Epilepsie: Ursachen, Diagnose und Behandlung epileptischer Anfälle

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, von der weltweit etwa 1 % der Bevölkerung betroffen ist. In Deutschland sind es rund 600.000 Menschen. Sie ist durch wiederholte, plötzliche Funktionsstörungen des Gehirns gekennzeichnet, die zu epileptischen Anfällen führen. Diese Anfälle können vielfältig sein und sich in ihren Symptomen und Ursachen unterscheiden.

Was ist ein epileptischer Anfall?

Bei einem epileptischen Anfall sind einzelne Hirnbereiche oder das gesamte Gehirn übermäßig aktiv. Es kommt zu einer vorübergehenden Störung des Zusammenspiels der Nervenzellen. Um dies zu veranschaulichen, wird oft von einem "Gewitter im Kopf" gesprochen.

Anzeichen eines epileptischen Anfalls

Die Anzeichen eines epileptischen Anfalls können vielfältig sein:

  • Betroffene verkrampfen und es treten Muskelzuckungen auf, die einzelne Körperteile oder den gesamten Körper betreffen können.
  • Die Atmung ist gestört, was dazu führen kann, dass Betroffene blau anlaufen.
  • Die Augen können sich verdrehen.
  • Betroffene können sich auf die Zunge beißen.
  • Bewusstlosigkeit kann eintreten.
  • Nach dem Anfall sind Betroffene meist müde oder erschöpft.

Die Dauer eines epileptischen Anfalls beträgt meist nur wenige Minuten. Ein Anfall, der länger als fünf Minuten dauert, wird als "Status epilepticus" bezeichnet und stellt einen medizinischen Notfall dar, der sofort behandelt werden muss.

Ursachen eines epileptischen Anfalls

Epilepsie kann verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören:

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  • Erbliche Veranlagung
  • Verletzungen
  • Entzündungen der Hirnhaut oder des Gehirns
  • Schlaganfälle
  • Tumore

Epilepsie kann in jedem Alter auftreten. Bestimmte Reize wie flackerndes Licht, rasche Hell-Dunkel-Wechsel, Schlafmangel, Alkohol, Sauerstoffmangel oder psychische Extrembelastungen können Anfälle auslösen.

Der erste Anfall: Was tun?

Der erste epileptische Anfall ist für Betroffene und Augenzeugen oft ein einschneidendes Erlebnis. Eine typische Schilderung eines Augenzeugen wäre:

"Herr Mustermann hat plötzlich einen starren Blick bekommen, die Augen nach oben verdreht, alle Muskeln des Körpers durchgestreckt und ist umgefallen. Am Boden liegend hat er dann an Armen und Beinen rhythmisch gekrampft, heftig geatmet und Schaum vor dem Mund bekommen. Die Krämpfe haben etwa 2 Minuten gedauert. Auf Ansprache oder Rütteln zeigte Herr Mustermann danach keine Reaktionen. Nach 5-10 Minuten kam er wieder zu sich, reagierte aber nicht der Situation entsprechend. Allmählich kam er wieder zur Orientierung. Er war sehr müde und abgeschlagen. Am Folgetag hatte er Muskelkater und ein seitlicher Zungenbiss tat weh. Auch Prellmarken und Hautabschürfungen traten auf."

Bei der Schilderung handelt es sich um einen generalisierten tonisch-klonischen Anfall, einen sog. Grand-mal-Anfall. Dieses ist der eindruckvollste Anfallstyp. Längst nicht alle epileptischen Anfälle verlaufen aber so.

Eine andere Schilderung wäre: "Mein Kind befindet sich im 2. Schuljahr. Mehrmals am Tag schaut es starr in die Luft und bewegt die Augenlider. In dieser Zeit ist es nicht ansprechbar. Nach wenigen Sekunden ist alles wieder normal und es setzt die angefangenen Tätigkeiten fort."

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Bei dieser Schilderung handelt es sich um Absencen. Absencen sind ebenfalls generalisierte Anfälle im Gehirn. Außer Lid- und Augenwinkelzuckungen oder gelegentlich kleineren Zuckungen in den Fingerspitzen ist äußerlich jedoch nichts zu beobachten. Die Anfälle werden von den Kindern meistens nicht registriert und von ihren Eltern häufig zunächst als Konzentrationsstörungen abgetan.

Eine dritte Schilderung eines Anfallsereignisses lautete so: "Meine Frau stand neben mir, als sie plötzlich sagte, dass ihr schwarz vor den Augen werde. Sie sackte in sich zusammen und lag 5 Sekunden ohnmächtig am Boden ohne sich zu bewegen. Auf Ansprache reagierte sie plötzlich sofort, wusste sofort wo sie war, stand auf und alles war wieder wie vorher."

Bei dieser Schilderung eines Anfallsereignisses handelt es sich am ehesten um eine Ohnmacht oder Synkope. Diese ist kreislaufbedingt und keine Erkrankung des Gehirns, somit auch keine Epilepsie.

Was ist zu tun, wenn jemand in meiner Anwesenheit einen Anfall bekommt?

  • Ruhe bewahren, nicht davonrennen.
  • Den Betroffenen gegebenenfalls aus einem Gefahrenbereich entfernen.
  • Beengende Kleidungsstücke am Hals lösen.
  • Kopf polstern.
  • Krampferscheinungen nicht unterdrücken, den Betroffenen nicht aufrichten, verkrampfte Hände nicht öffnen oder festhalten, Kiefer nicht gewaltsam öffnen, keine Gegenstände zwischen die Zähne schieben.
  • Keine Unterbrechungsversuche: Nicht schütteln, klopfen oder anschreien.
  • Patient nach dem Anfall in stabile Seitenlage bringen, damit eventuell Speichel abfließen kann.
  • Nach dem Anfall bzw. Wiedererlangen des normalen Bewusstseins Hilfe und Begleitung anbieten.
  • Wichtig ist auch, die Dauer des Anfalls zu registrieren. Zumeist sind Anfälle nach ein bis zwei Minuten vorbei.

Diagnose von Epilepsie

Die Entscheidung darüber, ob eine Epilepsie vorliegt oder nicht, stützt sich ganz überwiegend auf die Beschreibung des Anfallsereignisses. Zusätzlich sind apparative Untersuchungen notwendig wie z. B. ein EEG oder eine Kernspintomographie (MRT) des Kopfes. Diese Untersuchungen können die Diagnose Epilepsie unterstützen, eine Epilepsie aber nicht beweisen. Die Beschreibung des Anfalls durch den Patienten und einen Augenzeugen sollte also möglichst genau sein. Am besten ist es, den Anfall vom Beginn bis zu seinem Ende gedanklich, aus der Erinnerung heraus, zu rekonstruieren. Dabei sind aber auch die Zeiträume vor dem Anfall und danach wichtig.

Anfallsvorgeschichte (Anfallsanamnese)

Die Anfallsanamnese ist sehr wichtig, um die Einzelheiten eines Anfalls zu klären. Dazu gehören:

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  • Anfallsvorgefühle (Prodromi): Gefühle, die der Patient vor dem Anfall erlebt hat, wie z. B. Spannungszustände oder eine Depressivität.
  • Aura: Der Beginn des Anfalls im Gehirn. Der Patient merkt dabei verschiedene Dinge wie z. B. Blitze oder Bilder sehen, Worte oder Töne hören, einen komischen Geruch oder Geschmack wahrnehmen, ein Kribbelgefühl am Körper, das sich ausbreitet auf andere Körperregionen, einen gewissen Gedanken fassen müssen, ein Glücksgefühl oder ein depressives Gefühl, eine plötzliche Angst ohne erkennbaren Anlass, das Gefühl, alles schon einmal gesehen oder gehört zu haben (deja vu oder deja entendu Aura), eine aufsteigende Übelkeit vom Magen her (epigastrische Aura).
  • Bewusstseinsverlust: Das Bewusstsein ist häufig eingeschränkt oder ganz ausgeschaltet. Als Außenstehender kann man dies überprüfen, indem man den Patienten anspricht und auffordert, gewisse Dinge zu tun. Er reagiert dann nicht oder nicht angemessen.
  • Automatismen: Wiederholte Bewegungen im Gesicht oder an Armen oder Beinen. Diese können durchaus bekannt sein wie z. B. Lippenlecken, Kauen, Zupfen an der Kleidung, Radfahren mit den Füßen, sind der Situation jedoch nicht angemessen.
  • Verkrampfungen: Es können starre Verkrampfungen (tonische Anfälle) von zuckenden Verkrampfungen (klonische Anfälle) unterschieden werden, zum Teil geht eine tonische in eine klonische Phase des Anfalls über. Betroffen sein können einzelne Körperregionen oder der ganze Körper.
  • Nach dem Anfall: Patienten sind oft umdämmert, d. h. nicht vollständig orientiert und erinnerungsschwach sowie müde. Es können vorübergehende Lähmungen einseitig oder beidseitig auftreten. Erst allmählich wird das Bewusstsein wieder klar. Auch Sprachstörungen kommen nach dem Anfall vor.
  • Zungenbiss, Einnässen und Einkoten: Ein seitlicher Zungenbiss tritt bei einem generalisierten tonisch-klonischen Anfall häufig auf und spricht mit sehr großer Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein epileptischer Anfall abgelaufen ist. Einnässen und Einkoten können vorkommen, da bei allgemeiner Muskelanspannung auch die Bauchpresse (wie beim Stuhlgang) auftritt und die Blasen- und Mastdarmkontrolle nicht gegeben ist. Diese beiden Phänomene sind jedoch nicht so eindeutig auf eine Epilepsie hinweisend. Sie kommen auch z.B. bei Synkopen (Ohnmachten) oder psychisch bedingten Anfällen vor.
  • Verletzungen: Verletzungen betreffen nicht nur Platz- und Schürfwunden am ganzen Körper. Es kann auch zu Knochenbrüchen kommen, Gelenke können auskugeln. Dies geschieht durch Sturz zu Beginn eines Anfalls, durch die schlagenden Bewegungen meistens auf dem Boden. aber auch durch Dinge, die der Patient während der Phase der Umdämmerung tut wie z. B. auf die Straße laufen ohne den Verkehr wahrzunehmen oder sich an einer heißen Herdplatte zu verbrennen.
  • Dauer des Anfalls: Die Dauer des Anfalls ist wichtig. Man rechnet vom Beginn der Aura bis zum Ende der motorischen (Bewegungs)-störungen.
  • Auslöser: Bei bestimmten Anfallstypen können Auslöser erkannt werden. Es gibt eine Photoempfindlichkeit auf Blitzlichte und in seltenen Fällen auch sog. Reflexepilepsien wie z. B. eine Lese-Epilepsie beim Lesen. Wenn Anfälle immer in den gleichen Situationen auftreten und sich regelmäßig provozieren lassen, spricht man von einer Reflex-Epilepsie.

Weitere wichtige Informationen

Unabhängig von der Anfallsbeschreibung ist die übrige Krankheitsvorgeschichte wichtig. Am bedeutsamsten sind hierunter:

  • Wie waren die Schwangerschaft und Geburt?
  • Gab es Entwicklungsstörungen in der frühen Kindheit, gab es Kopf- oder Gehirnverletzungen oder Erkrankungen, die das Gehirn betreffen?
  • Gab es in der Kindheit kleinere oder andere Anfallstypen wie z. B. Fieberkrämpfe?
  • Lagen in der unmittelbaren Vorgeschichte andere Erkrankungen vor wie z. B. eine Infektion oder ein Tumor in einer anderen Körperregion?
  • Werden Medikamente oder Alkohol regelmäßig konsumiert?
  • Sind in der Familie weitere Patienten mit Epilepsie bekannt?
  • Handelt es sich wirklich um den ersten Anfall oder gab es schon zuvor Anfälle? Vielleicht auch kleinere Anfälle eines anderen Typs?

Untersuchungen zur Diagnose

Nach der Erhebung der Vorgeschichte ist eine körperliche neurologische und auch psychiatrische Untersuchung notwendig. Hierbei werden die Hirnnerven, die Körperkraft, die Körperempfindungen, die Reflexe an Armen und Beinen, die Koordination und intellektuelle Leistungen wie z. B. die Sprache oder das Gedächtnis überprüft. Es ist auch notwendig, auf mögliche psychiatrische Störungen wie z. B. Depressionen, Wahnvorstellungen oder Halluzinationen einzugehen.

Die wichtigsten Untersuchungen, die dann durchgeführt werden sollten, sind das EEG und eine Kernspintomographie des Kopfes.

  • Elektroenzephalogramm (EEG): Das EEG misst die hirnelektrische Aktivität. Bei Epilepsie-Patienten können in der Ableitung epilepsietypische Potentiale gefunden werden. Es handelt sich dabei um steile und spitze Potentiale, die evtl. von einer langsamen Welle gefolgt sind (Spitze-Wellekomplex oder Spike-wave-Komplex). Sie sind auf eine Epilepsie hinweisend, beweisen aber nicht, dass der Patient auch wirklich an einer Epilepsie leidet. So können z. B. epilepsietypische Potentiale auch in EEGs von Geschwisterkindern von Anfallspatienten nachgewiesen werden, ohne dass diese jemals einen epileptischen Anfall erlitten haben. Mit dem EEG können auch allgemeine Veränderungen der elektrischen Gehirnaktivität wie Verlangsamungen oder herdförmige Störungen erkannt werden. In aller Regel wird zunächst ein Oberflächen-EEG über 20-30 Minuten mit Hyperventilation (verstärktes Atmen) durchgeführt. Erst wenn hierbei keine schlüssige Aussage zu treffen ist, kann ein 24-Stunden-EEG oder Schlafentzugs-EEG durchgeführt werden.
  • Kernspintomographie (MRT): Die Kernspintomographie des Kopfes (MRT oder MRI) ist eine Schichtaufnahme des Kopfes und des Gehirns mit Hilfe magnetischer Wellen. Sie ist ungefährlich und nicht belastend. Sie kann von daher beliebig wiederholt werden. Mit ihr erkennt man Veränderungen der Gehirnstruktur, wie z. B. Vernarbungen, Missbildungen, Entzündungen, Tumore, Schlaganfälle. Diese Veränderungen, auch Läsionen genannt, können im Zusammenhang mit der Epilepsie stehen, müssen dies aber nicht. Selbst wenn das Kernspintomogramm vollständig normal ist, kann eine Epilepsie vorliegen. Mit der Kernspintomographie können auch die zum Gehirn führenden Gefäße dargestellt werden (Kernspin-Angiographie).

Falls eine Kernspintomographie des Kopfes nicht möglich ist, sollte zumindest eine Computertomographie durchgeführt werden. Auch hierbei handelt es sich um Schichtaufnahmen des Gehirns, die Veränderungen der Gehirnstruktur aufzeigen. Sie ist, was die Epilepsie angeht, jedoch nicht so genau wie die Kernspintomographie. Außerdem werden Röntgenstrahlen angewendet, so dass eine Strahlenbelastung entsteht.

Insbesondere wenn es sich um den ersten Anfall handelt, sollten Laboruntersuchungen des Blutes und in einzelnen Fällen auch des Nervenwassers (Liquor) durchgeführt werden. Hierbei wird vor allem nach Entzündungszeichen gesucht.

Weitere Untersuchungen wie z. B. Untersuchungen des Hirnstoffwechsels mit dem SPECT oder PET sind beim ersten Anfall nur in sehr seltenen Fällen notwendig.

Zudem sollte eine zumindest orientierende neuropsychologische Untersuchung mit geeignetem Testverfahren stattfinden um Beeinträchtigungen der Hirnleistungsfähigkeit durch die Epilepsie erkennen zu können. Wiederholt man die Untersuchung nach einer Einstellung auf Antiepileptika, so kann man über mögliche Auswirkungen der Medikation auf die Gehirnleistungsfähigkeit erkennen.

Provozierte Anfälle

Bei einem provozierten Anfall sollten die Provokationsbedingungen wie z. B. deutlichem Schlafentzug, gewisse Medikamente, übermäßiger Alkoholkonsum oder Drogenkonsum genau benannt werden. Letztere können evtl. im Blut nachgewiesen werden. Die Provokationsfaktoren sollten genau dokumentiert werden. Bei einem provozierten Anfall sind sowohl die körperliche Untersuchung als auch das EEG und auch die Kernspintomographie des Kopfes normal.

Anfallsartige Störungen, die mit Epilepsie verwechselt werden

Am häufigsten wird eine Ohnmacht (Synkope) mit Epilepsie verwechselt. Hierbei handelt es sich um eine momentane Minderdurchblutung des Gehirns, die zu einem Bewusstseinsverlust und zu einem Zusammensacken führt. Der Patient selber erlebt hierbei meist ein mulmiges Gefühl, ein schwarz werden vor den Augen und erwacht meist nach wenigen Sekunden wieder. Nach dem Erwachen ist er rasch wieder vollständig orientiert. Im Rahmen dieser Ohnmachten können vereinzelte Zuckungen auf beiden Seiten auftreten. Man spricht dann von konvulsiver Synkope. Die konvulsive Synkope ist kein epileptischer Anfall. Die Minderdurchblutung des Gehirns wird durch einen Blutdruckabfall verursacht. Häufig handelt es sich um momentane Fehlfunktionen des Herzens wie z. B. Herzrhythmusstörungen. Insofern sollte hier unbedingt eine Abklärung durch einen Herzspezialisten erfolgen.

Der Schlaganfall kann insbesondere dann, wenn er nur sehr kurz verläuft und sich vollständig zurückbildet, zur Verwechslung mit einem epileptischen Anfall führen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Schlaganfall auch eine der häufigsten Epilepsieursachen ist. Nach einem Schlaganfall treten bei etwa jedem 6. Patienten vereinzelt oder dauerhaft epileptische Anfälle auf. Auch hier ist eine genaue Beschreibung des Ereignisses wichtig, um die richtige Diagnose stellen zu können.

Auch bei der Migräne kommt es zu Auren. Diese können bestehen aus Flimmern vor den Augen oder dunklen Flecken. Mitunter führt die Migräneaura auch zu Sprachstörungen oder Halbseitenlähmungen für die Dauer weniger Minuten. Auf die Migräneaura folgen jedoch häufig schwere Kopfschmerzen. Komplizierend kommt hinzu, dass manchen Patienten sowohl unter Migräne als auch unter Epilepsie leiden.

Bei manchen Schlafstörungen kommt es zusätzlich zu plötzlichen Anfällen mit Verlust der Körperspannung und Hinfallen, sog. kataplektischen Anfällen. Beim kataplektischen Anfall wird jedoch niemals das Bewusstsein verloren. Auch ist an der Schlafstörung mit häufigem Einschlafen auch tagsüber und zerrüttetem Nachtschlaf erkennbar, dass es sich nicht um eine Epilepsie, sondern um eine Schlafstörung (Narkolepsie-/Katapleksie-Syndrom ) handelt.

Wiederholungsgefahr

Unabhängig von der Ursache der Anfälle kann gesagt werden, dass wer einen Anfall hatte, eine Wahrscheinlichkeit von 30% hat, innerhalb der nächsten 2 Jahre einen weiteren Anfall zu erleiden. Innerhalb der nächsten 10 Jahre sind es 40-50% der Patienten, die einen weiteren Anfall erleiden. Sind bereits 2 Anfälle aufgetreten, so ist die Wahrscheinlichkeit einen dritten Anfall zu erleiden, deutlich höher. Sie liegt bei etwa 50% innerhalb der nächsten 2 Jahre und ca. 70% innerhalb der nächsten 10 Jahre.

Behandlung von Epilepsie

Die Behandlung der Epilepsie ist von der Form und dem Krankheitsverlauf abhängig. Meistens werden Betroffene mit sogenannten Antiepileptika medikamentös behandelt. Da oftmals nur ein einziger epileptischer Anfall auftritt, ist nicht sofort eine Behandlung erforderlich.

Prinzipiell gibt es die Möglichkeit, durch eine veränderte Lebensführung Anfälle zu vermeiden. Es ist ratsam, für ausreichend Nachtsc…

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung mit Antiepileptika zielt darauf ab, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren oder die Anfallsfreiheit zu erreichen. Die Auswahl des geeigneten Medikaments erfolgt individuell und berücksichtigt die Art der Epilepsie, das Alter des Patienten, Begleiterkrankungen und mögliche Nebenwirkungen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es weitere Therapieoptionen, wie z. B.:

  • Chirurgische Eingriffe: Bei bestimmten Formen der Epilepsie, bei denen die Anfälle von einem klar definierten Bereich im Gehirn ausgehen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden, um diesen Bereich zu entfernen.
  • Vagusnervstimulation: Bei dieser Methode wird ein Gerät implantiert, das den Vagusnerv stimuliert und so die Anfallshäufigkeit reduzieren kann.
  • Ketogene Diät: Eine spezielle, fettreiche Diät kann bei manchen Patienten, insbesondere bei Kindern, die Anfallshäufigkeit verringern.

Leben mit Epilepsie

Epilepsie kann das Leben der Betroffenen und ihrer Familien stark beeinflussen. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, mit der Erkrankung umzugehen und ein erfülltes Leben zu führen. Dazu gehören:

  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Eine engmaschige Betreuung durch einen Neurologen ist wichtig, um die Behandlung anzupassen und Komplikationen zu vermeiden.
  • Anpassung des Lebensstils: Ausreichend Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten und der Verzicht auf Alkohol und Drogen können helfen, Anfälle zu vermeiden.
  • Unterstützung durch Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein, um mit der Erkrankung umzugehen und neue Strategien zu entwickeln.

Epilepsie im Alltag

Menschen mit Epilepsie können in vielen Bereichen des Lebens eingeschränkt sein. Es gibt jedoch auch viele Möglichkeiten, diese Einschränkungen zu minimieren.

  • Führerschein: Die Regelungen zum Führen eines Kraftfahrzeugs sind bei Epilepsie streng. In der Regel ist eine Anfallsfreiheit über einen bestimmten Zeitraum erforderlich, um einen Führerschein zu erhalten oder zu behalten.
  • Beruf: Die Berufswahl sollte sorgfältig erfolgen und die Art und Häufigkeit der Anfälle berücksichtigen. Es gibt jedoch viele Berufe, die auch mit Epilepsie ausgeübt werden können.
  • Sport: Sport ist grundsätzlich gesund, sollte aber in Absprache mit dem Arzt erfolgen. Bestimmte Sportarten, die mit einem hohen Verletzungsrisiko verbunden sind, sollten vermieden werden.
  • Reisen: Vor Flugreisen sollten einige Punkte beachtet werden, wie z. B. die Mitnahme ausreichender Medikamente und die Anpassung der Medikamenteneinnahme an die Zeitverschiebung.

Epilepsie bei Kindern

Epilepsie kann auch bei Kindern auftreten. Im Kindergartenalter gibt es einige Besonderheiten zu beachten:

  • Information des Kindergartens: Die Erzieher sollten über die Erkrankung, die Art der Anfälle und notwendige bzw. unnötige Hilfsmaßnahmen gut informiert sein.
  • Geeigneter Kindergarten: Altersgerecht entwickelte Kinder sollten den Regelkindergarten besuchen. Für Kinder mit einer Entwicklungsverzögerung und aktiven Epilepsie bietet sich der Besuch eines integrativen Kindergartens an. Deutlich entwicklungsverzögerte und behinderte Kinder sind in der Regel in heilpädagogischen Kindergärten am besten aufgehoben.

Schwangerschaft und Epilepsie

Frauen mit Epilepsie können grundsätzlich schwanger werden. Es gibt jedoch einige Besonderheiten zu beachten:

  • Medikamenteneinnahme: Die Medikamenteneinstellung sollte vor der Schwangerschaft mit dem Arzt besprochen werden, da bei manchen Antiepileptika ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko des Kindes besteht.
  • Folsäure: Durch die Schwangerschaft entsteht ein erhöhter Folsäurebedarf, den Sie über die Nahrung kaum abdecken können. Es wird daher eine Folsäure-Prophylaxe bereits vor der Schwangerschaft empfohlen.
  • Stillen: Muttermilch ist das Beste für einen Säugling. Deshalb ist Stillen trotz Einnahme von Antiepileptika zu empfehlen. Dabei sollten Sie das Neugeborene jedoch sorgsam beobachten.

Blaue Flecken bei Epilepsie

Blaue Flecken (Hämatome) können bei epileptischen Anfällen auftreten. Sie entstehen in der Regel durch Stürze oder Verletzungen während des Anfalls. Die schlagenden Bewegungen während eines Anfalls können ebenfalls zu Prellungen und blauen Flecken führen.

Thrombozyten und blaue Flecken

Thrombozyten, auch Blutplättchen genannt, spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung. Ein Mangel an Thrombozyten (Thrombozytopenie) kann zu einer erhöhten Blutungsneigung und damit auch zu blauen Flecken führen. Allerdings ist ein Thrombozytenmangel nicht die Hauptursache für blaue Flecken bei Epilepsie.

Ursachen für niedrige Thrombozyten

Die Gründe für niedrige Thrombozyten sind vielfältig. Mediziner unterscheiden grundsätzlich zwischen einer Bildungsstörung im Knochenmark und einem vermehrten Abbau der Plättchen. Häufige Ursachen sind:

  • Infektionen: Viren (wie Grippe, Masern, Röteln) oder Bakterien können die Werte vorübergehend senken.
  • Vitaminmangel: Ein schwerer Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure stört die Blutbildung.
  • Medikamente: Bestimmte Schmerzmittel, Antibiotika oder Medikamente gegen Epilepsie können als Nebenwirkung die Plättchenzahl reduzieren.
  • Autoimmunerkrankungen: Bei der Immunthrombozytopenie (ITP) bildet der Körper Antikörper gegen die eigenen Blutplättchen.
  • Lebererkrankungen: Eine vergrößerte Milz (Splenomegalie), oft infolge einer Leberzirrhose, speichert und baut zu viele Plättchen ab.

Thrombozyten zu niedrig und Krebs: Besteht ein Zusammenhang?

Tatsächlich können Erkrankungen des blutbildenden Systems, wie Leukämie (Blutkrebs), dazu führen, dass das Knochenmark nicht mehr genügend gesunde Thrombozyten produziert. Häufiger ist jedoch die Krebstherapie selbst die Ursache: Chemotherapie und Bestrahlung schädigen sich schnell teilende Zellen, wozu auch die Zellen im Knochenmark gehören. Dies führt oft zu einem vorübergehenden Abfall der Werte.

Was tun bei niedrigen Thrombozyten?

Die Behandlung richtet sich strikt nach der Ursache. Ist ein Medikament der Auslöser, wird dieses in Absprache mit dem Arzt abgesetzt oder gewechselt. Bei Nährstoffmangel helfen entsprechende Präparate. In schweren Fällen (z. B. bei akuter Leukämie oder sehr starker Blutungsneigung) können Thrombozytenkonzentrate transfundiert werden.

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