die Wissenschaftler:innen fordern eine gezielte Schulung des medizinischen Personals für Betroffene von neurologischen Erkrankungen und Risikogruppen. Auch die Politik sei dabei in der Pflicht. Es müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die Bevölkerung vor den gesundheitlichen Schäden des Klimawandels zu schützen.
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