Einklemmter Nerv nach Clavicula OP: Ursachen und Behandlung

Ein eingeklemmter Nerv nach einer Clavicula-Operation (Schlüsselbein-OP) kann eine schmerzhafte und einschränkende Komplikation darstellen. Um die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten, ist es wichtig, die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten zu verstehen.

Ursachen für einen eingeklemmten Nerv nach Clavicula OP

Ein eingeklemmter Nerv, auch Nervenkompressionssyndrom genannt, entsteht, wenn ein Nerv durch umliegendes Gewebe, wie Knochen, Muskeln, Sehnen oder Knorpel, eingeengt wird. Nach einer Clavicula-Operation können verschiedene Faktoren zu einer solchen Nervenkompression führen:

  • Direkte Nervenreizung durch die Operation: Während des Eingriffs kann es zu einer direkten Reizung oder Schädigung von Nerven in der Nähe des Schlüsselbeins kommen.
  • Narbenbildung: Nach der Operation kann es zur Bildung von Narbengewebe kommen, das auf die Nerven drückt und sie einklemmt.
  • Schwellungen und Entzündungen: Postoperative Schwellungen und Entzündungen können ebenfalls Druck auf die Nerven ausüben.
  • Fehlpositionierung von Implantaten: In einigen Fällen kann die Fehlpositionierung von Implantaten, die zur Stabilisierung des Schlüsselbeins verwendet werden, zu einer Nervenkompression führen.
  • Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS): Obwohl nicht direkt durch die Clavicula-OP verursacht, kann ein präexistierendes oder sich entwickelndes Thoracic-Outlet-Syndrom durch die Operation verstärkt werden. Das Thoracic-Outlet-Syndrom ist eine Verengung im Bereich zwischen der oberen Rippe und dem Schlüsselbein, die zu einer Kompression von Nerven und Blutgefäßen führen kann. Verschiedene Mechanismen können dazu führen, wie z.B. anatomische Variationen, zusätzliche Bänder, Vernarbungen, bestimmte Bewegungsmuster und Haltungsschäden.

Symptome eines eingeklemmten Nervs

Die Symptome eines eingeklemmten Nervs nach einer Clavicula-Operation können vielfältig sein und hängen vom betroffenen Nerv ab. Häufige Symptome sind:

  • Schmerzen: Plötzliche, stechende Schmerzen mittig neben oder unterhalb des Schulterblatts, welche in Richtung Wirbelsäule ausstrahlen können. Die Schmerzen haben häufig einen stechenden oder bohrenden Charakter und sind am inneren Rand des Schulterblatts der betroffenen Seite, zwischen Wirbelsäule und Schulter lokalisiert.
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln: Taubheit oder ein „Ameisenlaufen“ in der Schulter, im Arm oder den Fingern.
  • Bewegungseinschränkungen: Die Beweglichkeit der Schulter kann durch Schmerzen oder Muskelschwäche eingeschränkt sein.
  • Muskelschwäche: Kraftverlust in der Hand oder im Arm.
  • Empfindungsstörungen: Verminderte Berührungsempfindlichkeit.
  • Blässe oder Kälte: Die Hand oder der Arm können blass und kalt sein.
  • Schwellung: In manchen Fällen kann der Arm anschwellen.

Diagnose

Um einen eingeklemmten Nerv nach einer Clavicula-Operation zu diagnostizieren, wird der Arzt zunächst eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen. Dabei werden die Symptome erfragt und die Beweglichkeit der Schulter sowie die Sensibilität und Kraft in Arm und Hand geprüft. Ergänzende Untersuchungen können helfen, die Diagnose zu bestätigen und andere Ursachen auszuschließen:

  • Röntgenaufnahmen: Um anatomische Veränderungen von Schlüsselbein und Rippen oder Abnutzungserscheinungen an Wirbelkörpern auszuschließen.
  • Gefäßuntersuchungen: Gefäßultraschall (Farbduplex-Sonographie) oder digitale Subtraktions-Angiografie (DSA), um Durchblutungsstörungen festzustellen.
  • CT/MRT: Um Weichteilstrukturen und Nerven darzustellen und andere Ursachen auszuschließen. Ein MRT wird nur selten bei Schmerzen im Schlüsselbein gebraucht, kommt aber zum Einsatz, wenn die Beschwerden im Schlüsselbein durch eine Erkrankung im Bereich des Schultereckgelenks verursacht werden. Hierzu gehören beispielsweise das Impingement-Syndrom oder eine Bandverletzung der Schulter. Auch der Riss einer Sehne, beispielsweise der Supraspinatussehne, kann ausstrahlend zu Schmerzen im Schlüsselbein führen und gut im MRT dargestellt werden.
  • Elektroneurografie: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
  • Provokationstests: Bestimmte Bewegungen und Positionen können die Symptome auslösen und so Hinweise auf die Diagnose geben. Beim Klopfen im Halsbereich bzw. auf die Oberseite des Schlüsselbeins können Schmerzen auftreten (Hoffmann-Tinel-Zeichen).

Behandlung

Die Behandlung eines eingeklemmten Nervs nach einer Clavicula-Operation richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Symptome. In vielen Fällen kann eine konservative Therapie ausreichend sein.

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Konservative Behandlung

  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu lindern. Auch Schmerzsalben wie Voltaren können bei lokaler Anwendung zur Schmerzlinderung und Muskelentspannung beitragen.
  • Physiotherapie: Spezielle Übungen und Techniken können helfen, die Beweglichkeit der Schulter wiederherzustellen, Muskelverspannungen zu lösen und die Nerven zu entlasten. Ihr(e) Krankengymnast(in) wird eine Vielzahl von Techniken anwenden, um die Entzündung zu bekämpfen. Dehnungsübungen, Gelenkmobilisation, manuelle Techniken und Muskelaufbau helfen, das volle Bewegungsausmaß der Schulter wieder her zu stellen. Eine Verbesserung von Kraft und Koordination in der Rotatorenmanschette sowie in der Schultergürtelmuskulatur lässt den Oberarmkopf wieder geschmeidig in der Pfanne gleiten, ohne dass die Rotatorenmanschette gegen das Acromion reibt.
  • Entlastung: Schmerzauslösende Bewegungen sollten vermieden werden, um die Reizung zu reduzieren. Bei einem Schlüsselbeinbruch wird diese Schonung mithilfe eines Verbandes bzw. einer Bandage aufrechterhalten. Dabei kommt meist der sogenannte Gilchrist-Verbandzum Einsatz, der in der Regel für ca. einen Monat getragen werden sollte.
  • Wärme- oder Kälteanwendungen: Wärme kann helfen, verspannte Muskeln zu entspannen, während Kälte eine entzündungshemmende Wirkung hat und Schmerzen lindern kann. Hierbei sollte der Betroffene jedoch darauf achten, das Kühlpack oder die heiße Wärmflasche nicht direkt auf die Haut zu legen und beispielsweiße ein Küchentuch dazwischen zu verwenden, um Verbrühungen bzw. Erfrierungen zu vermeiden.
  • Injektionen: In einigen Fällen kann eine Kortisoninjektion in die Nähe des betroffenen Nervs helfen, Entzündungen zu reduzieren und Schmerzen zu lindern. Kortison ist ein Medikament, welches die Entzündung dämpft und den Schmerz verringert.

Operative Behandlung

Wenn die konservative Therapie nicht ausreichend ist oder die Symptome sich verschlimmern, kann eine Operation erforderlich sein. Ziel der Operation ist es, den Druck auf den Nerv zu beseitigen. Mögliche operative Verfahren sind:

  • Nervenfreilegung (Dekompression): Der Nerv wird freigelegt und von umliegendem Gewebe befreit, das auf ihn drückt.
  • Narbenentfernung: Narbengewebe, das auf den Nerv drückt, wird entfernt.
  • Implantatkorrektur: Eine Fehlpositionierung von Implantaten wird korrigiert.
  • Entfernung einer Halsrippe: Falls eine zusätzliche Halsrippe festgestellt wird, die als ursächlich für die Beschwerden angesehen wird, kann diese entfernt werden.
  • Resektion der 1. Rippe: Ist dies nicht der Fall, wird meist die 1. Rippe vollständig entfernt, um so mehr Platz für Nerven und Gefäße zu schaffen.

Rehabilitation nach der Operation

Nach einer Operation ist eineRehabilitation wichtig, um die Funktion der Schulter wiederherzustellen. Die Rehabilitation umfasst in der Regel Physiotherapie, um die Beweglichkeit und Kraft zu verbessern.

Prävention

Es gibt einige Maßnahmen, die dazu beitragen können, einem eingeklemmten Nerv nach einer Clavicula-Operation vorzubeugen:

  • Sorgfältige Operationstechnik: Der Operateur sollte eine sorgfältige Operationstechnik anwenden, um Nervenverletzungen zu vermeiden.
  • Frühzeitige Mobilisierung: Eine frühzeitige Mobilisierung der Schulter nach der Operation kann helfen, Narbenbildung und Verklebungen zu reduzieren.
  • Gezielte Physiotherapie: Eine gezielte Physiotherapie kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen und die Beweglichkeit der Schulter zu verbessern.
  • Ergonomische Anpassung: Anpassung des Arbeitsplatzes und der Alltagsaktivitäten, um Fehlbelastungen zu vermeiden.

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