Fazialislähmung: Ursachen, Diagnose und moderne Behandlungsmethoden

Die Fazialislähmung, auch Gesichtslähmung oder Fazialisparese genannt, ist eine Erkrankung, bei der es zu einer teilweisen oder vollständigen Lähmung der Gesichtsmuskulatur kommt. Sie entsteht durch eine Schädigung des Nervus facialis, des Gesichtsnervs, der für die Steuerung der mimischen Muskulatur verantwortlich ist. Ein Mundwinkel hängt, ein Auge schließt nicht: Das sind typische Symptome für Fazialisparese.

Einführung in die Fazialisparese

Der Nervus facialis ist eigentlich ein Nervenpaar - je ein Strang für die linke und rechte Hälfte des Gesichts. Wie die Äste eines Baums verzweigen sich die Arme des Nervs dann jeweils auf einer Gesichtshälfte. Der N. facialis (Gesichtsnerv) ist in erster Linie für die Innervation der mimischen Muskulatur verantwortlich. Ferner nimmt er Einfluss auf die Tränen- und Speichelsekretion, sowie die Geschmackswahrnehmung.

Die Fazialisparese kann verschiedene Ursachen haben und sich in unterschiedlichen Ausprägungen zeigen. Am bekanntesten ist die Fazialisparese als Symptom für einen Schlaganfall im Gehirn. Aber: Es gibt auch andere Ursachen. Die Fazialislähmung kann zum Beispiel auch durch Krankheiten, Infektionen oder Verletzungen hervorgerufen werden. Die Beschwerden treten in der Regel innerhalb von wenigen Stunden auf und erreichen nach ein bis zwei Tagen ihren Höhepunkt.

Formen der Fazialisparese

Es muss zwischen einer zentralen (hierbei findet sich die Schädigung im Gehirn) und einer peripheren Fazialisparese (hierbei liegt eine Schädigung des Nerven selbst vor) unterschieden werden. Die Namen beziehen sich auf die Lage des auslösenden Problems. Peripher bedeutet "am Rand gelegen" und meint in diesem Zusammenhang den Gesichtsnerv, der vom Gehirn bis ins Gesicht führt. Die periphere Fazialisparese ist mit rund 60 Prozent der Fälle die häufigere Form.

Zentrale Fazialisparese

Bei der zentralen Fazialisparese liegt die Schädigung im Gehirn, genauer gesagt im Bereich des Hirnstamms, wo sich das Kerngebiet des Nervus facialis befindet. Eine zentrale Fazialislähmung ist das Ergebnis einer Funktionsstörung direkt im zuständigen Hirnbereich. Diese kann beispielsweise durch eine Hirnblutung, einen Hirntumor, einen Schlaganfall oder eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) hervorgerufen werden.

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Beim zentralen Lähmungstyp ist v.a. die periorale mimische Muskulatur betroffen, wodurch der Patient im Gegensatz zum peripheren Lähmungstyp noch in der Lage ist die Stirn zu runzeln. Die Symptomatik unterscheidet sich ebenfalls von der einer peripheren Fazialisparese. Die Lähmung zeigt sich dabei im Bereich der Gesichtsmuskulatur unterhalb des Augenlides, weil die Muskulatur oberhalb davon von beiden Gehirnhälften versorgt wird. Obwohl die zentrale Fazialisparese in den meisten Fällen nur von kurzer Dauer ist, so kann sie Symptom einer schwerwiegenden Erkrankung wie eines Hirninfarktes sein. Eine sofortige ärztliche Vorstellung ist daher dringend empfohlen.

Periphere Fazialisparese

Die periphere Fazialisparese entsteht durch eine Schädigung des Nervus facialis außerhalb des Gehirns. Ursache für die Schädigung des Gesichtsnervs oder einen Teil des Nervs kann dabei ein Unfall oder eine Schwellung aufgrund einer Infektion mit Bakterien oder Viren sein. Auch am Gesichtsnerv liegende Tumore oder eine Mittelohrentzündung können periphere Fazialisparesen auslösen.

Bei einer peripheren Fazialisparese tritt die Schädigung erst im weiteren Verlauf des Nervens auf. Der Nerv ist dabei an mehreren Stellen der Gefahr ausgesetzt, komprimiert zu werden. Der klassische Unterschied zur zentralen Fazialisparese in der Symptomatik liegt darin, dass häufig die gesamte mimische Muskulatur einer Gesichtshälfte inklusive der Augen- und Stirnmuskulatur betroffen ist. Des Weiteren zeigt sich eine periphere Läsion des rechten Nervus facialis auch auf der rechten Gesichtshälfte, bei einer linksseitigen Läsion verhält es sich dann entsprechend ebenso.

Ursachen der Fazialisparese

Die Ursachen für eine Fazialislähmung sind vielfältig. Eine Vielzahl von Ursachen (Infektionen, Verletzungen, Tumoren, etc.) kann zu einer Schädigung des Nervs mit Funktionsminderung bzw. -verlust führen.

Die Faszialislähmung tritt meist im mittleren Lebensalter auf. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Letztlich können auch psychische Faktoren wie extremer Stress oder banale Umgebungsfaktoren - wie Zugluft im Gesicht - eine Entzündung des Nervus facialis auslösen: Gesichtslähmungen treten statistisch häufiger nach Wetterumschwüngen auf.

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Als Risikofaktoren für eine Gesichtslähmung gelten hoher Blutdruck und Diabetes. Diabetes schädigt bei schlechter Einstellung der Blutzuckerwerte nicht selten die Nerven und kann so auch den Nervus facialis betreffen. Ein höheres Risiko für eine Fazialisparese haben auch Schwangere, wobei hier die Ursache unbekannt ist.

Idiopathische Fazialisparese (Bell-Parese)

Am häufigsten ist die so genannte idiopathische Fazialisparese (Bell’s palsy), bei der man keine Ursache findet, und die nur eine Gesichtshälfte betrifft. Diese bildet sich in den meisten Fällen spontan zurück. Bei über 60% der peripheren Gesichtslähmungen ist keine direkte, nachweisbare Ursache erkennbar. Man geht davon aus, dass verschiedene Faktoren zu entzündlichen Ödemen der Nerven führen.

Die häufigste Form der einseitigen Fazialisparese ist mit einem Anteil von etwa 50-65% unbekannter Ursache. Sie wird auch als “Bell-Parese” bezeichnet. Die sogenannte idiopathische Fazialisparese scheint dabei beide Geschlechter und die verschiedenen Altersgruppen gleichermaßen zu betreffen. Eine genaue Ursache konnte bislang nicht identifiziert werden. Meist findet sich eine Schwellung des Nervens, der durch einen Reizzustand hervorgerufen wird. Verschiedene Faktoren wie Stress, Infektionen, Schwangerschaft oder Zugluft scheinen das Auftreten dieses Reizzustandes zu begünstigen, sodass es zu einer Einengung des Nervens im Knochenkanal kommt.

Infektionen als Ursache

Schwillt der Nervus facialis an - etwa durch eine Infektion mit Bakterien oder Viren - kann es schnell zu einer Schädigung des Nervs und Funktionsstörungen kommen, die sich dann im Gesicht in Form einer Gesichtslähmung spiegeln. Verschiedene Infektionskrankheiten können eine Fazialisparese zur Folge haben. Die weitaus häufigste Infektion ist dabei die Borreliose. In einigen Fällen geht der Fazialisparese auch eine Infektion mit dem Herpes Zoster Virus voraus.

Eine Borreliose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Zeckenstiche übertragen wird. Im fortgeschrittenen Stadium kann die Infektion auf den Nervus facialis übergreifen und so eine einseitige Gesichtslähmung verursachen. Zu den viralen Infektionen, die eine solche Parese auslösen können, gehört das Herpes Zoster Virus. Dieses verursacht nicht nur die klassischen Windpocken, sondern kann bei einer Reaktivierung auch zu einer Ausprägung der Gürtelrose (Herpes zoster) führen. Im Falle eines sogenannten Zoster oticus, kann dabei unter anderem der Nervus facialis bei seinem Verlauf durch den Gehörgang betroffen sein. Dies zeigt sich dann in einer peripheren Fazialisparese.

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Auch weitere Infektionskrankheiten wie Röteln, Mumps, Kinderlähmung und die Grippe können zur Lähmung des Gesichts führen, da bei allen die Gefahr besteht, dass sich die Infektion auf den Gesichtsnerv ausbreitet. Bei einer Mittelohrentzündung ist die Gefahr dafür aufgrund der räumlichen Nähe zum Nerven besonders hoch. Eine solche Schädigung der Nerven ist jedoch meist nur vorübergehend.

Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen zeichnen sich dadurch aus, dass durch verschiedene Prozesse die körpereigenen Strukturen durch das Immunsystem angegriffen werden. Einige können dabei eine periphere Fazialisparese auslösen.

In diesem Zusammenhang kennt man vor allem die Sarkoidose (Morbus Boeck oder Morbus Schaumann-Besnier) und das Guillain-Barré-Syndrom als Auslöser einer peripheren Fazialisparese. Die Sarkoidose ist eine systemische Erkrankung, bei der sich unter anderem die Ohrspeicheldrüse bzw. Tränendrüse entzünden kann. Dies kann im Verlauf dann zu einer Schädigung der umgebenden Nerven führen. Beim Guillain-Barré-Syndrom kommt es zu entzündlichen Reaktionen verschiedener Nervenenden, die dadurch zerstört werden. Die Erkrankung tritt dann in Form unterschiedlicher Lähmungserscheinungen auf. Diese beginnt meist in den Beinen und breitet sich über den Körper aus, sodass die Gesichtslähmung nur eine Teilerscheinung des Krankheitsbildes ist. Die Lähmung ist dabei aber nicht endgültig, sondern bildet sich mit der Zeit von selbst wieder zurück.

Tumore als Ursache

Auch verschiedene Tumorerkrankungen können zu einer Fazialisparese führen. Der häufigste Tumor ist das Akustikusneurinom. Es handelt sich um einen gutartigen Tumor, der von Zellen des Nervensystems ausgeht. Erste Symptome sind Hör- und Gleichgewichtsstörungen, die durch Beeinträchtigung der entsprechenden Nerven entstehen. Die Symptomatik kann unbehandelt aber auch auf den Nervus facialis übergreifen und ihn schädigen.

Letztlich können sämtliche Tumore, die in anatomischer Nähe zum Ohr und damit dem Hauptstrang des Nervs liegen, zur Ursache für eine Fazialisparese werden.

Weitere Ursachen

Eine traumatische Gesichtslähmung ist Folge von Brüchen der Schädelbasis, vor allem des Felsenbeins. Daneben kommen Verletzungen des Gesichts, des Unterkiefers oder der Ohrspeicheldrüse sowie operative Eingriffe in diesen Bereichen bzw. Gut- oder bösartige Geschwülste (Tumoren) im Verlauf des Gesichtsnervs, z.B. Seltene Ursachen einer Gesichtslähmung sind Vergiftungen durch Medikamente oder Giftstoffe sowie Ohrfehlbildungen.

Symptome der Fazialisparese

Eine Funktionseinschränkung/-verlust des N. facialis kann je nach Lokalisation folgende Beschwerden nach sich ziehen: Einseitige schlaffe Lähmung der mimischen Muskulatur Gesichtsasymmetrie - erweiterte Lidspalte ( Verlust der Fähigkeit des vollständigen Lidschlusses mit Gefahr von Hornhautschäden) positives Bell-Phänomen: aufgrund des unvollständigen Lidschlusses wird die physiologische Aufwärtsbewegung des Augapfels sichtbar verstrichene Stirn- und Nasolabialfalten beeinträchtigte Artikulation: aufgrund der Schwäche der Wangen- und Lippenmuskulatur Geschmacksstörung der vorderen 2/3 der Zunge Abnahme der Speichelsekretion Geräusch-Überempfindlichkeit Abnahme der Tränensekretion

Eine Fazialisparese äußert sich in der Regel durch eine einseitige Lähmung der Gesichtsmuskulatur. Betroffene Personen fallen durch einen herabhängenden Mundwinkel und ein eingeschränktes Lächeln auf, wodurch die Fähigkeit, zu sprechen, zu essen und zu trinken beeinträchtigt sein kann. Auch Missempfindungen im Gesicht sind möglich, die etwa an das Gefühl nach einer Betäubung bei der zahnärztlichen Behandlung erinnern können. In manchen Fällen treten Schmerz im und um das Ohr herum auf.

Bei der peripheren Fazialisparese ist zusätzlich die Stirnmuskulatur (Stirnrunzeln) und der Schluss des Augenlides beeinträchtigt. Ebenso können Geschmackstörungen, eine erhöhte Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis) und Trockenheit von Mund und Augen auftreten.

Diagnose der Fazialisparese

Die Diagnose der Fazialisparese ist vor allem Ursachenforschung. Auch eine Mittelohrentzündung kann den Nervus facialis in Mitleidenschaft ziehen, daher kann für die Diagnose eine Zusammenarbeit zwischen HNO-Arzt und Neurologen sehr hilfreich sein.

In interdisziplinärer Zusammenarbeit erfolgt sowohl eine eingehende klinische wie auch elektrophysiologische Untersuchung der Patienten. Hierbei kommen Testverfahren wie die Durchführung von Nervenerregbarkeitstests, Untersuchung der Nervenleitgeschwindigkeit sowie Elektromyographien zur Anwendung. Ziel ist es Ursache, Lokalisation und Ausprägung der Parese sowie evtl. noch vorhandene Restfunktionen des N. facialis zu ermitteln. Im Einzelfall werden noch weitere Spezialuntersuchungen mit Computertomographien und Magnetresonanztomographien durchgeführt. Im Anschluss wird gemeinsam mit dem Patienten ein individualisiertes Behandlungskonzept entwickelt.

Mithilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) untersucht der Arzt oder die Ärztin, ob der Auslöser im Gehirn liegt. Im nächsten Schritt wird Blut abgenommen oder eine Lumbalpunktion zur Gewinnung von Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit durchgeführt.

Obwohl ein erfahrener Arzt eine halbseitige Gesichtslähmung meist schon durch eine Blickdiagnose erkennen kann, sollte die Diagnostik einer systematischen Gliederung folgen. An erster Stelle des Patientengespräches steht dabei die ausführliche Anamnese. Interessant sind dabei vor allem Informationen zu möglichen Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und eine möglichst zeitlich-genaue Einordung über das Auftreten der ersten Symptome. In diesem Gespräch und in der anschließenden körperlichen Untersuchung ergibt sich dann meist ein markantes klinisches Erscheinungsbild: Der Mundwinkel steht offen, Speichel fließt aus, die Sprache wirkt schwer verständlich und das Augenlid schließt nur teilweise oder gar nicht.

Nach Ausschluss von Symptomen, die auf ein akut gefährliches Krankheitsgeschehen hinweisen und eine sofortige Intervention erfordern, folgt im Anschluss meist eine Blutentnahme. Ziel hierbei ist es, virale oder bakterielle Infektionen auszuschließen. Die neurologische Untersuchung prüft die Funktionstüchtigkeit der zentralen und peripheren Nerven. Bei einer peripheren Lähmung ist es wichtig, die Schädigung des Nervs zu lokalisieren. Abhängig davon, ob die Schädigung der Nerven innerhalb oder außerhalb des Schädels liegt, ist die Lähmung unterschiedlich stark ausgeprägt: so können nur die Gesichtsmuskeln gelähmt sein oder aber bei einer Schädigung innerhalb des Schädels auch Geschmack, Empfindung oder Speichelfluss beeinträchtigt sein.

Behandlung der Fazialisparese

In vielen Fällen ist aber keine direkte Ursache der Fazialisparese bekannt. Dann wird meist für einen Zeitraum von 14 Tagen mit Kortison behandelt, das generell Entzündungen im Körper bekämpft. Mittels Infusionen verabreichen Arzt oder Ärztin auch manchmal durchblutungsfördernde Medikamente. Bei Vitamin-B12-Mangel wird mit Präparaten aus dem Vitamin-B-Komplex behandelt. Hierbei werden insbesondere Vitamin B12 aber auch Vitamin B6 und B1 eingesetzt.

Aufgrund der vielfältigen Ursachen, die zu einer Gesichtslähmung führen können, lässt sich kaum ein einheitliches Behandlungskonzept beschreiben. Vielmehr richtet sich der behandelnde Spezialist nach dem jeweiligen zugrundeliegenden Krankheitsbild. Sowohl medikamentöse als auch operative Therapieverfahren kommen dabei zur Anwendung.

Ziel der Therapie ist es, die Rückbildung der Symptome zu beschleunigen und insbesondere eine Schädigung der Hornhaut zu vermeiden. Die Art der Therapie ist vom Ort und der Ursache der Fazialisparese abhängig.

Medikamentöse Therapie

Entsteht die Gesichtslähmung als Folge einer Infektion mit einem Virus oder einem Bakterium, helfen bestimmte Medikamente - Virustatika bei Viren und Antibiotika bei Bakterien - dabei, die Erreger zu eliminieren. Im Rahmen einer symptomatischen Fazialisparese gilt es in erster Linie, den auslösenden Erreger zu bekämpfen. Hierfür kommen etwa Antibiotika, die sich gegen krankheitsauslösende Bakterien (z. B. Borrelien im Falle einer Borreliose) richten, oder Virustatika, die sich gegen krankheitsauslösende Viren (z. B. das Varizella-Zoster-Virus im Falle einer Zoster-Erkrankung) richten, zum Einsatz.

Außerdem kommen bei manchen Betroffenen Glukokortikoide, umgangssprachlich Kortison, zum Einsatz. Hierbei kommen insbesondere Kortison-Präparate, sog. Glukokortikoide zum Einsatz. Sie verkürzen den Krankheitsverlauf und führen mit einer größeren Wahrscheinlichkeit zu einem kompletten Rückgang der Erkrankung (Remission).

Supportive Therapie

Da bei den meisten Patienten und Patientinnen mit peripherer Fazialisparese eine Schädigung der Lidschluss-Funktion besteht, muss das Auge besonders gepflegt werden, damit sich die Hornhaut nicht entzündet. Das geschieht mit künstlicher Tränenflüssigkeit und Augensalbe. Nachts tragen Patienten einen sogenannten Uhrglasverband (eine Art durchsichtige Augenklappe im Pflasterformat), um vor Austrocknung zu schützen.

Kann das Augenlid nicht mehr vollständig geschlossen werden, kommt dem Schutz der Hornhaut eine wichtige Bedeutung zu. Hierbei finden z. B. Tränenersatzmittel, Dexpanthenol-Augensalben und nächtliche Uhrglasverbände, bei denen das betroffene Auge abgedeckt wird, Anwendung.

Operative Therapie

Das gesamte Spektrum operativer Verfahren zur Behandlung der Fazialisparese wird in unserer Abteilung angeboten. Hierzu gehören sowohl Techniken der Nervenrekonstruktion sowie sekundär plastisch-rekonstruktive Maßnahmen mit dem Ziel der Rehabilitation des Mundes bzw. des Auges.

In wenigen Fällen hat eine Fazialisparese Langzeitfolgen. Ist die Gesichtslähmung chronisch (dauerhafte Schädigung der Nerven) und beispielsweise der Lidschluss des Auges eines Patienten gestört, gibt es die Möglichkeit der Therapie mit rekonstruktiver, plastischer Operation. Ein offenstehendes Unterlid kann beispielsweise mit einer besonderen Operationstechnik (Canthoplastik) behandelt werden. Eine entsprechende OP am Oberlid, bei der das Sichtfeld korrigiert wird, heißt Blepharoplastik.

Nervenrekonstruktion

  • Primäre Nervennaht: Nach erlittenem Trauma bietet die primäre Versorgung die besten Aussichten für eine erfolgreiche Reinnervation.
  • Sekundäre Nervennaht - Nerveninterponate: Unter Verwendung von sensiblen Hautnerven (z.B. N. suralis vom Unterschenkel) können Defekte im Verlauf des N.facialis erfolgreich überbrückt werden.
  • Hypoglossus-Fazialis-Anastomose: Hierbei werden Teile des N. hypoglossus (Zungennerv) mit peripheren Enden des N. facialis verbunden um eine Reinnervation der gelähmten Muskulatur zu erzielen.
  • Cross-Face Nerve Graft (CFNG): Bei Fehlen eines geeigneten zentralen N. facialis-Stumpfes kann unter Verwendung eines Nerventransplantates (z.B. N. suralis) von der gesunden Seite die Innervation der Muskulatur der gelähmten Seite erreicht werden. Zusätzlich kann die Technik des CFNG als additives Verfahren zum freiem funktionellen Muskeltransfer gesehen werden.
  • Neuromuskuläre Transposition: Hierunter wird die Einbringung eines innervierten Fremdmuskels in die gelähmte mimische Muskulatur verstanden. Für die Gesichtsmuskulatur eignet sich hier insbesondere der M. temporalis oder der M. masseter. Auch die sog. freie neurovaskuläre funktionelle Muskeltransplantation gehört zum Routinerepertoire unserer Abteilung. Hierunter versteht man die Verwendung eines Muskel-Nerv-Gefäß-Transplantates, z.B. aus einem Oberschenkelmuskel (M. gracilis) als Ersatz für die gelähmte Gesichtsmuskulatur.
  • Statische Ersatzoperationen: Die interdisziplinäre Zusammenarbeit am Universitätsklinikum Freiburg zur Behandlung der Fazialisparese gewährleistet eine optimale Patientenversorgung mit weitgehender Wiederherstellung der Muskelfunktion und somit wesentlicher Verbesserung der Lebensqualität.

Weitere operative Maßnahmen

  • Dynamische Muskelplastik mit einem Kaumuskel: Hierbei wird einer der gleichseitigen Kaumuskeln von seiner normalen Position verlagert und im Mundwinkel aufgehängt. Dies sorgt sofort wieder für eine gute Spannung im Mundbereich.
  • Statische Maßnahmen: Anstatt einer Muskelverlagerung kann auch kräftige Muskelhaut von Oberschenkel-Beinmuskeln oder eine Sehne eines Unterarmmuskels wie ein Zügel zwischen Mundwinkel und Wangenknochen aufgespannt werden. Hiermit erzielt man sofort eine gute Ruhespannung des unteren Gesichts.
  • Sonderstellung des Auges: Statische Maßnahmen am Auge: Das operative Verfahren der Wahl zur Wiederherstellung des Augenschlusses ist in Deutschland das Einsetzen eines Goldgewichts (neuerdings auch mit Platingewichten möglich). Dieses Goldgewicht wird in einer lokalen Betäubung in das Oberlid eingenäht. Durch das Gewicht wird das Auge passiv geschlossen.

Botulinumtoxin-Behandlung

Solche Synkinesien kann man mit Botulinum-Toxin behandeln, das in die entsprechende Muskulatur gespritzt wird, um die unwillkürlichen Bewegungen zu verhindern.

Prognose der Fazialisparese

Bei etwa 80 Prozent der Betroffenen verschwinden die Symptome einer Gesichtslähmung nach wenigen Wochen wieder vollständig. In manchen Fällen bleiben Restsymptome durch die Schädigung. Dazu gehören unwillkürliche Zuckungen der mimischen Muskulatur oder unbeabsichtigte Mitbewegungen der Mimik - zum Beispiel wenn der Mund gespitzt wird, schließt sich auch das Augenlid.

In der Regel kommt es nach 4-6 Wochen zu einer beginnenden Remission (Besserung der Symptome). In 80 % der Fälle bilden sich die Symptome innerhalb von 6 Monaten vollständig oder fast vollständig zurück. Bei nicht behandelten Patient*innen kommt es 9 Monate nach Symptombeginn zu einer teilweisen Rückbildung.

Regelmäßige Verlaufskontrollen sollten so lange stattfinden, bis sich die Lähmung gut zurückgebildet hat. Ist die Lähmung innerhalb eines Jahres nicht zurückgegangen, sollte die Vorstellung in einem spezialisierten Zentrum erfolgen. Mit rekonstruktiven chirurgischen Maßnahmen können erfahrene Spezialist*innen eine (eingeschränkte) Wiederbelebung der Gesichtsbewegungen (Mimik) erreichen.

Die Prognose ist insgesamt gut. Eine vollständige Rückbildung erfolgt selbst ohne Behandlung in 65 % bzw. 85 % der Fälle nach 3 bzw. 9 Monaten. In 4-14 % der Fälle kommt es zu einem Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv). Die Erholungsraten sind bei infektiös bedingten Fazialisparesen (z. B. durch eine Zoster-Infektion oder Borreliose) höher als bei unfallbedingten Fazialisparesen. Die Rückbildung einer Fazialisparese bei Neuroborreliose erfolgt meist innerhalb von 1-2 Monaten.

Negative prognostische Faktoren

Folgende Faktoren können die Prognose verschlechtern: Vollständige Lähmung des Nervus facialis Keine Besserung nach 3 Wochen Alter > 60 Jahre Starke Schmerzen Begleiterkrankungen: Bluthochdruck, Diabetes Gürtelrose im Gesicht als Ursache Verletzung als Ursache Schwangerschaft Hyperakusis (Geräuschüberempfindlichkeit) Bei elektrophysiologischen Untersuchungen nachgewiesener ausgeprägte Schädigung des Nervus facialis

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