Eisen ist ein essentielles Spurenelement, das eine entscheidende Rolle bei zahlreichen Körperfunktionen spielt. Besonders bekannt ist seine Bedeutung für die Bildung des Hämoglobins, des Sauerstoffträgers im Blut. Ein Eisenmangel kann zu vielfältigen Beschwerden führen, die oft unspezifisch sind und daher nicht immer sofort erkannt werden. In bestimmten Fällen kann eine Eiseninfusion notwendig sein, um den Mangel schnell und effektiv auszugleichen. Dieser Artikel beleuchtet die Eiseninfusion im Zusammenhang mit der Schilddrüse, ihre potenziellen Nebenwirkungen und gibt wichtige Informationen für Betroffene.
Eisenmangel: Ursachen, Symptome und Diagnose
Eisenmangel gehört zu den häufigsten Mangelerscheinungen, insbesondere bei Frauen im gebärfähigen Alter. In Europa sind etwa 5-10% der Bevölkerung von einer Eisenmangelanämie betroffen, bei Frauen im gebärfähigen Alter sogar bis zu 20%.
Ursachen für Eisenmangel
Verschiedene Faktoren können zu einem Eisenmangel führen:
- Äußere Faktoren: Stärkere Menstruationsblutungen, Endometriose, Uterusmyome, Operationen mit hohem Blutverlust, Schwangerschaft und Stillzeit.
- Innere Faktoren: Chronische Erkrankungen, Resorptionsstörungen im Magen-Darm-Trakt, Autoimmunerkrankungen, Tumorerkrankungen.
- Ernährung: Unzureichende Zufuhr von Eisen über die Nahrung, insbesondere bei vegetarischer oder veganer Ernährung.
- Leistungssport: Erhöhter Eisenbedarf durch intensives Training.
Symptome eines Eisenmangels
Die Symptome eines Eisenmangels sind vielfältig und oft unspezifisch. Dazu gehören:
- Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit
- Kopfschmerzen und Schwindel
- Atemnot bei Belastung und schneller Puls
- Rissige Haut, brüchige Fingernägel und eingerissene Mundwinkel
- Haarausfall
- Infektanfälligkeit
- Konzentrationsstörungen und depressive Verstimmungen
- Restless-Legs-Syndrom und Schlafstörungen
Diagnose von Eisenmangel
Zur Diagnose eines Eisenmangels sind verschiedene Laboruntersuchungen erforderlich:
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- Hämoglobinwert: Verminderter Gehalt an rotem Blutfarbstoff kann auf eine Eisenmangelanämie hinweisen.
- Ferritinspiegel: Gibt Auskunft über die Eisenspeicher im Körper. Ein niedriger Ferritinwert deutet auf einen Eisenmangel hin.
- Löslicher Transferrinrezeptor: Hilft bei der Beurteilung des Eisenstatus bei Entzündungen.
- Transferrinsättigung: Zeigt, wie viel Eisen an Transferrin gebunden ist.
- Sensitives CRP: Hilft Entzündungen zu erkennen, die die Eisenwerte beeinflussen können.
Es ist wichtig zu beachten, dass ein einzelner Laborwert nicht ausreichend ist, um einen Eisenmangel zu diagnostizieren. Die Gesamtbetrachtung aller Werte in Zusammenschau mit der Symptomatik des Patienten ist entscheidend.
Stadien des Eisenmangels
Man unterscheidet verschiedene Stadien des Eisenmangels:
- Latenter Eisenmangel: Speichereisen vermindert, Blutbild noch normal, unspezifische Symptome.
- Manifester Eisenmangel: Eisenspeicher geleert, Blutbildveränderungen, deutliche Symptome (Blutarmut).
- Funktioneller Eisenmangel: Eisenspeicher gefüllt, Eisen kann nicht verwertet werden.
Eisen und die Schilddrüse
Eisen spielt eine wichtige Rolle für die Schilddrüsenfunktion. Zwei von drei Schritten in der Herstellung von Schilddrüsenhormonen sind eisenabhängig. Das bedeutet, dass ein Eisenmangel die Schilddrüsenhormonproduktion beeinträchtigen kann, selbst wenn andere Faktoren wie Selen, Jod und Tyrosin ausreichend vorhanden sind.
Therapie des Eisenmangels: Ernährung, Tabletten und Infusionen
Die Therapie des Eisenmangels richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß des Mangels.
Ernährungsumstellung
Ein leichter, ernährungsbedingter Eisenmangel lässt sich prinzipiell durch den Konsum eisenreicher Nahrungsmittel ausgleichen. Besonders reich an Eisen sind:
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- Rotes Fleisch (insbesondere Leber und Blutwurst)
- Eigelb
- Weizenkleie, Hirse und Weizenkeime
- Kürbiskerne und Pinienkerne
- Hülsenfrüchte (Sojabohnen, Bohnen, Linsen, Kichererbsen)
- Tofu
- Schwarzwurzeln und Spinat
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Aufnahmekapazität des Darms für Eisen beschränkt ist. Eisen aus Fleisch wird deutlich besser verwertet als Eisen aus pflanzlichen Quellen. Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme, während Kaffee, Tee und Milch die Aufnahme hemmen können.
Eisentabletten
Bei ausgeprägten Symptomen oder unzureichender Besserung durch Ernährungsumstellung kann Eisen in Form von Tabletten zugeführt werden. Es gibt zwei- und dreiwertige Eisenpräparate. Zweiwertige Eisenpräparate werden in der Regel besser aufgenommen, verursachen aber häufiger Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit oder Verstopfung. Die Einnahme sollte nicht zusammen mit Kaffee oder Milch erfolgen, da diese die Eisenaufnahme hemmen.
Eiseninfusion
Wenn eine schnelle Aufsättigung mit Eisen gewünscht ist, orale Eisenpräparate nicht vertragen werden oder ungenügend wirksam sind, ist die Verabreichung von Eiseninfusionen sinnvoll.
Indikationen für eine Eiseninfusion
- Ausgeprägter Eisenmangel mit deutlichen Symptomen
- Unverträglichkeit von Eisentabletten
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- Resorptionsstörungen im Magen-Darm-Trakt
- Notwendigkeit einer schnellen Auffüllung der Eisenspeicher (z.B. vor Operationen oder in der Schwangerschaft)
Ablauf einer Eiseninfusion
Vor einer Eiseninfusion erfolgt eine gründliche Anamnese und eine Laboruntersuchung, um den Eisenbedarf zu berechnen. Die Infusion wird in der Regel ambulant in einer Arztpraxis oder einem Eisenkompetenzzentrum durchgeführt. Je nach Präparat und Bedarf dauert die Infusion 15-45 Minuten. Nach der Infusion sollte der Patient noch einige Zeit unter Beobachtung bleiben, um eventuelle Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Eisenpräparate für Infusionen
Früher wurden Eiseninfusionen häufig mit Eisen-Dextran durchgeführt, was jedoch mit einem hohen Risiko für anaphylaktische Reaktionen verbunden war. Heutzutage werden modernere Präparate wie Eisencarboxymaltose (Ferinject®) oder Eisen-III-Saccharose verwendet, die besser verträglich sind.
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Dosierung und Häufigkeit der Eiseninfusionen
Die Dosierung und Häufigkeit der Eiseninfusionen richtet sich nach dem individuellen Eisenbedarf. Dieser wird anhand des Körpergewichts, des Hämoglobinwertes und des Ferritinspiegels berechnet. In der Regel sind mehrere Infusionen im Abstand von einigen Tagen oder Wochen erforderlich, um die Eisenspeicher vollständig aufzufüllen.
Nebenwirkungen von Eiseninfusionen
Obwohl Eiseninfusionen in der Regel gut vertragen werden, können in seltenen Fällen Nebenwirkungen auftreten.
Häufige Nebenwirkungen
- Müdigkeit
- Kopfschmerzen
- Metallischer Geschmack im Mund
- Leichte Rötung an der Einstichstelle
Seltene Nebenwirkungen
- Übelkeit
- Schwindel
- Hitzewallungen
- Allergische Reaktionen (bis hin zum anaphylaktischen Schock)
- Erhöhtes Risiko für Infektionen
Besondere Vorsicht bei bestimmten Erkrankungen
Bei bestimmten Erkrankungen ist bei der Gabe von Eiseninfusionen besondere Vorsicht geboten:
- Allergien
- Immunologische Erkrankungen (SLE, rheumatoide Arthritis)
- Schweres Asthma
- Bestimmte Bluterkrankungen (Eisenüberladung, chronische Hämolysen, Thalassämie)
Eiseninfusion und Hypoparathyreoidismus
Einige Patienten mit Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenunterfunktion) haben nach Eiseninfusionen über Kopfschmerzen, Schwindel, Kribbeln und Muskelzuckungen berichtet. Es ist möglich, dass diese Symptome durch das Eisenpräparat selbst verursacht werden oder durch eine Beeinflussung des Calciumstoffwechsels. Es ist wichtig, dass Patienten mit Hypoparathyreoidismus ihren Calciumspiegel regelmäßig kontrollieren lassen und bei Auftreten von Beschwerden nach einer Eiseninfusion ihren Arzt informieren.
Eisenüberladung
Eine zu hohe Eisenzufuhr bzw. eine Eisenüberversorgung kann zu einer gesteigerten Belastung des Körpers mit freien Radikalen führen. Bei einer Eisenüberladung sammelt sich das Eisen in der Leber an und kann dort zu Funktionsstörungen führen.
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