Eigenbluttherapie bei Migräne: Studienlage und Anwendung

Die Eigenbluttherapie ist eine alternative Heilmethode, die auf der Reiz-Reaktions-Theorie basiert und dem Bereich der Umstimmungstherapien zugeordnet wird. Dabei wird dem Patienten eine geringe Menge Blut entnommen und anschließend intramuskulär oder subkutan zurückgespritzt. Ziel ist es, durch die Injektion des eigenen Blutes eine Immunantwort auszulösen und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.

Grundlagen der Eigenbluttherapie

Das Prinzip der Eigenbluttherapie beruht auf der Annahme, dass die im Blut enthaltenen Eiweißkörper einen Reiz auslösen, der das Immunsystem aktiviert. Das injizierte Blut wird vom Körper nicht mehr als körpereigene Substanz erkannt, sondern wie ein fremdes Eiweiß behandelt. Dies führt zu einer Aktivierung des Immunsystems, wodurch eine allgemeine, unspezifische Anregung der körpereigenen Abwehrkräfte erreicht werden soll.

Wirkungsweise

Die genaue Wirkungsweise der Eigenbluttherapie ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass die Behandlung folgende Effekte erzielt:

  • Immunmodulation: Das injizierte Eigenblut soll eine lokale Immunmodulation und Stoffwechselaktivierung auslösen.
  • Reiz für den Organismus: Von der Injektion geht ein Reiz für den gesamten Organismus aus, der auch das vegetative Nervensystem erfasst.
  • Freisetzung von Eiweißstoffen: Aus den zerfallenden Blutbestandteilen werden Eiweißstoffe freigesetzt, die eine Immunantwort anregen.
  • Anstieg der Leukozytenzahl: Die in Gang kommenden immunologischen Vorgänge können sich in einem Anstieg der Leukozytenzahl, vermehrter Antikörperbildung und gegebenenfalls auch einem Temperaturanstieg zeigen.

Durchführung

Bei der Eigenbluttherapie werden in der Regel 1 bis 5 ml Blut aus einer Vene entnommen, meist in der Ellenbeuge. Die Injektionen erfolgen bei chronischen Störungen im Allgemeinen 1-3 mal wöchentlich in einem Zeitraum von 6-10 Wochen oder in zeitlich größer werdenden Behandlungsintervallen. Bei Akuterkrankungen können die Intervalle kürzer sein.

Die Dosis des injizierten Eigenbluts wird individuell angepasst, je nach Stärke der Reaktion des Patienten. In der Regel beginnt man mit einer niedrigen Dosis und steigert diese im Laufe der Behandlung.

Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie

Anwendungsgebiete

Die Eigenbluttherapie wird in der alternativen Medizin bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt, darunter:

  • Allergien (Heuschnupfen, Asthma bronchiale)
  • Rheumatische Erkrankungen (rheumatoide Arthritis, Arthrosen)
  • Rezidivierende Virusinfekte
  • Chronische Ekzeme
  • Therapieschäden durch Arzneimittel
  • Toxische Leberschäden
  • Migräne

Eigenbluttherapie bei Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke, pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit. Die Ursachen für Migräne sind noch nicht vollständig erforscht, es wird jedoch angenommen, dass eine Reizung der Blutgefäße im Gehirn eine Rolle spielt.

Die Eigenbluttherapie wird bei Migräne als alternative Behandlungsmethode eingesetzt, um die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren.

Studienlage

Die Studienlage zur Wirksamkeit der Eigenbluttherapie bei Migräne ist begrenzt. Einige Studien deuten auf eine Wirksamkeit hin, während andere keine signifikanten Effekte zeigen konnten.

Eine Studie an den Universitäten Heidelberg und Bonn untersuchte 36 Frauen, die zuvor mindestens zwei Fehlgeburten hatten. Während der Behandlung mit Eigenblut wurden auch das Immunsystem der Patientinnen regelmäßig überprüft. Dabei zeigte sich, dass die Therapie messbare Veränderungen bewirkte. Im Studienzeitraum wurden 22 der Frauen schwanger. Diese Studie deutet darauf hin, dass die Eigenbluttherapie eine Wirkung auf das Immunsystem haben kann, was möglicherweise auch bei Migräne von Vorteil sein könnte.

Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne

Es gibt auch einige Studien, die eine Wirksamkeit von Gegenreiz-Verfahren bei Migräne nahelegen. Die Eigenbluttherapie könnte als eine solche Gegenreiz-Verfahren betrachtet werden, da sie das Immunsystem stimuliert und so möglicherweise die Reizbarkeit des Nervensystems reduziert.

Anwendung bei Migräne

Bei der Anwendung der Eigenbluttherapie bei Migräne wird in der Regel eine kleine Menge Blut aus der Vene entnommen und intramuskulär injiziert. Die Injektionen werden in Abständen von einer Woche wiederholt, wobei die Dosis individuell angepasst wird.

Einige Therapeuten vermischen das frisch entnommene Blut mit homöopathischen Mitteln, bevor sie es spritzen.

Es wird angenommen, dass bei Migräne nur ein bis drei Injektionen erforderlich sind, um eine Wirkung zu erzielen.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Eigenbluttherapie gilt im Allgemeinen als risikoarm. Mögliche Nebenwirkungen sind:

Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?

  • Lokale Schmerzen an der Injektionsstelle
  • Entzündungen
  • Blutergüsse
  • Hautirritationen
  • Allergische Reaktionen (selten)

Es ist wichtig, dass die Eigenbluttherapie unter sterilen Bedingungen durchgeführt wird, um Infektionen zu vermeiden.

Kritik

Die Eigenbluttherapie ist in der Wissenschaft umstritten. Kritiker bemängeln, dass die Wirksamkeit der Therapie nicht ausreichend belegt ist und dass es an aussagekräftigen Studien mangelt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Eigenbluttherapie eine unspezifische Stimulation des Immunsystems bewirkt, was möglicherweise auch negative Auswirkungen haben könnte.

Alternative Behandlungsmethoden bei Migräne

Neben der Eigenbluttherapie gibt es verschiedene andere Behandlungsmethoden bei Migräne, die in der Regel in zwei Kategorien unterteilt werden: Akuttherapie und Prophylaxe.

Akuttherapie

Die Akuttherapie zielt darauf ab, die Symptome einer akuten Migräneattacke zu lindern. Hierzu werden in der Regel Schmerzmittel wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen eingesetzt. Bei schweren Migräneattacken können auch Triptane zum Einsatz kommen, die speziell gegen Migräne wirken.

Zusätzlich zu Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Hinlegen, Abschirmen von Außenreizen und Kühlen von Nacken und Stirn helfen.

Prophylaxe

Die Prophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren. Hierzu werden in der Regel Medikamente wie Betablocker, Kalziumkanalblocker, Antidepressiva oder Antiepileptika eingesetzt.

Auch natürliche Alternativen wie Pestwurz, Mutterkraut, Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 können zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.

Zusätzlich zu Medikamenten und natürlichen Alternativen sind auch gesundheitsförderliche Veränderungen in den Lebensgewohnheiten wichtig, wie z.B. eine Optimierung des Schlafverhaltens, eine Behandlung eines erhöhten Blutdrucks und spezielle Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation oder Autogenes Training.

tags: #eigenbluttherapie #bei #migrane