ZNS-Entzündung bei Katzen: CT-Diagnostik und Ursachen

Eine Entzündung des Zentralnervensystems (ZNS) bei Katzen kann verschiedene Ursachen haben, darunter Infektionen, parasitäre Erkrankungen und idiopathische Entzündungen. Die Diagnose gestaltet sich oft komplex und erfordert eine systematische Aufarbeitung, bei der die Computertomographie (CT) eine wichtige Rolle spielt.

Einführung in die ZNS-Entzündung bei Katzen

Das zentrale Nervensystem der Katze umfasst Gehirn und Rückenmark, die durch die Hirnhäute geschützt werden. Entzündungen in diesem Bereich können zu vielfältigen neurologischen Symptomen führen, die die Lebensqualität der Katze erheblich beeinträchtigen. Die frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um irreversible Schäden zu vermeiden.

Ursachen einer ZNS-Entzündung

Die Ursachen für eine ZNS-Entzündung bei Katzen sind vielfältig und können in infektiöse und nicht-infektiöse Ursachen unterteilt werden:

  • Infektiöse Ursachen:

    • Viren: Das Rustrela-Virus, entdeckt im Jahr 2020, kann bei Hauskatzen die sogenannte Staggering Disease (Taumelkrankheit) auslösen. Auch das Feline Coronavirus, das Feline Herpesvirus sowie FeLV und FIV können neurologische Manifestationen haben.
    • Bakterien: Bakterielle Meningitis ist eine mögliche, aber seltenere Ursache für ZNS-Entzündungen bei Katzen.
    • Pilze: Insbesondere Cryptococcus neoformans kann zu einer Meningoenzephalitis führen, die sich in verschiedenen klinischen Formen äußern kann. Auch Aspergillus spp. können, wenn auch selten, Infektionen des ZNS verursachen.
    • Parasiten: Toxoplasma gondii ist ein häufiger Erreger von Enzephalitis bei Katzen. Auch die Larven von Toxocara cati können ins ZNS wandern und dort Entzündungen verursachen (viszerale Larva migrans). Aelurostrongylus abstrusus ist der wichtigste Lungenwurm bei Katzen in Deutschland.
  • Nicht-infektiöse Ursachen:

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    • Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie die Sarkoidose, Morbus Behcet, SLE oder die CCP-positive rheumatoide Arthritis können selten mit einer Meningitis einhergehen.
    • Trauma: Ein Schädeltrauma nach einem Unfall kann zu einem Anstieg des Drucks in der Schädelhöhle und somit zu neurologischen Symptomen führen.
    • Tumore: Neoplasien im Bereich des ZNS können ebenfalls Entzündungen und neurologische Ausfälle verursachen.
    • Idiopathische Entzündungen: In einigen Fällen kann die Ursache der ZNS-Entzündung nicht festgestellt werden.

Klinische Symptome einer ZNS-Entzündung

Die klinischen Symptome einer ZNS-Entzündung bei Katzen sind vielfältig und hängen von der Lokalisation und dem Ausmaß der Entzündung ab. Mögliche Symptome sind:

  • Ataxie: Koordinationsstörungen, die sich als unkoordinierte Bewegungen, Stolpern, Umfallen oder Kreislaufen äußern können.
  • Verhaltensänderungen: Teilnahmslosigkeit, Schläfrigkeit, Desorientierung, Aggressivität oder vermehrte Anhänglichkeit.
  • Krampfanfälle: Unkontrollierte Muskelzuckungen oder Bewusstseinsverlust.
  • Bewusstseinsstörungen: Von leichter Verwirrung bis hin zum Koma.
  • Schmerzäußerung: Anzeichen von Schmerzen, z.B. durch Berührungsempfindlichkeit oder veränderte Körperhaltung.
  • Lähmungen: Schwäche oder vollständiger Verlust der Bewegungsfähigkeit in einzelnen Gliedmaßen oder im ganzen Körper.
  • Kopfschiefhaltung: Neigung des Kopfes zur Seite, oft in Verbindung mit Gleichgewichtsstörungen.
  • Sehstörungen: Vermindertes Sehvermögen oder Blindheit.
  • Schluckstörungen: Schwierigkeiten beim Fressen oder Trinken.
  • Harn- oder Kotinkontinenz: Unkontrollierter Verlust von Urin oder Kot.
  • Fieber: Erhöhte Körpertemperatur.
  • Nystagmus: Unkontrollierte, rhythmische Augenbewegungen.

Diagnostik der ZNS-Entzündung

Die Diagnostik einer ZNS-Entzündung bei Katzen erfordert ein systematisches Vorgehen, um die Ursache der Entzündung zu identifizieren und eine geeignete Therapie einzuleiten.

Anamnese und klinische Untersuchung

Eine ausführliche Anamnese, in der die Krankengeschichte der Katze, die Art und Dauer der Symptome sowie mögliche Risikofaktoren erfasst werden, ist ein wichtiger erster Schritt. Die allgemeine klinische Untersuchung dient dazu, den Allgemeinzustand der Katze zu beurteilen und andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Neurologische Untersuchung

Die neurologische Untersuchung ist ein zentraler Bestandteil der Diagnostik. Dabei werden verschiedene Aspekte des Nervensystems überprüft, darunter:

  • Mentale Verfassung: Beurteilung des Bewusstseinszustands und des Verhaltens der Katze.
  • Haltung und Gangbild: Beobachtung der Körperhaltung und der Bewegungsabläufe.
  • Reflexe: Überprüfung der Reflexe, z.B. des Kniesehnenreflexes oder des Pupillenreflexes.
  • Hirnnervenfunktion: Testung der Funktion der Hirnnerven, z.B. durch Überprüfung des Sehvermögens, des Geruchssinns oder des Schluckreflexes.
  • Schmerzempfindung: Beurteilung der Sensibilität der Haut und der tiefen Schmerzempfindung.

Bildgebende Verfahren

Die Bildgebung spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose von ZNS-Entzündungen.

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  • Computertomographie (CT): Die CT ist besonders gut geeignet, um knöcherne Strukturen darzustellen und Veränderungen in der Nasenhöhle, den Nasennebenhöhlen oder dem Mittelohr zu erkennen. Sie kann auch Hinweise auf Entzündungsprozesse oder Tumore liefern. Bei der felinen Aspergillose kann eine CT-Untersuchung von Nasenhöhle und Orbita Hinweise auf die Infektion geben und die Ausdehnung des Entzündungsprozesses verdeutlichen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist das bildgebende Verfahren der Wahl zur Darstellung von Weichteilgewebe und somit ideal, um Veränderungen im Gehirn und Rückenmark zu beurteilen. Sie kann Entzündungsherde, Ödeme, Blutungen oder Tumore sichtbar machen.

Liquoruntersuchung

Die Untersuchung der Zerebrospinalflüssigkeit (Liquor) ist ein wichtiger Schritt, um Entzündungen, Infektionen oder andere Erkrankungen des ZNS nachzuweisen. Der Liquor wird durch eine Lumbalpunktion gewonnen und anschließend zytologisch, biochemisch und mikrobiologisch untersucht.

Weitere diagnostische Maßnahmen

Je nach Verdachtsdiagnose können weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich sein, darunter:

  • Blutuntersuchungen: Zum Ausschluss anderer Erkrankungen und zur Beurteilung des Allgemeinzustands der Katze.
  • Serologische Untersuchungen: Zum Nachweis von Antikörpern gegen bestimmte Erreger, z.B. Toxoplasma gondii oder das Rustrela-Virus.
  • PCR-Tests: Zum direkten Nachweis von Erregern im Liquor oder anderen Proben.
  • Biopsie: In einigen Fällen kann eine Biopsie des Gehirns oder Rückenmarks erforderlich sein, um die Diagnose zu sichern.

CT-Diagnostik bei ZNS-Entzündungen

Die Computertomographie (CT) ist ein wertvolles diagnostisches Werkzeug bei der Abklärung von ZNS-Erkrankungen bei Katzen. Sie ermöglicht eine detaillierte Darstellung der knöchernen Strukturen des Schädels und der Wirbelsäule sowie eine Beurteilung des Gehirns und des Rückenmarks.

Indikationen für eine CT-Untersuchung

Eine CT-Untersuchung kann bei Katzen mit neurologischen Symptomen indiziert sein, wenn:

  • Der Verdacht auf eine knöcherne Beteiligung besteht, z.B. bei Trauma oder Tumorverdacht.
  • Eine Erkrankung der Nasenhöhle, der Nasennebenhöhlen oder des Mittelohrs als Ursache der neurologischen Symptome vermutet wird.
  • Eine schnelle Beurteilung des Gehirns erforderlich ist, z.B. bei akuten Notfällen.
  • Eine MRT-Untersuchung nicht verfügbar oder kontraindiziert ist.

CT-Befunde bei ZNS-Entzündungen

Die CT-Befunde bei ZNS-Entzündungen können je nach Ursache und Ausmaß der Entzündung variieren. Mögliche Befunde sind:

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  • Raumforderungen: Tumore oder Abszesse, die das Gehirn oder Rückenmark komprimieren.
  • Ödeme: Schwellungen des Gehirns oder Rückenmarks.
  • Entzündungsherde: Bereiche erhöhter Dichte im Gehirn oder Rückenmark.
  • Hydrozephalus: Erweiterung der Hirnventrikel aufgrund einer Abflussstörung des Liquors.
  • Veränderungen der Knochenstrukturen: Frakturen, Luxationen oder Destruktionen durch Tumore oder Infektionen.
  • Erkrankungen der Nasenhöhle oder des Mittelohrs: Entzündungen, Polypen oder Tumore, die sich auf das ZNS ausbreiten können.

Differentialdiagnosen in der CT

Bei der Interpretation von CT-Bildern ist es wichtig, Differentialdiagnosen in Betracht zu ziehen, um die Ursache der ZNS-Entzündung einzugrenzen. Mögliche Differentialdiagnosen sind:

  • Infektionen: Bakterielle Meningitis, virale Enzephalitis, Pilzinfektionen (z.B. Kryptokokkose), Toxoplasmose.
  • Tumore: Meningeome, Gliome, Lymphome.
  • Trauma: Schädel-Hirn-Trauma, Wirbelsäulenverletzungen.
  • Vaskuläre Erkrankungen: Schlaganfall, Hirnblutung.
  • Degenerative Erkrankungen: Feline Spongiforme Enzephalopathie.
  • Idiopathische Entzündungen: Granulomatöse Meningoenzephalitis (GME).

Therapie der ZNS-Entzündung

Die Therapie der ZNS-Entzündung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

  • Infektiöse Ursachen:
    • Bakterielle Meningitis: Antibiotikatherapie mit Antibiotika, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden können.
    • Pilzinfektionen: Antimykotische Therapie, z.B. mit Itrakonazol oder Fluconazol.
    • Toxoplasmose: Therapie mit Antibiotika wie Clindamycin.
  • Nicht-infektiöse Ursachen:
    • Autoimmunerkrankungen: Immunsuppressive Therapie mit Kortikosteroiden oder anderen Immunsuppressiva.
    • Tumore: Chirurgische Entfernung, Strahlentherapie oder Chemotherapie.
    • Trauma: Stabilisierung der Katze, Schmerztherapie und gegebenenfalls chirurgische Intervention.
    • Idiopathische Entzündungen: Immunsuppressive Therapie mit Kortikosteroiden oder anderen Immunsuppressiva.

Zusätzlich zur spezifischen Therapie können unterstützende Maßnahmen erforderlich sein, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Katze zu verbessern. Dazu gehören:

  • Schmerztherapie: Schmerzlinderung mit geeigneten Analgetika.
  • Antikonvulsiva: Zur Kontrolle von Krampfanfällen.
  • Flüssigkeitstherapie: Zur Aufrechterhaltung des Flüssigkeitshaushaltes.
  • Ernährung: Unterstützung der Ernährung, z.B. durch Fütterung mit einer Sonde.
  • Physiotherapie: Zur Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination.

Prävention von ZNS-Entzündungen

Einige Ursachen von ZNS-Entzündungen können durch vorbeugende Maßnahmen reduziert werden:

  • Impfungen: Regelmäßige Impfungen gegen feline Viruserkrankungen können das Risiko einer ZNS-Beteiligung verringern.
  • Parasitenprophylaxe: Regelmäßige Entwurmung und Flohbekämpfung können das Risiko von Parasiteninfektionen reduzieren.
  • Sichere Umgebung: Schutz der Katze vor травмами durch eine sichere Umgebung.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung stärkt das Immunsystem und kann das Risiko von Infektionen verringern.

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