Einführung
Erkrankungen der Myelin Fasern, auch bekannt als demyelinisierende Erkrankungen, umfassen eine Gruppe von neurologischen Störungen, die durch Schädigung der Myelinscheide gekennzeichnet sind. Die Myelinscheide ist eine isolierende Schicht, die die Nervenfasern (Axone) umgibt und für die schnelle und effiziente Übertragung von Nervenimpulsen unerlässlich ist. Schäden an der Myelinscheide können zu einer Verlangsamung oder Blockierung der Nervenimpulsleitung führen, was eine Vielzahl von neurologischen Symptomen verursacht.
Ursachen von Myelin Fasern Erkrankungen
Die Ursachen für Myelin Fasern Erkrankungen sind vielfältig und können in folgende Kategorien eingeteilt werden:
- Autoimmunerkrankungen: Bei Autoimmunerkrankungen greift das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Strukturen an, einschließlich der Myelinscheide. Ein bekanntes Beispiel ist die Multiple Sklerose (MS).
- Infektionen: Bestimmte virale oder bakterielle Infektionen können zu einer Entzündung und Schädigung der Myelinscheide führen.
- Genetische Faktoren: Einige Myelin Fasern Erkrankungen sind erblich bedingt und werden durch Mutationen in Genen verursacht, die für die Bildung oder Funktion der Myelinscheide verantwortlich sind.
- Stoffwechselstörungen: Stoffwechselstörungen wie Vitamin-B12-Mangel können die Myelinscheide schädigen.
- Toxische Substanzen: Die Exposition gegenüber bestimmten toxischen Substanzen kann die Myelinscheide schädigen.
- Unbekannte Ursachen: In einigen Fällen bleibt die Ursache für Myelin Fasern Erkrankungen unbekannt.
Multiple Sklerose (MS)
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), also der Nervenstrukturen im Gehirn und Rückenmark. Bei MS greift das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheide an, was zu Entzündungen und Schäden führt. Die genauen Ursachen der MS sind bisher nicht geklärt, aber es wird angenommen, dass genetische Faktoren, bestimmte Infektionen im Kindes- und Jugendalter (z. B. das Epstein-Barr-Virus), Vitamin-D-Mangel, Rauchen, Übergewicht und Luftverschmutzung eine Rolle spielen können.
Chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP)
CIDP ist eine langsam verlaufende und andauernde Nervenerkrankung, bei der es durch entzündliche Reaktionen zum Abbau der Ummantelung der Nervenfasern kommt. Folge ist eine Störung der Signalweiterleitung in den Nerven. Der „Angreifer“ der Nerven ist das körpereigene Immunsystem, das bei einer Autoimmunerkrankung nicht mehr zuverlässig zwischen „eigen“ und „fremd“ unterscheiden kann. Es zerstört daher fälschlicherweise auch körpereigene Zellen. Bei CIDP betrifft das die Nervenfaserummantelungen und teilweise auch die Nervenfasern selbst.
Funikuläre Myelose
Die Schädigung des Rückenmarks wird durch einen Mangel an Vitamin B12 verursacht. Dieser führt zu einer Zerstörung der Nervenschutzschicht (Myelin) mit Vernarbung. Dadurch geht die Leitfähigkeit der betroffenen Rückenmarksstränge verloren.
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Symptome von Myelin Fasern Erkrankungen
Die Symptome von Myelin Fasern Erkrankungen sind vielfältig und hängen von der Lokalisation und dem Ausmaß der Myelinscheideschädigung ab. Häufige Symptome sind:
- Sehstörungen: Verschwommenes Sehen, Doppeltsehen, Sehausfälle, Schmerzen bei Augenbewegung
- Missempfindungen: Taubheitsgefühl, Kribbeln, Brennen, Schmerzen
- Muskelschwäche: Lähmungen, Koordinationsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Gangunsicherheit
- Erschöpfung: Müdigkeit, Fatigue
- Kognitive Beeinträchtigungen: Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen
- Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen von Sprache
- Blasen- und Darmstörungen: Inkontinenz, Verstopfung
Symptome der Multiplen Sklerose
MS-Symptome sind sehr vielfältig und zeigen sich bei jedem betroffenen Menschen anders. Denn je nachdem, an welchen Nerven des Gehirns oder Rückenmarks die Entzündungen an den Nerven sitzen, unterscheiden sich die Art und Schwere der Symptome, die sich zudem im Verlauf der Krankheit verändern können. Das ist ein Grund, weshalb MS die Krankheit der tausend Gesichter genannt wird. Erste Anzeichen, die viele Multiple-Sklerose-Patientinnen und -Patienten bemerken, sind: Sehstörungen, Missempfindungen, Lähmungen, Koordinationsstörungen, Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten.
Symptome der CIDP
Typische Anzeichen sind Kribbeln, Taubheitsgefühle, Gangunsicherheit oder Muskelschwäche.
Symptome der funikulären Myelose
Der Vitamin-B12-Mangel schädigt Bahnsysteme des Hals- und Brust-Rückenmarks, die für den Input und Output von Nervenimpulsen benötigt werden. Zusätzlich können sich eine spastische Lähmung, Blasen- und Mastdarmstörungen sowie eine Impotenz entwickeln.
Diagnose von Myelin Fasern Erkrankungen
Die Diagnose von Myelin Fasern Erkrankungen kann eine Herausforderung sein, da die Symptome oft unspezifisch sind und sich mit denen anderer neurologischer Erkrankungen überschneiden können. Die Diagnose basiert in der Regel auf einer Kombination aus:
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- Klinischer Untersuchung: Beurteilung der neurologischen Symptome und Funktionen
- Magnetresonanztomographie (MRT): Bildgebung des Gehirns und Rückenmarks, um Läsionen (Entzündungsherde) in der Myelinscheide sichtbar zu machen.
- Nervenwasseruntersuchung (Lumbalpunktion): Analyse des Nervenwassers, um Entzündungszeichen oder andere Auffälligkeiten festzustellen.
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um die Funktion der Nervenfasern zu beurteilen.
- Blutuntersuchungen: Zum Ausschluss anderer Erkrankungen und zur Bestimmung des Vitamin-B12-Spiegels.
Diagnose der Multiplen Sklerose
Um Multiple Sklerose eindeutig festzustellen, schließen Neurologinnen und Neurologen zunächst andere Erkrankungen aus, die MS-ähnliche Symptome hervorrufen können. Dazu zählen beispielsweise Migräne und psychische Störungen. Um eine MS festzustellen oder auszuschließen, helfen unterschiedliche Untersuchungen: Magnetresonanztomografie (MRT), Blutuntersuchung, Nervenwasseruntersuchung und Nervenvermessung.
Diagnose der CIDP
Eine CIDP zu erkennen ist nicht einfach. Hier erfahren Sie, welche Untersuchungen Klarheit schaffen können.
Diagnose der funikulären Myelose
Der Verdacht auf einen Vitamin-B12-Mangel ergibt sich aus Veränderungen des Blutbilds.
Behandlung von Myelin Fasern Erkrankungen
Die Behandlung von Myelin Fasern Erkrankungen zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlungsmöglichkeiten variieren je nach Art und Schwere der Erkrankung und können umfassen:
- Medikamentöse Therapie:
- Immunsuppressiva: Zur Unterdrückung des Immunsystems bei Autoimmunerkrankungen wie MS oder CIDP.
- Entzündungshemmende Medikamente: Zur Reduzierung von Entzündungen im ZNS.
- Symptomatische Medikamente: Zur Linderung spezifischer Symptome wie Schmerzen, Spastik, Fatigue oder Blasenstörungen.
- Vitamin B12-Injektionen: Bei funikulärer Myelose aufgrund von Vitamin-B12-Mangel.
- Physiotherapie: Zur Verbesserung der Muskelkraft, Koordination, Balance und Beweglichkeit.
- Ergotherapie: Zur Anpassung des Lebensumfelds und zur Erlernung von Strategien zur Bewältigung von Alltagsaktivitäten.
- Logopädie: Zur Verbesserung der Sprach- und Schluckfunktion.
- Psychotherapie: Zur Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung und zur Behandlung von psychischen Problemen wie Depressionen oder Angstzuständen.
- Plasmapherese/Immunadsorption: Dabei werden bestimmte Bestandteile aus dem Blut der MS-Betroffenen gefiltert, die bei Entzündungsprozessen eine Rolle spielen.
Behandlung der Multiplen Sklerose
Da die Symptome und Verläufe bei allen Betroffenen unterschiedlich sind, gibt es auch keine Multiple-Sklerose-Therapie, die für alle funktioniert. Die Behandlung setzt sich daher aus unterschiedlichen Therapieformen zusammen, die auf die Betroffenen abgestimmt werden. Medikamentöse Therapie bei Multipler Sklerose: Damit sich akute MS-Schübe schneller zurückbilden, wird in der Regel entzündungshemmendes Cortison eingesetzt, entweder in Tablettenform oder als Infusion in eine Vene. Zusätzlich stehen Immuntherapien zur Verfügung, die das Immunsystem verändern oder dämpfen. Dadurch können sie den Krankheitsverlauf verlangsamen und abmildern sowie MS-Schübe dämpfen. Haben die Medikamente nicht die gewünschte Wirkung und drohen daher bei einem akuten Schub bleibende Schäden, kann eine sogenannte Blutwäsche (Plasmapherese beziehungsweise Immunadsorption) zum Einsatz kommen. Behandlung der Symptome: Manches MS-Symptome können den Alltag der Betroffenen einschränken. Gezielte Therapien helfen, die Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu verhindern. Anpassung des Lebensstils: Multiple-Sklerose-Patientinnen und -Patienten können durch einen gesunden und ausgewogenen Lebensstil zu einem gewissen Grad selbst den Verlauf ihrer Erkrankung und die Stärke ihrer Symptome beeinflussen.
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Behandlung der CIDP
CIDP ist bei den meisten Menschen gut behandelbar. Erfahren Sie hier mehr über die verschiedenen Therapieansätze und ihre Wirkungsweisen.
Behandlung der funikulären Myelose
Vitamin B12 muss meist per Spritze gegeben werden. Die Injektion muss anfangs täglich und später, nach Auffüllung der körpereigenen Vitamin-B12-Speicher, monatlich erfolgen.
Forschung und Ausblick
Die Forschung im Bereich der Myelin Fasern Erkrankungen konzentriert sich auf das Verständnis der Ursachen und Mechanismen dieser Erkrankungen, die Entwicklung neuer Therapien zur Förderung der Remyelinisierung (Reparatur der Myelinscheide) und zur Verhinderung des Fortschreitens der Erkrankung. Es gibt vielversprechende Ansätze in der Entwicklung von Medikamenten, die das Immunsystem gezielter modulieren, die Remyelinisierung fördern oder die Nervenfasern vor Schäden schützen können.