Epilepsie-Spezialisten in der Region Rotenburg: Ein umfassender Überblick

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Weltweit sind etwa 60 Millionen Menschen von dieser chronischen Erkrankung betroffen. Glücklicherweise können die meisten Betroffenen dank innovativer und individuell abgestimmter diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten ein normales Leben führen. Das Epilepsiezentrum Rotenburg am AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM ROTENBURG hat sich diesem Ziel verschrieben.

Neurologie in Rotenburg: Ein Überblick

Die Neurologie befasst sich mit Erkrankungen des Nervensystems und der Muskulatur. Dazu gehören beispielsweise Durchblutungsstörungen des Gehirns, entzündliche Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Epilepsien und Bewegungsstörungen wie die Parkinson-Krankheit. In den letzten 20 Jahren hat die Hirnforschung enorme Fortschritte gemacht, sodass heute eine Vielzahl von medikamentösen und anderen Behandlungsverfahren zur Verfügung stehen, die noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar waren.

Auch die Diagnoseverfahren haben sich dank der Fortschritte der modernen Medizintechnik stetig verbessert. Moderne Ultraschallgeräte ermöglichen einen detaillierten Einblick in die Blutversorgung des Gehirns. Die Messung kleinster elektrischer Spannungsunterschiede ermöglicht eine genaue Differenzierung bei Krankheiten der Nervenbahnen und der Muskulatur. Moderne Langzeitableitungen der Hirnströme bieten neue Möglichkeiten in der Epilepsiediagnostik, und moderne bildgebende Verfahren erlauben eine Darstellung des Gehirns und anderer nervaler Strukturen in nie gewesener Klarheit.

Das Expertenwissen der Spezialisten und die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen im medizinischen Versorgungszentrum und den benachbarten ambulanten und stationären Einrichtungen des Klinikums sind die Voraussetzung für eine fortschrittliche und gleichzeitig menschliche Hochleistungsmedizin.

Spezialisierte Sprechstunden im MVZ Rotenburg

Neben verschiedenen Sprechstunden in der Allgemeinen Neurologie bietet das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Rotenburg auch zahlreiche spezialisierte Sprechstunden an, darunter:

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  • Epileptologie und EEG-Diagnostik: (Dr. Bösebeck, Dr. Dr. Strege)
  • Neurovaskuläre Erkrankungen: einschließlich Schlaganfallnachsorge und Neurologische Ultraschalldiagnostik (Dr. Schindler, O. Quast)
  • Erkrankungen der peripheren Nerven und der Muskulatur: Muskelsprechstunde (Prof. Dr. Kiefer)
  • Klinische Neurophysiologie: (Prof. Dr. Kiefer, O. Quast)
  • Multiple Sklerose: (Dr. Mina) und andere entzündliche Krankheiten des Nervensystems (Prof. Dr. Kiefer)
  • Parkinson: (Dr. Kühne-Schokking)

Das MVZ ist Teil des zertifizierten „Muskelzentrums Nordwest“ der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke und des zertifizierten Epilepsiezentrums Rotenburg der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie und der Arbeitsgemeinschaft für prächirurgische Epilepsiediagnostik und operative Epilepsietherapie.

Enge Vernetzung von ambulanter und stationärer Versorgung

Da nahezu alle Ärzte im MVZ sowohl ambulant als auch stationär tätig sind, besteht eine enge Vernetzung mit dem stationären Bereich. Dadurch steht Ihnen auch in der Praxis die gesamte neurologische Fachkompetenz der Neurologischen Klinik im Diakonieklinikum der obersten Versorgungsstufe zur Verfügung. Häufig können hierdurch stationäre Behandlungen zu diagnostischen Zwecken vermieden werden. Sollte die Schwere der Erkrankung oder eine besondere Maßnahme dies dennoch erforderlich machen, profitieren die Patienten von der kontinuierlichen Betreuung ohne Informationsverlust.

Epilepsiezentrum Rotenburg: Umfassende Diagnostik und Therapie

Das Epilepsiezentrum Rotenburg bietet eine umfassende Diagnostik und individualisierte Behandlung von Epilepsie.

Diagnostik aus einer Hand

Eine gründliche Diagnostik ist die Grundlage jeder Therapie. Aufgrund der Vielgestaltigkeit einzelner Anfallserkrankungen ist dies bei der Behandlung epileptischer Anfälle von besonderer Bedeutung. Durch eine enge Vernetzung aller Fachabteilungen im AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM ROTENBURG werden den Patienten Untersuchungsmethoden auf höchstem medizinischen Niveau geboten.

Individualisierte Behandlung

Die Anzahl der Behandlungsstrategien bei Epilepsie ist so groß wie die Anzahl der Patienten. Nicht jede Therapieform ist für alle Patienten sinnvoll und geeignet oder wird von jedem gewünscht. Mit dem Ziel einer auf die persönlichen Bedürfnisse ausgerichteten Behandlung erarbeiten die Spezialisten gemeinsam mit ihren Patienten aus einem umfangreichen Angebot verschiedener Therapieansätze ein individuelles Therapiepaket. Dieses umfasst neben einer allgemeinen Beratung über die Ziele bestimmter Behandlungsformen z. B. die Auswahl und Verordnung von Medikamenten einschließlich Kontrolle deren Wirksamkeit und Verträglichkeit, Notfalltherapien bei akuten Anfällen sowie Schulungsprogramme für Betroffene und Angehörige. In einigen Fällen kommen auch spezielle diätetische Maßnahmen oder epilepsiechirurgische Behandlungen zum Einsatz.

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Zertifiziertes Epilepsiezentrum

Bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts werden in Rotenburg Patienten mit Anfallserkrankungen behandelt. Als Schwerpunkterweiterung der Neurologischen Klinik wurde 2007 eine von der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) zertifizierte Spezialambulanz für Epilepsieerkrankungen etabliert. 2010 wurde sie um eine Spezialstation für Anfallserkrankungen erweitert. 2014 zertifizierte die DGfE die ambulante und stationäre Epileptologie in Rotenburg offiziell als Epilepsiezentrum.

Stationäre Angebote des Epilepsiezentrums Rotenburg

Das Epilepsiezentrum Rotenburg bietet eine Vielzahl stationärer Angebote für Menschen mit Anfallserkrankungen aller Art, darunter:

  • Video-EEG Langzeitableitungen ("Monitoring")
  • Stationäre komplexe Medikamentenumstellungen
  • Prächirurgische Epilepsiediagnostik
  • Epilepsiechirurgische Eingriffe
  • Implantation von Vagusnervstimulatoren
  • Hochauflösende MRT-Schnittbildtechnik (1,5 und 3 T) nach international validierten Standards
  • Umfangreiche neuropsychologische Tests
  • Sozialmedizinische Beratung
  • Stationäre Behandlung von Menschen mit Mehrfachbehinderungen
  • Immunmodulatorische Therapie bei limbischer Enzephalitis
  • Einleitung einer ketogenen Diät

Was Sie zu Ihrem ersten Besuch mitbringen sollten

Um eine individuelle Beratung zu gewährleisten, benötigen die Spezialisten möglichst genaue Angaben über Ihre Anfälle. Da Betroffene hierzu oft nur wenig beitragen können, sind Angehörige oder Freunde, die schon einmal Zeuge eines Anfalls waren, herzlich eingeladen, Sie bei Ihrem Besuch zu begleiten.

Bringen Sie bitte folgende Unterlagen zu Ihrem ersten Besuch mit:

  • Aktuelle Medikamentenliste
  • Aktueller Anfallskalender (wenn bereits geführt)
  • Sämtliche Arztbriefe aus Klinikaufenthalten und ambulanten Arztbesuchen
  • CT- und/oder MRT-Aufnahmen im Original (Papier-Kopien sind qualitativ meist nicht ausreichend, digitale Datensätze auf CD-ROM lassen sich durch Systeminkompatibilitäten oft nicht aufrufen)
  • EEG-Befunde (möglichst mit einigen gedruckten Beispielseiten)
  • Befunde über Routine-EKG, Langzeit-EKG oder Langzeit-Blutdruckuntersuchungen
  • Ergebnisse von Blutuntersuchungen einschließlich Bestimmung der Antiepileptikaspiegel im Blutserum (falls erfolgt)
  • Unterlagen über den Ablauf Ihrer Geburt und der vorangegangenen Schwangerschaft (ggf. Ihre Mutter nach dem Mutterpass fragen)
  • Informationen über sonstige Erkrankungen (auch solche, die Sie bisher nicht in direkte Verbindung mit Ihren Anfällen gebracht haben)
  • Informationen über Fieberkrämpfe im Kleinkindalter (wenn möglich, Ihre Mutter fragen)
  • Informationen über Anfallserkrankungen oder sonstige angeborene Gehirnerkrankungen bei leiblichen Familienangehörigen (ggf. ältere Familienmitglieder befragen)

Sollte der Grund Ihrer ambulanten Vorstellung ein unmittelbar zurückliegender lebensbedrohlicher epileptischer Anfall (Status Epilepticus) oder eine akut festgestellte Schwangerschaft bei bestehender Epilepsie sein, so geben Sie das bitte direkt bei der Terminvereinbarung an!

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Modulares Schulungsprogramm EpilepSie (MOSES)

Das MOdulare Schulungsprogramm EpilepSie (MOSES) verbindet Wissensvermittlung mit Erfahrungsaustausch von Betroffenen und deren Angehörigen in Kleingruppen von bis zu zwölf Teilnehmern. Es ist als Wochenendseminar konzipiert.

Was ist Epilepsie?

Unter heutigen Gesichtspunkten ist Epilepsie ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen des Gehirns, deren gemeinsames Merkmal das wiederholte Auftreten epileptischer Anfälle ist. Statistisch erleidet etwa jeder zwanzigste Mensch mindestens einmal in seinem Leben einen epileptischen Anfall. Unter diesen wird bei etwa jedem fünften aufgrund wiederkehrender Anfälle oder bestimmter diagnostischer Befunde die Diagnose Epilepsie gestellt.

Wie kommt es zu epileptischen Anfällen?

Unsere Hirnrinde besteht überwiegend aus mikroskopisch kleinen Nervenzellen, die über fadenförmige Ausläufer mit benachbarten Nervenzellen in Verbindung stehen. Elektrische Entladungen einzelner Nervenzellen können über diese Verbindungen auf benachbarte oder entfernte Zellen übertragen werden, wodurch ein komplexes Netzwerk entsteht. Innerhalb dieses Netzwerkes finden sich Nervenzellverbände, die zu Funktionseinheiten zusammengefasst werden.

Die Funktionalität unserer oft komplexen Handlungen und realitätsnahen Wahrnehmungen erfolgt über ein diffiziles Wechselspiel aus elektrischer Aktivierung und Hemmung der beteiligten Nervenzellen. Gerät als Folge einer Epilepsie dieses Wechselspiel vorübergehend aus dem Gleichgewicht, so kann es zu einer verminderten elektrischen Hemmung zuvor aktivierter Nervenzellen kommen. Bildlich gesehen kommt es zu einem unkontrollierten Ausbreiten elektrischer Entladungen. Erreicht diese unwillkürliche Aktivierung Hirnregionen mit spezifischer Funktion, so wird diese Funktion meist ohne Kontrollmöglichkeit für den Patienten beeinträchtigt oder übersteigert aktiviert.

Fokale vs. generalisierte Anfälle

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen epileptischen Anfällen, die von einzelnen Hirnabschnitten ausgehen (sog. „fokale Anfälle“), und solchen Anfällen, die das gesamte Gehirn, also beide Hirnhälften, befallen (sog. „generalisierte- oder bilaterale Anfälle“).

Bei fokalen Epilepsien kommt es häufig zu Anfällen, die von Hirnregionen mit ausschließlicher Wahrnehmungsfunktion ausgehen (früher als „Auren“ bezeichnet). Diese gehen oftmals anderen Anfallsformen voraus und werden von Betroffenen als Vorboten oder Vorgefühle wahrgenommen. Es kommt zum Sehen oder Hören irrealer Inhalte, Sensibilitätsstörungen einzelner Körperregionen, einem seltsam aufsteigenden Gefühl aus der Magengegend oder einer plötzlich einsetzenden Angst, Freude bzw. dem irrealen Gefühl, die aktuelle Situation schon einmal erlebt zu haben (Déjà vu).

Fokale Anfälle aus Hirnregionen mit Bewegungsfunktion können motorische Anfälle hervorrufen. Hierbei kommt es zu einer plötzlich einsetzenden, als „tonisch“ bezeichneten Versteifung von Armen, Beinen oder des Gesichts. Unwillkürliche rhythmische Zuckungen werden als „klonische Anfälle“ bezeichnet. Anfälle aus dem Schläfenhirn und angeschlossenen Strukturen äußern sich durch eine vorübergehende Bewusstlosigkeit und unangebrachte Handlungen wie Nesteln, Schmatzen oder ungezieltes Umhergehen („nicht bewusst erlebte motorischen Anfälle mit Automatismen“).

Generalisierte Epilepsien (nach aktueller Kenntnis genetisch bedingt) verursachen Anfälle, welche von Beginn an das gesamte Gehirn, also beide Hirnhälften betreffen. Diese Epilepsieformen beginnen in der Regel schon im Kindes- oder Jugendalter und sind durch drei häufige Anfallsformen charakterisiert:

  1. „Absencen“: kurze, vom Patienten selbst nicht wahrgenommene geistige Abwesenheit in Verbindung mit typischen EEG-Veränderungen
  2. „Myoklonische Anfälle“: einzelne kurze, brüske Zuckungen beider Arme oder des gesamten Körpers, bei denen Betroffene meist alles fallen lassen
  3. Generalisierte tonisch-klonische Anfälle, wie oben beschrieben, meist jedoch ohne einleitende Vorgefühle oder sonstige fokale Anfälle

Ursachen von Epilepsie

Sehr häufig bewegt Betroffene die Frage nach der Ursache ihrer Epilepsie. Der genaue Mechanismus, über den Nervenzellverbände im Gehirn epileptisch werden, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Allgemein wird angenommen, dass jede Schädigung der Großhirnrinde fokale Epilepsien verursachen kann. Mögliche Schädigungsursachen sind Schlaganfälle, Hirnentzündungen oder -verletzungen, Hirntumoren und Komplikationen bei der Geburt.

Multiple Kavernome: Eine besondere Herausforderung

Multiple Kavernome sind eine seltene Erkrankung, bei der sich im Gehirn oder Rückenmark mehrere gutartige Gefäßmissbildungen (Kavernome) bilden. Diese Kavernome können bluten und dadurch neurologische Ausfälle verursachen.

Was tun bei multiplen Kavernomen?

Die Behandlung von multiplen Kavernomen ist komplex und erfordert die Expertise von Spezialisten. In vielen Fällen ist eine Operation nicht möglich, da die Kavernome zu zahlreich sind oder an ungünstigen Stellen liegen. In diesen Fällen kann eine medikamentöse Therapie zur Kontrolle von Anfällen oder zur Vorbeugung von Blutungen eingesetzt werden.

Wo finde ich Hilfe?

Wenn Sie von multiplen Kavernomen betroffen sind, ist es wichtig, sich an ein spezialisiertes Zentrum zu wenden. In Deutschland gibt es mehrere Zentren, die Erfahrung in der Behandlung dieser Erkrankung haben. Dazu gehören unter anderem die Universitätskliniken in Essen, Marburg und Münster sowie das INI Hannover.

Was kann ich selbst tun?

Neben der medizinischen Behandlung können Sie selbst einiges tun, um Ihre Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören:

  • Führen eines Notfallpasses: In einem Notfallpass sollten Ihre Diagnosen, Medikamente und Kontaktdaten Ihrer behandelnden Ärzte vermerkt sein.
  • Vermeiden von blutverdünnenden Medikamenten: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie blutverdünnende Medikamente wie Aspirin einnehmen.
  • Gesunder Lebensstil: Achten Sie auf eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung. Vermeiden Sie Nikotin und übermäßigen Alkoholkonsum.
  • Austausch mit anderen Betroffenen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein. Es gibt verschiedene Selbsthilfegruppen für Menschen mit multiplen Kavernomen.

Weitere neurologische Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten in Rotenburg

Neben Epilepsie und multiplen Kavernomen werden in der Neurologischen Klinik Rotenburg auch viele andere neurologische Erkrankungen diagnostiziert und behandelt. Dazu gehören unter anderem:

  • Schlaganfall: Eine meist plötzlich und schmerzlos auftretende Durchblutungsstörung im Gehirn, bei der Nervenzellen absterben.
  • Multiple Sklerose (MS): Eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark auftreten.
  • Demenz: Eine langsam fortschreitende Beeinträchtigung der kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten.
  • Migräne: Attackenartige Kopfschmerzen, die meist einseitig auftreten und von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und/oder Lärmempfindlichkeit begleitet sein können.

Die Neurologische Klinik Rotenburg bietet eine umfassende Diagnostik und Therapie dieser Erkrankungen. Ziel ist es, die Symptome zu lindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

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