Vorbemerkung
An der Philipps-Universität Marburg stehen Studierenden mit Blindheit und Sehbehinderung speziell angepasste PC-Arbeitsplätze zur Verfügung. Diese sind mit Braillezeile, Sprachausgabe, Großschrift und weiterer Hilfstechnologie ausgestattet. Die Einrichtung dieser Arbeitsplätze wurde durch die Paul und Charlotte Kniese-Stiftung ermöglicht. Die Service- und Beratungsstelle für ein inklusives Studium (SBS) übernimmt in enger Zusammenarbeit mit dem Hochschulrechenzentrum die Pflege und Instandhaltung dieser Arbeitsplätze. Im Folgenden werden Informationen zur verwendeten Hard- und Software, zu den Standorten der Geräte und zur Beratung der Nutzer*innen bereitgestellt.
Standorte, Öffnungszeiten und Ausstattung der Arbeitsplätze
Die Standorte der PC-Arbeitsplätze sind über das Universitätsgelände verteilt. Eine detaillierte Auflistung der einzelnen Standorte mit ihren jeweiligen Öffnungszeiten, der Anzahl der dort aufgestellten Arbeitsplätze sowie ein Hinweis auf die jeweiligen Gerätekonfigurationen ist verfügbar. Alle Arbeitsplätze sind standardmäßig mit an Schwenkarmen befestigten Flachbildschirmen, Scannerlesesystemen, externem USB-Anschluss (in Halbkugelform) sowie Lautsprecherboxen bzw. Kopfhörerverstärkern ausgestattet. Einige Arbeitsplätze verfügen zusätzlich über Bildschirmlesegeräte, einen Brailledrucker (in Arbeitskabine 2) sowie einen Tactonom Reader (in Arbeitskabine 3).
Vernetzung der Arbeitsplätze
Die PC-Arbeitsplätze für blinde und sehbehinderte Studierende sind in das Intranet (UMRnet) der Philipps-Universität integriert. Dies gewährleistet, dass an jedem Arbeitsplatz eine stets gleiche Konfiguration vorgefunden wird. Zusätzlich ist auf diesen PCs Hilfstechnologie installiert. Die von den Nutzerinnen individuell vorgenommenen Einstellungen bei der Sprachausgabe oder Vergrößerung werden im Nutzerinnen-Profil gespeichert und können somit über die einzelnen Arbeitsplätze hinweg "mitgenommen" werden. Darüber hinaus besteht Zugang zum Internet.
Vorhandene Hard- und Software
Im Folgenden werden die verschiedenen Komponenten der PC-Arbeitsplätze detaillierter aufgeführt.
PCs
Bei den PCs handelt es sich um sogenannte Liter-PCs (Dell Optiplex 5070). Diese kompakten Geräte sind so klein, dass sie platzsparend auf den Tischen untergebracht werden können.
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Sound-Ausgabe
Zur Audioausgabe stehen Kopfhörerverstärker oder Lautsprecherboxen zur Verfügung. An allen Arbeitsplätzen, die sich in abgeschlossenen Kabinen befinden (juristisches Seminar und Universitätsbibliothek), werden Lautsprecherboxen (Logitech Z130) eingesetzt. An Arbeitsplätzen in öffentlichen PC-Sälen werden Kopfhörerverstärker verwendet. Die Lautsprecherboxen bieten jedoch die Möglichkeit, einen Kopfhörer anzuschließen. Zusätzlich wird beim Start des PCs die Lautstärke auf 50% voreingestellt.
Braillezeilen
Die Braillezeilen sind vom Typ "Seika Trans Braille 80" und verfügen über 80 8-Punkt-Piezo-Module inklusive Cursorrouting.
Großschriftsysteme
Die Arbeitsplätze sind mit hochauflösenden 24 Zoll TFT Flachbildmonitoren ausgestattet, die an um 360 Grad drehbaren Schwenkarmen befestigt sind. Die Neigung der Monitore kann individuell eingestellt und sie können bis zur Tischkante vorgezogen werden. Die strahlungsarmen Bildschirme sind gut für sehbehinderte Personen geeignet, die sich sehr nahe davorsetzen müssen. Als Vergrößerungssoftware steht ZoomText 2021 zur Verfügung.
Scannerlesesysteme
Die Scanner (Epson Perfection 4490 bzw. V500 Photo) werden durch das automatische Texterkennungssystem (OCR) Abbyy FineReader 15 Corporate ergänzt, welches auf den PCs installiert ist. Diese Software bietet die OCR-Behandlung von Scans, um maschinengeschriebenen Text zu extrahieren und kann auch von Nutzer*innen mit Blindheit selbstständig bedient werden.
Blindenschriftdrucker
Die Brailledrucker sind vom Typ Romeo RB 40 (drei Stück) und Thomas JR 40 (Standort ZUB Kabine 2) und wurden von der Firma Becker bezogen.
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Schwarzschriftdrucker
Da die PC-Arbeitsplätze für blinde und sehbehinderte Studierende in das Intranet integriert sind, können auch die Kopierer im Mischbetrieb über die Software Q-Pilot für Ausdrucke in Schwarzschrift genutzt werden. Hierfür ist im Druckdialog das Profil "PublicSchwarzweiß" oder "PublicFarbe" zu wählen. Im anschließenden Fenster (Software Q-Pilot) ist die Kartennummer der U-Card einzutragen und dies zu bestätigen. Der Druckauftrag wird sodann an einen zentralen Druckerserver gesandt und kann von jedem Kopierer im Mischbetrieb gedruckt werden. In nahezu allen Gebäuden hat die SBS mindestens einen Kopierer grundlegend beschriftet, um für vollblinde Nutzer*innen eine selbstständige Bedienung zu ermöglichen (vgl. Nutzung der Kopiergeräte im Mischbetrieb von und für blinde und sehbehinderte Studierende an der Philipps-Universität Marburg).
Software
Auf den PCs ist das Betriebssystem Windows 10 installiert. Die von der Universität bereitgestellte Software (beispielsweise Microsoft Office) kann auch von allen Arbeitsplätzen für blinde und sehbehinderte Studierende aus genutzt werden.
Screenreader
Zur Bedienung für Studierende mit Blindheit und Sehbehinderung stehen Screenreader zur Verfügung.
Fusion
Fusion ist ein Kombinationsprodukt aus Jaws (Sprachausgabe) und ZoomText (Großschriftprogramm) von der Firma Freedom Scientific und ist aktuell in der Version 2025 installiert. Fusion startet direkt im Anmeldebildschirm. Eine Anleitung zu Fusion ist verfügbar, falls Nutzer*innen Fusion nicht in ihrem Profil starten möchten oder lieber Jaws bzw. ZoomText einzeln oder NVDA verwenden wollen. Es besteht Verwechslungsgefahr mit der gleichnamigen Software "Fusion" im Bereich der Geographie.
NVDA
Zusätzlich steht der freie Screenreader NVDA (nur Sprachausgabe mit Braille-Unterstützung) zur Verfügung, welcher von den Nutzer*innen mittels Addons erweitert werden kann. Nach der Anmeldung kann dieser über die Kurztaste Strg+Alt+N gestartet werden.
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Texterkennung / Konvertierung
Abbyy FineReader Corporate
Zur Digitalisierung von Texten oder Buchauszügen steht das Programm Abbyy FineReader Corporate zur Verfügung. Mit dem angeschlossenen Flachbettscanner können Texte gescannt werden und mit Hilfe von Texterkennung (OCR) können Textzeichen aus dem Bild automatisiert erkannt werden. Eine Anleitung zum Scannen und Umsetzen mit Abbyy FineReader bietet weitergehende Informationen zum Scanvorgang, der optischen Zeichenerkennung und der anschließenden weiteren Bearbeitung.
RTFC
Als spezifische Software für blinde und sehbehinderte Studierende steht an allen Arbeitsplätzen RTFC zur Verfügung. Dabei handelt es sich um ein Blindenkurzschrift-Formatierungs- und -Übersetzungs-Programm, mit dessen Hilfe digitalisierte Textvorlagen unter anderem zum späteren Ausdruck in Blindenkurzschrift aufbereitet werden oder als Audio-Datei (beispielsweise im Daisy- oder MP3-Format) mit einer synthetischen Stimme (Text to Speech) zur Audioausgabe vorbereitet werden können. Für Sprachaufnahmen und Nachbearbeitung von selbigen steht die Software Audacity zur Verfügung. Ein Headset ist selbst mitzubringen.
Nutzung der übrigen Pool-PCs
Der kostenfreie Screenreader NVDA (Sprachausgabeprogramm) steht darüber hinaus auf vielen Pool-PCs in der Fläche zur Verfügung. Über eine interne Auflistung der Software-Pakete in den PC-Arbeitsräumen kann eingesehen werden, in welchen PC-Arbeitsräumen NVDA installiert ist. Dazu muss "NVDA" in die Filter-Suche eingegeben werden. Somit ist die Basis-Arbeit auch außerhalb der adaptierten PC-Arbeitsplätze für blinde und sehbehinderte Studierende möglich. Blinde Nutzerinnen können bei der Windows-Anmeldung durch Drücken von Strg+Linke Windows+Return mit der Windows-eigenen Sprachausgabe "Narrator" bereits eine sprachliche Unterstützung aktivieren und somit die Anmeldung überwinden. Sehbehinderte Nutzerinnen können für die Anmeldung und auch die weitere Arbeit mit der Tastenkombination Linke-Windows+Plus-Taste die Windows-eigene Bildschirmlupe zur Vergrößerung nutzen.
Betreuung der Arbeitsplätze und Beratung
In Fragen, die beispielsweise die Nutzung von Schwarzschriftdruckern betreffen oder ähnlichen Fällen, die mit dem allgemeinen Betrieb der PC-Standorte zusammenhängen, können sich blinde und sehbehinderte Studierende mit der Bitte um Unterstützung an das Aufsichtspersonal des jeweiligen PC-Standortes wenden. Bei spezifischen Fragen hingegen stehen speziell für die Betreuung dieser Arbeitsplätze von der SBS angestellte Studienhelferinnen zur Verfügung. Diese Aufgabe wird, um ihren vielfältigen Aspekten möglichst gerecht werden zu können, von einer sehenden und einer blinden studentischen Hilfskraft wahrgenommen. Die Studienhelferinnen sind wöchentlich während ihrer Sprechstunde zu erreichen. Darüber hinaus können auch Termine mit ihnen (zum Beispiel zur Einführung in die Scannerlesesysteme) vereinbart werden. Die Kontaktdaten der Studienhelfer*innen sind verfügbar.
Zentrale Verwaltung der Arbeitsplätze
Die zentrale Verwaltung der für blinde und sehbehinderte Studierende adaptierten PC-Arbeitsplätze, wie auch der Einsatz der sie betreuenden Studienhelferinnen, erfolgt durch die “Service- und Beratungsstelle für ein inklusives Studium“ (SBS). Hierdurch wird die Rückkopplung mit den Nutzerinnen erleichtert und gleiche oder ähnliche technische Probleme, die an verschiedenen Standorten auftreten, können so am raschesten erkannt bzw. die notwendigen Reparaturen oder Ersatzbeschaffungen veranlasst werden.