Die Multiple Sklerose (MS) ist eine komplexe Erkrankung, die oft mit Spastik, Schmerzen und anderen neurologischen Symptomen einhergeht. Die Therapie der MS ist vielschichtig und umfasst sowohl schulmedizinische als auch komplementäre Ansätze. In den letzten Jahren hat sich die Alpha-Liponsäure (ALA) als vielversprechendes Antioxidans und Therapeutikum bei verschiedenen Erkrankungen, einschließlich MS, herauskristallisiert. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Vorteile von Alpha-Liponsäure bei der Behandlung von Spastik und anderen Beschwerden im Zusammenhang mit MS.
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Akupunktur bei MS
Bevor wir uns der Alpha-Liponsäure zuwenden, ist es wichtig, andere alternative Therapieansätze zu erwähnen, die bei MS eingesetzt werden. Die Akupunktur, ein Hauptzweig der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), wird seit Jahrtausenden praktiziert. Sie basiert auf dem Prinzip, dass das Gleichgewicht der Lebensenergie (Qi) im Körper für die Gesundheit entscheidend ist. Bei einer Störung des Energieflusses können Krankheiten entstehen. Durch das Setzen von Nadeln an spezifischen Akupunkturpunkten auf den Meridianen soll das Qi reguliert und das Gleichgewicht wiederhergestellt werden.
Obwohl die Akupunktur im Westen seit 1979 von der WHO als Behandlungsmethode anerkannt ist, insbesondere bei chronischen Schmerzen und vegetativen Regulationsstörungen, wird sie bei MS oft in Kombination mit anderen TCM-Methoden wie Bewegungs- oder Ernährungstherapie angewendet. Es ist wichtig zu beachten, dass die Akupunkturbehandlung in vielen Ländern nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird, außer bei bestimmten Krankheitsbildern wie chronischem Lendenwirbelsyndrom und Kniegelenksarthrose.
Ganzheitliche Therapieansätze bei MS
In der ganzheitlichen MS-Therapie werden verschiedene Methoden kombiniert, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und die Symptome zu lindern. Dazu gehören:
- Ernährungstherapie: Eine gesunde Ernährung mit einem hohen Anteil an frischen, naturbelassenen Lebensmitteln ist ein wichtiger Bestandteil der MS-Therapie. Die Haysche Trennkost, die auf dem Prinzip der Vermeidung von Übersäuerung basiert, kann dabei hilfreich sein.
- Bewegungstherapie: Individuell angepasste Bewegungstherapie, Krankengymnastik, Massagen und Bäder können die körperliche Funktion verbessern und die Spastik reduzieren.
- Pflanzenheilkunde: Johanniskraut, Schafgarbe, Mistel und andere Heilpflanzen können je nach Verlauf der Krankheit zur Linderung von Symptomen eingesetzt werden.
- Vitamin- und Mineralstoffsubstitution: Die gezielte Einnahme von Vitamin D, Vitamin C, Vitamin E, Coenzym Q10, Alpha-Liponsäure, Zink und Calcium kann den Körper unterstützen und die Schubrate reduzieren.
- Darmsanierung: Der Aufbau einer gesunden Darmflora durch eine angepasste Ernährung und die Einnahme von Probiotika kann das Immunsystem modulieren und Entzündungen reduzieren.
- Elektroneuraltherapie nach Croon: Diese Methode basiert auf der Behandlung von Akupunkturpunkten an der Körperoberfläche und soll die gestörten energetischen Verhältnisse normalisieren.
- Neuraltherapie nach Huneke: Durch die Injektion von Procain in Akupunkturpunkte können Störfelder ausgeschaltet und aktuelle Beschwerden gezielt behandelt werden.
- Yamamoto Neue Schädelakupunktur: Diese Methode basiert auf der Annahme, dass bestimmte Punkte auf der Schädeloberfläche mit den Organen und Körperfunktionen in Verbindung stehen.
Es ist wichtig zu betonen, dass die MS-Therapie immer individuell auf den Patienten zugeschnitten sein sollte und dass die genannten Methoden in Kombination mit der schulmedizinischen Behandlung angewendet werden können.
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Alpha-Liponsäure: Ein vielseitiges Antioxidans
Die Alpha-Liponsäure (ALA) ist ein natürlich vorkommendes Antioxidans, das in jeder Zelle des Körpers vorhanden ist. Sie spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel und schützt die Zellen vor Schäden durch freie Radikale. ALA ist sowohl wasser- als auch fettlöslich, was ihr ermöglicht, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und ihre Wirkung im gesamten Organismus zu entfalten.
Wirkungsweise der Alpha-Liponsäure
ALA hat eine Vielzahl von positiven Wirkungen auf den Körper:
- Antioxidative Wirkung: ALA macht freie Radikale unschädlich und regeneriert andere Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E und Glutathion.
- Entzündungshemmende Wirkung: ALA reduziert Entzündungen im Körper, die eine wichtige Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten von MS spielen.
- Neuroprotektive Wirkung: ALA schützt die Nervenzellen vor Schäden durch oxidative Stress und Entzündungen.
- Verbesserung der Insulinempfindlichkeit: ALA erhöht die Aufnahme von Glukose in die Zellen und verbessert die Glukosetoleranz, was besonders für Diabetiker von Bedeutung ist.
- Entgiftende Wirkung: ALA hilft beim Abbau von Schwermetallen im Körper.
- Unterstützung der Leberfunktion: ALA fördert die Entgiftungsprozesse in der Leber und schützt sie vor Schäden.
Alpha-Liponsäure bei MS
Aufgrund ihrer vielfältigen Wirkungen wird ALA zunehmend als unterstützende Therapie bei MS eingesetzt. Studien haben gezeigt, dass ALA folgende positive Effekte bei MS haben kann:
- Reduktion von Entzündungen: ALA kann Entzündungen im Gehirn und Rückenmark reduzieren, was zu einer Verlangsamung des Krankheitsfortschritts führen kann.
- Schutz der Nervenzellen: ALA kann die Nervenzellen vor Schäden durch freie Radikale und Entzündungen schützen, was die neurologischen Funktionen verbessern kann.
- Verbesserung der Spastik: ALA kann die Muskelentspannung fördern und die Spastik reduzieren, was die Beweglichkeit und Lebensqualität der Patienten verbessern kann.
- Linderung von Schmerzen: ALA kann neuropathische Schmerzen lindern, die häufig bei MS auftreten.
- Verbesserung der kognitiven Funktionen: ALA kann die Gedächtnisleistung und andere kognitive Funktionen verbessern, die bei MS beeinträchtigt sein können.
Studienlage zu Alpha-Liponsäure bei MS
Obwohl die Forschung zu ALA bei MS noch begrenzt ist, gibt es einige vielversprechende Studien:
- Eine Studie aus dem Jahr 2005 zeigte, dass ALA die Progression der MS bei Patienten mit schubförmig-remittierender MS verlangsamen kann.
- Eine weitere Studie aus dem Jahr 2012 ergab, dass ALA die Fatigue bei MS-Patienten reduzieren kann.
- Eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigte, dass ALA die Lebensqualität von MS-Patienten verbessern kann.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass weitere Studien erforderlich sind, um die Wirksamkeit und Sicherheit von ALA bei MS abschließend zu beurteilen.
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Anwendung und Dosierung von Alpha-Liponsäure
ALA ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Kapseln, Tabletten und Infusionen. Die Dosierung von ALA bei MS variiert je nach individuellem Bedarf und Schweregrad der Erkrankung. In der Regel werden Dosierungen zwischen 600 mg und 1800 mg pro Tag empfohlen. Es ist ratsam, die Einnahme von ALA mit einem Arzt oder Therapeuten zu besprechen, um die optimale Dosierung und Anwendungsform zu bestimmen.
Nebenwirkungen von Alpha-Liponsäure
ALA ist im Allgemeinen gut verträglich. In seltenen Fällen können jedoch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder allergische Reaktionen auftreten. Bei intravenöser Verabreichung können Juckreiz, Hautrötungen, Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Störungen der Blutgerinnung auftreten. Es ist wichtig, bei Auftreten von Nebenwirkungen einen Arzt zu konsultieren.
Palmitoylethanolamid (PEA): Eine weitere Option zur Schmerzlinderung
Neben der Alpha-Liponsäure gibt es noch weitere natürliche Substanzen, die bei MS-bedingten Beschwerden eingesetzt werden können. Palmitoylethanolamid (PEA) ist eine körpereigene Fettsäureamid, die entzündungshemmende, schmerzlindernde und neuroprotektive Eigenschaften besitzt. PEA wirkt, indem es die Überaktivität von Immunzellen reduziert, die Nervenzellen schützt und das Endocannabinoid-System moduliert.
PEA kann bei verschiedenen Arten von Schmerzen eingesetzt werden, darunter neuropathische Schmerzen, Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und Fibromyalgie. Es ist im Allgemeinen gut verträglich und hat nur wenige Nebenwirkungen.
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