Endometriosezellen in Nerven: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die durch das Vorhandensein von gebärmutterschleimhautähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle gekennzeichnet ist. Obwohl häufig als gynäkologische Erkrankung betrachtet, wird sie aufgrund ihres Einflusses auf das Immunsystem und den Hormonhaushalt als systemische Erkrankung eingestuft. Die Pathogenese der Endometriose ist noch nicht vollständig geklärt, und die Ursachen für das Auftreten von Endometriosezellen in Nerven sind komplex und vielfältig.

Was ist Endometriose?

Endometriose (EM) ist gekennzeichnet durch eine Anlagerung von gebärmutterschleimhautähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle. Es kommt zu Entzündungen, Vernarbungen und Wucherungen im Körper, welche je nach Lokalisation und Phänotyp zu unterschiedlichen Symptomen führen.

Ursachen der Endometriose

Die genauen Ursachen der Endometriose sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien und Faktoren, die zur Entstehung der Krankheit beitragen können:

  • Retrograde Menstruation: Diese Theorie, die von Sampson im Jahr 1925 aufgestellt wurde, besagt, dass während der Menstruation Endometriumzellen durch die Eileiter in den Bauchraum gelangen und sich dort ansiedeln können. Statt einem kompletten Abfließen des Menstruationsblutes über den Gebärmutterhals in die Vagina, gelangt dabei ein Teil des Menstruationsblutes zusammen mit abgeschilferten Gebärmutterschleimhautzellen über die Eileiter in den Bauchraum. Die dadurch verursachte Entzündung führt zu starken Schmerzen, indem sie Nerven irritiert.
  • Lymphatische und vaskuläreMetastasierung: Endometriumzellen können auch über das Lymph- oder Blutgefäßsystem in andere Teile des Körpers gelangen und sich dort ansiedeln. Aktuellere Forschungsansätze zeigen Veränderungen in der Lymphangiogenese bei Frauen mit EM, welche das Eintreten von Endometriosezellen in die Lymphbahn begünstigen könnten. Sampson (1927) beschreibt auf Basis seiner Forschung ein mögliches Eintreten kleiner Zellen des Endometriums in die Lymphbahnen, welche sich in Folge im gesamten Körper verteilen.
  • Autotraumatisierung des Endometriums: Eine weitere Hypothese besagt, dass Verletzungen oder Traumata des Endometriums, die durch körpereigene Vorgänge oder iatrogene Eingriffe verursacht werden, zur Entstehung von Endometriose führen können.
  • Immunologische Faktoren: Fehlregulationen des Immunsystems können Entzündungen fördern, die wiederum Zellproliferation und Infiltration begünstigen. Das Immunsystem scheint, neben hormonellen Dysbalancen, eine tragende Rolle in der Pathogenese von EM zu spielen.
  • Genetische Faktoren: Es gibt Hinweise darauf, dass eine familiäre Veranlagung das Risiko für Endometriose erhöhen kann. Die Statistik zeigt, dass manche Familien häufiger betroffen sind als andere. Litt zum Beispiel die Mutter unter Endometriose, so hat die Tochter ein 6-mal höheres Risiko ebenfalls an einer Endometriose im Verlauf ihrer reproduktiven Jahre zu leiden. Trotz dieser familiären Häufung konnte bisher kein einzelnes Endometriose-Gen gefunden werden.
  • Umweltfaktoren: Umwelteinflüsse und Ernährungsfaktoren könnten ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung der Endometriose spielen.
  • Metaplasie: Nach der Metaplasietheorie wird bereits beim Fetus angelegtes Gewebe im Erwachsenenalter in Endometriumgewebe umgewandelt.

Endometriosezellen in Nerven: Wie und warum?

Die Infiltration von Endometriosezellen in Nervenstrukturen kann verschiedene Ursachen haben:

  • Direkte Infiltration: Endometrioseherde können in der Nähe von Nerven wachsen und diese direkt infiltrieren.
  • Entzündungsbedingte Schädigung: Die Entzündungsreaktionen, die durch Endometriose verursacht werden, können Nervenstrukturen schädigen und zu Schmerzen führen. Die dadurch verursachte Entzündung führt zu starken Schmerzen, indem sie Nerven irritiert.
  • Nervenwachstumsfaktoren: Endometriosezellen können Nervenwachstumsfaktoren produzieren, die das Wachstum von Nervenfasern in die Endometrioseherde fördern.
  • Verstärkte Uteruskontraktionen: Die natürlichen peristaltischen Bewegungen und Kontraktionen des Uterus sind bei EM verstärkt. Dies wurde durch untersuchtes Menstruationsblut von Betroffenen gezeigt, welches Zellen der Basalis, der Schicht der Gebärmutterschleimhaut, welche im Normalfall nicht abgeht, enthielt. Mikroverletzungen in der Muskelschicht der Gebärmutter sowie die Metastasierung der Zellen über den Eileiter in das Peritoneum können Ursprung von Endometrioseherden sein.

Symptome der Endometriose

Die Symptome der Endometriose können vielfältig sein und hängen von der Lokalisation und Ausdehnung der Endometrioseherde ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

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  • Chronische Schmerzen im Unterleib (CPP): Neben Symptomen wie Chronic Pelvic Pain (CPP), Rückenschmerzen, Dysmenorrhö, Dyspareunie (Schmerzen im Genitalbereich beim Geschlechtsverkehr) sowie Auffälligkeiten in der Menstruationsblutung treten auch Kopfschmerzen, Übelkeit oder Flankenschmerzen auf.
  • Dysmenorrhö: Schmerzhafte Regelblutungen.
  • Dyspareunie: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Diese treten vor allem bei Befall der sakrouterinen Bänder, des Septums zwischen Rektum und Vagina sowie der Rektumvorderwand auf.
  • Infertilität: Unerfüllter Kinderwunsch.
  • Blutungsstörungen: Auffälligkeiten in der Menstruationsblutung.
  • Miktions- und Defäkationsbeschwerden: Zyklusabhängige Darm- und Blasenstörungen können durch Infiltrationen in Blase oder Darm ausgelöst werden. Eine Rektuminfiltration kann beispielsweise zur Dyschezie, d. h. Stuhlinkontinenz, führen. Es kommt zu Blähungen, Durchfällen, Magenschmerzen, Völlegefühl oder Krämpfen. Schmerzen beim Harnlassen, die Dysurie, entstehen aufgrund von Verwachsungen um die Blase oder Infiltrationen in diese.
  • Rückenschmerzen: Rückenschmerzen als Symptom der EM können strukturell durch Infiltrationen der Beckenwand, Gefäße, Harnleiter oder des Plexus sacralis verursacht werden. Mit 74 % tritt der LBP bei einer Befragung von 23 Patientinnen mit Ureter-EM als häufigstes EM-spezifisches Symptom auf.
  • Fatigue: Chronische Müdigkeit.
  • Schmerzen beim Stuhlgang (Dyschezie) und/oder Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie), dies aber typischerweise zyklisch, d.h.

Diagnose der Endometriose

Die Diagnose der Endometriose kann schwierig sein, da die Symptome oft unspezifisch sind und anderen Erkrankungen ähneln können. Folgende diagnostische Maßnahmen werden in der Regel durchgeführt:

  • Anamnese: Eingehende Befragung der Patientin über ihre Krankheitsgeschichte und Symptome.
  • Gynäkologische Untersuchung: Bimanuelle Tastuntersuchung, Spiegeluntersuchung der hinteren Scheidenwand und des äußeren Muttermunds.
  • Ultraschalluntersuchung: Untersuchung des kleinen Beckens zur Darstellung von Endometrioseherden und Zysten.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Ergänzende Bildgebung in Einzelfällen.
  • Laparoskopie: Bauchspiegelung mit Gewebeentnahme zur histologischen Sicherung der Diagnose. Eine Sicherung der Diagnose gelingt durch Gewebeentnahme mittels Laparoskopie und anschließende Untersuchung des Gewebes.

Therapie der Endometriose

Die Therapie der Endometriose zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die Fertilität zu erhalten oder wiederherzustellen. Es stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung:

  • Schmerzmedikamente: Zur Schmerzreduktion werden initial NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) verabreicht. Hier kommen vor allem Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen oder Indometacin zum Einsatz.
  • Hormontherapie: Aufgrund der Östrogenbeteiligung bei EM ist der Einsatz von Gestagenpräparaten sowie hormonellen Kontrazeptiva zum Unterdrücken der Ovulation angezeigt. Die Gabe von Hormonen zielt auf die Hormonabhängigkeit der Endometrioseherde ab. Die erwünschte Wirkung ist hier die Verhinderung der Freisetzung von Botenstoffen.
    • Sog. Gelbkörperhormone (Gestagene, z. B. Dienogest) sind erste Wahl, aber auch kombinierte hormonelle Verhütungsmittel können eingesetzt werden. Frauen mit Endometriose nehmen Kombinationspräparate im Langzyklus ein, damit möglichst wenige Zwischenblutungen auftreten.
    • In einigen Fällen kann eine Hormonspirale mit Levonorgestrel die Beschwerden bei Endometriose lindern.
    • Wird die gewünschte Wirkung nicht erzielt, können GnRH-Analoga, die an Hormonrezeptoren der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) binden, verwendet werden. Bei dieser Therapie wird die Produktion der Geschlechtshormone in den Eierstöcken annähernd so wirksam gestoppt wie bei einer operativen Entfernung der Eierstöcke. Vorübergehend kommt es zu „künstlichen Wechseljahren“.
  • Operation: Bei entsprechendem Leidensdruck oder ausbleibendem Erfolg durch die medikamentöse Therapie wird mittels operativer Sanierung therapiert. Je nach Ausprägung und EM-Befall sowie der Lebenssituation der Patientin kann diese durch Entfernung des EM-Gewebes oder durch (Teil‑)Resektion betroffener Organe ausfallen. Ziel ist die komplette Entfernung aller Endometrioseherde.
    • Bei der operativen Therapie muss der Fertilitätserhalt, in Rücksprache mit den Betroffenen, beachtet werden.
    • Bei unerfülltem Kinderwunsch nach operativer Intervention können zusätzlich reproduktionsmedizinische Interventionen eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Endometriosezysten, Verwachsungen und Infiltrationen im kleinen Becken sowie Befall der Wirbelkörper stellen eine Ursache für muskuloskelettale Beschwerden wie LBP dar. In der physiotherapeutischen Praxis können unterschiedliche Zeichen und Symptome bereits in der subjektiven und objektiven Untersuchung darauf hindeuten und nach weiterer Abklärung verlangen.
  • Psychologische Unterstützung: Nicht selten führen bei den Patientinnen die chronischen Schmerzen zu weiteren Problemen wie Verspannungen, Erschöpfung und depressive Verstimmungen, aber auch Sorge und Angst vor weiteren Schmerzen entstehen. Der Leidensdruck kann infolge der langjährigen Erkrankung, Schmerzen und vielen Therapiemaßnahmen sehr groß sein.
  • Komplementäre Therapien: Körperliche Aktivität sowie Wärme oder Kälte können sich schmerzlindernd auswirken. Evtl. kann auch transkutane Nervenstimulation (TNS) oder Akupunktur die Schmerzen lindern.

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