Kortisonbehandlung bei eingeklemmten Nerven: Eine umfassende Betrachtung

Ein eingeklemmter Nerv kann eine schmerzhafte und einschränkende Erkrankung sein, die durch Druck auf einen Nerv verursacht wird. Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von konservativen Maßnahmen bis hin zu operativen Eingriffen. Eine häufig diskutierte Option ist die Kortisonbehandlung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Kortisonbehandlung bei eingeklemmten Nerven, einschließlich ihrer Wirkungsweise, Anwendungsformen, Vor- und Nachteile sowie alternativer Therapieansätze.

Einführung in eingeklemmte Nerven

Ein eingeklemmter Nerv entsteht, wenn umliegendes Gewebe wie Muskeln, Sehnen, Knochen oder Bandscheiben übermäßigen Druck auf eine Nervenbahn ausüben. Dieser Druck beeinträchtigt die normale Funktion des Nervs, der Signale zwischen Gehirn und Körper übermittelt. Grundsätzlich kann ein Nerv überall im Körper eingeklemmt werden, wo Nervenbahnen verlaufen. Besonders häufig betroffen sind jedoch die Wirbelsäule, der Nacken, die Schulter und der untere Rücken. Die Schwere der Beschwerden hängt vom Ausmaß der Kompression ab. Während leichte Einklemmungen oft innerhalb weniger Tage von selbst abklingen, können schwerwiegende Fälle ohne Behandlung zu dauerhaften Nervenschäden führen.

Die Ursachen für einen eingeklemmten Nerv sind vielfältig und oft das Ergebnis mehrerer zusammenwirkender Faktoren. Mit zunehmendem Alter verlieren die Bandscheiben an Elastizität und Höhe, wodurch sich die Abstände zwischen den Wirbelkörpern verringern. Diese degenerativen Prozesse führen zu einer Einengung der Nervenaustrittskanäle, durch die die Nervenwurzeln aus der Wirbelsäule austreten. Gleichzeitig können sich an den Wirbelkörpern knöcherne Anbauten bilden, die zusätzlichen Druck auf die Nerven ausüben. Bei einem Bandscheibenvorfall tritt Bandscheibengewebe aus dem Faserring aus und drückt direkt auf nahegelegene Nervenwurzeln, wodurch der Nerv akut eingeklemmt wird. Diese plötzliche Kompression kann durch schweres Heben, ruckartige Bewegungen oder Unfälle ausgelöst werden. Auch Muskelverspannungen durch Fehlhaltungen, einseitige Belastungen oder Stress können Nerven akut einklemmen, insbesondere im Nacken- und Schulterbereich. Übergewicht belastet die Wirbelsäule zusätzlich und beschleunigt degenerative Prozesse, die letztlich zu eingeklemmten Nerven führen können. Verstärkt wird diese Problematik durch mangelnde Bewegung, die zu einer Schwächung der stabilisierenden Muskulatur führt. Auf der anderen Seite kann auch das Gegenteil problematisch sein: Schwere körperliche Arbeit oder repetitive Bewegungen führen zu Überlastungen und Schwellungen des Gewebes, wodurch Nervenbahnen komprimiert werden.

Ein eingeklemmter Nerv macht sich typischerweise durch stechende oder brennende Schmerzen bemerkbar, die sich bei bestimmten Bewegungen verstärken. Die genaue Symptomatik hängt davon ab, welcher Nerv betroffen ist und in welchem Bereich die Kompression auftritt. Neben den Schmerzen treten häufig Taubheitsgefühle, Kribbeln oder ein "Ameisenlaufen" auf. Diese sogenannten Parästhesien entstehen durch die gestörte Signalweiterleitung des betroffenen Nervs. Wenn ein Nerv im Rücken eingeklemmt ist, treten die Schmerzen meist im unteren Rückenbereich auf und strahlen häufig in ein oder beide Beine aus. Dieses Phänomen wird als Ischialgie bezeichnet. Betroffene berichten oft von einer eingeschränkten Beweglichkeit und nehmen unwillkürlich Schonhaltungen ein, die jedoch die Problematik verschlimmern können. Ein Nerv eingeklemmt im Nackenbereich verursacht starke Schmerzen, die vom Hals in die Schulter, den Arm oder bis in die Finger ausstrahlen können. Die Beschwerden verstärken sich häufig bei Kopfbewegungen, insbesondere beim Drehen oder Neigen des Kopfes. Zusätzlich können Kopfschmerzen, Schwindelgefühle oder Taubheitsgefühle in den Armen auftreten. Eingeklemmte Nerven im Brustbereich sind seltener, können aber intensive Schmerzen verursachen, die gürtelförmig um den Brustkorb verlaufen. Die Beschwerden verstärken sich oft beim tiefen Einatmen, Husten oder bei Rumpfbewegungen. In den meisten Fällen ist ein eingeklemmter Nerv zwar schmerzhaft, aber nicht gefährlich. Besonders kritisch wird es, wenn ein eingeklemmter Nerv im Bereich der Wirbelsäule das Rückenmark oder wichtige Nervenwurzeln beeinträchtigt. In seltenen Fällen kann dies zu Lähmungserscheinungen, Blasen- oder Darmstörungen führen.

Diagnose eines eingeklemmten Nervs

Die Diagnose eines eingeklemmten Nervs beginnt mit einem ausführlichen Anamnesegespräch. Der Arzt erfragt die genaue Beschwerdesymptomatik, den zeitlichen Verlauf, auslösende oder verstärkende Faktoren sowie eventuelle Vorerkrankungen. Bei der körperlichen Untersuchung werden Beweglichkeit, Reflexe, Sensibilität und Muskelkraft überprüft. Spezielle neurologische Tests helfen dabei, den betroffenen Nerv und das Ausmaß der Schädigung einzuschätzen.

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Verschiedene bildgebende Verfahren können zur Diagnose eingesetzt werden:

  • Röntgenaufnahmen: Sie erzeugen mithilfe von Röntgenstrahlen Bilder der knöchernen Strukturen des Körpers. Bei einem eingeklemmten Nerv können sie degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, Wirbelkanalverengungen, Arthrose oder knöcherne Anbauten sichtbar machen, die für die Nervenkompression verantwortlich sein können.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Sie nutzt starke Magnetfelder und Radiowellen, um detaillierte Schnittbilder des Körperinneren zu erzeugen. Bei Verdacht auf einen eingeklemmten Nerv ist sie das wichtigste bildgebende Verfahren, da sie Bandscheibenvorfälle oder -vorwölbungen, die den Nerv komprimieren, direkt darstellen kann.
  • Ultraschall: Er verwendet hochfrequente Schallwellen, um Echtzeitbilder von Weichteilen zu erzeugen. Bei eingeklemmten Nerven eignet er sich besonders zur Darstellung von Muskelverspannungen und -verhärtungen, die auf Nervenbahnen drücken können.

Kortison als Behandlungsoption

Kortison ist ein Hormon, das in der Nebenniere gebildet wird. Es hemmt unter anderem Entzündungen und wirkt abschwellend. Für Medikamente wird Kortison künstlich hergestellt. Bei einem eingeklemmten Nerv kann Kortison auf verschiedene Weise eingesetzt werden, um die Beschwerden zu lindern.

Wirkungsweise von Kortison bei eingeklemmten Nerven

Kortison wirkt entzündungshemmend und kann Schwellungen reduzieren. Diese Eigenschaften können dazu beitragen, den Druck auf den eingeklemmten Nerv zu verringern und die Schmerzen zu lindern. Durch die Reduktion der Entzündung kann auch die Reizung der Nervenwurzel abnehmen.

Anwendungsformen von Kortison

Kortison kann bei eingeklemmten Nerven in verschiedenen Formen angewendet werden:

  • Orale Einnahme (Tabletten): Kortisontabletten werden üblicherweise als Stoßtherapie eingesetzt, bei der eine hohe Dosis über einen kurzen Zeitraum eingenommen und dann schrittweise reduziert wird. Ein häufig verwendetes Präparat ist Prednison, das in Dosierungen von 50 oder 100 mg eingesetzt wird. Alternativ kann auch Dexamethason in einer Stoßtherapie verabreicht werden.
  • Injektionen: Kortison kann direkt in den Bereich des eingeklemmten Nervs injiziert werden. Dies kann als Periradikuläre Therapie (PRT) erfolgen, bei der das Kortison direkt an die betroffene Nervenwurzel gespritzt wird. Eine weitere Möglichkeit ist die Injektion in die Facettengelenke, die zwischen den Wirbeln liegen und bei Arthrose Schmerzen verursachen können.
  • Infusionen: Kortison kann auch als Infusion verabreicht werden, insbesondere im Krankenhaus. Diese Anwendungsform ermöglicht eine schnelle und effektive Verteilung des Medikaments im Körper.

Periradikuläre Therapie (PRT)

Die Periradikuläre Therapie (PRT) ist eine spezielle Form der Injektionstherapie, bei der Kortison und ein Lokalanästhetikum direkt an die gereizte Nervenwurzel gespritzt werden. Dies erfolgt unter bildgebender Kontrolle (Röntgen oder CT), um die korrekte Positionierung der Nadel sicherzustellen. Die PRT wird häufig bei Rückenschmerzen eingesetzt, die durch eine Reizung von Nervenwurzeln an der Wirbelsäule bedingt sind, beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose.

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Die Vorteile der PRT liegen in der gezielten Schmerzlinderung und der Reduktion von Entzündungen direkt an der betroffenen Nervenwurzel. Durch die Injektion werden Entzündungsbotenstoffe ausgewaschen, wodurch die Nervenwurzel wieder mehr Raum bekommt und weniger gereizt reagiert. Die PRT ist ein ambulanter Eingriff, der nur wenige Minuten dauert und in der Regel keine Narkose erfordert.

Allerdings gibt es auch mögliche Risiken und Nebenwirkungen. Direkt nach der Injektion können Unbehagen und Schmerzen auftreten. Gelegentlich kann es zu einem Taubheitsgefühl und einer Schwäche in den Beinen kommen, die meist nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern können blaue Flecken entstehen. In seltenen Fällen kann es zu Komplikationen wie Infektionen, Nervenverletzungen oder einem anaphylaktischen Schock kommen.

Studien haben gezeigt, dass die PRT bei vielen Patienten zu einer deutlichen Beschwerdebesserung führen kann. Eine Studie aus dem Jahr 2021 ergab, dass bei 74 Prozent der Patienten, die eine PRT-Spritze erhielten, eine gute Beschwerdebesserung eintrat. Durch die PRT kann in vielen Fällen eine Operation vermieden werden.

Kortison bei Karpaltunnelsyndrom

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine Erkrankung, bei der der Mittelnerv im Handgelenk eingeengt wird. Dies führt zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen und Kribbeln in den Fingern. Kortison kann auch bei einem Karpaltunnelsyndrom eingesetzt werden, um die Beschwerden zu lindern.

Kortison kann entweder als Tablette eingenommen oder direkt in den Karpaltunnel gespritzt werden. Studien haben gezeigt, dass Kortisonspritzen in den ersten 2 bis 4 Wochen nach der Behandlung die Beschwerden bei vielen Menschen lindern können. Die Wirkung kann auch nach sechs Monaten noch anhalten.

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Allerdings ist die langfristige Wirksamkeit von Kortison beim Karpaltunnelsyndrom begrenzt. Durch die Spritzen kann es zunächst zu leichten oder mittelstarken Schmerzen an der Hand kommen, die aber nach wenigen Tagen verschwinden. Außerdem besteht immer eine Infektionsgefahr. In seltenen Fällen kann es zu schweren Komplikationen wie einer Entzündung der ganzen Hand oder einer Schädigung der Nerven kommen.

Vor- und Nachteile der Kortisonbehandlung

Die Kortisonbehandlung bei eingeklemmten Nerven bietet sowohl Vor- als auch Nachteile, die bei der Entscheidung für oder gegen diese Therapie berücksichtigt werden sollten.

Vorteile:

  • Schnelle Schmerzlinderung: Kortison kann schnell Entzündungen reduzieren und Schmerzen lindern.
  • Nicht-operative Behandlung: Kortison kann eine Operation in einigen Fällen vermeiden oder zumindest hinauszögern.
  • Gezielte Anwendung: Durch Injektionen kann das Kortison direkt an den Ort der Entzündung gebracht werden.

Nachteile:

  • Nebenwirkungen: Kortison kann eine Vielzahl von Nebenwirkungen verursachen, insbesondere bei langfristiger Anwendung.
  • Begrenzte Langzeitwirkung: Die Wirkung von Kortison ist oft nicht dauerhaft, und die Beschwerden können nach einiger Zeit wieder auftreten.
  • Risiken: Injektionen bergen Risiken wie Infektionen, Nervenverletzungen und allergische Reaktionen.

Mögliche Nebenwirkungen von Kortison

Cortison ist ein Medikament, das mit sehr vielen verschiedenen Nebenwirkungen einhergehen kann. Die häufigsten Nebenwirkungen sind ein Anstieg des Blutzuckerspiegels und des Blutdrucks, also eine Hypertonie. Auch eine vermehrte Einlagerung von Wasser zählt zu den typischen Nebenwirkungen, weswegen mit einer regelmäßigen Cortison-Therapie auch häufig das Bild eines aufgequollenen Gesichts assoziiert wird. Dadurch kommt es auch gehäuft zu einer Zunahme des Körpergewichts, was für Viele eine große Angst darstellt. Da Cortison eine unterdrückende Wirkung auf das Immunsystem hat, sollte stets eine erhöhte Infektanfälligkeit durch die Cortison-Behandlung bedacht werden. Hiermit einhergehend sollte beispielsweise der Umgang mit Menschen, die aktuell an einer Infektion leiden, reduziert werden. Zu den weiteren Nebenwirkungen gehören außerdem eine Umverteilung des Fettgewebes mit dünnen Armen und Beinen, einem sogenannten Stiernacken und einem Vollmondgesicht, sowie eine Stammfettsucht, also vermehrter Fetteinlagerung am Körperstamm. Auch Akne, Osteoporose und Depressionen treten gehäuft bei Cortison auf.

Alternative Therapien

Neben der Kortisonbehandlung gibt es eine Reihe von alternativen Therapien, die bei eingeklemmten Nerven eingesetzt werden können. Die Wahl der Behandlungsmethode hängt von der Ursache, der Lokalisation und der Schwere der Beschwerden ab.

Konservative Behandlungen

  • Physiotherapie: Durch gezielte Übungen werden Muskelverspannungen gelöst, die Beweglichkeit verbessert und die stabilisierende Muskulatur gestärkt.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme entspannt verspannte Muskulatur und fördert die Durchblutung, während Kälte bei Entzündungen helfen kann.
  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend.
  • Manuelle Therapie: Die Atlastherapie kann helfen, den ersten Halswirbel in seine ursprüngliche Position zurückzubringen.
  • Akupunktur: Durch das Setzen von Nadeln an bestimmten Akupunkturpunkten können Schmerzen gelindert werden.
  • Massagen: Sie fördern die Durchblutung und lockern das Bindegewebe.

Operative Behandlungen

Ein operativer Eingriff wird erst erwogen, wenn konservative Therapien über einen angemessenen Zeitraum keinen Erfolg zeigen oder neurologische Ausfälle wie Lähmungen auftreten. Auch bei schweren Bandscheibenvorfällen mit akuter Nervenwurzelkompression kann eine zeitnahe Operation sinnvoll sein.

Mögliche operative Eingriffe sind:

  • Dekompression des Spinalkanals: Bei einer Spinalkanalstenose wird der Wirbelkanal erweitert, um den Druck auf die Nerven zu verringern.
  • Bandscheibenentfernung: Bei einem Bandscheibenvorfall kann ein Teil oder die gesamte Bandscheibe entfernt werden.
  • Nervenrekonstruktion: Bei Nervenverletzungen können die Nervenenden wieder verbunden oder eine Nerventransplantation durchgeführt werden.

Weitere alternative Therapien

  • Elektrotherapie: Elektrische Impulse werden zur Schmerzlinderung eingesetzt.
  • Biofeedback: Betroffene lernen, unbewusst ablaufende Prozesse des Körpers zu kontrollieren, um die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren.
  • Psychologische Betreuung: Nervenschmerzen können eine starke psychische Belastung sein, daher kann eine psychologische Behandlung sinnvoll sein.
  • Entspannungstechniken: Meditation, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können helfen, die Muskulatur zu entspannen und das Wohlbefinden zu steigern.

Prävention

Um einem eingeklemmten Nerv vorzubeugen, können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden:

  • Kräftigung der Rumpf- und Schultermuskulatur: Eine gut trainierte Muskulatur stabilisiert die Wirbelsäule und reduziert die Belastung auf die Nerven.
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Die Bildschirmhöhe, die Stuhleinstellung und die Positionierung von Tastatur und Maus sollten so angepasst werden, dass eine möglichst natürliche Körperhaltung eingenommen werden kann.
  • Vermeidung von Übergewicht: Übergewicht belastet die Wirbelsäule zusätzlich und beschleunigt degenerative Prozesse.
  • Stressmanagement: Psychische Belastungen führen häufig zu unbewussten Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, die Nervenkompressionen begünstigen können. Entspannungstechniken können helfen, die Muskulatur zu entspannen.
  • Regelmäßige Bewegung: Sport und Bewegung fördern die Durchblutung, stärken die Muskulatur und halten die Gelenke beweglich.

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