EEG-Verlangsamung bei Migräne: Ursachen, Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsweise auftretende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen werden häufig von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Die Diagnose der Migräne erfolgt in der Regel durch die Anamnese und eine neurologische Untersuchung.

Was ist Migräne?

Migräne ist ein primärer Kopfschmerz, verstärkt durch Bewegung und körperliche Aktivität. Häufig bestehen weitere Symptome wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder Konzentrationsstörungen. Teilweise geht den Kopfschmerzen eine sogenannte Aura voraus, am häufigsten finden sich Sehstörungen (z.B. Flimmern, Flackern, Zackenmuster, wandernde Skotome, verzerrt Sehen). Es können aber auch Kribbelmißempfindungen, Taubheit, Lähmungen, Schwindel oder Sprachstörungen vorkommen.

Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräneattacke weist unterschiedliche Phasen auf. Nach einer Prodromalphase (z.B. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Heißhunger, Licht-, Lärm-, Geruchsempfindlichkeit) können fokale Hirnausfall- oder Reizsymptome wie oben beschrieben auftreten. Dieses muss aber nicht der Fall sein. Danach oder nach der Prodromalphase setzen Kopfschmerzen ein, häufig verbunden mit Übelkeit und Erbrechen. Der Kopfschmerz ist häufig (aber nicht obligat) halbseitig mit pulsierend-pochendem Charakter. Es besteht Ruhebedürfnis, bei Bewegung nimmt der Kopfschmerz zu.

Formen der Migräne

Meist handelt es sich bei der Migräne um einen Attacken Kopfschmerz mit variabler Frequenz (wenige Male im Leben bis zu einmal pro Woche). Von einer chronischen Migräne spricht man, wenn Migränekopfschmerzen an mehr als 15 Tagen pro Monat bestehen. Migräneattacken sind von Person zu Person unterschiedlich. Es gibt unterschiedliche Formen der Migräne, am häufigsten ist die Migräne ohne Aura. Bei Frauen besteht häufig eine Assoziation zur Regel. Bei 10% der Migräne kommt es zu einer Migräne mit Aura, gelegentlich kann eine Migräneaura auch ohne Kopfschmerzen (Migraine sans Migraine) auftreten. Selten tritt eine Migräne mit einem autosomal-dominanten Erbgang und Halbseitenlähmung auf (familiär hemiplegische Migräne). Eine sogenannte Basilarismigräne kann zu starkem Schwindel führen und einen vestibulären Schwindel imitieren. Selten kann es zu einem Status migraenosus kommen, bei dem die Migräne über mehr als 3 Tage anhält und ggf. auch die Aura länger als 1 Stunde dauert.

Häufigkeit von Migräne

Migräne ist häufig, ca. 7% der Männer und 13% der Frauen haben Migräneattacken. Am häufigsten treten die Migräneanfälle zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf, typisch ist eine Erstmanifestation im frühen Erwachsenenalter, aber auch Schulkinder können schon an Migräne leiden.

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Ursachen von Migräne

Wie bei anderen primären Kopfschmerzformen (u.a. Spannungskopfschmerz, Trigemino-autonome-Kopfschmerzen) liegt keine im MRT oder mit anderen Standarduntersuchungen erfassbare Hirnerkrankung zugrunde. Man nimmt an, dass bei der Migräne das Gleichgewicht des Gehirnstoffwechsels gestört ist; besonderes Serotonin, Noradrenalin und CGRP (Calcitonin-Gene-Related-Peptide) scheinen fehlreguliert. Diese beeinflussen unter anderem die Schmerzempfindlichkeit der Blutgefäße. Offenbar sind bei der Migräne die kleinen Blutgefäße des Gehirns (Arteriolen) entzündlich verändert. Es gibt zahlreiche Trigger Faktoren die Migräneattacken auslösen können.

Die Rolle des EEG bei Migräne

Das Elektroenzephalogramm (EEG) ist eine nicht-invasive neurologische Untersuchungsmethode, bei der die elektrische Aktivität des Gehirns über Elektroden, die auf der Kopfhaut platziert werden, aufgezeichnet wird. Es wird in der Neurologie häufig eingesetzt, um verschiedene Hirnfunktionsstörungen zu diagnostizieren, darunter auch solche, die mit Kopfschmerzen und Migräne in Verbindung stehen können.

Das EEG kann Anfallsmuster, ETPs und postiktale EEG-Abflachung/Verlangsamung aufzeigen.

EEG-Verlangsamung: Was bedeutet das?

Eine EEG-Verlangsamung bezieht sich auf eine Reduktion der Frequenz der Hirnwellen, die im EEG aufgezeichnet werden. Normalerweise zeigt ein gesundes Gehirn im Wachzustand Alpha- und Beta-Wellen. Bei einer Verlangsamung dominieren langsamere Theta- und Delta-Wellen. Diese Verlangsamung kann verschiedene Ursachen haben und sowohl generalisiert (d.h. im gesamten Gehirn) als auch fokal (d.h. lokal begrenzt) auftreten.

  • Allgemeinveränderungen (generalisierte Verlangsamung): Dies deutet auf eine diffuse Störung der Hirnfunktion hin.
  • Fokale Verlangsamungen: Dies deutet auf eine lokale Störung der Hirnfunktion hin.

EEG-Befunde bei Migräne

In der Regel ist das Wach-EEG bei Migränepatienten normal, es können aber auch Verlangsamungen auftreten. Reduzierte Alpha-Power, verstärkte Theta- und Delta-Power sowie verstärktes "photic driving" können ebenfalls beobachtet werden.

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Mögliche Ursachen für EEG-Verlangsamung bei Migräne

Obwohl Migräne primär als eine klinische Diagnose betrachtet wird, können in einigen Fällen EEG-Veränderungen auftreten. Die Ursachen für eine EEG-Verlangsamung bei Migräne können vielfältig sein:

  • Direkte Auswirkungen der Migräneattacke: Während einer akuten Migräneattacke kann es aufgrund von Veränderungen in der neuronalen Aktivität und der Durchblutung des Gehirns zu vorübergehenden Verlangsamungen im EEG kommen.
  • Komorbide Erkrankungen: Migränepatienten leiden häufiger unter anderen neurologischen oder psychischen Erkrankungen, die ihrerseits EEG-Veränderungen verursachen können. Dazu gehören beispielsweise Depressionen, Angststörungen oder Schlafstörungen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden, können als Nebenwirkung eine Verlangsamung im EEG verursachen.
  • Zufällige Befunde: Es ist auch möglich, dass die EEG-Verlangsamung unabhängig von der Migräne besteht und auf eine andere, möglicherweise nicht diagnostizierte Erkrankung zurückzuführen ist.

Weitere Ursachen für EEG-Verlangsamung:

  • Schädel-Hirnverletzungen
  • Neurodegenerative Erkrankungen (z.B. Demenz)

Kognitive Auswirkungen von Migräne und EEG-Veränderungen

Die Forschung hat gezeigt, dass Migräne nicht nur Kopfschmerzen verursacht, sondern auch kognitive Funktionen beeinträchtigen kann. Studien deuten darauf hin, dass während einer Migräneattacke Sprach- und Lesestörungen sowie Konzentrationsschwäche auftreten können. Patienten berichten von einer Verlangsamung des Denkens, Orientierungsproblemen und allgemeiner Müdigkeit.

Kognitive Beeinträchtigungen zwischen den Attacken

Bei episodischer Migräne normalisiert sich die Kognition zwischen den Attacken meist wieder. Bei chronischer Migräne können die Erholungsphasen verkürzt sein, und bildgebende Verfahren zeigen, dass die Übererregbarkeit bestimmter Nervenareale bestehen bleiben kann.

EEG-Korrelate kognitiver Beeinträchtigungen

EEG-Untersuchungen haben gezeigt, dass kognitive Beeinträchtigungen bei Migräne mit erhöhten Latenzzeiten in der neuronalen Verarbeitung korrelieren können, was auf eine Verlangsamung der Reizleitung und -verarbeitung hindeutet.

Differentialdiagnose

Es ist wichtig, andere Ursachen für Kopfschmerzen und EEG-Veränderungen auszuschließen. Das EEG kann Hinweise auf symptomatische Kopfschmerzen oder epileptische Phänomene liefern, aber Migräne nicht von Spannungskopfschmerzen unterscheiden. Bildgebende Verfahren wie MRT sind ebenfalls nicht immer aussagekräftig.

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Therapieansätze bei Migräne

Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, akute Attacken zu lindern und die Häufigkeit und Intensität zukünftiger Attacken zu reduzieren. Zu den gängigen Therapieansätzen gehören:

  • Akuttherapie:
    • Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen, Paracetamol, ASS, Naproxen, Novalgin)
    • Triptane (bei stärkeren Symptomen)
  • Prophylaxe:
    • Medikamentöse Prophylaxe (z.B. Beta-Blocker, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin)
    • CGRP-Antikörper (Erenumab, Galcanezumab, Fremanezumab)
    • Botox (bei chronischer Migräne)
    • Nicht-medikamentöse Prophylaxe (z.B. Ausdauersportarten, progressive Muskelentspannung)

Bedeutung der Anamnese und neurologischen Untersuchung

Die Diagnose der Migräne erfolgt in erster Linie durch die Anamnese und die unauffällige neurologische Untersuchung. Im akuten Migräneanfall können Schmerzmittel eingesetzt werden, wobei die Wirksamkeit am besten ist, wenn das Medikament frühzeitig eingenommen wird. Bei stärkeren Symptomen können Triptane eingesetzt werden. In der Attacke hilft es den Betroffenen meist, sich in einen dunklen und ruhigen Raum zurückzuziehen.

Fehldiagnosen und unzureichende Behandlung

In der Praxis ist die Fehldiagnose KSP (Kopfschmerz vom Spannungstyp) bei nicht erkannter Migräne häufig. Die Fehlannahme, dass Migränekopfschmerzen halbseitig sein müssen oder Übelkeit und Erbrechen unverzichtbare Diagnosekriterien sind, ist immer wieder anzutreffen.

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