Masern sind alles andere als eine harmlose Kinderkrankheit. Die Infektion kann schwere Verläufe nehmen und weltweit sterben pro Tag etwa 400 Kinder an Masern. Impfmüdigkeit und die Einreise von nicht geimpften Menschen verbreiten die Masern in Deutschland immer wieder. Ein zuverlässiger Schutz wird durch die Masern-Impfung geboten. In seltenen Fällen kann es jedoch nach einer Masernimpfung zu Komplikationen wie einer Enzephalitis kommen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser Komplikation.
Was sind Masern?
Wenn Kinder an Masern erkranken, werden die meisten Eltern schnell bemerken, dass es sich trotz der erkältungsähnlichen Symptome um eine andere Erkrankung handelt. Typisch ist etwa die Lichtscheue der Kinder. Ärzte fassen das typische Masernbild kurz als „verheult, verrotzt, verquollen“ zusammen. Ein Kind mit diesem Aussehen gehört umgehend in die Hand eines Mediziners.
Weltweit sterben pro Tag etwa 400 Kinder an Masern. Das sind 16 Kinder pro Stunde oder gut 150.000 Kinder im Jahr (Zahlen von 2013). Masern sind eine der Hauptursachen für erhöhte Kindersterblichkeit. Ohne Maserimpfung wären die Zahlen noch viel höher. Masernimpfungen haben dafür gesorgt, dass die Zahl der Erkrankungen innerhalb von 13 Jahren (2000 bis 2013) um 75 Prozent zurückgegangen ist. Nach Berechnungen der WHO wären ohne die Immunisierung in diesem Zeitraum mehr als 15 Millionen Kinder an Masern gestorben.
Masern: Häufigkeit
Die Häufigkeit von Masern schwankt von Jahr zu Jahr, mitunter sehr erheblich. Das reicht von weniger als 100 Fällen in Deutschland bis zu 2.500 Fällen. 2024 meldet das Robert-Koch-Institut für Deutschland 785 Fälle. 2023 waren es 79 Fälle, 2022 nur 15 bestätigte Infektionen. Bis Ende Juli 2025 (aktuellere Zahlen liegen im August 2025 nicht vor) meldet das RKI 176 Masernfälle (zum gleichen Zeitpunkt des Jahres waren es 2024 406 Fälle.
In Europa steigt die Zahl der Infektionen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 2023 stark an und erreichte 2024 mit mehr als 127.000 Masernfällen den höchsten Wert seit 1997. Besonders viele Fälle meldet die WHO aus Rumänien (30.000) und Kasachstan (28.000).
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Laut WHO sind Kinder unter fünf Jahren besonders oft betroffen. In etwa 40 Prozent der Fälle sei eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig gewesen.
Masern: Symptome
Masern beginnen wie viele andere Infektionskrankheiten mit uncharakteristischen Symptomen. In den ersten 3 bis 5 Tagen ähneln die Symptome von Masern zunächst denen einer Erkältung oder Grippe mit Fieber, geröteten Augen (Bindehautentzündung), Husten und Schnupfen. Insbesondere Kinder reagieren in dieser Phase häufig sehr empfindlich auf Licht. Einen ersten charakteristischen Hinweis auf eine Maserninfektion sind die sogenannten Koplik-Flecken. Das sind kleine sandkornartige weiße, kalkspritzerartige Fleckchen auf der Mundschleimhauthaut im Bereich der Backenzähne, die nach 2 bis 3 Tagen wieder verschwinden.
Typischer Masern-Hautausschlag
Die typischen rosa-bräunlichroten Hautflecken entwickeln sich 3 bis 7 Tage nach den ersten Symptomen und fließen ineinander über (sie konfluieren). Der Hautausschlag beginnt meist im Gesicht und hinter den Ohren und kann sich über den ganzen Körper ausbreiten. Das Exanthem bleibt etwa 4 bis 7 Tage bestehen. In dieser Phase steigt das Fieber oft auf Werte von mehr 40 Grad. Außerdem sind kleine Hauteinblutungen (Petechien) nicht selten.
Wenn das Fieber am 5. bis 7. Krankheitstag langsam nachlässt, nähert sich der klassische Verlauf der Maserninfektion dem Ende. Sicher zu erkennen ist der Heilungsprozess daran, dass die rot-braunen Hautausschläge nachlassen und die Haut am Körper feine kleieartige Schuppen bildet. Nach durchgemachter Maserninfektion ist man lebenslang immun gegen die Krankheit.
Komplikationen von Masern
Nicht immer verlaufen Maserninfektionen nach diesem Muster. Komplikationen entstehen vor allem durch weitere, meist bakterielle, Infektionen. Typisch sind vor allem Bronchialentzündungen, Lungenentzündungen (Pneumonie), akute Mittelohrentzündungen (Otitis media acuta) und Durchfälle, die insbesondere Kinder und alte Menschen schwer belasten.
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Masernenzephalitis und Panenzephalitis
Masernenzephalitis: Bei 1 von 1.000 Infizierten verursacht das Masernvirus eine Gehirnentzündung, die Masernenzephalitis. Diese schwere Komplikation verursacht Bewusstseinsstörungen, Krämpfe, epileptische Anfälle und Lähmungen, die 30 Prozent der Betroffenen nicht überleben.
Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE): Eine noch gefährlichere, aber auch seltenere Komplikation von Masern bezeichnen Mediziner als subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Diese Form der Gehirnentzündung gilt als Spätkomplikation und tritt bis zu 8 Jahre nach einer Masernerkrankung bei bis zu 11 von 100.000 Masern-Patienten auf. Am höchsten ist das Risiko an einer SSPE zu erkranken bei Kindern unter 5 Jahren. Die subakute sklerosierende Panenzephalitis kündigt sich mit psychischen Veränderungen und intellektuell nachlassenden Fähigkeiten an. Im Verlauf fallen immer mehr Nervenfunktionen aus und verursachen neurologische Störungen wie Krampfanfälle und Lähmungen. Am Ende versagte das Gehirn seinen Dienst ganz. Eine subakute sklerosierende Panenzephalitis ist unheilbar und endet immer tödlich.
Masern und Schwangerschaft
Besonders komplikationsträchtig sind Masern auch in der Schwangerschaft - für Mütter und ihre Kinder. Masern verlaufen bei Schwangeren häufig besonders schwer, weil das Immunsystem in der Schwangerschaft nicht ganz so effektiv arbeitet. Das Risiko für Frühgeburten steigt bei einer Maserninfektion der Mutter um 25 Prozent. Auch Totgeburten sind häufiger als bei gesunden Frauen.
Ursachen: Woher kommen Masern?
Masern sind eine Virusinfektion. Das Masernvirus zählt zu den hoch ansteckenden Viren. Es wird sowohl durch Tröpfchen- als auch durch Schmierinfektionen übertragen. Die Inkubationszeit (die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome) beträgt bis zu 14 Tage. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt bereits in dieser Zeit - etwa 3 bis 5 Tage vor Ausbruch des typischen Hautausschlags. In dieser Zeit stecken Infizierte nahezu jeden Menschen an, der sich in ihrer Nähe befindet. Mit dem Hautausschlag ist die Ansteckungsgefahr jedoch nicht vorbei. Masern-Erkrankte sind auch noch bis 4 Tage nach Beginn des Ausschlages ansteckend und können die Viren übertragen.
Untersuchung: Wie werden Masern festgestellt?
Die Diagnose wird der Kinder- oder Hausarzt in der Regel anhand der Symptome stellen. Zuweilen wird sicherheitshalber noch Blut auf Masernviren, Antikörper oder Teile von Viruserbgut getestet.
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Außerdem sprechen sich Masernfälle im Umfeld von Kindern schnell herum - und sensibilisieren für den Masernverdacht. In jedem Fall sollten Sie bei den geringsten Anzeichen von Masern unbedingt mit dem Kind zum Kinderarzt gehen. Gemeinsam mit dem Kinderarzt können Sie das weitere Vorgehen abstimmen. Das gilt auch und sogar insbesondere, wenn sich ihr Kind auf einer Masernparty angesteckt hat. Falsche Scham oder Scheu ist hier fehl am Platz. Sie vergrößert schlimmstenfalls das Risiko für bleibende Schäden oder gar den Tod des Kindes.
Behandlung: Was hilft gegen Masern?
Masern lassen sich leider nicht ursächlich behandeln. Hausmittel gegen Erkältung können helfen, die lästigen Symptome zu lindern.
Zusätzliche Infektionen wie Mittelohrentzündungen oder Lungenentzündungen werden in aller Regel ambulant mit Antibiotika behandelt. Bei Säuglingen, alten Menschen oder Menschen mit schwacher Immunabwehr können diese Zusatzinfektionen schon Grund genug für die stationäre Aufnahme im Krankenhaus sein. Diese wird in jedem Fall nötig bei den geringsten Anzeichen für eine Gehirnentzündung (Enzephalitis). Bei Ohnmacht, Bewusstseinsstörungen, Krämpfen, epileptischen Anfällen oder Lähmungen sollten Sie umgehend einen Rettungswagen und den Notarzt rufen.
Vorbeugung und Impfung: Was schützt vor Masern?
Den einzigen zuverlässigen Schutz gegen Masern bietet eine Masernimpfung. Bei dieser Impfung werden abgeschwächte, aber noch lebende Masernviren verabreicht. Das Immunsystem erkennt die Erreger, reagiert darauf und bildet Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper. Diese schützen bei einem späteren Kontakt mit echten Masernviren zuverlässig vor der Erkrankung.
Wie wirksam ist die Masern-Impfung?
Nach zwei Impfungen im Kindesalter besteht in der Regel ein sehr hoher und meist lebenslanger Schutz. Auch Erwachsene können sich noch wirksam schützen: Dafür reicht meist eine einzelne Impfung.
Masern-Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission
Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfiehlt die Masernimpfung grundsätzlich für alle Menschen, die keinen vollständigen Impfschutz haben. Kinder erhalten die Masern-Impfung meist im Rahmen der sogenannten U-Untersuchungen. Sie wird in der Regel in Kombination mit den Impfungen gegen Mumps und Röteln verabreicht (MMR-Impfung).
Auch Jugendliche und Erwachsene sollten geimpft werden, wenn unklar ist, ob sie jemals gegen Masern geimpft wurden oder wenn nur eine Impfung in der Kindheit dokumentiert ist. Besonders empfohlen wird die Impfung für alle Menschen, die nach 1970 geboren wurden und in Gesundheitsberufen, im pädagogischen Bereich oder mit immungeschwächten Menschen arbeiten.
Impfschema für die MMR-Impfung
Kinder erhalten die erste MMR-Impfung üblicherweise im Alter von elf Monaten und die zweite im Alter von 15 Monaten. Nur mit beiden Impfungen ist der vollständige Schutz gegen Masern sichergestellt. Die Grundimmunisierung sollte möglichst im Kleinkindalter abgeschlossen sein, spätestens aber bis zum 18. Geburtstag.
Erwachsene benötigen in der Regel nur eine einzelne MMR-Impfung, wenn sie nach 1970 geboren wurden und entweder ungeimpft oder nur einmal geimpft sind oder nicht wissen, ob sie jemals gegen Masern geimpft wurden.
Hinweise für Schwangere
Die Masernimpfung darf während einer Schwangerschaft nicht verabreicht werden, da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt. Frauen mit Kinderwunsch sollten daher vor einer geplanten Schwangerschaft ihren Impfstatus überprüfen lassen. Falls eine Impfung nötig ist, sollte diese mindestens vier Wochen vor einer möglichen Empfängnis erfolgen. Auch nach einer Impfung sollte mindestens vier Wochen bis zum Eintritt einer Schwangerschaft gewartet werden.
Nebenwirkungen der Masern-Impfstoffe
Die Masern-Impfstoffe, einschließlich der MMR-Kombinationsimpfstoffe, gelten als sehr sicher und gut verträglich. Wie bei jeder Impfung kann es jedoch zu Reaktionen kommen.
Was sind Impfmasern?
Bei bis zu fünf Prozent der Geimpften kann es einige Tage nach der Impfung zu sogenannten Impfmasern kommen. Das sind harmlose, kurzfristige Reaktionen mit leichtem Fieber, masernähnlichem Hautausschlag, gelegentlich geschwollenen Lymphknoten oder leichtem Unwohlsein. Diese Beschwerden verschwinden in der Regel nach wenigen Tagen von selbst.
Weitere mögliche, aber seltene Reaktionen sind Rötung, Schwellung oder Schmerz an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Frösteln oder Magen-Darm-Beschwerden.
In sehr seltenen Fällen wird über schwere Reaktionen wie Gehirnentzündungen berichtet, die kurz nach einer Masernimpfung auftraten. Ein direkter Zusammenhang mit der Impfung konnte wissenschaftlich jedoch bisher nicht nachgewiesen werden.
Enzephalitis nach Masernimpfung
Obwohl Masernimpfstoffe im Allgemeinen sicher sind, besteht in sehr seltenen Fällen das Risiko einer Enzephalitis nach der Impfung.
Ursachen
Die genauen Ursachen für eine Enzephalitis nach Masernimpfung sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass es sich um eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf den Impfstoff handelt. In einigen Fällen könnte auch eine genetische Veranlagung eine Rolle spielen.
Symptome
Die Symptome einer Enzephalitis nach Masernimpfung können variieren, sind aber oft ähnlich wie bei einer Enzephalitis, die durch eine natürliche Maserninfektion verursacht wird. Dazu gehören:
- Hohes Fieber
- Kopfschmerzen
- Nackensteifigkeit
- Lethargie oder Reizbarkeit
- Krampfanfälle
- Bewusstseinsstörungen
- Neurologische Symptome wie Muskelschwäche oder Koordinationsprobleme
Die Symptome treten in der Regel innerhalb von Tagen bis Wochen nach der Impfung auf.
Diagnose
Die Diagnose einer Enzephalitis nach Masernimpfung basiert auf der klinischen Bewertung, den Symptomen und verschiedenen diagnostischen Tests. Diese können umfassen:
- Neurologische Untersuchung: Beurteilung der neurologischen Funktionen, Reflexe und des mentalen Status.
- Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) des Gehirns, um Entzündungen oder andere Anomalien festzustellen.
- Lumbalpunktion (Liquorpunktion): Entnahme und Analyse der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) zur Untersuchung auf Entzündungszeichen oder das Vorhandensein von Masernviren.
- Elektroenzephalogramm (EEG): Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns, um Krampfanfälle oder andere Anomalien zu erkennen.
- Blutuntersuchungen: Überprüfung auf Antikörper gegen Masern und andere Infektionen.
Behandlung
Die Behandlung einer Enzephalitis nach Masernimpfung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu verhindern. Dies kann Folgendes umfassen:
- Antivirale Medikamente: Obwohl Masern durch ein Virus verursacht werden, sind antivirale Medikamente bei Enzephalitis nach Masernimpfung nicht immer wirksam. In einigen Fällen können sie jedoch eingesetzt werden, um eine mögliche Beteiligung des Masernvirus zu bekämpfen.
- Kortikosteroide: Diese Medikamente können helfen, Entzündungen im Gehirn zu reduzieren.
- Antikonvulsiva: Bei Krampfanfällen können Antikonvulsiva eingesetzt werden, um diese zu kontrollieren.
- Unterstützende Maßnahmen: Dazu gehören die Aufrechterhaltung der Atemwege, die Kontrolle des Fiebers und die Gewährleistung einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr.
- Intensive Überwachung: Patienten mit Enzephalitis benötigen eine engmaschige Überwachung im Krankenhaus, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Prognose
Die Prognose einer Enzephalitis nach Masernimpfung ist variabel. Einige Patienten erholen sich vollständig, während andere bleibende neurologische Schäden davontragen oder sogar versterben. Eine frühe Diagnose und Behandlung können die Chancen auf eine gute Genesung verbessern.
MMR- und MMRV-Vakzine
In Deutschland wird die Masernimpfung üblicherweise als Kombinationsimpfstoff mit abgeschwächten Mumps- und Rötelnviren als sogenannte MMR-Impfung oder zusätzlich mit abgeschwächten Varizellenviren als MMRV-Vakzine verabreicht. Ein monovalenter Masernimpfstoff steht hierzulande nicht zur Verfügung. Die Impfstoffe gehören zu den Lebendimpfstoffen. Die abgeschwächten Masernviren werden in embryonalen Hühnerzellen gezüchtet. Die Impfung erzeugt sowohl eine humorale als auch zellulär vermittelte Immunität. Die impfvermittelte IgM-Immunantwort ist nach circa zwei bis drei Wochen nachweisbar.
Fast 100 Prozent wirksam, lebenslanger Schutz
Die mittleren Antikörpertiter sind nach einer Impfung niedriger als nach einer natürlichen Infektion. Nach einer einmaligen Impfung gegen Masern wird die Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen im Alter bis 15 Jahre mit mindestens 92 Prozent angegeben. Nach zweifacher Impfung gegen Masern liegt die Impfwirksamkeit im Median bei 95 bis 100 Prozent. Die Ständige Impfkommission (STIKO) vom Robert Koch-Institut (RKI) geht von einer lebenslangen Immunität nach zweimaliger Impfung aus.
Impfempfehlungen
Nach aktuellem Stand (März 2022) empfiehlt die STIKO eine Masernimpfung:
- allen Kindern als Standardimpfung mit einem MMR-Impfstoff im Alter von elf und 15 Monaten. Zwischen den beiden Impfstoffdosen muss ein Mindestabstand von vier Wochen liegen.
- Säuglingen ab dem Alter von neun Monaten bei bevorstehender Aufnahme bzw. dem Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung (zum Beispiel Kindergarten, Kindertagesstätte) als zweimalige MMR/V*-Impfung. Sofern die Erstimpfung im Alter von neun bis zehn Monaten erfolgt, soll die zweite MMR/V-Impfung bereits zu Beginn des 2. Lebensjahres gegeben werden.
- im Rahmen eines Ausbruchs:
- nach 1970 Geborenen ab einem Alter von neun Monaten mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfstoffdosis in der Kindheit als einmalige MMR(V)**-Impfung.
- Säuglingen im Alter von sechs bis acht Monaten nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung (Off-label-use). Bei einer Erstimpfung im Alter von neun bis zehn Monaten soll die zweite MMR/V-Impfung bereits zu Beginn des 2. Lebensjahres gegeben werden. Kinder, die zwischen dem 6. und 8. Monat geimpft werden, sollen zum Aufbau einer langfristigen Immunität zwei weitere MMR/V-Impfstoffdosen im Alter von bis 15 Monaten erhalten.
- nach 1970 Geborenen ≥ 18 Jahre mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfstoffdosis in der Kindheit - einmalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff.
*MMR/V = MMRV oder MMR in Koadministration mit einem Varizellaimpfstoff (VZV)-Impfstoff**MMR(V) = MMR mit oder ohne Koadministration von VZV-Impfstoff
Besonderheiten MMR-Impfstoff
Seit Januar 2020 empfiehlt die STIKO eine zweimalige MMR-Impfung für nach 1970 geborene Personen (einschließlich Auszubildende, PraktikantInnen, Studierende und ehrenamtlich Tätige) in folgenden beruflichen Tätigkeitsbereichen:
- Medizinische Einrichtungen (gemäß §23 Absatz 3 Satz 1 IfSG) inklusive Einrichtungen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe
- Tätigkeiten mit Kontakt zu potenziell infektiösem Material
- Einrichtungen der Pflege (gemäß §71 SGB XI)
- Gemeinschaftseinrichtungen (gemäß §33 IfSG)
- Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylbewerbern, Ausreisepflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern (gemäß §36 Absatz 1 Satz 4 IfSG)
- Fach-, Berufs- und Hochschulen
Bei gleichzeitiger Indikation zur Varizellen-Impfung kann ein MMRV-Kombinationsimpfstoff verwendet werden.
Die Anzahl der notwendigen Impfstoffdosen richtet sich nach der Komponente mit den wenigsten dokumentierten Impfungen. Bei Frauen ist für jede der drei Impfstoffkomponenten (Mumps, Masern, Röteln) eine zweimalige Impfung indiziert.
Bei Männern ist für die Masern- und Mumps-Impfstoffkomponente eine zweimalige Impfung erforderlich, zum Schutz gegen Röteln reicht eine einmalige Impfung aus.
Sicherheitsbedenken gegen weitere MMR-Impfung(en) bei einer bestehenden Immunität gegen einzelne Komponenten gibt es nicht.
Warum zwei Impfungen?
Bei sehr wenigen Geimpften bleibt die erste Impfung gegen Masern wirkungslos. Zum Schließen der Impflücken wird die zweite Impfung gegeben. Die Zweitimpfung ist also keine Boosterimpfung wie bei den Corona-Impfstoffen. Vielmehr bietet man denjenigen eine zweite Gelegenheit, die nach der Erstimpfung keine Immunität entwickelt haben.
Zwischen beiden Impfungen müssen mindestens vier Wochen Abstand liegen.
Nebenwirkungen
Masernimpfstoffe sind in der Regel gut verträglich, schwere Nebenwirkungen selten. Grundsätzlich werden unerwünschte Wirkungen öfter nach der ersten als nach der zweiten Impfung beobachtet. Häufig sind Lokalreaktionen an der Injektionsstelle wie Rötung, Schwellung und Schmerzen für ein bis drei Tage. Ebenso können Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen, Mattigkeit und Fieber auftreten. Etwa 5-15 Prozent der Geimpften entwickeln zwischen dem 7. und 12. Tag nach der Impfung mäßiges bis hohes Fieber über ein bis zwei Tage.
Etwa 5 Prozent der Geimpften zeigen in der zweiten Woche nach der Impfung ein 1-3 Tage anhaltendes Exanthem. Diese sogenannten Impfmasern sind mild, nicht ansteckend und selbstlimitierend.
Etwa 1 Prozent der Geimpften, insbesondere Erwachsene, berichten nach der Impfung über Arthralgien.
Zu den seltenen, schweren unerwünschten Wirkungen der Impfung zählen eine in der Regel selbstlimitierende Thrombozytopenie oder idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP). Diese wurde bei 3 von 100.000 Geimpften innerhalb von zwei Monaten nach der ersten Impfung beobachtet. Bei Kindern zwischen zehn und 24 Monaten erhöht die Impfung das Baseline-Risiko für Fieberkrämpfe um etwa 10 Prozent (zusätzliches Risiko 0,3-0,8%). 1-4 pro 1 Million Geimpfte entwickeln nach der Impfung eine Anaphylaxie. Eine Enzephalitis nach einer Masernimpfung wurde bei etwa 1 pro 1 Million Geimpften beschrieben. Diese Inzidenz ist niedriger als die Hintergrundinzidenz einer Enzephalitis unbekannter Genese bei ungeimpften Kindern.
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