Chronischer Pruritus, Ekzeme und neuropathische Schmerzen können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze dieser komplexen Beschwerden, um ein umfassendes Verständnis zu ermöglichen.
Einführung in Ekzeme und Pruritus
Ekzeme sind entzündliche, nicht ansteckende Hautausschläge, die sich durch Rötungen, Juckreiz und Knötchenbildung äußern. Chronischer Pruritus, ein anhaltender Juckreiz, kann vielfältige Ursachen haben, darunter auch neuropathische. Neuropathische Schmerzen, auch als Nervenschmerzen bekannt, entstehen durch Schädigung oder Fehlfunktion des Nervensystems.
Ursachen von Ekzemen
Ekzeme werden in exogene und endogene Kategorien unterteilt:
- Exogene Ekzeme (Kontaktekzeme): Werden durch allergische Reaktionen auf Substanzen wie Nickel, Duftstoffe oder bestimmte Pflanzen ausgelöst.
- Endogene Ekzeme: Das atopische Ekzem (Neurodermitis) ist das häufigste endogene Ekzem, das oft in Schüben verläuft und mit anderen atopischen Erkrankungen wie Asthma oder Heuschnupfen einhergehen kann.
Ursachen von chronischem Pruritus
Chronischer Pruritus kann verschiedene Ursachen haben:
- Dermatologische Ursachen: Atopische Dermatitis, Kontaktdermatitis, Psoriasis, Urtikaria, Lichen ruber, Candidiasis und Skabies.
- Systemische Ursachen: Chronische Niereninsuffizienz, Lebererkrankungen, lymphoproliferative Erkrankungen, Diabetes mellitus, Hypo- und Hyperthyreose.
- Neuropathische Ursachen: Notalgia paraesthetica, brachioradialer Pruritus.
- Medikamente: Antibiotika, Analgetika (Opioide), Anabolika, Malariamittel (Chloroquin).
Neuropathischer Pruritus: Eine spezielle Form des Juckreizes
Neuropathischer Pruritus entsteht durch Störungen des zentralen oder peripheren Nervensystems. Schädigungen an peripheren Nervenfasern, Nervenplexus, Ganglien, Rückenmark, Hirnstamm, Thalamus oder Kortex können dazu führen. Typischerweise beginnt neuropathischer Pruritus auf normal aussehender Haut und wird oft von Missempfindungen wie Stechen oder Kribbeln begleitet.
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Ursachen des neuropathischen Pruritus
- Kleinfaserneuropathie: Schädigung kleiner, nicht myelinisierter Nervenfasern, oft idiopathisch oder durch Stoffwechselerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Infektionen oder Medikamente verursacht.
- Kompression von Nerven: Z.B. beim brachioradialen Pruritus (C3-C6) oder der Notalgia paraesthetica (T2-T6).
- Postherpetische Neuralgie: Folge einer Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus.
- Narben und Verbrennungen: Können zu chronischem Pruritus führen.
- Erkrankungen des zentralen Nervensystems: Tumoren, Abszesse, Zysten oder Syringomyelie im Rückenmark.
- Schlaganfall: Kann in seltenen Fällen neuropathischen Pruritus verursachen.
Symptome und Diagnose
Symptome von Ekzemen
- Juckreiz
- Rötungen
- Knötchen oder Bläschen
- Nässen
- Krustenbildung
- Trockene, schuppige, rissige und raue Haut (chronische Form)
Symptome von Polyneuropathie
- Motorische Symptome: Muskelzucken, Muskelkrämpfe, Muskelschwäche, Muskelschwund.
- Autonome Symptome: Herzrhythmusstörungen, Blähungen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Verstopfung, Inkontinenz, Impotenz, gestörtes Schwitzen, Kreislaufprobleme, Schwellungen.
- Sensible Symptome: Kribbeln, Stechen, Taubheitsgefühle, Schwellungsgefühle, Druckgefühle, Gangunsicherheit, fehlerhaftes Temperaturempfinden.
Diagnose von Ekzemen
Die Diagnose erfolgt durch den Dermatologen anhand des Erscheinungsbildes, der Krankengeschichte und der familiären Vorgeschichte. Allergietests (Patch-Test) können durchgeführt werden, um allergische Reaktionen auszuschließen.
Diagnose von neuropathischem Pruritus
- Anamnese: Erfassung des Beginns, der Lokalisation, Intensität und Begleitsymptome des Pruritus sowie bisheriger Therapien.
- Dermatologische Untersuchung: Beurteilung der Haut auf Veränderungen oder Kratzläsionen.
- Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Sensibilität, Reflexe und Nervenfunktionen.
- NP5-Score: Fragebogen zur Unterscheidung von neuropathischem und nicht-neuropathischem Pruritus.
- Kutane Neuromorphologie: Bestimmung der intraepidermalen Nervenfaserdichte mittels Hautbiopsie.
- Labordiagnostik: Ausschluss anderer Ursachen für chronischen Pruritus (z.B. Niereninsuffizienz).
- Bildgebung: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) zur Identifizierung von Raumforderungen oder neurologischen Erkrankungen.
- Quantitative sensorische Testung (QST): Beurteilung der Funktion verschiedener peripherer Nervenfaserpopulationen.
Behandlung von Ekzemen und neuropathischem Pruritus
Die Behandlung von Ekzemen und neuropathischem Pruritus zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die zugrunde liegende Ursache zu behandeln.
Allgemeine Maßnahmen
- Hautpflege: Vermeidung von Hauttrockenheit, Verwendung milder, nicht-alkalischer Seifen, rückfettende Waschsyndets oder Dusch- und Badeöle, lauwarmes Badewasser, Vermeidung von Reiben der Haut nach dem Waschen.
- Kleidung: Weiche, lockere Kleidung aus Baumwolle.
- Fingernägel: Regelmäßiges Kürzen der Fingernägel.
- Vermeidung von Reizstoffen: Tierwolle, Umschläge mit Rivanol, Kamille oder Teebaumöl, Stress, heiße Getränke, Alkohol, scharfes Essen.
- Kühle Umgebung: Kühle oder feuchte Umschläge, kühle nächtliche Umgebung.
Topische Therapie
- Basistherapie: Rückfettende und rehydratisierende Cremes oder Salben, angepasst an den Hauttyp.
- Topische Glucocorticoide: Bei steroidresponsiven Dermatosen oder entzündlichen Kratzläsionen.
- Calcineurin-Inhibitoren: Tacrolimus oder Pimecrolimus als Alternative zu Glucocorticoiden.
- Phosphodiesterase (PDE)-4-Inhibitoren: Crisaborol zur Behandlung des atopischen Ekzems.
- Capsaicin-Creme oder -Pflaster: Bei lokalisiertem neuropathischem Pruritus.
- Lokalanästhetika: Polidocanol-haltige Emollienzien.
Systemische Therapie
- Antihistaminika: Nicht-sedierende Antihistaminika als erste Wahl, insbesondere bei Urtikaria.
- Systemische Glucocorticoide: Nur als Kurzzeitbehandlung bei schwerem Pruritus und Entzündungen.
- Antikonvulsiva (Gabapentinoide): Gabapentin und Pregabalin bei nephrogenem und neuropathischem Pruritus.
- Antidepressiva: Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) bei hämatologischen oder hepatobiliären Erkrankungen.
- Opioidrezeptor-Antagonisten: Naltrexon bei cholestatischem Pruritus.
- UV-Phototherapie: Bei inflammatorischen Hauterkrankungen wie atopischem Ekzem oder Psoriasis.
- Immunsuppressiva: Ciclosporin, Methotrexat, Azathioprin oder Dupilumab bei chronisch nodulärer Prurigo.
Weitere Therapieansätze
- Psychosomatische Therapie: Beratung bei automatisiertem Kratzverhalten und Problemen mit der Pruritusbewältigung.
- Physiotherapie: Bei motorischen Einschränkungen und Gangunsicherheit.
- Transkutane Elektrostimulation (TENS): Bei starken neuropathischen Schmerzen.
- Medizinisches Cannabis: In schweren Fällen von neuropathischen Schmerzen, jedoch kontrovers diskutiert.
Polyneuropathie
Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die durch Schädigung der Nerven oder ihrer Hülle verursacht wird. Sie kann verschiedene Ursachen haben, darunter Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Vitaminmangel, Medikamente, Stoffwechselerkrankungen und Entzündungen.
Behandlung von Polyneuropathie
- Behandlung der Grunderkrankung: Optimale Blutzuckereinstellung bei Diabetes, Alkoholabstinenz bei Alkoholismus.
- Symptomatische Behandlung: Schmerzmittel (Antikonvulsiva, Antidepressiva, Opioide), Physiotherapie, TENS, Fußpflege.
- Ernährung: Ausgewogene Ernährung, ggf. Nahrungsergänzung bei nachgewiesenem Mangel.
- Bewegung: Regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining.
- Hilfsmittel: Geeignetes Schuhwerk, orthopädische Hilfsmittel.
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