Enzephalitis: Ursachen, Symptome und Behandlung

Enzephalitis, der medizinische Fachbegriff für Gehirnentzündung, ist eine schwerwiegende Erkrankung, die das Gehirn betrifft. In den meisten Fällen wird sie durch Viren verursacht, kann aber auch durch Bakterien, Pilze, Parasiten oder Autoimmunreaktionen ausgelöst werden. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um Komplikationen und bleibende Schäden zu vermeiden.

Was ist Enzephalitis?

Enzephalitis bezeichnet eine Entzündung des Gehirngewebes. Im engeren Sinne handelt es sich um die Entzündung des Großhirns (Cerebrum). Die Entzündung kann isoliert auftreten oder sich auf andere Bereiche des zentralen Nervensystems ausweiten.

  • Meningoenzephalitis: Eine kombinierte Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten. Die bekannteste Form ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
  • Enzephalomyelitis: Eine Entzündung, die sowohl das Gehirn als auch das Rückenmark betrifft.
  • Panenzephalitis: Eine Entzündung des gesamten Gehirns, die häufigste Form der Hirnentzündung.
  • Leukenzephalitis/Leukoenzephalitis: Betrifft die Nervenfasern der weißen Hirnsubstanz, typisch beispielsweise bei Multipler Sklerose.
  • Polioenzephalitis: Betrifft die Nervenzellkörper der grauen Hirnsubstanz, insbesondere bei Poliomyelitis (Kinderlähmung).

Ursachen und Risikofaktoren

In den allermeisten Fällen werden Hirnentzündungen durch Viren verursacht. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Bakterien, Einzellern, Prionen, Pilzen oder Würmern, die Enzephalitis auslösen können. Auch Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose können zu Gehirnentzündungen führen.

Virale Enzephalitis

Die häufigsten viralen Auslöser sind:

  • Herpes-Simplex-Viren (HSV): Verursachen Lippenherpes und Genitalherpes. Die häufigste Ursache einer viralen Gehirnentzündung bei Erwachsenen. Etwa 5 von 100.000 Personen pro Jahr haben eine durch Herpes-simplex-Viren verursachte Enzephalitis.
  • Varizella-Zoster-Viren (VZV): Verursachen Windpocken und Gürtelrose. Bei 1 von 1000 Menschen, die an Windpocken oder Gürtelrose erkrankt sind, kommt es zu einer Enzephalitis.
  • Epstein-Barr-Viren (EBV): Verursachen das Pfeiffersche Drüsenfieber.
  • Enteroviren: Verursachen Hepatitis A, Hand-Fuß-Mund-Krankheit und grippale Infekte.
  • FSME-Viren: Verursachen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die durch Zecken übertragen wird. Im Jahr 2020 wurden 97 Enzephalitis-Fälle aufgrund von FSME gemeldet. Das entspricht etwa 1,2 von 1.000.000 Personen.
  • Masernviren: Verursachen Masern. Bei etwa 1 von 1.000 Masern-Fällen kommt es zu einer Enzephalitis. Eine noch gefährlichere von Masern ausgelöste Gehirnentzündung bezeichnen Mediziner als subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE).
  • Mumpsviren: Verursachen Mumps.
  • Rötelnviren: Verursachen Röteln.
  • Lyssaviren: Verursachen Tollwut. Weltweit sterben jährlich etwa 35.000-100.000 Menschen an Tollwut, 80 von 100 Verstorbenen hatten eine Enzephalitis.
  • West-Nil-Viren: Verursachen das West-Nil-Fieber.
  • Arboviren: Verursachen die Japanische Enzephalitis, die vorwiegend in Ost- und Südostasien verbreitet ist.
  • Zytomegalie-Virus (CMV): Verursacht Zytomegalie.
  • Influenzaviren: Grippeviren können eine Enzephalitis verursachen.
  • SARS-CoV-2-Virus: Seltener ist COVID-19 Auslöser einer Enzephalitis.

Die Viren, die eine Enzephalitis auslösen können, werden in vielen Fällen über Tröpfchen übertragen, beispielsweise bei Masern, Röteln oder Herpes. Gut zu wissen: In nur wenigen Fällen entzündet sich daraufhin das Gehirn. Aber auch andere Übertragungswege sind möglich: Die FSME-Viren (Erreger der Frühsommermeningoenzephalitis) gelangen durch Zeckenstiche auf den Menschen. Durch Tierbisse (z. B. von Fledermäusen) können Menschen sich mit Lyssaviren infizieren, die Tollwut auslösen. In (sub)tropischen Gebieten wiederum tragen oft Mücken dazu bei, dass sich Enzephalitis-auslösende Viren verbreiten. Möglich ist ferner eine Ansteckung über infiziertes Blut.

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Bakterielle Enzephalitis

Bakterien rufen seltener eine Enzephalitis hervorrufen. Zu den bakteriellen Erregern zählen:

  • Borreliose
  • Syphilis
  • Tuberkulose
  • Typhus
  • Listeria monocytogenes. Letzteres betrifft insbesondere ältere und immunsupprimierte Personen.

Bakterien erreichen das Gehirn entweder über das Blut (etwa bei einer vorangegangenen Entzündung im Kopfbereich), über die Haut (zum Beispiel durch ein Hautfurunkel am Kopf) oder direkt (zum Beispiel bei einer Operation am Kopf). Häufig verläuft die bakterielle Entzündung auch abgekapselt als Hirnabszess. Dieser wird zum Beispiel oft durch Streptokokken verursacht, die mit dem Blut oder über das Ohr beziehungsweise die Nasennebenhöhlen ins Gehirn eindringen.

Pilzbedingte Enzephalitis

Pilzbedingte Gehirnentzündungen sind insgesamt relativ selten. Die meisten mykotischen Enzephalitiden entstehen im Rahmen einer Kryptokokkose bei abwehrgeschwächten Patienten. Ein erhöhtes Risiko haben vor allem immunsupprimierte Patienten aufgrund einer Organtransplantation oder im Rahmen schwerer Erkrankungen wie HIV-Infektion, AIDS oder malignen Erkrankungen.

Parasitäre Enzephalitis

Für parasitäre Enzephalitiden sind vor allem Protozoen wie Toxoplasmen (zum Beispiel Toxoplasma gondii bei Toxoplasmose), Parasiten der Gattung Schistosoma (zum Beispiel Pärchenegel bei Bilharziose) und amöbenähnliche Wurzelfüßer bzw. Rhizopoden (zum Beispiel Naegleria fowleri bei primärer Amöben-Meningoenzephalitis, PAME) verantwortlich.

In Afrika, südlich der Sahara wird die Afrikanische Trypanosomiasis (auch als Schlafkrankheit bezeichnet) durch Trypanosoma brucei verursacht. Diese Erreger werden durch Tsetsefliegen auf den Menschen übertragen. Im zweiten Stadium dieser Tropenkrankheit kommt es zur parasitären Enzephalitis.

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Eine weitere parasitäre Enzephalitis ist die zerebrale Malaria als eine behandelbare, aber schwere Komplikation nach einer Infektion mit Plasmodium falciparum.

Autoimmun-Enzephalitis

Nicht immer wird eine Enzephalitis von einem Krankheitserreger verursacht. Eine Autoimmun-Reaktion kann ebenfalls die Ursache sein: Das Abwehrsystem eines Menschen greift hier das eigene Gehirn an. Dies kann durch einen Infekt oder eine sonstige Fehlaktivierung des Immunsystems ausgelöst werden (Autoimmunenzephalitis). Oder das Abwehrsystem wird durch einen Tumor, der irgendwo im Körper wächst, angestachelt. Etwas mehr als 20% der Gehirnentzündungen sind auf eine Immunursache zurückzuführen. Dabei kann die Gehirnentzündung beispielsweise im Rahmen diverser Infektionskrankheiten immunologisch getriggert werden.

Bei vielen immunvermittelten Enzephalitiden sind spezifische Autoantikörper gegen neuronale Zellfragmente nachweisbar. Aufgrund typischer entzündlicher Schädigungen des limbischen Systems werden diese Gehirnentzündungen auch als limbische Enzephalitis bezeichnet.

Risikogruppen

Bei gesunden Erwachsenen über 25 Jahre sind Gehirnentzündungen eher selten. Ein größeres Risiko haben Kinder, junge Erwachsene und alle Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Besonders gefährdet, an einer Enzephalitis zu erkranken, sind Kinder und junge Erwachsene. Außerdem haben Personen mit einem geschwächten Immunsystem - beispielsweise Personen, die mit HIV infiziert und unbehandelt sind - ein höheres Risiko, eine Gehirnentzündung zu entwickeln. Da einige der genannten Viren in unseren Breiten nicht vorkommen, sind Fernreisende ebenfalls stärker gefährdet.

Epidemiologie

Die akute erregerbedingte Enzephalitis ist insgesamt eher selten. Je nach Erreger unterscheiden sich die Häufigkeiten:

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  • Etwa 5 von 100.000 Personen pro Jahr haben eine durch Herpes-simplex-Viren verursachte Enzephalitis.
  • Bei 1 von 1000 Menschen, die an Windpocken oder Gürtelrose erkrankt sind (Varizella-Zoster-Virus, VZV), kommt es zu einer Enzephalitis.
  • Im Jahr 2020 wurden 97 Enzephalitis-Fälle aufgrund von FSME gemeldet. Das entspricht etwa 1,2 von 1.000.000 Personen.
  • Bei etwa 1 von 1.000 Masern-Fällen kommt es zu einer Enzephalitis.
  • Weltweit sterben jährlich etwa 35.000-100.000 Menschen an Tollwut, 80 von 100 Verstorbenen hatten eine Enzephalitis. In Deutschland kommt Tollwut bei Füchsen oder Haustieren nicht mehr vor, aber weiterhin bei Fledermäusen.

Ein Großteil der Menschen, die an einer akuten erregerbedingten Enzephalitis erkranken, sind zwischen 30 und 55 Jahre alt.

Die epidemiologischen Angaben bei Enzephalitis variieren sehr. In Studien reicht die Spanne von 0,7 bis 13,8 Fälle pro 100.000 Personen pro Jahr. Nach Literaturrecherche in der Medline-Datenbank liegt die jährliche Inzidenz einer infektiösen Enzephalitis weltweit bei 1,5 bis 7 Fälle pro 100.000 Einwohner (ausgenommen Epidemien). Die Inzidenz der HSV-Enzephalitis beträgt in Westeuropa jährlich 5 pro 100.000 Einwohner. Ein Drittel aller Patienten sind unter 20 Jahre. Für die Hälfte aller Enzephalitis-Todesfälle ist das HSV I verantwortlich.

Bei der Übertragung durch Vektoren gibt es große regionale Unterschiede: in Asien ist das japanische Enzephalitis-Virus weit verbreitet, in Ost- und Nordeuropa sowie Ostrussland dominieren durch Zecken übertragene Enzephalitiden und in Nordamerika sind Flavivirus oder Alphavirus häufige Enzephalitiserreger.

Symptome

Enzephalitis beginnt in der Regel mit unspezifischen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Übelkeit oder Erbrechen. Wenn die Gehirnentzündung fortschreitet, kommen charakteristische neurologische Symptome hinzu, die sich im Verlauf der Erkrankung oft verstärken. Die Beschwerden bei einer Enzephalitis hängen von den Ursachen und dem Schweregrad der Erkrankung, von der betroffenen Gehirnregion sowie von der allgemeinen gesundheitlichen Verfassung ab. Folgende Beschwerden können bei einer Enzephalitis auftreten:

  • Beeinträchtigungen der Sehfähigkeit: von Lichtempfindlichkeit bis hin zu deutlichen Sehstörungen (Doppelbilder) oder Lähmungen der Augenmuskulatur
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Sprechstörungen, Einschränkungen im Geruchsempfinden
  • Vegetative Störungen: oft mit abfallendem Herzschlag
  • Kurzfristige Bewusstseinsstörungen: wie Ohnmacht, Schwindel oder Verwirrtheit
  • Eingeschränkte Geschicklichkeit: in Routine-Handlungsabläufen, unsicherer Gang
  • Stimmungsschwankungen, psychotische Schübe: mit Verfolgungswahn oder Halluzinationen
  • Krampfanfälle und Lähmungen: vor allem in den Armen
  • Kopfschmerz
  • (hohes) Fieber
  • Grippeähnliche Symptome und Abgeschlagenheit
  • Verwirrtheit
  • Denkstörungen: (zum Beispiel Konzentrationsprobleme oder Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses)
  • Veränderungen des Verhaltens
  • Halluzinationen

Bei einer Meningoenzephalitis, also bei Beteiligung der Hirnhäute, gilt Nackensteife als hinweisgebendes Symptom. Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und ein steifer Nacken und Rücken sind mögliche weitere Beschwerden, insbesondere wenn die Hirnhäute mitentzündet sind (Meningoenzephalitis).

Bei Babys und Kleinkindern ist eine Enzephalitis oft schwer zu erkennen. Folgende Anzeichen weisen darauf hin: Ihr Körper wirkt steif, sie schreien vermehrt und beruhigen sich nicht, wenn sie hochgenommen werden, sondern brüllen eher noch lauter. Sie trinken kaum und erbrechen sich möglicherweise. Einen weiteren Hinweis kann die Fontanelle geben, also der Bereich am Kopf eines Babys, der weicher ist als der Rest, weil sich hier die Schädeldecke erst nach zwei Jahren komplett schließt. Bei einer Hirngewebsentzündung kann sich dieser leicht nach außen wölben.

Bei chronischen Formen der Enzephalitis, die durch das Immunsystem (sogenannte Autoimmunenzephalitis) oder durch bestimmte chronische Virusinfektionen bedingt sind, kommt es häufiger zu schleichend beginnenden Symptomen. Anfangs können sich Patienten neue Informationen schlechter merken und es fällt ihnen schwerer, sich zu konzentrieren.

Da die einzelnen Viren, die eine Enzephalitis auslösen können, verschiedene Areale des Gehirns betreffen, unterscheiden sich auch die Symptome je nach Erreger. Folgende Merkmale lassen sich prinzipiell festhalten:

  • Herpes-simplex-Enzephalitis: Sprachstörungen und epileptische Anfälle treten hier besonders häufig auf.
  • Arboviren: Diese Viren werden durch Insekten übertragen und führen oft zu Störungen im Bewegungsapparat.

Diagnose

Bei fortgeschrittener Enzephalitis ist die Diagnose vergleichsweise einfach. Einerseits sprechen die neurologischen und motorischen Symptome für sich. Andererseits sind die Erreger der Gehirnentzündung oder Antikörper bei fortgeschrittenen Stadien - wenn auch mit einigem Aufwand - nachweisbar. Eine akute schwere Gehirnentzündung ist lebensbedrohlich und muss unverzüglich behandelt werden!

Die Diagnose ergibt sich aus der Anamnese (Gespräch zur Krankengeschichte) und der körperlichen Untersuchung. Symptome wie beispielsweise eine Trübung des Bewusstseins, Lähmungen, Schwierigkeiten beim Sprechen oder sonstige Störungen der höheren Hirnfunktionen können hierdurch erfasst werden.

Für ein ausführliches Gespräch geht es an akuter Enzephalitis erkrankten Personen oft zu schlecht. Sie sind häufig nicht bei vollem Bewusstsein. Für die Diagnose fragen Ärzt*innen ihnen nahestehende Personen/Begleitpersonen nach den Symptomen und weiteren Hinweisen, z. B. ob eine Infektionskrankheit bekannt ist, ob sie auf einer Fernreise waren, ob eine Immunschwäche bekannt ist oder ob es Insekten- oder Zeckenstiche gab. Unter anderem erkundigt sich der Arzt nach typischen Beschwerden wie Kopfschmerzen und hohes Fieber. Zudem stellt er weitere Fragen, etwa:

  • Haben Sie chronische Erkrankung bzw. eine bekannte Immunschwäche?
  • Hatten Sie vor Kurzem eine virale Infektion?
  • Wurden Sie von einem Insekt gestochen?
  • Waren Sie auf einer Urlaubsreise?
  • Hatten Sie Kontakt zu Menschen mit Gehirnentzündung?

Anschließend wird eine Untersuchung auf neurologische Auffälligkeiten durchgeführt. Dabei wird beispielsweise geprüft, ob es Hinweise auf eine Reizung der Hirnhäute gibt. Als nächstes macht der Arzt eine genaue körperliche und neurologische Untersuchung. Dabei testet er unter anderem, ob die Haltung und die Bewegungen des Patienten auffällig oder dessen Gleichgewicht gestört sind. Zudem prüft er das Bewusstsein. Darüber hinaus untersucht er die Haut: Ein Hautausschlag oder Hauteinblutungen können darauf hinweisen, dass Bakterien die Hirnhäute befallen haben.

Erhärtet sich durch die körperliche Untersuchung der Verdacht auf eine Enzephalitis, so ist zügig eine Krankenhauseinweisung notwendig.

Dort werden die körperlichen und neurologischen Symptome genau erfasst. Außerdem erfolgen weitere Untersuchungen:

  • Blutproben: zur Untersuchung auf allgemeine Entzündungszeichen. Im Labor werden Blut und Nervenwasser unter anderem auf Entzündungszeichen untersucht. Hat ein Erreger die Enzephalitis verursacht, lässt sich dieser gegebenenfalls nachweisen. Oft sind anfangs noch keine Erreger in der Gehirnflüssigkeit nachweisbar. Dann stellt der Arzt die genaue Diagnose zunächst nach den Symptomen.
  • Liquoruntersuchung (Lumbalpunktion): Sie kann einen Hinweis auf den Erreger liefern. Eine Probe dieses Liquors wird bei einer sogenannten Lumbalpunktion entnommen. Dazu entnimmt der Arzt mit einer Nadel eine Probe im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule (Lumbalpunktion). Liquor ist die Flüssigkeit, die das Rückenmark und das Gehirn umgibt - in dieser Flüssigkeit kann man den für die Enzephalitis verantwortlichen Erreger nachweisen sowie etwaige Autoantikörper finden. Bei einer Autoimmunenzephalitis können Mediziner spezielle Antikörper im Nervenwasser finden. Am aussagekräftigsten sind die Liquoruntersuchung.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztompgraphie (MRT) des Schädels durchgeführt um mögliche Veränderungen im Gehirn oder eine Gewebeschwellung (Hirndruckzeichen) sichtbar zu machen. Auch eine Computertomographie des Schädels (CCT) kann am Anfang der Behandlung anstelle einer MRT-Untersuchung zum Ausschluß einer akuten Hirnschwellung eingesetzt werden, da eine Computertomographie meist rascher und breiter verfügbar ist. Der Arzt führt außerdem eine Kernspintomografie (MRT) des Kopfes durch, um andere Hirnerkrankungen auszuschließen, wie eine Hirnblutung oder einen Hirnabszess. Manchmal macht er zusätzlich eine Computertomografie (CT). Diese zeigt aber normalerweise erst im Verlauf der Krankheit sichtbare Veränderungen.
  • Elektroenzephalogramm (EEG): Messung der Hirnströme (EEG). So kann er schon früh feststellen, ob und wie sich die Entzündung auf die Gehirnfunktion auswirkt. In Ausnahmefällen stellt er durch die EEG auch den Erreger fest. Sind häufige epileptische Anfälle ein Symptom der Enzephalitis, wird meist zusätzlich eine Elektroenzephalografie (EEG) durchgeführt.

Behandlung

Die Behandlung einer Enzephalitis muss schnell erfolgen, um das Risiko für Komplikationen und Folgeerkrankungen möglichst niedrig zu halten. Eine Enzephalitis behandeln und überwachen Ärzte stets im Krankenhaus. So können sie schnell auf Komplikationen reagieren, die unter Umständen lebensbedrohlich sind. Betroffene mit akuter Enzephalitis werden in der Regel auf der Intensivstation behandelt. Hier werden der Kreislauf und die Atmung überwacht und krankhafte Veränderungen und schwere Symptome sofort behandelt. Hat der Patient starke Symptome, ist eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig.

Die Therapie von Enzephalitis erfolgt im Rahmen einer stationären Behandlung im Krankenhaus, in der Regel auf einer Intensivstation. Die engmaschige Überwachung dient dazu, Komplikationen zu vermeiden bzw. schnell beherrschen zu können.

Die Therapie von Gehirnentzündungen kann durchaus langwierig sein. Bei viraler Enzephalitis werden die antiviralen Medikamente über einen Zeitraum von mindestens 3 Wochen verabreicht.

Besteht der Verdacht, dass es sich um eine durch Krankheitserreger ausgelöste Enzephalitis handelt, so werden schnellstmöglich Medikamente verabreicht, die gegen die verursachenden Viren oder Bakterien wirksam sind (Virostatika, Antibiotika). Außerdem kommen Sauerstoff, ggf. Flüssigkeit, Kortison, Schmerzmittel und ggf. Medikamente gegen epileptische Anfälle zum Einsatz. Schon bevor der Erreger feststeht, verordnet der Arzt verschiedene Medikamente gleichzeitig, um keine Zeit zu verlieren. Dazu gehören Medikamente gegen Herpes-Viren (z. B. Herpes-Simplex-Viren oder Varizella-Zoster-Viren). Der Patient erhält das Virustatikum (meist Aciclovir) über eine Infusion direkt in die Vene. Wenn wirklich eine Herpes-Virus-Entzündung vorliegt, kann dieses schnelle Handeln die Überlebenswahrscheinlichkeit und die Heilungschancen deutlich verbessern.

Die medikamentöse Therapie der auslösenden Erreger beginnt in der Regel mit einer Kombination von antiviralen und antibakteriellen Wirkstoffen. Da der Nachweis der Erreger mitunter einige Tage braucht, wird so sichergestellt werden, dass die Erreger so schnell wie möglich bekämpft werden. Wenn der Erreger der Gehirnentzündung gefunden ist, wird die Medikation auf den Erreger abgestimmt.

Wenn eine Entzündung durch Bakterien zu einem frühen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden kann, verabreicht der Arzt zusätzlich verschiedene Antibiotika (Medikamente gegen Bakterien) - ebenfalls direkt in die Vene. In der Behandlung einer bakteriellen Enzephalitis werden die zu den jeweiligen Bakterienarten passenden Antibiotika angewendet. Erst wenn die Ursache der Gehirnentzündung eindeutig nachgewiesen ist, setzt der Arzt ungeeignete Mittel ab und verabreicht, wenn möglich, Medikamente, die gezielt gegen den Erreger wirken.

Besteht der Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung, leitet der Arzt ebenfalls sofort die Therapie ein. In einem ersten Schritt erhalten Betroffene Glukokortikoide ("Kortison") in hoher Dosierung. Oft setzen Ärzte auch spezielle Verfahren ein, um die Autoantikörper zu entfernen, die das Gehirn angreifen. Dabei wird das das Blutplasma des Patienten ausgetauscht (Plasmapherese) beziehungsweise gereinigt (Immunadsorption). Anschließend erhält der Patient über eine Infusion Antikörper und weiterhin Glukokortikoide, die die Entzündung hemmen. In manchen Fällen reicht diese Behandlung gegen eine autoimmune Enzephalitis nicht aus. Dann verabreichen Ärzte andere Medikamente, die das Abwehrsystem ausbremsen, beispielsweise Rituximab oder Cyclophosphamid. Wenn eine Krebserkrankung die autoimmunen Reaktionen auslöst, kann auch die jeweilige Krebstherapie helfen.

Darüber hinaus behandelt der Arzt die Symptome des Patienten. Auch eventuell auftretenden Krampfanfällen und einer Schwellung des Gehirns (Hirnödem) wirkt er mit entsprechenden Medikamenten entgegen. Des Weiteren kontrolliert er regelmäßig die Temperatur, die Atmung und den Wasserhaushalt des Patienten.

In manchen Fällen, beispielsweise bei FSME, gibt es keine Medikamente gegen die Erreger. Dann behandelt der Arzt nur die Symptome. Schwere chronische Gehirnentzündungen wie die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) sind bisher nicht heilbar. Die SSPE etwa endet normalerweise immer tödlich. Manche Studien lassen vermuten, dass Interferon-beta den Verlauf verzögert, die Ergebnisse sind allerdings widersprüchlich. Im Vordergrund steht daher, Betroffene bestmöglich auf ihrem verbliebenen Lebensweg zu begleiten und auftretende Beschwerden zu lindern (palliative Therapie).

Im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt kann zur Behandlung von verbleibenden Symptomen eine Rehabilitation sinnvoll sein.

Komplikationen

Zu den schwerwiegendsten Komplikationen von Enzephalitis zählen anhaltende Krampfanfälle (Status epilepticus), Hirnblutungen und Hirnschwellungen (Hirnödeme). Diese Komplikationen stellen Notfälle dar, die unbedingt sofortige notärztliche Hilfe erfordern. Die Enzephalitis kann kompliziert verlaufen, wenn zum Beispiel ein Krampfanfall andauert (Status epilepticus) oder eine Schwellung des Gehirns entsteht (Hirnödem). Diese Komplikationen sind potenziell lebensbedrohlich.

Langfristige Komplikationen sind bleibende geistige Beeinträchtigungen, Wesensänderungen und autismusähnliche Verhaltensauffälligkeiten sowie Epilepsie. Dennoch behalten einige Betroffene leichte Einschränkungen im Bereich Gedächtnis, Konzentration oder Impulskontrolle zurück. Die Erkrankung verändert nicht nur das Gehirn, sondern auch das Verhalten. Zuweilen entwickelt sich aus einer Enzephalitis als Spätkomplikation die Parkinsonkrankheit.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zeigen 62 % der Patient*innen noch neurologische Symptome oder Folgeschäden und 10 % Verhaltensauffälligkeiten.

Die Folgen von Enzephalitis können erheblich sein und von Person zu Person variieren. Diese können Gedächtnisprobleme, Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen, Sprach- und Kommunikationsprobleme, körperliche Behinderungen und sogar dauerhafte Hirnschäden umfassen.

Prognose

Die Heilungsaussichten bei Enzephalitis hängen wesentlich von der Ursache (also dem Erreger), dem Zeitpunkt der Diagnose und des Behandlungsbeginns sowie dem Allgemeinzustand der Betroffenen ab. Dabei gilt: Je früher die Therapie (möglichst in einer neurologischen Abteilung) beginnt, umso besser sind die Chancen auf vollständige Genesung. Eine frühe Diagnose und ein rascher Therapiebeginn sind entscheidend.

Bei der häufigsten Form, der Gehirnentzündung durch Herpes-Simplex-Viren, liegt die Überlebensrate bei ungefähr 80 Prozent. Allerdings ist es möglich, dass dauerhafte Nervenschäden zurückbleiben. Bei einer Gehirnentzündung durch FSME-Viren ist die Überlebensrate mit 98 Prozent deutlich höher. 11-12 % der durch Herpesviren und 12-20 % der durch Varizella-Zoster-Viren verursachten Enzephalitiden verlaufen tödlich.

Vorbeugung

Die beste Vorbeugung von Gehirnentzündungen besteht darin, sich gegen die auslösenden Viren impfen zu lassen bzw. vor Infektionen durch andere Maßnahmen zu schützen. Infektionen, die eine Enzephalitis nach sich ziehen können, lassen sich vermeiden durch:

  • Schutzimpfungen: Flächendeckend werden Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Kinderlähmung (Poliomyelitis) angeboten. Darüber hinaus gibt es Schutzimpfungen für Personen, die einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, an einer Enzephalitis zu erkranken. Dazu zählt die Impfung gegen FSME für Bewohner von Gebieten, in denen gehäuft FSME-Viren durch Zecken übertragen werden (FSME-Gebiete). Außerdem ist es für Reisende nach Südostasien ratsam, sich gegen die Japanische Enzephalitis impfen zu lassen, sofern sie vorhaben, sich dort länger aufzuhalten oder in ländliche Gebiete zu reisen. Gegen viele Viren, die eine Enzephalitis auslösen können, gibt es wirksame Schutzimpfungen: Masern, Mumps, Röteln, Windpockenvirus (Zoster), Kinderlähmung, FSME, Influenza. Der Arzt berät dazu. Gegen die ebenfalls von Zecken übertragenen Borrelien kann man sich zwar nicht impfen lassen, hier hilft es jedoch, nach einem Tag an der frischen Luft die Haut nach Zecken abzusuchen. Wenn man sie möglichst früh entfernt, sinkt das Infektionsrisiko. Vor einem Urlaub sollte man sich genau informieren, welche Schutzimpfungen für das Reiseziel empfohlen werden.
  • Schutz vor Stichen/Bissen: von Mücken, Fliegen, Flöhen, Milben, Zecken usw.
  • Safer Sex: (z. B. Kondome)
  • Händewaschen und Desinfektion: nach dem Kontakt mit infizierten Menschen

Bei einigen Infektionskrankheiten besteht die Möglichkeit, nach einer wahrscheinlichen Ansteckung den Ausbruch durch eine passive Impfung (Immunglobuline) zu verhindern (Postexpositionsprophylaxe). Besonders wichtig ist diese bei Verdacht auf Kontakt mit einem mit Tollwut infizierten Tier.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Eine Enzephalitis ist eine ernsthafte Erkrankung, die sich schnell verschlechtern und lebensbedrohlich werden kann. Deshalb sollten Sie bei entsprechenden Symptomen schnellstmöglich ärztliche Hilfe suchen und nichts essen oder trinken.

Ist eine betroffene Person bewusstlos, wählen Sie die 112. Bis zum Eintreffen des Rettungswagens sollten Sie:

  • für freie Atemwege sorgen.
  • die betroffene Person in die stabile Seitenlage bringen.
  • enge Kleidung rund um den Hals, die Brust und den Bauch lockern.

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