Die Alzheimer-Krankheit ist eine der häufigsten Ursachen für Demenz und stellt eine wachsende Herausforderung für die alternde Bevölkerung weltweit dar. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Alzheimer-Krankheit, beginnend mit ihrer Definition und den frühen Stadien, über die Wahrnehmung und den Umgang mit der Diagnose, bis hin zu Therapiezielen und -möglichkeiten.
Was ist die Alzheimer-Krankheit?
Die Alzheimer-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu einem allmählichen Abbau der geistigen (kognitiven) Fähigkeiten, einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung und Sprache. Alois Alzheimer beschrieb die Krankheit erstmals 1907 und sie wurde 1910 nach ihm benannt.
Frühe Stadien der Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit ist ein sehr langsamer Prozess, bei dem nach und nach in bestimmten Gebieten des Gehirns Nervenzellen und Nervenzellverbindungen zugrunde gehen. Sie beginnt viele Jahre vor dem Auftreten der charakteristischen Gedächtnisstörungen. Aus diesem Grund hat der Ausdruck „frühes Stadium“ unterschiedliche Bedeutungen. Einerseits kann damit der Beginn des Krankheitsprozesses gemeint sein, an dem er noch nicht klinisch in Erscheinung tritt. Andererseits kann man darunter die Phase der gering ausgeprägten Symptome verstehen. Dem folgenden Beitrag liegt die zuletzt genannt Auslegung zu Grunde.
Ein typisches Frühsymptom sind Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, das heißt, man kann sich an kurz zurückliegende Ereignisse nicht mehr erinnern. Weitere Symptome sind Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, Dinge zu planen und zu organisieren. Die Symptome entstehen ganz allmählich und heben sich anfangs kaum von Bagatellproblemen wie dem gelegentlichen Vergessen von Gesprächsinhalten oder dem Entfallen von Namen ab.
Wie Betroffene die Krankheit wahrnehmen
Die Wahrnehmung der Krankheit ist zu Beginn undeutlich. Aber die Häufung von Fehlleistungen und Pannen führt die meisten Patienten nach und nach zu der Einsicht, dass etwas nicht mehr stimmt. Diese verschwommene Erkenntnis ist oft mit Unsicherheit, Besorgnis, Angst oder Beschämung verbunden und mobilisiert Abwehrmechanismen wie Verleugnung, Vermeidung und Rückzug. Die Minderung der Leistungsfähigkeit und der Wandel im Verhalten fallen natürlich auch den Bezugspersonen auf, werden aber nicht selten als Unwille, Mangel an Selbstdisziplin oder gar Bosheit fehlgedeutet.
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Weil die Veränderungen weder von den Patienten selbst noch von ihren Angehörigen als Ausdruck einer Krankheit wahrgenommen werden, kommt es in der Regel lange Zeit nicht zur Vorstellung bei einem Arzt. Sie erfolgt typischerweise erst, wenn das weitere Fortschreiten der Auffälligkeiten unzweifelhaft zeigt, dass sie nicht mit der normalen Alterung zu erklären sind, oder wenn gefährliche Situationen auftreten.
Umgang mit der Diagnose
Die Eröffnung der Diagnose muss behutsam sowie mit Rücksicht auf das Informationsbedürfnis des Patienten erfolgen. Sie schafft Klarheit über die zuvor rätselhaften und missverständlichen Veränderungen der Leistungsfähigkeit und des Verhaltens, sie vermittelt dem Patienten und seinen Bezugspersonen die Gewissheit, mit den gegenwärtigen und künftigen Problemen nicht allein gelassen zu werden, und sie setzt das therapeutische Handeln in Gang. Die meisten Patienten fühlen sich durch eine korrekt durchgeführte Aufklärung erleichtert und können daraus Zuversicht schöpfen.
Erhaltene Fähigkeiten und Lebensqualität
Mit den heutigen Möglichkeiten lässt sich die Alzheimer-Krankheit zu einem Zeitpunkt feststellen, in dem zwar ihre Erkennungsmerkmale bereits vorliegen, die meisten Fähigkeiten und Eigenschaften der Betroffenen jedoch weitgehend unversehrt bleiben. Dazu zählen der Bestand an Wissen und Erfahrung, die Wahrnehmung der krankheitsbedingten Defizite, die Entscheidungskraft bezüglich der Gestaltung des eigenen Lebens, die Ausübung lebenslang gewohnter Tätigkeiten, das künstlerische Ausdrucksvermögen, das ästhetische Empfinden, das sittliche Urteil, die Begeisterung für die Natur, die sozialen Fertigkeiten und die Freude an körperlicher Betätigung. Selbst wenn dieser Zustand die Kriterien für die diagnostische Kategorie der „Demenz“ erfüllt, entspricht er keineswegs der wörtlichen Bedeutung dieses Begriffs („ohne Verstand“). Aus diesem Grund werden gegenwärtig Überlegungen angestellt, den Ausdruck durch einen neutralen Terminus zu ersetzen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, umweltbedingten und Lebensstilfaktoren eine Rolle spielt.
Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen
Im Gehirn von Menschen mit Alzheimer sammeln sich übermäßig viel Amyloid-beta zwischen den Gehirnzellen an und bildet kleinere, giftige Klumpen (Oligomere) und riesige Zusammenlagerungen (Plaques). Im Inneren der Gehirnzellen sorgt das Tau-Protein für die Stabilität und Nährstoffversorgung. Bei der Alzheimer-Krankheit ist das Tau-Protein chemisch so verändert, dass es seiner Funktion nicht mehr nachkommen kann. Die chemische Veränderung des Tau-Proteins bewirkt, dass es eine fadenförmige Struktur bildet.
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Obwohl schon Alois Alzheimer vor fast 120 Jahren Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn seiner Patientin Auguste Deter als Ursache der „Krankheit des Vergessens“ vermutete, gibt es bis heute keinen Beweis dafür. Auch weiß die Wissenschaft bis heute nicht, warum sich die Oligomere, Plaques und Fibrillen bilden. Zum Teil vermuten Forscherinnen und Forscher, dass die Ablagerungen ein Nebenprodukt anderer Vorgänge sein könnten, deren Ursachen noch nicht bekannt sind.
Gliazellen
Neben den Ablagerungen von Amyloid und Tau kommen Fehlfunktionen bestimmter Zellen als mögliche Auslöser der Alzheimer-Krankheit in Frage. Im Fokus stehen hier insbesondere die Gliazellen, die etwa 90 Prozent aller Gehirnzellen ausmachen. Aufgabe der Gliazellen ist es, die Nervenzellen im Gehirn zu schützen und zu unterstützen, damit die Signalübertragung - und damit unser Denken und Handeln - reibungslos funktioniert. An der Signalübertragung selbst sind Gliazellen nicht beteiligt.
Mikrogliazellen spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem unseres Gehirns. Wie eine Gesundheitspolizei sorgen sie dafür, dass schädliche Substanzen wie Krankheitserreger zerstört und abtransportiert werden. Astrozyten sind Gliazellen mit gleich mehreren wichtigen Aufgaben, unter anderem versorgen sie das Gehirn mit Nährstoffen, regulieren die Flüssigkeitszufuhr und helfen bei der Regeneration des Zellgewebes nach Verletzungen. Astrozyten stehen im Verdacht, an der Verbreitung der giftigen Amyloid-beta-Oligomere und Tau-Fibrillen beteiligt zu sein.
Weitere Risikofaktoren
- Alter: Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Mehr als 32 Prozent der Menschen über 85 Jahren haben Alzheimer.
- Genetische Faktoren: Ein familiärer Zusammenhang mit der Krankheit erhöht das Risiko erheblich. Seltene „deterministische Gene,“ darunter das Amyloid-Vorläuferprotein (APP), Presenilin-1 (PS1) und Presenilin-2 (PS2), können eine Alzheimer-Erkrankung direkt verursachen oder dazu beitragen. APOE-e4, eine Form des Apolipoprotein-E-Gens auf Chromosom 19, erhöht das Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken.
- Lebensstilfaktoren: Hoher Blutdruck und Übergewicht erhöhen das Risiko für Gefäßschädigungen und eine verminderte Durchblutung des Gehirns.
Diagnose der Alzheimer-Krankheit
Die frühzeitige Diagnose der Alzheimer-Krankheit ist entscheidend, um die besten Behandlungsmöglichkeiten und Unterstützung bereitzustellen. Die Diagnose der früh einsetzenden Alzheimer-Krankheit kann jedoch eine Herausforderung sein, da die Symptome mit anderen Ursachen wie Stress in Verbindung gebracht werden können.
Diagnoseverfahren
- Klinische Untersuchung: Der Arzt beurteilt die kognitiven Fähigkeiten, das Gedächtnis, die Orientierung und das Verhalten des Patienten.
- Neuropsychologische Tests: Diese Tests helfen, spezifische kognitive Defizite zu identifizieren und den Schweregrad der Beeinträchtigung zu bestimmen.
- Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) können helfen, andere Ursachen für Demenz auszuschließen und Veränderungen im Gehirn zu erkennen. Die Magnetresonanztomographie (MRT) und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) können abgelagertes Amyloid sichtbar machen. Eine Methode zur Darstellung von Tau-Ablagerungen befindet sich in der Entwicklung.
- Liquoruntersuchung: Die Analyse des Nervenwassers kann Hinweise auf Amyloid- und Tau-Pathologie liefern. Die Liquor-Konzentration von dem Peptid Aβ42 ist beim Vorliegen zerebraler Amyloid-Plaques erniedrigt. Das Tau-Protein und phosphorylierte Varianten (pTau) steigen bei der Alzheimer-Krankheit im Liquor an.
- Bluttests: In der jüngsten Forschung wurden vielversprechende Bluttests entwickelt, die Proteine im Blut identifizieren können, die mit Alzheimer in Verbindung stehen.
Therapie und Behandlungsmöglichkeiten
Gegenwärtig gibt es keine Heilung für Alzheimer, aber eine frühzeitige Diagnose kann dazu beitragen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Da die früh einsetzende Alzheimer-Krankheit auch Menschen in einem vergleichsweise jüngeren Alter betrifft, kann die Bewältigung der Symptome eine besondere Herausforderung darstellen. Eine altersgerechte Unterstützung ist entscheidend.
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Ziele der Therapie
Auf die Frage nach den wichtigsten Bedürfnissen geben Patienten im frühen Stadium übereinstimmend zur Antwort, dass die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit, die Möglichkeit von Aktivität und Teilhabe am Leben, das emotionale Wohlbefinden und die Wahrung der zwischenmenschlichen Bindungen überragende Bedeutung haben. Diese persönlichen Ziele sind die Richtschnur der Therapie.
Medikamentöse Behandlung
Die gegenwärtig verfügbaren Antidementiva verzögern das Fortschreiten der Symptome um mehrere Monate. Um ein möglichst hohes Maß an Leistungspotenzialen und Lebensqualität aufrecht zu erhalten, müssen sie möglichst unverzüglich eingesetzt werden, sobald die Diagnose der Alzheimer-Krankheit feststeht. Die in Leitlinien empfohlenen pharmakologischen Therapien der Alzheimer-Demenz wirken über die Stimulation des acetylcholinergen (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin) oder über die Modulation des glutamatergen Systems (Memantin). Beide Wirkmechismen sind nicht spezifisch gegen die Alzheimer-Pathologie gerichtet. Ein großer Teil der sich in Entwicklung befindlichen Medikamente richtet sich jedoch spezifisch gegen Amyloid- beziehungsweise Tau-Aggregate mit dem Ziel, den neurodegenerativen Prozess aufzuhalten (Krankheitsmodifikation).
Nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren
Ergänzend sollten nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren mit nachgewiesener Wirksamkeit zur Anwendung kommen. Zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit dient die Verwendung von Gedächtnishilfen, die Einführung von Routinen in den Alltag und die Vereinfachung der täglichen Abläufe. Das Training von praktischen Problemlösungen kann die Eigenständigkeit fördern und die Lebensqualität erhöhen. Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert nicht nur die Fitness und beugt der Gebrechlichkeit vor, sondern steigert die Hirnleistung und dient dem Wohlbefinden. Die Teilnahme an Patientenselbsthilfegruppen vermittelt Rückhalt und kann wichtige Anregungen geben.
Beratung und Unterstützung von Bezugspersonen
Ein unentbehrlicher Bestandteil der Therapie ist schon im frühen Stadium die Beratung der Bezugspersonen. Sie können lernen, ungewollte Kränkungen und fruchtlose Auseinandersetzungen zu vermeiden, erhaltene Fähigkeiten der Patienten zu erkennen und zu nutzen, ihre Aktivität und Teilhabe am Leben zu fördern und sie in gemeinsame Unternehmungen einzubeziehen.
Vorbereitung auf die Zukunft
Die Diagnose einer früh einsetzenden Alzheimer-Krankheit kann beängstigend sein, aber die Vorbereitung auf die Zukunft ist von entscheidender Bedeutung.
- Bildung: Informieren Sie sich über Alzheimer und den Verlauf der Krankheit.
- Zukünftige Pflegekosten: Schätzen Sie die Kosten für medizinische und pflegerische Versorgung ab.
- Einkommensverluste: Überlegen Sie, ob und wie lange Sie arbeiten können.
Die Alzheimer-Krankheit im globalen Kontext
Die Alzheimer-Krankheit hat sich von einem Randphänomen zu einem weltweiten Gesellschaftsproblem entwickelt.
Prävalenz und Kosten
Im Jahr 2019 litten weltweit schätzungsweise 55 Millionen Menschen an Demenz. Laut WHO wird diese Zahl bis 2050 voraussichtlich auf 139 Millionen ansteigen. Die jährlichen Kosten für Demenz beliefen sich 2019 auf 1,3 Billionen US-Dollar. Bis 2030 dürfte sich dieser Wert auf 2,8 Billionen US-Dollar mehr als verdoppeln.
Regionale Unterschiede
Ein Großteil des Anstiegs der Demenzfälle kann eindeutig auf Entwicklungsländer zurückgeführt werden. Während 2010 etwas mehr als die Hälfte (57,7 Prozent) aller Menschen mit Demenz in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen lebten, prognostiziert die ADI bis 2030 einen Anstieg auf 63,4 Prozent und bis 2050 auf 70,5 Prozent.
Forschung und Entwicklung
Überall auf der Welt arbeiten Forscherinnen und Forscher daran, Antworten darauf zu finden, wie Alzheimer entsteht, wie es verhindert oder geheilt werden kann. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Biomarkern, die eine frühzeitige Diagnose und eine gezielte Therapie ermöglichen.
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