Das Epstein-Barr-Virus (EBV), entdeckt im Jahr 1964 von Michael Anthony Epstein und Yvonne Barr, ist ein weit verbreitetes Herpesvirus, das eine Vielzahl von Krankheiten und Symptomen verursachen kann - von leichtem Unwohlsein bis hin zu schweren Erkrankungen. Die Durchseuchungsrate ist hoch: Über 90 % der Bevölkerung sind bis zum 30. Lebensjahr mit EBV infiziert. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über Tröpfcheninfektion und Schleimhautkontakt, vor allem durch Speichel.
Ursachen und Übertragung des Epstein-Barr-Virus
Das Verständnis der Verbreitung und Aktivierung des EBV ist entscheidend, um wirksame Präventionsstrategien zu entwickeln.
Tröpfcheninfektion und enger Kontakt
EBV verbreitet sich vorwiegend über Speichel, hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion und engen Kontakt. Infizierte Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder durch gemeinsames Besteck, Trinkgläser und Küssen freigesetzt werden, stellen die Hauptquelle der Ansteckung dar. Die Mononukleose als Primärerkrankung wird daher auch als Kusskrankheit bezeichnet. Diese Übertragungswege machen EBV äußerst ansteckend und begünstigen seine Ausbreitung in engen Gemeinschaften wie Familien, Schulen und Wohnheimen.
Schwächung des Immunsystems
Ein geschwächtes Immunsystem erhöht die Anfälligkeit für eine EBV-Infektion. Stress, schlechte Ernährung, Schlafmangel und ähnliche Faktoren können die Immunabwehr schwächen und somit den idealen Nährboden für eine aktive Infektion schaffen. Personen, deren Immunsystem bereits geschwächt ist, wie Transplantationspatienten oder Menschen mit HIV, tragen ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen in Verbindung mit EBV.
Altersfaktoren
EBV-Infektionen sind vor allem bei Kindern und Jugendlichen verbreitet. Oft verlaufen sie bei Kindern und Jugendlichen ohne Symptome oder mit milden Beschwerden. Mit der fortschreitenden Entwicklung des Immunsystems im Laufe des Lebens wird die Kontrolle des Virus erleichtert. Das Virus kann im Körper lange Zeit inaktiv bleiben und später im Leben, besonders bei geschwächtem Immunsystem, dennoch wieder aktiv werden.
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Genetische Veranlagung
Die genetische Veranlagung beeinflusst die Anfälligkeit für das EBV. Forschungsstudien haben aufgezeigt, dass bestimmte genetische Faktoren das Risiko einer aktiven EBV-Infektion erhöhen können. Einige Individuen könnten aufgrund ihrer genetischen Ausstattung anfälliger für eine anhaltende Aktivierung des Virus sein, was mit Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder sogar bestimmten Krebsarten in Verbindung gebracht wird.
Umweltfaktoren
Umweltfaktoren können die Aktivierung des EBV begünstigen. Dazu zählen hohe Luftfeuchtigkeit, schlechte Luftqualität und beengte, überfüllte Lebensbedingungen. Diese Umstände könnten die Verbreitung von infektiösen Tröpfchen erleichtern und das Virus in der Umgebung stabilisieren.
EBV und seine Verbindung zu verschiedenen Erkrankungen
Neueste Studien erhärten den Verdacht, dass EBV das Risiko für die Entstehung zahlreicher „mysteriöser“ Krankheiten mit noch unbekannter Ursache erhöht. Dazu gehören Multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis, entzündliche Darmerkrankungen, Hashimoto Thyreoiditis, Fibromyalgie und das chronische Müdigkeitssyndrom.
EBV und Multiple Sklerose (MS)
Es gibt zunehmend Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen EBV und MS. Wissenschaftler fanden heraus, dass MS-Patienten erst kurz vor der Krankheitsdiagnose häufiger Migräne entwickelten als Vergleichspersonen. Das deutet darauf hin, dass diese Kopfschmerzart kein Vorzeichen von MS ist, sondern möglicherweise durch die entzündlichen Prozesse in der ersten Phase der MS ausgelöst wird.
Eine Studie analysierte MS-Fälle und entsprechende Kontrollen aus der Gesundheitsversorgung von Kaiser Permanente in Südkalifornien aus den Jahren 2011 bis 2014. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Migräne durch MS ausgelöst werden kann und nicht Teil der Zusammenstellung unspezifischer Symptome ist, die das 3 bis 5 Jahre andauernde MS-Prodrom ausmachen.
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EBV und Chronisches Müdigkeitssyndrom (ME/CFS)
ME/CFS ist eine schwerwiegende, meist lebenslang andauernde Erkrankung mit unterschiedlich ausgeprägten körperlichen und geistigen Symptomen. Am häufigsten beobachtet werden Schwäche und Erschöpfung (Fatigue), Muskel- und Kopfschmerzen, Darmbeschwerden, Schwindel, Stress- und Reizempfindlichkeit, Herzrasen oder Blutdruckschwankungen. Typischerweise tritt eine Verschlechterung auch infolge geringfügiger Belastungen ein, man spricht von Post-Exertional Malaise. Bei der Mehrzahl der Patient:innen beginnt die Krankheit nach einer Virusinfektion. Verschiedene Erreger sind mittlerweile als Auslöser bekannt, darunter Herpesviren wie das EBV, Dengue- oder Influenza-Viren.
EBV und Migräne
Immer häufiger leiden auch Kinder und Jugendliche unter Kopfschmerzen. Bei kleinen Kindern treten Migränevorstufen etwa in Form von Schwindel oder Bauchweh auf. Kopfschmerzen, insbesondere vom Spannungstyp, und Migräne sind ein zunehmendes Problem bei jungen Menschen. Je nach Studie und eingesetzter Untersuchungsmethodik klagen etwa 40 Prozent der Schüler mindestens einmal wöchentlich darüber. Die Kopfschmerzprävalenz wird bei Schulkindern allgemein auf bis zu 60 Prozent geschätzt; bezogen auf Migräne gehen Wissenschaftler von etwa 8 bis 10 Prozent aus.
Migräne bei Kindern und Jugendlichen
Bei Kindern unter zehn Jahren treten Migräne selten auf, ab dem 15. Lebensjahr ist sie allerdings das häufigste Kopfschmerzleiden. Die Schmerzen, die die Kinder nicht unbedingt als pulsierend empfinden, treten oft beidseitig und auch im Stirnbereich auf. Durch Bewegung und Aktivität wird der Schmerz schlimmer. Eine Besonderheit der kindlichen Migräne ist die kürzere Attackendauer. Häufig wird Migränekopfschmerz von vegetativ autonomen Symptomen wie Tachykardie, Blässe, Durst, Appetit oder Appetitlosigkeit, Harndrang, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Apathie, Ausfluss aus der Nase, Tränenfluss oder Diarrhö begleitet.
Diagnose und Behandlung von Migräne bei Kindern
Für die Diagnose und das Aufspüren von Triggerfaktoren kann ein Kopfschmerztagebuch hilfreich sein. Viele Eltern sind verunsichert, wann und wie oft sie ihrem Kind Schmerzmittel geben sollen. Entscheidend ist, die Medikamente gleich ausreichend hoch zu dosieren, um die Schmerzen schnell und effektiv zu bekämpfen. Eine Alternative, die sich in Studien als etwas weniger wirksam erwiesen hat und daher nur als Mittel zweiter Wahl gilt, ist Paracetamol (15 mg/kg KG). Jugendliche ab dem zwölften Lebensjahr können auch Acetylsalicylsäure (als Einzeldosis 500 bis 1000 mg) einnehmen. Bei Jugendlichen ab zwölf Jahren können bei Migräne auch Sumatriptan oder Zolmitriptan als Nasenspray eingesetzt werden.
Klagen die Kindern nur über leichtes Unwohlsein, können Eltern es zunächst mit nicht-medikamentösen Maßnahmen versuchen. Zu empfehlen ist, das Kind in einen abgedunkelten Raum zu bringen und es von Reizen abzuschirmen. Ein kalter Waschlappen zur Kühlung auf die Stirn gelegt, kann angenehm sein. Auch einige Tropfen Pfefferminzöl an Schläfe, Scheitel und Nacken tun gut. Wenn das Kind mag, kann es ein Glas kaltes Wasser trinken.
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Das Vier-Phasen-Modell der EBV-Infektion
Eine mögliche Erklärung für den Verlauf und die Symptome der EBV-Infektion liefert das Vier-Phasen-Modell, das jedoch wissenschaftlich noch nicht gesichert ist.
Phase 1: Latente Periode
Nach der Infektion, die meist im frühen Kindesalter stattfindet, zirkuliert das Virus im Blut, befällt die B-Zellen und vermehrt sich langsam und unbemerkt (ohne Symptome) über Wochen, Monate und Jahre hinweg. In dieser latenten Periode kommt es zu keinem Krankheitsausbruch. Erst Stresssituationen, ein Mangel an Zink oder Vitamin B12 sowie hormonelle Umstellungen, z.B. in Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause, locken das Virus aus der Reserve.
Phase 2: Aktives EBV
Das aktive EBV äußert sich als Pfeiffer‘sches Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose, „kissing disease“) mit Fieberschüben, Angina, Milz- und Lymphknotenschwellung, Lymphozytose und Hepatitis, seltener mit Exanthem und Organbeteiligung (wie z.B. Herz, Nieren, ZNS). Je nach Unterart und Allgemeinzustand des Patienten kann das Krankheitsbild auch nur subklinisch verlaufen. Die Viren sind jetzt am ansteckendsten und im Blut nachweisbar. Das Immunsystem reagiert erstmalig mit der Bildung von Antikörpern gegen EBV. Massive Immunantworten begünstigen Sekundärinfektionen, v.a. mit Streptokokken, die Mund, Hals sowie Rachen befallen und zur eitrigen Mandelentzündung führen können.
Phase 3: Persistenz in den inneren Organen
Das Virus persistiert nun in den inneren Organen, oftmals jahrzehntelang und unbemerkt. Im Blut sind Antikörper nachweisbar, die i.d.R als durchlaufende Infektion interpretiert werden, unberücksichtigt der Tatsache, dass EBV sich weiterhin im Körper befinden kann. Das Immunsystem meint, es habe den Kampf gewonnen und kehrt zum Normalbetrieb zurück.
Phase 4: Reaktivierung des Virus
Jetzt kommt es bei schlechter Abwehrlage zur endogenen Reaktivierung des Virus. Zu den Auslösern gehören massive Stressfaktoren körperlichen oder emotionalen Ursprungs, wie Unfall, Ausbruch einer anderen Krankheit, Sterbefall, Pflege kranker Angehöriger, Trennung vom Partner, Verlust der Arbeitsstelle, finanzielle Sorgen, Mobbing u.a. Auch Umweltbelastungen durch Schwermetalle, wie Quecksilber, Aluminium und Blei, die Entfernung von Amalgamplomben ohne Schutz, Impfungen, Pestizide, Schimmelpilzbefall etc. können das Immunsystem so stark schwächen, dass es das Virus nicht mehr in Schach halten kann.
Diagnostik und konventionelle Behandlung
Bei einer frischen Infektion sind die Marker EBV-VCA IgM und EBV-VCA IgG meist schon im Frühstadium erhöht und bleiben i.d.R. lebenslang bestehen. Ein Titeranstieg erfolgt bei Reaktivierung, dieser persistiert bei chronischer Infektion. Von Bedeutung für den Nachweis der Reaktivierung sind außerdem Anti-EA-Antikörper gegen ein frühes Protein („early antigen“) und Anti-EBNA-Antikörper gegen das nukleäre Antigen des EBV (EBNA = Epstein Barr virus nuclear antigen), das in latent EBV-infizierten Zellen gebildet wird.
Der schulmedizinische Ansatz ist symptomatisch orientiert und beinhaltet körperliche Schonung sowie die Gabe von Flüssigkeit und Schmerzmitteln. Eine Impfung oder postexpositionelle Prophylaxe steht derzeit nicht zur Verfügung.
Therapieoptionen der Naturheilkunde
Die komplementärmedizinische Behandlung sollte zum einen darauf abzielen, zu verhindern, dass das Virus aktiv wird, indem die in erster Linie begünstigenden Faktoren eliminiert werden, z.B. Stress und Schwermetallbelastungen. Zum anderen sollte sie dazu beitragen, akute Infektionen unter Kontrolle zu bekommen und das Immunsystem so zu stärken, dass es die Virusinfektion besser bekämpfen kann. Die Therapie erfordert Geduld und ist abhängig von individuellen Einzelfaktoren.
Entgiftung und Ausleitung über die Organe
Um das Terrain zu reinigen und die Grundregulation zu verbessern sowie die Ausscheidungsorgane Leber, Darm, Niere, Haut und das Lungen-Bronchialsystem anzuregen, ist die traditionelle naturheilkundliche Ausleitung und Entgiftung eine ausgezeichnete Therapiemöglichkeit.
Regulation der Stressachse
Um Regulationsstörungen der HPA-Achse, die durch chronische Stressfaktoren entstehen können, günstig zu beeinflussen, kann das homöopathische Arzneimittel Aralia S Phcp® eingesetzt werden.
Vitalstoffe und Ernährung
An eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen wie Vitamin C, Zink, Selen, Vitamin B12, 5-MTHF (5-Methyltetrahydrofolat) und L-Lysin sollte gedacht werden. Folgende Nahrungsmittel können die Behandlung positiv unterstützen (auf Bio-Qualität achten): Wilde Blaubeeren, Sellerie, Sprossen, Spargel, Spinat, Koriander, Petersilie, Kokosöl, Knoblauch, Ingwer, Himbeeren, Salat, Papaya, Aprikosen, Granatapfel, Grapefruit, Grünkohl, Süßkartoffeln, Gurken, Fenchel.
Sonstige Heilkräuter und Nahrungsergänzungen
Eingesetzt werden können: Katzenkralle, Kolloidales Silber, Süßholzwurzel, Zitronenmelisse, Rote Meeresalge, Spirulina, Brennnessel, Holunderbeeren, Rotklee, Curcumin.