Die spanische Sprache ist reich an Redewendungen, die oft bildhaft und voller kultureller Anspielungen sind. Viele dieser Redewendungen beziehen sich auf Körperteile und haben eine überraschende Bedeutung. In diesem Artikel werden wir einige interessante spanische Redewendungen untersuchen, die den Nerv treffen, und ihre Verwendung im täglichen Sprachgebrauch beleuchten.
Einführung in spanische Redewendungen
Redewendungen sind ein wesentlicher Bestandteil jeder Sprache und spiegeln die Kultur und Geschichte eines Volkes wider. Sie verleihen der Sprache Farbe und Ausdruckskraft und ermöglichen es, komplexe Gedanken und Emotionen auf prägnante Weise zu vermitteln. Im Spanischen gibt es eine Vielzahl von Redewendungen, die oft auf humorvolle oder ironische Weise verwendet werden.
Spanische Redewendungen mit Bezug zum Körper
Viele spanische Redewendungen beziehen sich auf Körperteile und haben eine übertragene Bedeutung. Diese Redewendungen sind oft sehr bildhaft und können für Nicht-Muttersprachler schwer zu verstehen sein. Hier sind einige Beispiele:
"No dar su brazo a torcer"
- Wörtliche Bedeutung: Seinen Arm nicht zum Biegen geben.
- Übertragene Bedeutung: Sich nicht beugen; seinen Kopf durchsetzen.
- Beispiel: "Estás empeñado en tener la razón porque no quieres dar nunca tu brazo a torcer." (Du bist darauf aus, Recht zu haben, weil du dich nie beugen willst.)
"Cruzarse de brazos"
- Wörtliche Bedeutung: Die Arme verschränken.
- Übertragene Bedeutung: Untätig zusehen.
- Beispiel: "Así como se está poniendo el clima, me temo que ya no podremos quedarnos mucho tiempo con los brazos cruzados." (So wie sich das Klima entwickelt, befürchte ich, dass wir nicht mehr lange untätig zusehen können.)
"Rascarse la barriga"
- Wörtliche Bedeutung: Sich den Bauch kratzen.
- Übertragene Bedeutung: Auf der faulen Haut liegen.
- Beispiel: "Con la cantidad de cosas que están por hacer, y tú solo te pasas el día rascándote la barriga!" (Bei der Menge an Dingen, die zu tun sind, verbringst du den ganzen Tag damit, auf der faulen Haut zu liegen!)
"Írsele la boca a alguien"
- Wörtliche Bedeutung: Jemandem der Mund entwischen.
- Übertragene Bedeutung: Etwas ausplaudern.
- Beispiel: "Ahora que se te ha ido la boca al respecto, habrá que poner las cartas sobre la mesa." (Jetzt, wo dir diesbezüglich der Mund entwichen ist, müssen wir die Karten auf den Tisch legen.)
Spanische Redewendungen mit "morcilla" (Blutwurst)
Eine besonders interessante Redewendung ist "Que te den morcilla", die eine sehr direkte und abweisende Bedeutung hat.
"Que te den morcilla"
Wörtliche Bedeutung: Dass sie dir Blutwurst geben.
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Übertragene Bedeutung: Du kannst mich mal (im Sinne von "zum Teufel mit dir").
Herkunft: Um die Tollwut nicht durch streunende Hunde ausbreiten zu lassen, legte man Blutwürste aus, die mit Strychnin gefüllt waren.
Beispiele:
- "Le pedí dinero prestado porque estoy en apuros y me dijo que me dieran morcilla." (Ich habe ihn um Geld gebeten, weil ich gerade in Schwierigkeiten stecke, und er hat mich zum Teufel geschickt.)
- "Si no quieres verme más, que te den morcilla. Yo no te necesito." (Wenn du mich nie wieder sehen willst, zum Teufel mit dir. Ich brauche dich nicht.)
- "Bah, que les den morcilla a esos imbéciles. Vamos, Ana, y no te enfades por lo que puedan decir esos descerebrados." (Bah, schick sie doch zum Teufel. Schau, Ana, ärgere dich nicht darüber, was diese Hirnamputierten sagen könnten.)
Es ist wichtig zu beachten, dass "que te den morcilla" nur sparsam eingesetzt werden sollte, da es in der spanischen Sprache noch viele weitere, noch drastischere Flüche und Schimpfwörter gibt.
Fettnäpfchengefahr
Es gibt in der an Flüchen, Schimpfwörtern und Fäkalsprache ausgesprochen reichen spanischen Sprache reichlich Steigerungsmöglichkeiten, zum Beispiel:
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- "Que te den por saco" = Geh' zum Teufel
- "Que te jodan" = Fick dich
- "Vete a la mierda" = Geh' scheissen
Weitere interessante spanische Redewendungen
Neben den Redewendungen mit Bezug zum Körper gibt es noch viele andere interessante spanische Redewendungen, die es wert sind, kennenzulernen.
"Conseguir algo de gorra"
Wörtliche Bedeutung: Etwas auf die Mütze machen.
Übertragene Bedeutung: Schmarotzen.
Herkunft: Im früheren Jahrhunderten ging den Studenten der Ruf voraus, ständig Hunger und gleichzeitig Ebbe in der Kasse zu haben. Einer der Tricks bestand darin, sich bei Festivitäten einzuschleichen, die Mütze zu ziehen und zu hoffen, man werde nach dieser Geste der Ehrerbietung zum Essen eingeladen.
Beispiele:
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- "Nos colamos en una fiesta de la universidad y estuvimos toda la noche bebiendo y comiendo de gorra." (Wir haben uns bei einer Uni-Party eingeschlichen und die ganze Nacht umsonst getrunken und gegessen.)
- "Alicia siempre está pidiendo tabaco a la gente y fumando de gorra, la muy gorrona." (Alicia schnorrt die Leute ständig wegen Zigaretten an, die Schmarotzerin.)
Es ist wichtig zu wissen, dass "con la gorra" auch bedeuten kann, etwas mit links zu erledigen.
"Hasta en la sopa"
- Wörtliche Bedeutung: Sogar in der Suppe.
- Übertragene Bedeutung: Jemanden ständig und überall antreffen.
- Beispiel: "Nunca ha dejado de ser un tema, pero últimamente te encuentras discusiones sobre la independencia de Cataluña y el País Vasco hasta en la sopa." (Die Diskussion darüber hat nie aufgehört, aber in der letzten Zeit ist die Unabhängigkeit Kataloniens und des Baskenlandes ständig und überall Thema.)
- "Llevo unas semanas que veo a Jorge en todas partes, está hasta en la sopa." (Seit ein paar Wochen treffe ich Jorge überall und immer wieder.)
"Estar para el arrastre"
Wörtliche Bedeutung: Bereit fürs Fortschleppen sein.
Übertragene Bedeutung: Kaputt/völlig erledigt sein.
Herkunft: "Arrastre" ist der Moment, wenn der Körper des Bullen aus der Arena gezogen wird - normalerweise, wenn der Matador ihn getötet hat.
Beispiele:
- "La última vez que vi a Alfonso estaba para el arrastre; espero que se haya mejorado." (Das letzte Mal, als ich Alfonso gesehen habe, war er am Boden zerstört. Ich hoffe, es geht ihm jetzt besser.)
- "No he dormido bien esta noche y ahora estoy para el arrastre. Me vuelvo a la cama." (Ich habe heute Nacht nicht gut geschlafen und bin jetzt fix und fertig. Ich gehe zurück ins Bett.)
- "Ayer nos pasamos con el jerez en la cena de empresa y hoy estamos todos muertos, literalmente para el arrastre." (Gestern Abend hatten wir reichlich Sherry beim Firmenessen, und heute sind wir tot, wortwörtlich am Boden zerstört.)
"Tirar la casa por la ventana"
Wörtliche Bedeutung: Das Haus durchs Fenster werfen.
Übertragene Bedeutung: Das Geld zum Fenster hinauswerfen.
Herkunft: Seit 1763 gibt es in Spanien Lotterien, und die Spanier spielen mit Begeisterung. Anders als heute träumten die Spieler früher von neuen Möbeln, neuen Teppichen oder einer neuen Einrichtung; bildlich gesprochen also davon, den alten Hausstand, das "Haus" durchs Fenster auf die Strasse zu werfen.
Beispiele:
- "Tiró la casa por la ventana para la boda de su hija." (Für die Hochzeit seiner Tochter warf er das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinaus.)
- "He oído que Nere tiró la casa por la ventana en Ibiza." (Ich habe gehört, Nere habe in Ibiza ganz schön das Geld verbrannt.)
"Hacer la pelota"
Wörtliche Bedeutung: Den Ball machen.
Übertragene Bedeutung: Sich einschleimen.
Herkunft: Fernando VII (1784-1833) war ein begeisterter Billardspieler. Die Mitglieder seines Hofstaates übertrafen sich in ihrem Bemühen, dem König zu gefallen, darin, ihm die Kugel so vorzulegen, dass er keine Mühe hatte, sie in den richtigen Taschen zu versenken.
Beispiele:
- "Se pasa el día haciéndole la pelota a los jefes, me pone de los nervios." (Den ganzen Tag schleimt er sich bei den Chefs ein, er geht mir auf die Nerven.)
- "Nicolás, deja de hacerle la pelota a tu padre - que si yo he dicho que no sales, es que no sales." (Nicolás, hör auf, dich bei deinem Vater lieb Kind zu machen. Wenn ich sage, du gehst nicht aus, dann gehst du nicht aus.)
Für das Einschmeicheln gibt es im Spanischen zahllose weitere Begriffe, die zum Teil ähnlich kryptisch sind: "hacer la nasca" = den Kranz winden; "bailar el agua" = das Wasser tanzen; "dar vaselina" oder "dar jabón" = Vaselina oder Seife geben; "tirar flores" = Blumen werfen.
"Hacer el indio"
Wörtliche Bedeutung: Den Indianer machen.
Übertragene Bedeutung: Den Kasper spielen.
Herkunft: Zur Feier des 400. Jahrestages der Entdeckung Amerikas wurde 1892 in Madrid ein grosser Umzug veranstaltet, bei dem da Zusammentreffen der spanischen Entdecker und der Ureinwohner dargestellt werden sollte. Die "Schauspieler" hatten wenig Ahnung vom Leben der Indianer und sorgten im Publikum mit ihrer Darstellung offensichtlich für grosse Erheiterung.
Beispiele:
- "Ya de pequeña le gustaba hacer el indio y entretener a todo el mundo, no me extraña que Javier se haya convertido en el gran artista que es hoy en día." (Von klein auf hat Javier gern den Clown gespielt und alle unterhalten. Kein Wunder, dass er heute so ein grosser Künstler ist.)
- "Él se llama a sí mismo actor, pero lo único que hace es el indio por los platós de televisión." (Er nennt sich Schauspieler, aber das einzige, was er tut, ist in den Fernsehstudios den Kasper zu machen.)
Spanische Redewendungen mit Farben
Die spanische Sprache verwendet Farben oft als Synonyme in bildhaften Ausdrücken. Hier sind einige Beispiele:
- Weiss:
- "Quedarse en blanco": Einen Blackout haben.
- "Dar en el blanco": Den Nagel auf den Kopf treffen.
- "Estar sin blanca": Pleite sein.
- Schwarz:
- "Verlo todo de negro": Immer das Negative sehen.
- "Ponerse negro": Jemanden nerven/ärgern.
- "Dinero negro": Schwarzgeld.
- "Tener la negra": Pech haben.
- Grün:
- "Poner verde a alguien": Jemanden runter machen.
- "Estar verde en algo": Naiv/unwissend/unerfahren sein.
- "Chiste verde": Sexueller Witz.
- "Viejo verde": Dreckiger/ekliger alter Mann.
- Pink:
- "Ver la vida de color de rosa": Alles durch eine rosa-rote Brille sehen.
- "Un camino de rosas": Ein einfacher Weg.
- "Prensa rosa": Klatschblatt.
- "Estar como una rosa": Frisch/fit aussehen.
- Unterschiedliche Farben:
- "Estar en números rojos": Im roten/negativen Bereich sein.
- "Ponerse rojo": Rot werden.
- "Ponerse morado": Sich vollstopfen.
- "Sangre azul": Adlig sein/blaues Blut haben.
"Tocar la fibra" - Den Nerv treffen
Die katalanische Regisseurin Isabel Coixet weiß, wie man den Nerv ihres Publikums trifft ("tocar la fibra del público"), indem sie immer die schwierigsten und ungewöhnlichsten Wege wählt. Ihr Film "La Librería" (Der Buchladen) wurde bei den Goya-Preisen 2018 (dem spanischen Oscar) als großer Gewinner ausgezeichnet und fesselte Publikum und Kritik.