Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine durch Zecken übertragene Viruserkrankung, die Entzündungen des Gehirns, der Hirnhaut oder des Rückenmarks verursachen kann. Schwere Krankheitsverläufe treten häufiger bei älteren Jugendlichen und Erwachsenen auf als bei Kindern, wobei insbesondere Senioren anfälliger für Komplikationen sind. Die beste Prävention ist die FSME-Impfung, besonders für Menschen, die in Risikogebieten leben oder reisen.
Was ist FSME?
FSME ist die Abkürzung für „Frühsommer-Meningoenzephalitis“. Die Krankheit wird durch das FSME-Virus ausgelöst, das vor allem durch Zecken auf den Menschen übertragen wird. FSME betrifft das Nervensystem und kann zu Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit und in schweren, seltenen Fällen zu Entzündungen des Gehirns oder Rückenmarks führen.
Übertragung von FSME
FSME-Viren werden durch den Stich von Zecken auf den Menschen übertragen. Die Viren werden mit dem Speichel einer stechenden Zecke, die selbst infiziert ist, übertragen. Für ihre Mahlzeit sucht sich die Zecke eine warme und gut durchblutete Hautstelle - zum Beispiel die Kniekehle, den Haaransatz oder die Leistengegend. Die FSME-Viren werden gleich zu Beginn des Saugvorgangs in die Wunde abgegeben. Der Stich wird nicht bemerkt, weil der Zeckenspeichel betäubend wirkt.
Sehr selten wird auch über Infektionen durch den Verzehr von Rohmilch von Ziegen, Schafen oder Kühen berichtet. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch gibt es nicht. Anders als der Name "Frühsommer-Meningoenzephalitis" es vermuten lässt, kann man sich nicht nur im Frühsommer mit dem Virus infizieren.
FSME-Risikogebiete in Deutschland und Europa
In Deutschland kommt FSME vor allem in Bayern und Baden-Württemberg sowie in Thüringen, in Südhessen, in Sachsen und Brandenburg vor. Weitere Risikogebiete finden sich in Sachsen-Anhalt (Landkreis Anhalt-Bitterfeld, Stadtkreis Dessau-Roßlau), in Niedersachsen (Emsland, Landkreis Celle), in Nordrhein-Westfalen (Stadtkreis Solingen), in Mittelhessen (Landkreis Marburg-Biedenkopf) in Rheinland-Pfalz (Landkreis Birkenfeld) und im Saarland (Saar-Pfalz-Kreis). In Bayern kommt der Stadtkreis Augsburg hinzu, in Brandenburg der Landkreis Elbe-Elster. Damit sind in Deutschland aktuell 183 Kreise FSME-Risikogebiete. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht in jedem Frühjahr eine aktuelle Karte mit den FSME-Risikogebieten in Deutschland. Außerhalb der Risikogebiete werden in ganz Deutschland vereinzelte FSME-Infektionen beobachtet.
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Weitere FSME-Risikogebiete finden sich in zahlreichen weiteren Ländern. In den Nachbarländern besteht ein Infektionsrisiko vor allem in Tschechien und Österreich sowie in großen Teilen Polens und der Schweiz. Auch in Frankreich und den Niederlanden wurden in den vergangenen Jahren vereinzelt FSME-Fälle gemeldet. Auch für Reisen außerhalb Europas nach Asien besteht ein bekanntes, zum Teil hohes Infektionsrisiko für eine FSME bei Zeckenexposition: Russland (Sibirien), Mongolei, Nord-China, Nord-Japan. Sie verursachen ein FSME-ähnliches Krankheitsbild, die RSSE (Russian Spring-Summer-Encephalitis).
Krankheitsverlauf der FSME
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME , ist eine durch Zecken übertragene Viruserkrankung, die sich in zwei Stufen entwickeln kann: einer anfänglichen Phase, charakterisiert durch grippeähnliche Symptome, und einer schwereren Phase mit möglichen Entzündungen des Gehirns und langfristigen Folgeschäden. Nach einer Inkubationszeit (Zeit von der Infektion bis zum Auftreten der ersten Symptome) von 7 bis 14 Tagen kann es beim Infizierten zur ersten Phase der Krankheit kommen mit grippeähnlichen, unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen und Fieber. Die Mehrheit (ca. 70 bis 95 %) bleibt nach einem Stich einer mit FSME-Viren infizierten Zecke beschwerdefrei.
Bei einem Teil der Erkrankten kommt es aber nach etwa einer Woche zu einem zweiten Krankheitsgipfel mit Beteiligung des zentralen Nervensystems: Eine Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute (Meningoenzephalitis) oder des Rückenmarks (Myelitis) können auftreten. Krankheitszeichen sind erneutes Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Ausfälle des Nervensystems. Schwere Verläufe können beispielsweise mit Lähmungen an Armen und Beinen, Schluck- und Sprechstörungen, Atemlähmungen und starker Schläfrigkeit einhergehen. Eine folgenlose Heilung ist auch spät noch möglich. Bei schwer an FSME-Erkrankten kann es jedoch auch zu bleibenden Schäden kommen. Etwa einer von hundert Erkrankten, bei denen das zentrale Nervensystem betroffen ist, stirbt an der Infektion. Schwere Krankheitsverläufe kommen überwiegend im Erwachsenenalter vor. Bei schweren Verläufen besteht besonders bei Erwachsenen die Gefahr von bleibenden neurologischen Schäden.
Die FSME-Impfung
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Personen, die sich in FSME-Risikogebieten aufhalten oder dort wohnen und von Zecken gestochen werden könnten, sowie Personen, die in der Forst- oder Landwirtschaft oder im Labor arbeiten und so durch FSME beruflich gefährdet sind, einen Impfschutz gegen FSME als sichersten Schutz vor der Krankheit. Die Impfung ist auch für Reisende in FSME-Risikogebiete im Ausland empfohlen.
Aufbau des Impfschutzes (Grundimmunisierung)
Für die Grundimmunisierung sind drei Impfungen erforderlich. Nach dem üblichen Impfschema wird, je nach verwendetem Impfstoff, zwei Wochen bis drei Monate nach der ersten Impfung die zweite Impfdosis verabreicht. Eine dritte Impfung erfolgt nach weiteren 5 bis 12 oder nach 9 bis 12 Monaten. Um schon zu Beginn der Zeckensaison im Frühjahr geschützt zu sein, ist es sinnvoll, mit der Impfserie in den Wintermonaten zu beginnen. Bereits 14 Tage nach der zweiten Impfung besteht für die meisten Geimpften ein Schutz, der für die laufende Saison zunächst ausreichend ist. Für eine länger anhaltende Schutzwirkung ist die dritte Impfung erforderlich. Besonders bei Personen, die einem anhaltenden Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind, sollte möglichst dieses Impfschema angewandt werden, da es bereits die höchste Schutzwirkung nach der zweiten Impfung bietet.
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Auffrischimpfungen
Bei fortbestehendem Ansteckungsrisiko wird eine erste Auffrischimpfung nach 3 Jahren empfohlen. Die nachfolgenden Auffrischungen sind alle 5 Jahre erforderlich. Je nach verwendetem Impfstoff sollte die Impfung ab dem Alter von 50 bzw. 60 Jahren alle 3 Jahre aufgefrischt werden. Auch wenn eine Auffrischimpfung erst Jahre nach dem empfohlenen Impfzeitpunkt verabreicht wird, bietet sie je nach Lebensalter wieder 3 bis 5 Jahre Schutz (s. Fachinformationen).
Schnellschema
Wird ein besonders schneller Schutz benötigt, zum Beispiel bei kurzfristig geplanten Reisen in FSME-Risikogebiete, kann eine Impfung nach dem sogenannten Schnellschema durchgeführt werden. Hierbei hängt das Impfschema vom verwendeten Impfstoff ab. Es sind zwei bis drei Impfungen nötig. Ein Impfschutz für ein bis anderthalb Jahre kann damit schon 3 bis 5 Wochen nach der ersten Impfung erreicht werden. Je nach verwendetem Impfstoff wird eine vorgezogene Auffrischimpfung erforderlich. Bitte fragen Sie Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt nach dem am besten für Sie geeigneten Impfschema.
Wirksamkeit der FSME-Impfung
Eine Studie aus dem Jahr 2023 (so das Robert Koch-Institut) konnte zeigen, dass nach vollständiger Impfung 97 Prozent der Geimpften einen vollständigen Schutz vor FSME haben. Selbst wenn die empfohlenen Zeitabstände zwischen den Impfungen überschritten wurden, betrug der Schutz bei den Studienteilnehmenden immer noch 91 Prozent, wenn die letzte Impfung weniger als zehn Jahre zurücklag.
Mögliche Nebenwirkungen der FSME-Impfung
Als häufigste Impfreaktionen werden Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Impfstelle beschrieben. Diese Beschwerden treten auch bei anderen Impfungen auf und zeigen an, dass sich der Körper mit dem Impfstoff auseinandersetzt. Innerhalb der ersten vier Tage nach der Impfung können Allgemeinsymptome wie Temperaturerhöhung und Fieber, Kopf-, Muskel- sowie Gelenkschmerzen, Unwohlsein oder Magen-Darm-Beschwerden vorkommen. Sehr selten werden Missempfindungen wie Taubheitsgefühl oder Kribbeln beobachtet. In der Regel klingen die beschriebenen Reaktionen auf die Impfung schnell und folgenlos wieder ab. Sie treten vor allem bei der ersten Impfung, seltener bei den weiteren Impfungen auf. Schwere Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen sind sehr selten. In Einzelfällen wurden (vor allem bei Erwachsenen) Erkrankungen des Nervensystems, zum Beispiel Lähmungen beschrieben, die auch länger anhalten können.
Schutz vor Zeckenstichen
Zusätzlich zur Impfung sollten allgemeine Maßnahmen zum Schutz vor Zeckenstichen beachtet werden. Dazu gehört das Tragen geschlossener Kleidung (lange Hosen und Ärmel, Strümpfe, feste Schuhe, Hosenbeine in die Strümpfe gesteckt) in der Natur, denn Zecken sitzen häufig in hohem Gras, Gebüsch, Laub oder Unterholz. Entgegen der weitverbreiteten Meinung lassen sie sich nicht von Bäumen auf Menschen oder Tiere herabfallen. Auch zeckenabweisende Mittel, auf unbedeckte Hautstellen und Kleidung aufgetragen, bieten einen gewissen Schutz, der aber nur wenige Stunden anhält. Zecken krabbeln meist eine gewisse Zeit umher, bis sie eine passende Einstichstelle an der Haut gefunden haben. Nach dem Aufenthalt im Freien sollten Kleidung und Körper deshalb sorgfältig nach Zecken abgesucht werden, um diese möglichst noch vor dem Stechen zu entfernen.
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Zecken können neben FSME auch noch verschiedene andere Krankheiten, insbesondere die sogenannte Borreliose, übertragen. Diese Krankheit wird durch Bakterien verursacht und tritt in allen Teilen Deutschlands auf. Sie kann unerkannt und unbehandelt zu chronischen Schädigungen unter anderem des Herzens, der Nerven und der Gelenke führen. Leider gibt es gegen diese Krankheit bisher noch keine Impfung. Die Borreliose kann aber, im Gegensatz zur FSME, mit bestimmten Antibiotika behandelt werden. Die Erreger der Borreliose gehen meist erst nach einer mehrstündigen Saugzeit der Zecke auf den Menschen über. Deshalb sollten Zecken so schnell wie möglich entfernt werden. Gegen die FSME ist diese Maßnahme leider nicht so wirksam, da die FSME-Viren schon zu Beginn des Zeckenstichs übertragen werden können.
Was tun nach einem Zeckenstich?
Wurden Sie von einer Zecke gebissen, bewahren Sie Ruhe. Nicht jede Zecke ist infiziert und auch nicht jeder Mensch steckt sich an. Eine Impfung nach einem Biss wird nicht empfohlen, da sie eine mögliche Infektion mit FSME-Viren nicht verhindern könnte. Wer bereits eine FSME-Infektion durchgemacht hat, ist eine gewisse Zeit vor einer neuen Ansteckung geschützt. Allerdings empfiehlt die STIKO auch in diesem Fall die regelmäßigen Auffrischimpfungen.
Nach Aufenthalten im Wald oder Gras: Zeckenkontrolle und ggf. Zeckenentfernung. Bei Zeckenbefall muss die Zecke umgehend entfernt werden. Dabei sollten möglichst alle Teile der Zecke entfernt werden, um eine Entzündung zu vermeiden. Hierzu greift man die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument nahe der Hautoberfläche, also an ihrem Kopf (niemals am Körper!) und zieht sie langsam aus der Haut. Die Zecke sollte dabei auf keinen Fall vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden. Dies würde das Tier unnötig reizen und könnte dazu führen, dass es seinen Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt. Nach Entfernung der Zecke ist eine sorgfältige Desinfektion der Wunde empfohlen.
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