Die 21. Schwangerschaftswoche markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung Ihres Babys, insbesondere im Hinblick auf das Gehirn. In dieser Zeit erlebt das Gehirn des Fötus ein rasantes Wachstum, und es bilden sich die ersten Hirnfurchen. Dieser Artikel beleuchtet die faszinierende Entwicklung des Gehirns in der 21. SSW, die Veränderungen bei der Mutter und gibt wichtige Hinweise für diese besondere Zeit.
Entwicklung des Fötus in der 21. SSW
In der 21. SSW ist der Fötus etwa 19 Wochen alt. Die Organreifung schreitet zügig voran. Die Verdauung funktioniert bereits, während die Lunge erst kurz vor dem Ende der Schwangerschaft vollständig ausreift, da sie für das Leben im Mutterleib nicht benötigt wird. Auch das Skelett bildet sich weiter aus und wird stabiler. Die beiden Schädelhälften sind nun schon fest genug, um das Gehirn des Kindes gut zu schützen. Die Schädelknochen sind noch nicht miteinander verwachsen und können sich gegeneinander verschieben. Das Gehirn kann also weiter wachsen. Außerdem macht das bei der Geburt den Weg durch das mütterliche Becken leichter.
Das rasante Wachstum des Gehirns
Das Gehirn des Fötus entwickelt sich in der 21. SSW sehr schnell. Die ersten Hirnfurchen entstehen, die die Oberfläche des Gehirns vergrößern und die Grundlage für komplexe Denkprozesse bilden. Im Gesicht sind bereits Wimpern und Augenbrauen zu erkennen.
Sinneswahrnehmung und Aktivität
Das Kind fängt jetzt auch an, seine Umwelt zu „begreifen“ und zu erspüren: Es kann bereits seine kleinen Fäuste ballen, am Daumen lutschen oder mit der Nabelschnur spielen. All dies ist ein gutes Training für die weitere Entwicklung des Gehirns. Auch in der 21. SSW ist das Baby sehr aktiv und nutzt aus, dass in der Gebärmutter noch ausreichend Platz vorhanden ist. Sowohl Größe als auch Gewicht des Babys entwickeln sich mit fortschreitender Schwangerschaft immer individueller.
Die Bedeutung der Vorsorgeuntersuchungen
Zwischen Beginn der 19. SSW und Ende der 22. SSW ist die zweite große Vorsorgeuntersuchung inklusive Ultraschall vorgesehen. Dabei werden mütterliches Gewicht und Blutdruck, Urin (Eiweiß, Zucker, Keime) und der Hämoglobingehalt (Hinweis auf den Eisengehalt) überprüft. Im Ultraschall werden die biometrischen Daten (Größe und Gewicht) des Babys ermittelt. Welche Bereiche der Frauenarzt genau vermisst, hängt davon ab, wie das Baby gerade liegt und wie sehr es sich bewegt.
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Veränderungen bei der Schwangeren im 6. Monat
Im sechsten Monat hat das Baby viel Platz zum Herumturnen, denn die Gebärmutter ist wieder ein ganzes Stück gewachsen. Sie reicht jetzt mit ihrem oberen Rand etwa bis zum Nabel der Mutter. Für die meisten Frauen sind diese spürbaren Regungen des Kindes ein aufregendes Erlebnis. Manchen wird erst jetzt richtig bewusst, dass in ihrem Bauch tatsächlich ein kleiner Mensch heranwächst. Viele Schwangere stellen fest, dass die Stöße, Tritte und Purzelbäume ihres Kindes Reaktionen auf ihre eigenen Bewegungen sind: Eine Sitzhaltung, die den Platz im Bauch einengt, kann lebhaften Protest auslösen, ein Streicheln der Bauchdecke beruhigend wirken. So beginnen Mutter und Kind, sich bereits in dieser Zeit kennenzulernen. Tagsüber, wenn die Schwangere in Bewegung ist, wird das Kind häufig schlafen, weil es im Becken gewiegt wird. Nachts, wenn sie ruhig liegt, wird sie das Kind häufiger spüren, weil es mehr Platz im Bauch und auch kürzere Schlafphasen hat als die Mutter.
Beschwerden im 6. Monat
Fast alle Schwangeren kennen Stimmungstiefs. Hilfe ist jedoch nötig, wenn die negativen Gefühle den Alltag über längere Zeit überschatten. Schwangere fühlen dann vielleicht eine langanhaltende tiefe Traurigkeit, eine große Erschöpfung und einen starken Interessenverlust. Von einer Depression betroffene Frauen zweifeln häufig immer wieder an sich, haben Schuldgefühle und können sich nicht gut konzentrieren. Auch ein verringerter Appetit und Schlafstörungen können wichtige Hinweise sein. Manche Frauen haben schon eine Vorgeschichte mit einer Depression oder Depressionen kommen in der Familie vor. Sie sollten deshalb besonders auf Anzeichen achten. Auch bei bislang nicht betroffenen Frauen können die besondere Hormonlage, körperliche Veränderungen oder seelische Belastungen, wie Probleme in der Partnerschaft, mögliche Auslöser sein.
Bluthochdruck kann bereits vor der Schwangerschaft bestehen, aber auch erst in der Schwangerschaft auftreten („schwangerschaftsinduzierte Hypertonie“). Bluthochdruck in der Schwangerschaft muss immer von einer Ärztin oder einem Arzt behandelt werden. Viele Schwangerschaften verlaufen trotz des Bluthochdrucks ganz normal. Dennoch stellt Bluthochdruck einen gewissen Risikofaktor für Mutter und Kind dar. Er kann die Organe der Schwangeren schädigen und die Blutgefäße in der Plazenta verändern. Dann ist die Versorgung des Kindes verschlechtert. Eine Komplikation von Bluthochdruck ist die Präeklampsie. Sie tritt in zwei Prozent aller Schwangerschaften in Europa auf, meist nach der 20. Schwangerschaftswoche. Zusätzlich zum Hochdruck scheidet die Schwangere Eiweiß über den Urin aus, außerdem kommt es oft zu Wassereinlagerungen (Ödemen) an Händen, Füßen und im Gesicht. Geht die Präeklampsie in eine Eklampsie über, entwickeln sich Krampfanfälle. Auch das sogenannte HELLP-Syndrom ist eine akute Komplikation des Bluthochdrucks in der Schwangerschaft, die mit schweren Durchblutungsstörungen einhergeht. Dabei nimmt vor allem die Leber der Schwangeren Schaden, außerdem ist die Blutgerinnung gestört. Das HELLP-Syndrom ist im Blut nachweisbar: erhöhte Leberwerte, niedrige Thrombozyten. Zum HELLP-Syndrom kommt es bei zehn bis zwanzig Prozent der Schwangeren mit Präeklampsie.
Anders als bei niedrigem Blutdruck, der sich meist durch Schwindel und Schwäche bemerkbar macht, bleibt ein hoher Blutdruck oft unbemerkt. Deshalb wird der Blutdruck bei der Schwangerschaftsvorsorge regelmäßig gemessen. Blutdruck wird mit zwei Werten gemessen: Der systolische Wert misst den Druck in dem Moment, wenn das Herz sich zusammenzieht und das Blut aus dem Herzen herauspresst. Er ist der höhere Wert. Beim diastolischen Wert ist das Herz „entspannt“, und das Blut strömt ins Herz ein. Als erhöht gilt ein Blutdruck ab Werten von 140/90 mmHg („Millimeter Quecksilbersäule“) in Ruhe und in zwei aufeinander folgenden Messungen. Anhaltend hohe Blutdruckwerte über 150-160/100 mmHg in der Schwangerschaft müssen medikamentös behandelt werden.
Was Sie in der 21. SSW beachten sollten
Das wachsende Gewicht belastet jetzt zunehmend Rücken und Beckenboden. Spätestens ab dieser Zeit sollten Sie keine schweren Dinge (über 5 kg) mehr heben und nicht mehr zu lange stehen. Lässt sich das nicht ganz vermeiden, beispielsweise aufgrund von Geschwistern, die getragen werden möchten, so heben Sie nur aus der Hocke und mit geradem Rücken.
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Gesund bleiben und Stress reduzieren
Die ganz normalen Schwankungen zwischen Anspannung und Entspannung gehören zum täglichen Leben, wodurch das Ungeborene keinen Schaden nimmt. Ein Zuviel an körperlicher und seelischer Belastung kann aber zum Risiko für die Schwangerschaft und die Entwicklung des ungeborenen Kindes werden. Wenn es gelingt, die Auslöser für übermäßigen Stress im Alltag zu erkennen, können Sie vielleicht gegensteuern. Dazu gehört, Forderungen und Ansprüche auch einmal zurückzuweisen und den Alltag so gut es geht nach dem eigenen neuen Tagesrhythmus zu gestalten. Vielleicht ist es möglich, dass Sie bewusst Pausen in Ihren Alltag einplanen, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind wie ein Spaziergang oder mal für 15 Minuten die Bürotüre zu schließen. Diese kleinen Auszeiten tun Seele und Körper gut und helfen, sich zu entspannen, in sich hineinzuhören und mit dem Kind Kontakt aufzunehmen. Auch Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder sanfte, meditative Bewegungsübungen wie Yoga oder Tai Chi können helfen, innere Ruhe und Ausgeglichenheit zu erhalten oder wiederherzustellen.
Ist die werdende Mutter großer seelischer Belastung oder nicht abreißendem Stress ausgesetzt, steigt das Risiko vorzeitiger Wehen oder einer Fehl- oder Frühgeburt. In solchen Situationen ist es wichtig, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Rat und Hilfe geben zum Beispiel Schwangerschaftsberatungsstellen, Ärztinnen, Ärzte und Hebammen. Hier können Gefühle von Überlastung oder Ausgeliefertsein ebenso angesprochen werden wie Beziehungskonflikte oder Geldsorgen. Bei beruflicher Überlastung ermöglicht das Mutterschutzgesetz, mithilfe eines ärztlichen Beschäftigungsverbots, die Arbeitszeit zu reduzieren bei voller Weiterzahlung des Gehalts. Es kann auch ein vollständiges Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden.
Arbeit, Recht & Finanzen
In der Mitte der Schwangerschaft hat sich die erste Aufregung vielleicht gelegt und Ihnen kommen auch immer mehr finanzielle und rechtliche Fragen zu Ihrer neuen Lebenssituation in den Sinn: Was bedeutet es zum Beispiel steuerlich, wenn ich ein Kind bekomme? Was ist das Kindergeld und wann und wo muss ich es beantragen? Eine gute Informationsplattform ist das Familienportal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Hier erfahren Sie, welche Unterstützung Ihnen als Familie zusteht und wie Sie diese erhalten. Mit der Elternzeit haben Sie als Eltern das Recht, eine unbezahlte Auszeit von Ihrem Beruf zu nehmen, um sich ganz auf Ihr Kind zu konzentrieren. Finanzielle Unterstützung erhalten Sie dann durch das Elterngeld. Die zweite Hälfte der Schwangerschaft ist ein guter Zeitpunkt, um sich darüber zu informieren und die Elternzeit zu planen.
Mögliche Auffälligkeiten und ihre Bedeutung
Im Rahmen des Zweittrimester-Screenings, das zwischen der 20. und 22. SSW durchgeführt wird, können Auffälligkeiten festgestellt werden, die weitere Untersuchungen erforderlich machen.
Zysten im Gehirn
Manchmal werden bei Ultraschalluntersuchungen Zysten im Gehirn des Fötus entdeckt. In den meisten Fällen sind diese harmlos und verschwinden von selbst wieder. Dennoch kann eine solche Entdeckung große Sorgen bei den werdenden Eltern auslösen. Es ist wichtig, sich von einem Spezialisten beraten zu lassen und gegebenenfalls einen Feinultraschall durchführen zu lassen, um die Situation genauer zu beurteilen.
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Erfahrungen anderer Eltern
Viele Eltern haben ähnliche Erfahrungen gemacht und können von ihren Erlebnissen berichten. Es ist beruhigend zu wissen, dass Zysten im Gehirn oft keinen Krankheitswert haben und sich im Laufe der Schwangerschaft wieder verwachsen. Es ist jedoch ratsam, die Empfehlungen der Ärzte zu befolgen und sich umfassend informieren zu lassen.
Spina bifida
In seltenen Fällen kann im Ultraschall ein Hinweis auf eine Spina bifida (offener Rücken) festgestellt werden. Diese Diagnose ist für die Eltern zunächst ein Schock. Dank moderner Medizin gibt es jedoch Möglichkeiten, dem Kind zu einem möglichst uneingeschränkten Leben zu verhelfen.
Fetale Chirurgie als Option
In spezialisierten Zentren wird die Spina bifida bereits im Mutterleib operiert. Diese fetale Chirurgie kann die Auswirkungen der Spina bifida deutlich verbessern. Es ist wichtig, sich von einem erfahrenen Team beraten zu lassen und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten abzuwägen.
Die Entwicklung des Gehirns im Überblick
Die Entwicklung des Gehirns beginnt bereits in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft.
- 5. Schwangerschaftswoche: Die ersten Nervenzellen teilen sich und differenzieren sich in Neuronen und Gliazellen. Die Neuralplatte faltet sich und bildet das Neuralrohr, aus dem Gehirn und Rückenmark entstehen.
- 6. Schwangerschaftswoche: Das Neuralrohr schließt sich.
- 10. Schwangerschaftswoche: Das Gehirn besitzt bereits eine kleine, glatte Struktur.
- 7. Schwangerschaftswoche: Die ersten Synapsen bilden sich im Rückenmark.
- 8. Schwangerschaftswoche: Elektrische Aktivität im Gehirn ermöglicht erste spontane Bewegungen.
- Ende des zweiten Trimesters: Das Gehirn, das lebenswichtige Funktionen wie Herzfrequenz und Atmung steuert, ist vollständig entwickelt.
- Drittes Trimester: Der zerebrale Kortex, der willkürliche Handlungen sowie das Denken und Fühlen steuert, übernimmt seine Aufgaben.
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