Enzephalitis: Ursachen, Risiken und Behandlungsansätze

Die Enzephalitis, umgangssprachlich auch als "Kopfgrippe" bezeichnet, ist eine Entzündung des Gehirns, die meist durch Viren verursacht wird. Sie kann verschiedene Bereiche des Gehirns betreffen und zu einer Reizung oder Schädigung von Nervenzellen führen. Die Erkrankung kann mild, aber auch schwer verlaufen und in manchen Fällen tödlich enden oder bleibende Hirnschäden verursachen. Daher sind eine schnelle Diagnose und gezielte Behandlung entscheidend, um Folgeschäden zu verhindern. Am 22. Februar wird jährlich der "Welt-Enzephalitis-Tag" begangen, um das Bewusstsein für diese Erkrankung zu schärfen.

Was ist eine Enzephalitis?

Enzephalitis ist der medizinische Begriff für eine Gehirnentzündung. Diese wird meist durch Viren verursacht, kann aber auch durch andere Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Parasiten hervorgerufen werden. In seltenen Fällen greift das eigene Abwehrsystem gesundes Hirngewebe an (Autoimmunreaktion). Alle Teile des Gehirns können bei einer Enzephalitis entzündet sein. Wenn sich neben dem Gehirn auch die Hirnhäute entzünden, sprechen Ärzte von einer Meningoenzephalitis.

In den meisten Fällen verläuft die Entzündung akut, das heißt die Krankheit bricht schnell aus und schreitet rasch fort. Es gibt aber auch chronische Gehirnentzündungen, wie die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) und die progressive Rubella-Panenzephalitis (PRP). Sie treten praktisch nur bei Kindern und Jugendlichen auf und sind nicht heilbar. Auch eine Autoimmunenzephalitis entwickelt sich meist langsamer als akute Fälle.

Ursachen und Risikofaktoren

Die häufigste Ursache einer Enzephalitis sind Viren. Bestimmte Viren werden hierbei direkt durch Bisse von infizierten Tieren oder Insekten, durch Kontakt mit infiziertem Kot oder durch infizierte Atemtröpfchen übertragen.

Ärzte unterscheiden zwischen der primären und sekundären Form der viralen Enzephalitis. Bei der primären Form dringen die Viren direkt in das Gehirn ein. Bei der sekundären Enzephalitis entgleist das körpereigene Abwehrsystem als Reaktion auf eine Virusinfektion: Es entstehen Antikörper, die fälschlicherweise auch das Gehirn angreifen (Autoimmunreaktion). Dies kann im späteren Krankheitsverlauf passieren, aber auch, nachdem der eigentlich Virusinfekt bereits abgeklungen ist.

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Hierzulande treten Gehirnentzündungen vor allem durch folgende Viren auf:

  • Herpes-Simplex-Viren
  • Varizella-Zoster-Viren
  • Ebstein-Barr-Viren
  • Masernviren
  • Mumpsviren
  • Rötelnviren
  • Enteroviren
  • FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis)-Viren

Weltweit gibt es noch andere Viren, die als Erreger einer Gehirnentzündung in Frage kommen:

  • Lyssaviren (Tollwut)
  • West-Nil-Viren
  • Arboviren (Japanische Enzephalitis)
  • Zikaviren
  • Ebolaviren

Neben den Viren gibt es noch weitere Auslöser einer Enzephalitis. Dazu zählen:

  • Bakterien (z.B. die Erreger der Syphilis, der Tuberkulose oder der Borreliose)
  • Parasiten (z.B. Würmer oder die Erreger der Toxoplasmose)
  • Pilze
  • Autoimmunerkrankungen (z. B. Multiple Sklerose)

Bakterien erreichen das Gehirn entweder über das Blut (etwa bei einer vorangegangenen Entzündung im Kopfbereich), über die Haut (zum Beispiel durch ein Hautfurunkel am Kopf) oder direkt (zum Beispiel bei einer Operation am Kopf).

Die Ursache einer autoimmun bedingten Enzephalitis lässt sich nicht immer herausfinden. In manchen Fällen entsteht sie auf dem Boden einer Krebserkrankung. Daher suchen Ärzte immer auch nach einem Tumor im Körper, wenn sie eine Autoimmunenzephalitis vermuten.

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Risikofaktoren:

Besonders gefährdet, an einer Gehirnentzündung zu erkranken, sind Kinder und junge Erwachsene. Außerdem haben Personen mit einem geschwächten Immunsystem - beispielsweise Personen, die mit HIV infiziert und unbehandelt sind - ein höheres Risiko, eine Gehirnentzündung zu entwickeln. Da einige der genannten Viren in unseren Breiten nicht vorkommen, sind Fernreisende ebenfalls stärker gefährdet.

Enzephalitis - Ansteckung:

Die Viren, die eine Enzephalitis auslösen können, werden in vielen Fällen über Tröpfchen übertragen, beispielsweise bei Masern, Röteln oder Herpes. In nur wenigen Fällen entzündet sich daraufhin das Gehirn. Gegen einige Erreger gibt es zudem Impfungen.

Aber auch andere Übertragungswege sind möglich: Die FSME-Viren (Erreger der Frühsommermeningoenzephalitis) gelangen durch Zeckenstiche auf den Menschen. Durch Tierbisse (z. B. von Fledermäusen) können Menschen sich mit Lyssaviren infizieren, die Tollwut auslösen. In (sub)tropischen Gebieten wiederum tragen oft Mücken dazu bei, dass sich Enzephalitis-auslösende Viren verbreiten. Möglich ist ferner eine Ansteckung über infiziertes Blut.

Sonderfall: Europäische Schlafkrankheit (Encephalitis lethargica)

Eine Gehirnentzündung, deren Ursache derzeit noch unklar ist, ist die sogenannte Europäische Schlafkrankheit (Encephalitis lethargica). Sie trat vor allem zwischen den Jahren 1917 bis 1927 weltweit auf. Betroffene sind sehr schläfrig und leiden unter Bewegungsstörungen wie bei einer Parkinson-Krankheit.

Diese Enzephalitis-Form ist sehr selten und betrifft weniger als eine von einer Million Menschen. Seit 1927 gibt es nur noch vereinzelte Fallberichte. An der Europäischen Schlafkrankheit können sowohl Kinder als auch Erwachsene erkranken.

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Hinweis: Die Erkrankung ist nicht zu verwechseln mit der Afrikanischen Schlafkrankheit (Tryponosomiasis). Sie wird durch Parasiten ausgelöst, die durch Stiche der Tsetse-Fliegen in den Körper gelangen. Eine Enzephalitis ist aber auch hier typisch für das zweite Krankheitsstadium.

Symptome einer Enzephalitis

Die ersten Anzeichen einer Enzephalitis ähneln oft denen einer Grippe oder eines banalen Infekts: Fieber, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen zählen zu den typischen frühen Beschwerden. Im weiteren Verlauf kann es jedoch zu schwereren Symptomen kommen, die auf eine Gehirnentzündung hindeuten. Zu den häufigsten Symptomen einer Enzephalitis gehören:

  • Anhaltendes hohes Fieber
  • Starke Kopfschmerzen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen
  • Krampfanfälle
  • Sprach- oder Gedächtnisprobleme
  • Motorische Ausfälle oder Lähmungen
  • Übelkeit und Erbrechen

Gerade weil viele dieser Beschwerden unspezifisch sind, ist es wichtig, eine mögliche Gehirnentzündung frühzeitig zu erkennen und ärztlich abklären zu lassen. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem.

Symptome bei Säuglingen:

Bei Säuglingen ist die Kopfgrippe manchmal aber gar nicht so einfach zu erkennen und ähnelt - der umgangssprachliche Name Kopfgrippe lässt es vermuten - einer Erkältung. So beginnt der Infekt häufig mit unspezifischen Beschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit und einer allgemeinen Reizbarkeit. Zudem trinken die betroffenen Babys wenig und übergeben sich. In einigen Fällen wölbt sich zudem die Fontanelle (das ist die weiche Stelle auf dem Kopf eures Babys) nach außen - dies weist auf einen erhöhten Hirndruck hin und sollte umgehend ärztlich abgeklärt werden.

Spätestens bei Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen, merkwürdigen Bewegungen und einer Wesensveränderung, macht ihr euch mit eurem Säugling oder Kleinkind am besten umgehend auf den Weg in die Notaufnahme oder wählt den Notruf.

Diagnose einer Enzephalitis

Um eine Enzephalitis festzustellen, fragt der Arzt nach den Beschwerden und der Krankengeschichte. Er befragt dabei sowohl den Patienten als auch seine Angehörigen (Fremdanamnese). Das ist notwendig, weil Personen mit einer Enzephalitis nur noch eingeschränkt denken, wahrnehmen und sich mitteilen können. Unter anderem erkundigt sich der Arzt nach typischen Beschwerden wie Kopfschmerzen und hohes Fieber. Zudem stellt er weitere Fragen, etwa:

  • Haben Sie chronische Erkrankung bzw. eine bekannte Immunschwäche?
  • Hatten Sie vor Kurzem eine virale Infektion?
  • Wurden Sie von einem Insekt gestochen?
  • Waren Sie auf einer Urlaubsreise?
  • Hatten Sie Kontakt zu Menschen mit Gehirnentzündung?

Als nächstes macht der Arzt eine genaue körperliche und neurologische Untersuchung. Dabei testet er unter anderem, ob die Haltung und die Bewegungen des Patienten auffällig oder dessen Gleichgewicht gestört sind. Zudem prüft er das Bewusstsein. Darüber hinaus untersucht er die Haut: Ein Hautausschlag oder Hauteinblutungen können darauf hinweisen, dass Bakterien die Hirnhäute befallen haben.

Blut- und Nervenwasser-Untersuchungen:

Vermutet der Arzt eine Enzephalitis, nimmt er dem Patienten Blut und Nervenwasser (Liquor) ab. Das Nervenwasser fließt durch Gehirn und Rückenmark und enthält gegebenenfalls einen Teil der Erreger. Eine Probe dieser Flüssigkeit gewinnt der Arzt mittels einer Lumbalpunktion. Dabei sticht er mit einer Nadel in den Rückenmarkskanal des Patienten, auf Höhe der Lendenwirbelsäule.

Im Labor werden Blut und Nervenwasser unter anderem auf Entzündungszeichen untersucht. Hat ein Erreger die Enzephalitis verursacht, lässt sich dieser gegebenenfalls nachweisen. Oft sind anfangs noch keine Erreger in der Gehirnflüssigkeit nachweisbar. Dann stellt der Arzt die genaue Diagnose zunächst nach den Symptomen. Bei einer Autoimmunenzephalitis können Mediziner spezielle Antikörper im Nervenwasser finden.

Bildgebung:

Der Arzt führt außerdem eine Kernspintomografie (MRT) des Kopfes durch, um andere Hirnerkrankungen auszuschließen, wie eine Hirnblutung oder einen Hirnabszess. Manchmal macht er zusätzlich eine Computertomografie (CT). Diese zeigt aber normalerweise erst im Verlauf der Krankheit sichtbare Veränderungen.

Zudem macht der Arzt eine Elektroenzephalografie (EEG). So kann er schon früh feststellen, ob und wie sich die Entzündung auf die Gehirnfunktion auswirkt. In Ausnahmefällen stellt er durch die EEG auch den Erreger fest.

Behandlung einer Enzephalitis

Eine Enzephalitis behandeln und überwachen Ärzte stets im Krankenhaus. So können sie schnell auf Komplikationen reagieren, die unter Umständen lebensbedrohlich sind. Hat der Patient starke Symptome, ist eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig. Der Arzt behandelt die Gehirnentzündung abhängig vom Auslöser. Gegen Viren verabreicht er beispielsweise Virustatika, gegen Bakterien Antibiotika und gegen Pilze Antimykotika. Sie töten die jeweiligen Erreger ab oder hemmen ihre Vermehrung.

Behandlung einer infektiösen Enzephalitis:

Eine schnelle Therapie ist bei der Enzephalitis sehr wichtig. Schon bevor der Erreger feststeht, verordnet der Arzt verschiedene Medikamente gleichzeitig, um keine Zeit zu verlieren. Dazu gehören Medikamente gegen Herpes-Viren (z. B. Herpes-Simplex-Viren oder Varizella-Zoster-Viren). Der Patient erhält das Virustatikum (meist Aciclovir) über eine Infusion direkt in die Vene. Wenn wirklich eine Herpes-Virus-Entzündung vorliegt, kann dieses schnelle Handeln die Überlebenswahrscheinlichkeit und die Heilungschancen deutlich verbessern.

Wenn eine Entzündung durch Bakterien zu einem frühen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden kann, verabreicht der Arzt zusätzlich verschiedene Antibiotika (Medikamente gegen Bakterien) - ebenfalls direkt in die Vene. Erst wenn die Ursache der Gehirnentzündung eindeutig nachgewiesen ist, setzt der Arzt ungeeignete Mittel ab und verabreicht, wenn möglich, Medikamente, die gezielt gegen den Erreger wirken.

Behandlung einer Autoimmunenzephalitis:

Besteht der Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung, leitet der Arzt ebenfalls sofort die Therapie ein. In einem ersten Schritt erhalten Betroffene Glukokortikoide ("Kortison") in hoher Dosierung. Oft setzen Ärzte auch spezielle Verfahren ein, um die Autoantikörper zu entfernen, die das Gehirn angreifen. Dabei wird das das Blutplasma des Patienten ausgetauscht (Plasmapherese) beziehungsweise gereinigt (Immunadsorption). Anschließend erhält der Patient über eine Infusion Antikörper und weiterhin Glukokortikoide, die die Entzündung hemmen.

In manchen Fällen reicht diese Behandlung gegen eine autoimmune Enzephalitis nicht aus. Dann verabreichen Ärzte andere Medikamente, die das Abwehrsystem ausbremsen, beispielsweise Rituximab oder Cyclophosphamid. Wenn eine Krebserkrankung die autoimmunen Reaktionen auslöst, kann auch die jeweilige Krebstherapie helfen.

Symptomatische Behandlung der Enzephalitis:

Darüber hinaus behandelt der Arzt die Symptome des Patienten. Auch eventuell auftretenden Krampfanfällen und einer Schwellung des Gehirns (Hirnödem) wirkt er mit entsprechenden Medikamenten entgegen. Des Weiteren kontrolliert er regelmäßig die Temperatur, die Atmung und den Wasserhaushalt des Patienten.

In manchen Fällen, beispielsweise bei FSME, gibt es keine Medikamente gegen die Erreger. Dann behandelt der Arzt nur die Symptome. Schwere chronische Gehirnentzündungen wie die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) sind bisher nicht heilbar. Die SSPE etwa endet normalerweise immer tödlich. Manche Studien lassen vermuten, dass Interferon-beta den Verlauf verzögert, die Ergebnisse sind allerdings widersprüchlich. Im Vordergrund steht daher, Betroffene bestmöglich auf ihrem verbliebenen Lebensweg zu begleiten und auftretende Beschwerden zu lindern (palliative Therapie).

Komplikationen und Prognose

Eine Enzephalitis kann lebensbedrohlich sein - besonders dann, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und behandelt wird. Je nach Ursache, Schwere und Verlauf der Enzephalitis können bleibende Schäden im Gehirn zurückbleiben.

Die Enzephalitis kann kompliziert verlaufen, wenn zum Beispiel ein Krampfanfall andauert (Status epilepticus) oder eine Schwellung des Gehirns entsteht (Hirnödem). Diese Komplikationen sind potenziell lebensbedrohlich.

Krankheitsverlauf und Prognose:

Die Heilungsaussichten bei einer Gehirnentzündung hängen davon ab, wie schwer die Erkrankung ist, welcher Erreger sie verursacht hat und wie schnell die Therapie eingeleitet wird. Wichtig ist, Warnsignale wie plötzliches hohes Fieber mit Übelkeit, Kopfschmerzen und Bewusstseinsstörungen ernst zu nehmen und umgehend im Krankenhaus abklären zu lassen.

Rechtzeitig erkannt und sofort behandelt, ist die Prognose einer infektiösen Enzephalitis in der Regel gut. Unbehandelt jedoch endet die Gehirnentzündung oft tödlich. Beispielsweise führt jene, die durch die aggressiven Herpes-Simplex-Viren ausgelöst wird, in bis zu 70 von 100 Fällen zum Tod. Mit den modernen Medikamenten und einer schnellen Therapie werden jedoch bis zu 80 von 100 Patienten wieder gesund.

Problematisch sind vor allem auch Keime, die selten in Europa vorkommen. Dazu gehören die Erreger der Tollwut, der Japanischen Enzephalitis und der West-Nil-Krankheit. Gegen sie gibt es keine speziellen Behandlungsmöglichkeit. Sie enden häufiger tödlich (Tollwut nahezu immer) oder verursachen bleibende Hirnschäden.

Das Nervensystem kann generell nach jeder Hirnentzündung dauerhaft geschädigt bleiben. Wenn das Sprechen des Patienten gestört ist, hilft eventuell ein Logopäde. Kann der Patient seine Arme oder Beine nicht mehr bewegen, ist Krankengymnastik und Ergotherapie sinnvoll.

Bei einer zugrundeliegenden Autoimmunerkrankung ist die Prognose der Gehirnentzündung überwiegend gut.

Spätfolgen:

Etwa ein Drittel der Betroffenen leidet nach einer Kopfgrippe an andauernden Spätfolgen wie Krampfanfällen oder Störungen in Sprache, Gedächtnis und Bewegungsabläufen. Bei einer:einem von hundert Erkrankten bleibt das Gehirn zudem so geschädigt zurück, dass ein vollständiges Erlangen des Bewusstseins nicht mehr möglich ist. Erkranken Kinder an einer Kopfgrippe, treten bei etwa 50 Prozent von ihnen langfristige Einschränkungen wie Verhaltensauffälligkeiten, Lernstörungen oder Entwicklungsverzögerungen auf. Außerdem kann ein Hydrozephalus (umgangssprachlich Wasserkopf) zurückbleiben und das Hören, das Sehen oder die Blasenkontrolle nachhaltig gestört sein.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Enzephalitis gibt es gegen viele der Erreger Impfungen. Flächendeckend werden Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Kinderlähmung (Poliomyelitis) angeboten. Darüber hinaus gibt es Schutzimpfungen für Personen, die einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, an einer Enzephalitis zu erkranken.

Dazu zählt die Impfung gegen FSME für Bewohner von Gebieten, in denen gehäuft FSME-Viren durch Zecken übertragen werden (FSME-Gebiete). Außerdem ist es für Reisende nach Südostasien ratsam, sich gegen die Japanische Enzephalitis impfen zu lassen, sofern sie vorhaben, sich dort länger aufzuhalten oder in ländliche Gebiete zu reisen.

Weitere Vorbeugemaßnahmen:

  • Impfungen: Lasst eure Säuglinge und Kleinkinder gegen Virusinfektionen impfen! Sowohl gegen das Varizella-Zoster-Virus, als auch gegen Masern, Röteln und Mumps sowie FSME-Viren gibt es erprobte und wirksame Impfstoffe.
  • FSME-Impfung: Haltet ihr euch viel im Freien auf und wohnt in einem Zecken-Risikogebiet, wird zu einer FSME-Impfung bei Kindern und Erwachsenen dringend geraten.
  • Reiseimpfungen: Wollt ihr verreisen, können zudem Impfungen gegen Viren, die in unseren Breitengraden nicht vorkommen, angeraten sein. Lasst euch hierzu vor der Reise von Hausärzt:in und Kinderärzt:in beraten.
  • Hygiene bei Herpes: Leidet ihr unter Herpes, schützt euer Kind vor einer Übertragung und achtet penibel auf Hygiene. Insbesondere Neugeborene - denn Herpes bei Babys ist besonders gefährlich. Zur Sicherheit solltet ihr eure Kinder nicht küssen und betroffene Körperstellen bedecken. Wenn ihr noch stillt und die Brust von Herpes-Simplex-Viren befallen ist, sollte ein Umstellen auf Säuglingsnahrung erfolgen. Bei Herpes in der Schwangerschaft ist vor allem bei einer Infektion im Genitalbereich Vorsicht geboten: Hier könnte sich das Baby während der Geburt anstecken. Daher immer ärztlich abklären lassen, ob eine Behandlung oder ein Kaiserschnitt nötig ist.
  • Küchenhygiene: Listerien werden vor allem über verunreinigte Lebensmittel übertragen. Davor schützen bestimmte Regeln der Küchenhygiene und der Verbrauch frischer Lebensmittel innerhalb kurzer Zeit.

Autoimmunenzephalitis: Eine besondere Form der Gehirnentzündung

Meist werden solche Entzündungen durch Infektionen (Viren, Bakterien, Pilze oder Einzeller) ausgelöst. Manchmal ist dieser Auslöser jedoch keine Infektion, sondern die fehlgeleitete Antwort der körpereigenen Abwehr, unseres Immunsystems. Wenn dieses beginnt, Antikörper gegen die eigenen Nervenzellen in unserem Gehirn, sogenannte Autoantikörper, zu bilden, spricht man von einer Autoimmunenzephalitis.

Diese Erkrankungsform kennen wir noch nicht lange. Patientinnen leiden oft an neurologischen Störungen (Bewegungsstörungen, Hirnnervenausfälle, Krampfanfälle, Sprach- und Gedächtnisprobleme); manche Patientinnen zeigen deutliche Verhaltensänderungen bis hin zu schweren psychiatrischen Störungen (Halluzinationen, Psychose, Katatonie) und im späteren Verlauf unter Umständen eine Beeinträchtigung lebenswichtiger Körperfunktionen wie Kreislauf und Atmung. Den meisten Fällen ist ein akuter, d.h. plötzlich beginnender Verlauf gemeinsam. Insgesamt betrachtet handelt es sich um eine seltene Erkrankungsgruppe.

Der mit Abstand häufigste und bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist die sogenannte anti-N-Methyl-D-Aspartat Rezeptor Enzephalitis (NMDARE).Sie kann bei Patientinnen jeden Alters auftreten, ist bislang jedoch meist bei jungen Erwachsenen und Kindern diagnostiziert worden. Andere Daten aus Patientinnengruppen mit unklarer Enzephalitis zeigen, dass die NMDARE Virus-bedingte Enzephalitiden bei Kindern in ihrer Häufigkeit sogar übertrifft.

Bei der Autoimmunenzephalitis handelt es sich nicht um eine einzelne Diagnose, sondern eine ganze Gruppe an Krankheiten, die jede für sich entsprechend charakterisiert und nach dem Autoantikörper benannt wird, der die Krankheit auslöst. Zum Beispiel wird die NMDA-Rezeptor Enzephalitis (NMDARE) durch Antikörper gegen N-Methyl-D-Aspartat Rezeptoren auf Nervenzellen in unserem Gehirn ausgelöst. Bis heute werden immer neue, zuvor unbekannte Autoantikörper gegen Nervenzellen in unserem Gehirn identifiziert, so dass die Zahl an einzelnen Diagnosen in dieser Gruppe zunimmt.

Alle Krankheiten dieser Gruppe sind insofern gleich, als die Autoantikörper an Eiweiße auf der Oberfläche unserer Nervenzellen binden und dadurch die Funktion von Stützproteinen, Kanälen und Rezeptoren dieser Zellen stören.

Diagnose:

Zur Diagnosestellung ist die Entnahme von Liquor durch eine Lumbalpunktion notwendig. Diese Untersuchung ist wird in einem kurzen und unkomplizierten Verfahren durchgeführt. Der Liquor wird anschließend auf die häufigsten, heute bekannten Autoantikörper gegen Nervenzellen untersucht. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit mit Hilfe zusätzlicher Untersuchungen nach noch unbekannten Autoantikörpern im Liquor zu suchen. Diese genauere Analyse des Materials wird dann durchgeführt, wenn die Beschwerden der Patient*innen für eine Autoimmunenzephalitis sprechen, die oben genannten Routine-Labor Test aber negative Ergebnisse liefern.

Behandlung:

Eine Autoimmunenzephalitis ist fast immer eine plötzlich beginnende und schnell fortschreitende Erkrankung, die ohne Behandlung oft zu immer schwerwiegenderen neurologischen Ausfällen, Wesensänderungen und schließlich einer lebensgefährlichen Störung der Atem- und Kreislaufregulation führen kann. Durch eine rechtzeitige Behandlung kann den meisten Patient*innen aber geholfen werden.

Die Autoimmunenzephalitis ist nicht nur aufgrund der schweren Symptome eine ernstzunehmende Erkrankung. In einigen Fällen geht sie, je nach Autoantikörper-Typ, mit verschiedenen Tumorerkrankungen wie Keimzelltumoren oder Lymphomen einher.

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