Enzephalitis mit ungewollten Bewegungen: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze

Autoimmune Enzephalitiden haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, da sie relativ häufig auftreten, vielfältige Symptome aufweisen und behandelbar sind. Gleichzeitig haben sich die diagnostischen Möglichkeiten deutlich verbessert. Diese Fortschritte machen autoimmune Enzephalitiden zu einer wichtigen Differenzialdiagnose bei vielen neuropsychiatrischen Erkrankungen.

Was ist Enzephalitis?

Enzephalitis ist eine Entzündung des Gehirns, die durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann. Zu den häufigsten Ursachen gehören Virusinfektionen, bakterielle Infektionen und autoimmune Reaktionen. In den letzten Jahren hat die Bedeutung der autoimmunen Enzephalitis zugenommen, bei der das Immunsystem fälschlicherweise das eigene Gehirngewebe angreift.

Autoimmune Enzephalitiden: Eine Übersicht

Autoimmune Enzephalitiden werden durch Antikörper gegen synaptische Proteine verursacht. Zu diesen Proteinen gehören der N‑Methyl-D-Aspartat-Rezeptor (NMDAR), metabotrope Glutamatrezeptoren, Aminomethylphosphonsäure(AMPA)-, γ‑Aminobuttersäure(GABA)-Rezeptoren, „leucine-rich glioma-inactivated 1“ (LGI1) oder Contactin-assoziiertes Protein 2 (Caspr2).

Symptome

Die Symptome einer autoimmunen Enzephalitis können sehr vielfältig sein und die Diagnose erschweren. Neben neurologischen Symptomen wie epileptischen Anfällen, Bewegungsstörungen oder Bewusstseinsstörungen treten häufig auch psychiatrische Symptome auf. Diese können sich als organische Psychose äußern und sind insbesondere zu Beginn der Erkrankung schwer von schizophreniformen Erkrankungen abzugrenzen. In einer Studie zeigten 60 % der Patienten mit Autoimmunenzephalitis psychiatrische Symptome als Hauptgrund für die Vorstellung beim Arzt.

Diagnostik

Die Diagnose einer autoimmunen Enzephalitis basiert auf der klinischen Präsentation, den Ergebnissen von bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) und dem Nachweis von antineuronalen Autoantikörpern im Liquor und Serum. Eine Lumbalpunktion zur Entnahme von Liquor wird bei Patienten mit neu aufgetretener psychotischer Symptomatik empfohlen, da relevante Komplikationen der Liquorentnahme selten sind.

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Ethische und rechtliche Aspekte

Die Behandlung von Patienten mit autoimmunen Enzephalitiden kann ethische und rechtliche Fragen aufwerfen, insbesondere wenn die Patienten aufgrund ihrer Erkrankung nicht einwilligungsfähig sind. In solchen Fällen muss abgewogen werden, inwieweit der geäußerte Wille des Patienten die Behandlungsschritte vorgeben sollte oder ob eine Entscheidung gegen den Willen des Patienten medizinisch sinnvoll, ethisch vertretbar oder sogar geboten und rechtlich zulässig ist.

Fallbeispiel: NMDAR-Enzephalitis

Ein komplexer Fall einer Patientin mit gesicherter NMDAR-Enzephalitis, die von Neurologen und Psychiatern behandelt wurde, verdeutlicht die ethisch-juristischen Abwägungen, die von der initialen invasiven Diagnostik bis zur Unterbringung und Zwangsbehandlung sowie in der Interaktion mit dem Gericht eine Rolle spielen.

Anamnese

Die Patientin litt seit 3 bis 4 Jahren an rezidivierenden depressiven Episoden, zum Teil mit psychotischen Symptomen. Die bisherige Behandlung erfolgte mit verschiedenen Antidepressiva sowie zuletzt in einer Kombination mit Fluanxol bei wahnhafter Symptomatik. Vor 6 Monaten wurde ein Adenokarzinom des Uterus diagnostiziert, worauf eine Hysterektomie erfolgte. In der Folge kam es psychopathologisch subakut zu erneut reduziertem Antrieb und Appetit, verlangsamtem Denken, Hoffnungslosigkeit, Störung von Konzentration, Auffassung und Merkfähigkeit sowie ängstlich-gedrückter Stimmung. Im weiteren Verlauf über mehrere Wochen imponierte eine zunehmende Wesensänderung, Ablehnung diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen sowie ein zunehmender Mutismus und temporärer Stupor.

Diagnostische Maßnahmen

Aufgrund des klinischen Bildes und des Verdachts auf eine Autoimmunenzephalitis wurde eine Lumbalpunktion durchgeführt. Dabei zeigten sich eine normale Zellzahl und eine leichte Eiweißerhöhung. Es wurden antineuronale Antikörper gegen NMDA-, GABA-, AMPA-Rezeptoren, LGI1 und Caspr2 bestimmt. Das Ergebnis zeigte NMDAR-Antikörper im Serum von 1:32 und im Liquor von 1:1. Außerdem fiel eine Hashimoto-Thyreoiditis mit Schilddrüsen(TPO)-Antikörpern, TSH-Erhöhung und typischen Ultraschallveränderungen auf.

Behandlung und Verlauf

Die Patientin erhielt eine Steroidtherapie mit Methylprednisolon, 1000 mg pro Tag über 5 Tage. Darunter ließ sich keine eindeutige Stabilisierung feststellen, weiterhin bestehen deutliche Störungen der Orientierung, Auffassung und Mnestik. Unter der Annahme einer weiterhin bestehenden depressiven Symptomatik wurde Sertralin aufdosiert.

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Ethische und rechtliche Bewertung

Die Einwilligungsfähigkeit der Patientin wurde aufgrund der AIE infrage gestellt. Da ein erheblicher gesundheitlicher Schaden durch die Erkrankung drohte, wurden eine Unterbringung und Zwangsbehandlungen nach Betreuungsrecht als genehmigungsfähig erachtet.

Weiterer Verlauf

Die Patientin wurde zunächst nach PsychKG auf einer psychiatrischen Station untergebracht, konnte sich aber im weiteren Verlauf für eine freiwillige Weiterbehandlung über insgesamt 3 Wochen entscheiden. Eine Eilbetreuung wurde beantragt und der Ehemann vom Gericht als rechtlicher Betreuer in allen Angelegenheiten eingesetzt. Frau C. wird zunächst nach § 1906 Abs. 1 BGB untergebracht und verbleibt dann freiwillig für 4 Monate auf der Station. Weiterhin ist sie wesensverändert, ratlos, misstrauisch, desorientiert, das Denken ist stark verlangsamt und es bestehen mittelgradige kognitive Defizite. Um die Diagnose der AIE zu untermauern, erfolgt mit dem Einverständnis der Patientin eine Kontrolle der NMDAR-Antikörper, die einen Spiegel von 1:100 im Serum und 1:1 im Liquor ergibt. In einer Positronenemissionstomographie-Computertomographie (PET-CT) des Gehirns zeigt sich eine Stoffwechselminderung links mesiotemporal, parietotemporal und im Thalamus. Die Patientin lehnt eine Immuntherapie mittels therapeutischer Apherese ab.

Diskussion: Immuntherapie

Die Durchführung einer Immuntherapie wurde kontrovers diskutiert. Einige Ärzte sahen keine akute vitale Gefährdung der Patientin und lehnten eine Immuntherapie gegen den Patientenwunsch ab, da bei fehlender Krankheitseinsicht und mangelnder Kooperation eine Fixierung und Zwangsmedikation erforderlich wäre. Andere Ärzte betonten, dass die erneut positiven Antikörper und die PET-Auffälligkeiten gut zur NMDAR-Enzephalitis passen und eine frühzeitige Immuntherapie notwendig sei, um irreversible Hirnschädigungen zu verhindern.

Andere Ursachen für ungewollte Bewegungen

Neben autoimmunen Enzephalitiden gibt es auch andere Ursachen für ungewollte Bewegungen, die im Rahmen einer Enzephalitis auftreten können. Dazu gehören:

  • Infektiöse Enzephalitiden: Virusinfektionen wie die Japanische Enzephalitis oder bakterielle Infektionen können ebenfalls zu Muskelzuckungen und anderen Bewegungsstörungen führen.
  • Metabolische Enzephalopathien: Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus oder Leberversagen können Enzephalopathien verursachen, die mit ungewollten Bewegungen einhergehen.
  • Toxische Enzephalopathien: Die Einwirkung von Toxinen wie Alkohol, Drogen oder bestimmten Medikamenten kann ebenfalls zu Enzephalopathien mit Bewegungsstörungen führen.
  • Neurologische Erkrankungen: Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit oder Epilepsie können ebenfalls Muskelzuckungen und andere ungewollte Bewegungen verursachen.

Muskelzucken: Ursachen und Maßnahmen

Muskelzucken ist ein häufiges Phänomen, das viele Ursachen haben kann. In den meisten Fällen ist es harmlos und wird durch Stress, Überanstrengung, Mineralstoffmangel oder Koffeinkonsum verursacht. In einigen Fällen kann es jedoch auch ein Hinweis auf eine ernstzunehmende Erkrankung sein.

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Ursachen für Muskelzucken

  • Stress und Überanstrengung: Stress und Überanstrengung können zu Muskelverspannungen und Muskelzuckungen führen.
  • Mineralstoffmangel: Ein Mangel an Magnesium, Kalium oder Kalzium kann ebenfalls Muskelzuckungen verursachen.
  • Koffein, Alkohol und Drogen: Der Konsum von Koffein, Alkohol und Drogen kann die Nervenaktivität erhöhen und zu Muskelzuckungen führen.
  • Neurologische Erkrankungen: In seltenen Fällen kann Muskelzucken ein Symptom einer neurologischen Erkrankung wie Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit oder Epilepsie sein.
  • Andere Erkrankungen: Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Gehirnentzündungen oder Gehirnblutungen können Muskelzuckungen verursachen.

Maßnahmen zur Linderung von Muskelzucken

  • Stress reduzieren: Versuchen Sie, Stress abzubauen und Entspannungsübungen zu machen.
  • Ausreichend schlafen: Achten Sie auf ausreichend Schlaf, um Ihren Körper zu regenerieren.
  • Gesunde Ernährung: Ernähren Sie sich ausgewogen und achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Mineralstoffen.
  • Koffein und Alkohol vermeiden: Reduzieren Sie den Konsum von Koffein und Alkohol.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann Muskelverspannungen lösen und Muskelzuckungen reduzieren.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn Muskelzuckungen häufig auftreten, mit schmerzhaften Krämpfen einhergehen oder von anderen Symptomen wie Schwäche, Taubheit oder Kribbeln begleitet werden, sollte man einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abzuklären.

Aphasie: Sprachstörungen als Folge von Gehirnschädigungen

Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die durch eine Schädigung des Sprachzentrums im Gehirn verursacht wird. In den meisten Fällen ist ein Schlaganfall die Ursache, aber auch entzündliche Erkrankungen des Gehirns (z. B. Enzephalitis), ein Schädel-Hirn-Trauma oder Vergiftungen können Aphasie auslösen.

Formen der Aphasie

Es gibt verschiedene Formen der Aphasie, die sich in ihren Symptomen und Ursachen unterscheiden. Zu den häufigsten Formen gehören:

  • Broca-Aphasie: Hierbei ist die Sprachproduktion beeinträchtigt, während das Sprachverständnis weitgehend erhalten bleibt.
  • Wernicke-Aphasie: Hierbei ist das Sprachverständnis beeinträchtigt, während die Sprachproduktion flüssig, aber oft unverständlich ist.
  • Globale Aphasie: Hierbei sind sowohl die Sprachproduktion als auch das Sprachverständnis schwer beeinträchtigt.

Diagnose und Therapie

Die Diagnose einer Aphasie wird anhand vonSprachanalysen und neurologischen Untersuchungen gestellt. Die Therapie umfasst in der Regel logopädische Übungen, um die Sprachfähigkeiten wiederherzustellen oder zu verbessern.

Multiple Sklerose (MS): Eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betrifft. Bei MS werden die Nervenfasern beschädigt, was zu einer Vielzahl von Symptomen führen kann.

Symptome

Die Symptome der MS sind sehr vielfältig und können von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Motorische Störungen: Schwäche, Spastik, Koordinationsstörungen
  • Sensibilitätsstörungen: Taubheit, Kribbeln, Schmerzen
  • Sehstörungen: Verschwommenes Sehen, Doppeltsehen
  • Blasen- und Darmstörungen: Inkontinenz, Verstopfung
  • Fatigue: Erschöpfung
  • Kognitive Störungen: Gedächtnisprobleme, Konzentrationsstörungen

Diagnose

Die Diagnose der MS wird anhand von neurologischen Untersuchungen, bildgebenden Verfahren (MRT) und Liquoruntersuchungen gestellt.

Therapie

Die Therapie der MS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, dieEntzündung zu reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Behandlung der MS eingesetzt werden können.

Bewegungsstörungen im Kindesalter

Bewegungsstörungen im Kindesalter können verschiedene Ursachen haben. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie sind wichtig, um die motorische Entwicklung und die Lebensqualität der betroffenen Kinder zu verbessern.

Ursachen

Zu den häufigsten Ursachen für Bewegungsstörungen im Kindesalter gehören:

  • Zerebralparese: Eine Schädigung des Gehirns vor, während oder kurz nach der Geburt.
  • Dystonie: Eine neurologische Erkrankung, die zu unwillkürlichen Muskelkontraktionen führt.
  • Ataxie: Eine Störung der Koordination von Bewegungen.
  • Tremor: Ein unwillkürliches Zittern.

Therapie

Die Therapie von Bewegungsstörungen im Kindesalter umfasst in der Regel physiotherapeutische Übungen, Ergotherapie undLogopädie. In einigen Fällen können auch Medikamente oder eine Tiefe Hirnstimulation eingesetzt werden.

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